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Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erklärten viele Menschen, sie hätten von den nationalsozialistischen Verbrechen nichts gewusst. In Folge 7 des RUMS-Geschichtspodcasts „Bevor wir’s vergessen“ geht es um die Fragen: Was stand in den Zeitungen? Was war in der Wochenschau zu sehen? Und was wollte das Regime selbst über die Verfolgung jüdischer Menschen verbreiten?
Anhand von ausgewählten Berichten aus Münsteraner Zeitungen verfolgen der Historiker Dr. Michael Jung und RUMS-Redakteur Ralf Heimann, wie die Propaganda zwischen 1940 und 1945 über Ausgrenzung, Ghettos und Deportationen schrieb. Die Texte stellten jüdische Menschen als Gefahr dar und rechtfertigten die Gewalt gegen sie. Gleichzeitig machten sie vieles von dem sichtbar, was ihnen angetan wurde.
Ein Wochenschaufilm über Riga (Minute 27:50 bis 30:40) aus dem Sommer 1941 zeigt, wie die Propaganda Gewalt gegen jüdische Menschen als angeblich gerechtfertigte Vergeltung inszenierte. Wenige Monate später wurden jüdische Menschen aus Münster nach Riga deportiert. Im Gespräch geht es auch darum, wie öffentlich die Deportationen in Münster waren und wie andere Menschen von den frei gewordenen Wohnungen und der Versteigerung geraubten Besitzes profitierten.
Berichte aus anderen europäischen Ländern ließen Verfolgung und Deportationen als etwas Selbstverständliches erscheinen. Meldungen über angeblich „judenfreie“ Städte und Regionen verschwiegen häufig, wohin die Menschen gebracht worden waren. Zugleich verbreiteten die Zeitungen offene Vernichtungsdrohungen und Aufforderungen, kein Mitleid mit den Verfolgten zu haben.
In dieser Folge
Ein Podcast von RUMS – Neuer Journalismus für Münster.
Historische Quellen
In der Folge besprochen werden ausgewählte Berichte aus der Münsterschen Zeitung und der Westfälischen Tageszeitung sowie ein Wochenschaufilm über Riga aus dem Sommer 1941. Hinzu kommen Hinweise auf Stimmungsberichte der nationalsozialistischen Sicherheitsbehörden und auf Unterlagen zur Verfolgung jüdischer Menschen in Münster.
Zu den besprochenen Zeitungsausgaben gehören die Münstersche Zeitung vom 6. Mai 1940 und 31. Juli 1942 sowie die Westfälische Tageszeitung vom 4. August 1940, 17. März 1942 und 14. Februar 1945.
Grüner Wasserstoff gilt heute als eine Technologie der Energiewende. In dieser Folge geht es um eine frühe, ziemlich überraschende Vorgeschichte: In Münster wurde die Idee schon in den 1920er-Jahren zum Projekt der radikalen Rechten.
Nach dem Ersten Weltkrieg und der Besetzung des Ruhrgebiets 1923 wurde Münster zu einem wichtigen Operationsraum rechtsextremer Netzwerke. Die Stadt lag nahe am besetzten Gebiet, das Militär hatte hier weiter Spielraum, Freikorps, ehemalige Frontsoldaten, radikalisierte Studenten, Professoren und deutschnationale Kreise fanden zusammen. Ein führender Sozialdemokrat der Weimarer Republik beschreibt Münster in dieser Zeit als „München des Nordens“ – als nordwestdeutschen Hotspot des Rechtsextremismus.
In dieser Lage taucht der Ingenieur Franz Lawaczeck auf. Er verspricht, Wasserstoff mit billigem Gleichstrom herstellen zu können – ohne Ruhrkohle, die nun unter Kontrolle der französischen und belgischen Besatzungsmächte steht. Für Münsters Rechte ist das attraktiv: Die Technologie verspricht Energieautarkie, wirtschaftlichen Gewinn und die Möglichkeit, politische Macht auf neuem Wege zurückzugewinnen.
