
Sign up to save your podcasts
Or


Wer viel Kultur konsumiert, neigt mit der Zeit dazu, einen gewissen Schutzpanzer aufzubauen. Die Ansprüche steigen, man hat schon viel gesehen und es braucht immer mehr, um echte, tief sitzende Begeisterung auszulösen. Mit genau dieser Haltung und, um ehrlich zu sein, recht gemischten Erwartungen machte ich mich gestern auf den Weg in die Staatsoperette Dresden, um mir die Vorstellung von „Pippin – Die Kunst des Lebens” anzusehen. Ich hatte mir im Vorfeld die Inhaltszusammenfassung durchgelesen und mich gedanklich bereits auf ein schweres psychologisches Drama eingestellt. Die Geschichte eines jungen Prinzen, der verzweifelt nach dem absoluten, außergewöhnlichen Sinn des Lebens sucht, klang nach existenziellem Tiefgang. Ich erwartete schwere Kost, bei der man im Zuschauerraum die Stirn in Falten legt und nachdenklich nach Hause geht.
Das Stück selbst verhandelt schließlich ein Thema, das uns allen aus dem eigenen Spiegelbild bekannt ist. Es geht um die universelle, oft schmerzhafte Suche nach dem eigenen Platz in der Welt, um die Unzufriedenheit mit dem Gewöhnlichen und den Drang, etwas Einzigartiges zu leisten. Pippin probiert alles aus: Krieg, Fleischlichkeit, Politik und Revolution. Doch nichts davon füllt die innere Leere. Dieses Gefühl, niemals ganz zufrieden zu sein mit dem, was man hat, ist zutiefst menschlich. Doch wenn ich jetzt, einen Tag später, an meinem Schreibtisch sitze und über den gestrigen Abend berichte, merke ich noch immer ganz intensiv, wie begeistert ich war und wie sehr dieser Funke nachwirkt. Von schwerer Kost im Sinne eines zähen Theaterabends war absolut keine Spur. Im Gegenteil: Es war ein Rausch.
➔ BehindBlueEye.de
➔ Bluesky
➔ Instagram
Es ist ein sonniger Nachmittag hier in Potsdam. Der Wind raschelt leise durch die Blätter im Park von Sanssouci. Ich stehe vor einer schlichten Grabplatte im Boden. Für den Mann, der darunter seine letzte Ruhe gefunden hat, wirkt sie fast ein wenig unscheinbar. „Friedrich der Große“ steht darauf. Wer jedoch einen pompösen Prunkbau oder opulente Blumenkränze erwartet, wird überrascht. Die Steinplatte ist übersät mit etwas ganz anderem, beinah schon Skurrilem: Hier liegen Kartoffeln. Knubbelige, erdige, mal größere, mal kleinere Erdäpfel, die Besucher als stumme Symbole des Dankes hier ablegen. Es ist eine rührende Tradition, die mich unweigerlich zum Schmunzeln bringt, während ich meinen Blick über die Anlage schweifen lasse. Sie erinnert mich jedoch auch an eine der faszinierendsten und zugleich skurrilsten Erfolgsgeschichten unserer Kulturgeschichte. Denn der Weg der Kartoffel auf unsere heutigen Teller – und auf dieses Grab – war alles andere als ein Selbstläufer. Er war geprägt von Misstrauen, listigen Staatsstreichen und kulinarischen Missverständnissen.
➔ BehindBlueEye.de
➔ Bluesky
➔ Instagram
Heutzutage gibt es nicht mehr viele Gründe, den Fernseher zu einer bestimmten Uhrzeit einzuschalten. Wir leben in einer Welt des On-Demand-Contents, in der wir Filme, Serien und Dokumentationen genau dann konsumieren, wenn es uns passt. Doch es gibt eine Ausnahme: die Nachrichten. Für mich sind sie eine Art letzte Bastion des linearen Fernsehens und nach wie vor unverzichtbar. Wenn in der Welt etwas passiert oder wenn ich mich schnell und kompakt über die aktuelle Lage informieren möchte, ist ntv für mich die erste Adresse. Es ist tatsächlich der einzige Sender, den ich noch zu großen Teilen wirklich live sehe. Diese Verlässlichkeit, die n-tv über Jahre hinweg ausgestrahlt hat, ist ein fester Bestandteil meines Medienalltags. Umso gespannter war ich, als angekündigt wurde, dass der Sender ein komplett neues Studio erhält. angekündigt wurde kann die Art und Weise, wie wir Informationen aufnehmen, maßgeblich verbessern. Doch nach den ersten Wochen im neuen Look muss ich leider sagen: Meine Begeisterung hält sich sehr in Grenzen.
