Blog Archive • Cactusblog

Blog Archive • Cactusblog

Download on the App Store

Blog Archive • Cactusblog episodes

  • CactusPodcast 048 – CactusBasics: Kakteen umtopfen – Muss der wirklich raus?

    CactusPodcast 048 – CactusBasics – Kakteen umtopfen: Muss der wirklich raus?

    23. August 2026 · CactusPodcast

    Ein Gespräch über Wurzeln, Topfgröße, Kakteenerde – und die Frage, wann Nicht-Umtopfen die bessere Pflege ist.

    Ein zu kleiner Topf, Wurzeln am Abzugsloch oder Erde, die kaum noch Wasser annimmt: Muss der Kaktus jetzt wirklich raus? In CactusPodcast 048 sprechen Ulrich Haage und Philipp Heidel-Weizel darüber, woran sich der richtige Zeitpunkt zum Umtopfen erkennen lässt – und warum nicht jedes sichtbare Zeichen automatisch einen größeren Topf verlangt.

    Es geht um gesunde und geschädigte Wurzeln, alte und neue Kakteenerde, die passende Topfgröße, Ton- und Kunststofftöpfe, helle Altbrandtöpfe und die Pflege nach dem Umtopfen. Auch Sonderfälle kommen zur Sprache: Wurzelläuse, verdichtete Erde, empfindliche Wurzeltypen, neu gekaufte Pflanzen und wurzellose Kindel.

    Das praktische Wie zeigt das begleitende Video. Im Podcast geht es um das Wann, das Warum und die Ausnahmen.

    Zur Einordnung: Diese Folge haben wir direkt nach dem Sommerfest Querbeet vom 22. August 2026 aufgenommen. Wenn wir im Gespräch von „gestern“, von Kundenkontakten oder von „hier“ sprechen, beziehen wir uns auf den Aktionstag und die Begegnungen in der Blumenstraße.
    Kakteen umtopfen: Muss der wirklich raus?

    von Ulrich Haage und Philipp Heidel-Weizel | CactusPodcast

    https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2026/08/CP048-CactusBasics-Kakteen-umtopfen-UPLOAD.mp3

    CactusBasics · Begleitartikel

    Umtopfen verstehen – nicht nur nachmachen

    Ein Kaktus sprengt beinahe seinen Topf. Unten schauen Wurzeln heraus. Die Erde wirkt alt und fest. Also: raus damit, größerer Topf, frische Erde – fertig?

    Ganz so einfach ist es nicht. Genau deshalb beginnt CactusPodcast 048 nicht mit dem neuen Topf, sondern mit der Frage: Muss der Kaktus überhaupt umgetopft werden?

    Von der KaktusWerkstatt zur neuen Folge der CactusBasics

    Der Ausgangspunkt dieser Folge liegt in der KaktusWerkstatt auf der Landesgartenschau im Eichsfeld. Dort ging es ganz praktisch darum, gemeinsam mit Besucherinnen und Besuchern Kakteen umzutopfen. Zwischen widerspenstigen Pflanzen, alten Wurzelballen und vielen Einzelfragen wurde Ulrich klar: Über Spezialfälle lässt sich lange sprechen – aber die scheinbar einfachen Grundlagen werden oft nur vorausgesetzt.

    Mir haben die Grundlagen gefehlt – und deswegen machen wir jetzt die CactusBasics zum Kaktus umtopfen, beschreibt Ulrich den Ausgangspunkt der Folge.

    Das begleitende Video zeigt die Handgriffe. Im Podcast gehen Ulrich und Philipp einen Schritt zurück: Wann ist ein neuer Topf wirklich nötig? Was erzählen Wurzeln und Erde? Und wie verändert das Umtopfen die Pflege danach?

    Zwei gärtnerische Blickrichtungen, ein gemeinsamer Tisch

    Ulrich bringt viele Jahrzehnte Erfahrung aus der Kakteengärtnerei mit. Philipp verbindet sein gärtnerisches Fachwissen mit Studium, Berufspraxis und seiner eigenen Kakteenkultur.

    Ein Austausch auf Augenhöhe – mit unterschiedlichen Erfahrungswegen und viel Raum für Beispiele, Einwände und kleine Abschweifungen.

    Wer Philipp näher kennenlernen möchte, findet ihn bereits in CactusPodcast 044 – Philipp inside DKG und in der vorangegangenen Folge CactusPodcast 047 wieder.

    Früher war der Topf anders – die Fragen waren dieselben

    Ein Blick zurück in die Zeit unserer Groß- oder Urgroßeltern führt zu schweren Tontöpfen, einer Scherbe über dem Abzugsloch und selbst gemischten Erden aus Rasensoden, Flusssand, verrottetem Pferdemist, Holzkohle oder Ziegelbruch. Einen festsitzenden Tontopf konnte man nicht zusammendrücken oder massieren. Im Zweifel wurde geklopft – oder der Topf geopfert.

    Geändert haben sich Gefäße, Materialien und Arbeitsabläufe. Geblieben sind die eigentlichen Kulturfragen: Passt der Wurzelraum? Fließt Wasser zuverlässig ab? Wie stark darf der Ballen gestört werden? Und wann darf danach wieder gegossen werden?

    Wann kann der Kaktus raus – und wann muss er?

    Ein gesunder, heller und fester Wurzelballen, der den Topf gut ausfüllt, ist ein sinnvoller Zeitpunkt zum Umtopfen. Er ist aber noch kein Notfall.