Finanziert wird das Projekt von einem Netzwerk aus deutschnationalen Unternehmern, Adeligen und Professoren. Doch Lawaczeck kann seine Versprechen nicht einlösen. Technische Fragen bleiben ungelöst, Kontrollstrukturen fehlen, immer neues Geld wird gebraucht. Am Ende verliert die Münsteraner Szene viel Geld – und Alfred Hugenberg, Medienzar der Weimarer Republik und erbitterter Feind der Republik, drängt die ursprünglichen Geldgeber nach und nach aus dem Unternehmen.
Die Geschichte zeigt, wie flexibel Ideologie sein kann: Heute lehnen Rechtsextreme erneuerbare Energien oft als Projekt einer angeblich abgehobenen Elite ab. Vor hundert Jahren konnte dieselbe Technologie für sie attraktiv sein – solange sie half, die Republik zu destabilisieren und nationale Autarkie zu versprechen.
In dieser Folge:
• Warum galt Münster in der frühen Weimarer Republik als „München des Nordens“?
Ein Podcast von RUMS – Neuer Journalismus für Münster.
Historische Quellen:
Bisher gibt es historische Forschung nur zu den Aktivitäten Franz Lawaczecks in Bayern zusammen mit den Nationalsozialisten. Wie die Geschichte weitergeht, hat die Historikerin Marita Krauss erforscht. Die Süddeutsche Zeitung hat im Juni 2022 darüber berichtet.
Die archivalischen Grundlagen für die NS-Aktivitäten Lawaczecks sind zu finden BA Berlin-Lichterfelde R 3101/18739. Die münsterländischen Netzwerke und die Aktivitäten in der Weimarer Republik finden sich LA NRW (W) Romberg 1150. Eine Einordnung des Start-ups in den Gesamtkontext rechter Projekte in Münster in der Zeit findet sich bei Michael Jung, Im Netz der Rechten, Münster 2024.
Walter und Ida Stein gehören in den 1930er-Jahren zu einer jüdischen Unternehmerfamilie in Münster. Walter Stein ist bereits aus dem Wirtschaftsleben gedrängt worden. 1938 gerät auch die Beteiligung der Familie an einem Zementwerk im Münsterland ins Visier der Nationalsozialisten. Es folgt eine außergewöhnliche Geschichte über Enteignung, Verfolgung und Flucht.
Mit Hilfe eines riskanten Bargeldgeschäfts gelingt es Walter und Ida Stein, einen Teil ihres Vermögens dem Zugriff der nationalsozialistischen Behörden zu entziehen. Noch am selben Abend brechen sie auf, überqueren die niederländische Grenze und retten ihr Leben. Danach führt ihr Weg über die Niederlande und Kuba bis nach New York.
Es ist eine Geschichte über Mut und Improvisation – und über eine oft übersehene Wahrheit: Flucht war nicht nur eine Frage des Wollens, sondern auch eine Frage des Geldes.
In dieser Folge:
Moderation: Ralf Heimann
Historische Quellen:
Therese Stern war eine angesehene Unternehmerin in Münster, wohlhabend, angesehen, integriert. Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlor sie alles – ihr Geschäft, ihr Haus, ihr Vermögen, ihr Zuhause. Nicht durch Zwang aus Berlin, sondern durch den Ehrgeiz ihres früheren Mitarbeiters Karl Jansen, der früh begriff, wie man vom neuen System profitieren konnte.
Eine Geschichte über persönlichen Aufstieg, moralischen Abstieg – und darüber, wie schnell Nachbarn zu Nutznießern werden.
In dieser Folge:
Ein Podcast von RUMS – Neuer Journalismus für Münster.
Moderation: Ralf Heimann
Historische Quellen:
Der im Podcast beschriebene Fall ist bisher in den Details nur über archivalische Quellen zu erfassen. Zugrunde liegen den Ausführungen folgende Archivalien: Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Q 121/15301; Stadtarchiv Münster Nachlass Branse 142; 143.
Ein Oberbürgermeister als Modernisierer – und als Wegbereiter des Scheiterns der Republik.
Georg Sperlich prägte Münster wie kaum ein anderer Oberbürgermeister: Unter seiner Amtszeit entstanden der Aasee, das Preußenstadion, die Halle Münsterland und der Flughafen an der Loddenheide. Er wollte die Stadt nach vorne bringen – entschlossen, autoritär, kompromisslos.