Mein größtes Problem mit dem neuen Erscheinungsbild lässt sich auf eine einzige Farbe reduzieren. Rot. Natürlich ist Rot die Markenfarbe von ntv, das war schon immer so, und das ist auch völlig legitim, um die Wiedererkennbarkeit zu gewährleisten. Was man uns aber seit dem Umbau präsentiert, ist eine optische Überdosis. Das Studio wirkt auf mich nicht mehr modern oder einladend, sondern einfach nur noch rot. Es ist, als hätte man einen Eimer Farbe über den gesamten Bildschirm geschüttet. Durch diese Dominanz geht die Tiefe des Raumes völlig verloren. Anstatt eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der die Inhalte im Vordergrund stehen, schreit einen das Design geradezu an. Man fühlt sich permanent in einem Alarmzustand, selbst wenn gerade eher ruhige Themen behandelt werden.
Euer Fazit zum neuen Look würde mich brennend interessieren. Empfindet ihr das auch als so unruhig oder stören euch diese Inkonsistenzen im Programm gar nicht? Schreibt es mir gerne in die Kommentare.
➔ BehindBlueEye.de
➔ Bluesky
➔ Instagram
Manchmal sind es die kleinen Vorbereitungen, die den großen Unterschied machen – oder zumindest die Hoffnung darauf nähren. Bevor wir uns gestern auf den Weg ins Rudolf-Harbig-Stadion machten, putzte ich meine Brille gründlich. Kein Schlieren sollte den Blick auf das Spielfeld trüben, kein Staubkorn die Wahrnehmung des Schicksalsspiels von Dynamo Dresden gegen den 1. FC Kaiserslautern verfälschen. Ich wollte jedes Detail sehen, jede taktische Verschiebung und natürlich jeden Funken Kampfgeist meiner Sportgemeinschaft. Doch wie das Leben so spielt, wird man im Stadion oft mit einer Realität konfrontiert, die sich von keinem Putztuch der Welt wegwischen lässt.
Kaum hatten wir unsere Plätze im Block F3 eingenommen, folgte die Ernüchterung. Wer schon einmal im Harbig-Stadion war, weiß, dass die Atmosphäre dort eigentlich unschlagbar ist. Reihe 10 in diesem Block entpuppte sich für uns jedoch als echter Härtetest für die Nerven. Das Problem war zweigeteilt und zum Teil aus Metall. Erstens thronte direkt vor unseren Nasen eine Metallstange des Geländers, welche unsere Sicht massiv einschränkte. Wir verbrachten das halbe Spiel damit, die Köpfe wie Eulen hin und her zu bewegen, um den Ball hinter der Stange nicht aus den Augen zu verlieren. Zweitens – und das war fast noch anstrengender – fungiert der Bereich direkt vor den Sitzplätzen dieser Reihe als Hauptverkehrsader für den gesamten Block.
➔ BehindBlueEye.de
➔ Bluesky
➔ Instagram
Der markante Gasspeicher im Dresdner Stadtteil Reick ist Teil der kulturellen DNA der Stadt. Seit Yadegar Asisi das Panometer im Jahr 2006 eröffnete, konnte man von der Besucherplattform aus einen Blick auf den Barock des Jahres 1756 werfen. Nach einem Bildwechsel war die Zerstörung 1945 zu sehen. Wenn man jetzt die Stufen des Gerüsts hinaufsteigt, erlebt man das Great Barrier Reef.
Das Konzept war jahrelang ein faszinierendes Erlebnis. Ein gigantisches 360-Grad-Panorama, eine dichte Soundkulisse und die schiere Größe, die einen beim Betreten des dunklen Runds erst einmal innehalten lässt, sorgten für ein beeindruckendes Erlebnis. Doch bei der aktuellen Ausstellung „Great Barrier Reef“ stellt sich zum ersten Mal ein Gefühl ein, das ich dort früher nicht kannte: Routine. Leider stellt sich auch eine gewisse technologische Ernüchterung ein.
