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Bei E-Autos leistet sich Deutschland einen herben Schnitzer


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(Bildquelle: IMAGO / CHROMORANGE / Bearbeitung: GIGA)

Während Deutschland bei den E-Autos zögert und die EU auf die Bremse steigt, ziehen Länder wie Vietnam und Thailand mühelos vorbei.

Ein neuer Report des Energie-Think-Tanks Ember offenbart eine unangenehme Wahrheit für den einstigen Vorreiter im Autobereich: Deutschland. Während hierzulande der Anteil batterieelektrischer Pkw bei den Neuzulassungen 2025 bei rund 19 Prozent lag, ziehen einige Schwellenländer mit beeindruckender Geschwindigkeit davon. Vietnam und Singapur melden bereits Anteile von rund 40 Prozent und selbst Thailand liegt mit über 20 Prozent vor Deutschland – ganz zu schweigen vom globalen Durchschnitt von über 25 Prozent.

Deutschland und EU machen sich selbst zu Nachzüglern

Dass China bei der Elektromobilität längst auf einem ganz anderen Level angekommen ist als Deutschland – und weiter wächst –, ist inzwischen hinlänglich bekannt. Aber auch wirtschaftlich in der Regel aus deutscher bzw. europäischer Perspektive eher belächelte Länder laufen der Autonation schlechthin inzwischen den Rang ab.

Länder wie Äthiopien, Vietnam oder auch Nepal nutzen die Elektromobilität konsequent, um ihre Abhängigkeit von fossilen Importen zu senken und die Luftqualität in ihren Städten zu verbessern. Äthiopien ging dabei den radikalsten Schritt und hat die Einfuhr von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor bereits 2024 als erstes Land der Welt komplett verboten. Im Gegensatz zu allem, was die EU für 2035 einmal vorgesehen hatte, handelt es sich dabei um ein echtes Verbrenner-Verbot.

Diese Entschlossenheit führt zu einer rasanten Beschleunigung der Verkehrswende vor Ort. Natürlich auch, weil es mit so einem rigorosen Vorgehen einfach keine Alternative gibt. Aber auch weniger extreme Beispiele wie Uruguay (27 Prozent) gibt es, die die E-Mobilität viel schneller hochfahren (Quelle: heise).

Warum kann Deutschland bei E-Autos nicht mithalten?

Technisch fertigen deutsche Autobauer weiterhin solide Autos. In puncto Vernetzung können sie mit asiatischen Herstellern heute nicht mehr ohne Weiteres mithalten, aber hoffnungslos schlecht sind deutsche Autos deswegen nicht.

Zum einen ist Deutschland ein viel größerer Automarkt als in den Beispielen. Ähnlich wie ein kleines Start-up in der Regel schneller auf neue Marktentwicklungen reagieren kann, stellen sich Länder leichter um, in denen das Auto nicht so verbreitet ist. Hingegen sind sowohl deutsche Hersteller als auch der deutsche Markt mit seinen Kunden in dieser Hinsicht langsamer unterwegs.

Ember beschreibt zum anderen den sogenannten Leapfrog-Effekt: Die schnell auf E-Autos wechselnden Länder würden demnach direkt umschwenken. Vom Verbrenner ohne Umwege zum rein batterieelektrischen Fahren. In Deutschland, Europa und den USA, teils auch in China, sind hingegen Hybride und Plug-In-Hybride beliebt. Gerade Letztere haben sich aber als schlecht sitzendes Feigenblatt entpuppt, das kaum seine wahren hohen Emissionen verschleiern kann.

Was dabei deutschen Herstellern besonders wehtut: Überall, wo schnell auf Elektroantrieb umgestiegen wird, spielen sie kaum eine Rolle. Stattdessen liefert vor allem China dem globalen Süden die Fahrzeuge und sonstige notwendige Ausstattung, um fossilen Kraftstoffen den Rücken zu kehren. VW, BMW und Mercedes verdienen daran nicht mit – und kriegen das zu spüren.

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