Doch Sperlich war auch ein erklärter Gegner der Weimarer Republik. Er brüskierte demokratische Symbole, stellte persönliche Interessen über das Gemeinwohl und lieferte mit Skandalen, Machtkämpfen und Whistleblowing der radikalen Rechten die Munition. Am Ende verlor er sein Amt – und wechselte politisch die Seite.
Diese Folge erzählt von einer „Modernisierung von oben“, von Macht und Eitelkeit, von politischer Verantwortung – und davon, wie kommunale Entscheidungen zur Erosion der Demokratie beitrugen.
In dieser Folge:
Ein Podcast von RUMS – Neuer Journalismus für Münster.
Moderation: Ralf Heimann
Historische Quellen:
Der frühere Oberstadtdirektor Tilman Pünder hat nicht nur den Nachlass Georg Sperlichs ins Stadtarchiv Münster geholt, sondern auch gleich eine Biographie Sperlichs geschrieben, die 2006 in der Reihe Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster erschienen ist. Diese Biographie zeichnet sich dadurch aus, sehr viele kritische Aspekte, die im Nachlass dokumentiert sind, zu marginalisieren oder zu verschweigen. Für diesen Podcast wurde daher der im Stadtarchiv Münster lagernde Nachlass ausgewertet, insbesondere folgende Signaturen: Nachlass Sperlich 4-9; 11; 21; 31; 78; 87; 136; 138; 141.
Ein Archivar, ein Überzeugungstäter, ein Gegner: Eduard Schulte war ein Mann, der seine persönliche Feindschaft politisch machte – und sie im Dienst des Nationalsozialismus ausspielte.
Im Stadtarchiv Münster stieß er auf seinen Kollegen Ernst Hövel, der nicht bereit war, sich anzupassen. Aus einem privaten Streit wurde ein Machtkampf. Das Persönliche wurde zu einer Waffe.
Es ist eine Geschichte darüber, wie gefährlich Nähe in einer Diktatur sein konnte – und wie politische Systeme private Konflikte verschärfen und ausnutzen.
In dieser Folge:
Ein Podcast von RUMS – Neuer Journalismus für Münster.
Moderation: Ralf Heimann
Historische Quellen:
Über Eduard Schultes Wirken gibt es einen kleinen Sammelband, den Lena Krull in den „Kleinen Schriften des Stadtarchivs“ 2021 herausgegeben hat mit dem Titel „Der Archivar als Chronist. Eduard Schulte und die Revolution 1918/19 in Münster“. Dort finden sich auch einige Überlegungen zu seiner Biographie. Dem Podcast liegen aber die archivalischen Quellen aus dem Nachlass Schultes zugrunde, die sich auf das Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen und das Stadtarchiv Münster verteilen, insbesondere folgende Signaturen aus dem Stadtarchiv Münster: Nachlass Schulte 23 – 25; 31; 32, 35; 45.
Ein Jurist, ein Mitläufer, ein Profiteur: Anton Höltzenbein war ein Mann, der sich in jeder politischen Zeit zurechtfand – in der Revolution von 1918 genauso wie im Nationalsozialismus.
Er saß im Arbeiter- und Soldatenrat, später profitierte er von der „Arisierung“ jüdischen Eigentums.
Es ist eine Geschichte darüber, wie leicht sich Prinzipien verschieben können, wenn man sich selbst dabei für vernünftig hält.
In dieser Folge:
Ein Podcast von RUMS. Neuer Journalismus für Münster.
Moderation: Ralf Heimann
Historische Quellen:
Über das Leben von Anton Höltzenbein gibt es bisher keine fachwissenschaftlichen oder lokalgeschichtlichen Analysen. Diesem Podcast liegen daher ausschließlich Quellen aus Archiven zugrunde. Diese können unter folgenden Signaturen aufgefunden werden: Stadtarchiv Münster Amt 47 Nr. 497; 498; 587; 590; Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen Landgericht Münster Q 121/14817-14833; 15226; Bundearchiv Koblenz N 1005/475.
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