Die aktuelle Ausstellung führt uns an die Nordostküste Australiens. Auf einer Fläche von rund 3.500 Quadratmetern entfaltet sich vor unseren Augen die Korallenwelt des Great Barrier Reefs im Pazifik. In einem tiefen, atmosphärischen Blau sehen wir die schillernde Pracht der Nesseltiere, Fischschwärme, die sich in den Korallenstöcken verlieren, sowie das Spiel des Lichts, das von der Meeresoberfläche bis in die Tiefe dringt. Begleitet wird dieses visuelle Erlebnis von einer Komposition von Eric Babak, die den meditativen Charakter der Unterwasserwelt unterstreichen soll. Wer Entschleunigung sucht, findet hier zweifellos einen Ort der Ruhe. Die Arbeit ist handwerklich ohne Frage brillant; die Detailtiefe, die Asisi durch die Kombination aus Tausenden Fotografien und digitaler Malerei erreicht, ist gewaltig.
Doch dieses Mal wiegt das „Aber“ schwerer. Der ganz große Wow-Effekt will sich nicht mehr einstellen. Woran liegt das? Vielleicht liegt es daran, dass wir als Besucher in den letzten zwei Jahrzehnten visuell anspruchsvoller geworden sind. Als das Panometer eröffnete, war die Idee eines riesigen Rundbildes sensationell. Heute, im Jahr 2026, leben wir in einer Zeit der Virtual Reality und hochauflösender, immersiver Kunstausstellungen, die weltweit neue Maßstäbe setzen. Wenn man auf der Plattform steht und auf das Riff blickt, merkt man schnell: Die Größe allein macht es nicht mehr aus. Es bleibt eine bedruckte Stoffbahn. So sehr das Licht auch zwischen Tag- und Nachtmodus wechselt und die Musik anschwillt, das Bild bleibt statisch. Es fehlt das Element der Überraschung, das uns wirklich glauben lässt, wir befänden uns unter Wasser.
➔ BehindBlueEye.de
➔ Bluesky
➔ Instagram
Wenn die Tage spürbar länger werden, der Flieder seine ersten Knospen zeigt und die Luft diesen ganz besonderen, süßlichen Duft von Aufbruch annimmt, dann wissen wir: Der April verabschiedet sich mit einem Paukenschlag. Es ist die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Eine Nacht, die wie kaum eine andere im Jahreskreis von Mythen, Rauch und purer Lebensfreude durchzogen ist. Doch was steckt hinter den lodernden Flammen der Hexenfeuer, den schaurig-schönen Sagen der Walpurgisnacht und dem beschwingten Tanz in den Mai? Schnapp dir einen Becher Maibowle, wir werfen einen Blick in die Geschichte und den Aberglauben dieser magischen Übergangszeit.
➔ BehindBlueEye.de
➔ Bluesky
➔ Instagram
Manchmal gibt es diese Filme, bei denen man das Kino verlässt oder den Fernseher ausschaltet und sofort weiß, in welche Kategorie man sie einordnen möchte. Da gibt es den Klassiker, den man am liebsten sofort noch einmal sehen würde, oder den totalen Reinfall, über den man sich schon während des Abspanns lautstark beschwert. Und dann gibt es Produktionen wie „How to Make a Kill“. Ich sitze jetzt schon seit ein paar Tagen hier, tippe Sätze in die Tastatur, lösche sie wieder und fange von vorn an. Die Wahrheit ist: Auch mit dem nötigen zeitlichen Abstand weiß ich immer noch nicht so recht, was ich von diesem Film halten soll. Er lässt mich ratlos zurück, aber auf eine Weise, die mich dazu zwingt, immer wieder über ihn nachzudenken. Vielleicht ist das das größte Kompliment, das man einem Film heute noch machen kann. In einer Zeit, in der alles mundgerecht serviert und algorithmisch auf unseren Geschmack zugeschnitten wird, ist „How to Make a Kill“ ein sperriger Brocken, der sich nicht so einfach verdauen lässt.
➔ BehindBlueEye.de
➔ Bluesky
➔ Instagram
Es ist April 2026 und während sich der Pulverdampf über den Trümmern von Teheran und den brennenden Ölplattformen im Persischen Golf langsam verzieht, beginnt die Welt, die Scherben einer militärischen Eskalation aufzusammeln, die wohl niemand für möglich gehalten hätte. Wir blicken auf einen Konflikt zurück, der als „chirurgischer Eingriff” gegen das iranische Atomprogramm begann und als globales geopolitisches Desaster endete. Zieht man heute Bilanz, so zeigt sich: Lauter Populismus ist kein Ersatz für strategische Weitsicht.
➔ BehindBlueEye.de
➔ Bluesky
➔ Instagram
Manchmal muss man erst ein paar Stunden Abstand gewinnen, um die richtigen Worte zu finden. Manchmal vergrößert der Abstand jedoch auch die Fassungslosigkeit. Als ich gestern Abend nach dem Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC die ersten Schlagzeilen las, konnte ich es kaum glauben. Heute, am Tag danach, nachdem ich mir die Videos, Berichte und Bilder angesehen habe, herrscht bei mir nur noch blankes Entsetzen. Es hätte ein Tag des Stolzes sein sollen, ein Tag, an dem die gesamte Dynamo-Familie zusammenkommt, um einen der Größten ihrer Geschichte zu ehren. Die Zeremonie für den Ehrenspielführer Hans-Jürgen „Hansi“ Kreische war, wie ich aus allen Berichten entnehmen konnte, ein Moment von tiefer Würde und Respekt. Ein ganzes Stadion verneigte sich vor einem Mann, der wie kaum ein anderer für die Werte dieses Vereins stand: Treue, Klasse und sportliche Fairness. Was jedoch nur kurze Zeit später passierte, hat dieses Gedenken mit einer Brutalität beschmutzt, die mich sprachlos zurücklässt.
➔ BehindBlueEye.de
➔ Bluesky
➔ Instagram
Heute ist ein ganz besonderer Tag für eine der schönsten Städte Deutschlands. Wenn wir an diesem Dienstag den Kalender aufschlagen, feiern wir den Geburtstag von Dresden. Zumindest im übertragenen Sinne. Denn heute jährt sich der Tag, an dem unsere geliebte Elbmetropole zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Es ist ein Moment, um innezuhalten und die beeindruckende Reise einer Stadt zu betrachten, deren Name tiefe Wurzeln in der Natur hat und die zu einer der glanzvollsten Residenzen Europas aufstieg. Tauchen wir ein in eine Geschichte, die weit vor dem barocken Prunk begann, den wir heute so schätzen.
Wer heute durch die prachtvolle Altstadt spaziert, kann sich das kaum vorstellen. An der Stelle, an der sich heute Zwinger, Semperoper und Frauenkirche aneinanderreihen, erstreckte sich einst ein ganz anderes Landschaftsbild. Um zu verstehen, woher Dresden seinen Namen hat, müssen wir weit zurückblicken, lange bevor die ersten monumentalen Steinbauten entstanden. Dresden ist wie viele Orte in der Region eine Gründung mit slawischen Wurzeln. Der Name leitet sich vom altsorbischen Wort „Drežďany“ ab und drückt eine tiefe Verbundenheit mit der unmittelbaren Umgebung aus. Übersetzt bedeutet es „Sumpf- oder Auwaldbewohner“. Die ersten Siedler ließen sich also in einem Gebiet nieder, das maßgeblich von der Elbe geprägt war Ein sumpfiges, urwüchsiges Waldgebiet im fruchtbaren Elbtal. Aus dieser bescheidenen, naturverbundenen Siedlung, die sich den Herausforderungen der Flusslandschaft stellte, entstand im Laufe der Jahrhunderte ein kulturelles Juwel von Weltrang. Es ist faszinierend, dass die heutige Eleganz auf einem so bodenständigen und rauen Ursprung fußt.
Der offizielle Startschuss für die geschriebene Geschichte Dresdens fiel am 31. März 1206. In einer heute im Sächsischen Hauptstaatsarchiv wie ein kostbarer Schatz aufbewahrten lateinischen Urkunde taucht der Name „Dresdene” zum ersten Mal schwarz auf weiß auf. Interessanterweise war dies jedoch kein Gründungsdokument im eigentlichen Sinne, sondern ein Bericht über eine Gerichtsverhandlung. Es ging um Grenzstreitigkeiten zwischen dem Bischof von Meißen und dem Burggrafen von Dohna. Für uns ist diese Urkunde jedoch von entscheidender Bedeutung, da sie Dresden offiziell auf die Landkarte der Weltgeschichte setzte. Von diesem Zeitpunkt an war die Entwicklung der Stadt kaum noch aufzuhalten und verlief in einem rasanten Tempo.
From the publisher's feed