    „Dann kann man. Es ist nicht das Muss.“
    — Ulrich Haage

    Deutlicher wird der Handlungsbedarf, wenn die Pflanze trotz passender Bedingungen nicht mehr wächst, auffällig blass wird, Wasser nur noch am Ballen vorbeiläuft, der Topf durch Rhizome oder Wurzeldruck aufbricht oder sich Schädlinge zeigen. Gerade Wurzelläuse verraten sich mitunter durch kleine weiße Spuren an Topf und Wurzelballen.

    Dabei gilt: Das sichtbare Symptom ist noch keine fertige Diagnose. Lichtmangel, falsches Gießen, Ruhezeit, Nährstoffversorgung und Wurzelschäden können ähnlich aussehen. Umtopfen repariert nicht automatisch jedes Pflegeproblem.

    Alte Erde entfernen – so viel wie nötig, so wenig wie möglich

    Ein gesunder Ballen muss nicht grundsätzlich vollständig zerlegt werden. Häufig genügt es, die äußere Erde vorsichtig zu lockern, den Wurzelhals freizulegen und den Zustand der Wurzeln zu prüfen.

    Anders sieht es bei Schädlingen, Fäulnis, Pilzverdacht oder völlig ungeeigneter Erde aus. Dann kann es nötig sein, das Substrat vollständig zu entfernen, die Wurzeln auszuspülen und die Pflanze wiederholt zu behandeln. Sehr harte Ballen von Agaven oder anderen kräftig wurzelnden Pflanzen brauchen manchmal sogar Messer, Schere oder Spaten.

    Die Regel lautet deshalb nicht „alte Erde immer ab“ oder „Ballen niemals stören“, sondern: Der Eingriff richtet sich nach dem Befund.

    Erde, Topf und Gießweise gehören zusammen

    Philipp mischt seine Erde passend zu seiner eigenen Pflege. Weil er seine Pflanzen nicht täglich kontrolliert, darf sein Substrat etwas länger Feuchtigkeit halten. Für den Einstieg empfiehlt er trotzdem keine komplizierte Spezialmischung, sondern eine verlässliche Kakteenerde, deren Verhalten man kennenlernt.

    Ein abrupter Wechsel von sehr humoser Erde zu einer völlig anderen Mischung ist nicht für jede üppig gewachsene Pflanze ideal. Manchmal ist ein Übergang in Schritten die bessere Lösung.

    Auch beim neuen Topf gilt: größer nur, wenn der Wurzelballen den vorhandenen Raum tatsächlich nutzt. Bei kleinen Pflanzen reicht meist eine Topfstufe beziehungsweise ungefähr ein bis zwei Zentimeter mehr Durchmesser. Langsam wachsende Arten brauchen weniger Reserve als kräftige Echinopsen oder Blattkakteen. Ein zu großer Topf kann lange feucht bleiben – und die Pflanze anfangs mehr in Wurzeln als in Blüten investieren lassen.

    Kugel, Säule und Rübenwurzel brauchen nicht dasselbe

    Kugelkakteen kommen häufig mit der klassischen kleinen Topfstufe gut zurecht. Säulen brauchen zusätzlich Standfestigkeit; ein schwereres Gefäß oder Steine im unteren Bereich können helfen. Arten mit Rübenwurzeln benötigen passende, oft tiefere Gefäße. Empfindliche Gattungen wie Melocactus oder Discocactus vertragen unnötige Wurzelverletzungen besonders schlecht.

    Entscheidend ist nicht allein, wie viel Erde im neuen Topf liegt, sondern wie viel aktive Wurzelmasse darin Wasser aufnehmen kann.

    „Die Wassergabe nicht an das Erdvolumen, sondern an das Wurzelvolumen anpassen.“
    — Philipp Heidel-Weizel

    Runde und eckige Töpfe – und Philipps helle Altbrandtöpfe

    Dem Kaktus ist meist gleichgültig, ob sein Topf rund oder eckig ist. Für die Gärtnerei und die Sammlung kann die Form trotzdem wichtig sein, weil eckige Töpfe den verfügbaren Platz besser ausnutzen.

    Beim Material wird es kulturtechnisch interessanter. Ton trocknet schneller und zieht Wurzeln eher an die Topfwand. Kunststoff hält Feuchtigkeit länger und lässt sich beim Austopfen zusammendrücken. Entscheidend ist also nicht, welches Material pauschal „besser“ ist, sondern wie es zur Erde, zum Standort und zur eigenen Gießweise passt.

    Und dann gibt es noch Töpfe, die man nicht achtlos weitergeben sollte:

    Philipp hat dabei einen besonderen Blick auf die hellen Altbrandtöpfe: Wer einen davon in die Finger bekommt, sollte ihn besser nicht achtlos wegwerfen oder verschenken.

    Sie sind nicht nur schöne historische Gefäße, sondern bringen besonderen Charakter in die Sammlung. Bei Kakteen-Haage ist ein kleiner historischer Bestand ausgestellt – leider nicht zum Verkauf.

    Der Übertopf darf Halt geben – aber kein Wasserlager sein

    Philipp nutzt bei Zimmerpflanzen gelegentlich einen Übertopf, um einer kopflastigen Pflanze mehr Stabilität zu geben. Das kann funktionieren, solange überschüssiges Wasser vollständig ablaufen kann.

    Als dauerhaftes Wasserreservoir ist der Übertopf dagegen gefährlich. Bleibt der Kulturtopf nach dem Gießen im Wasser stehen, fehlt den Wurzeln Luft.

    Stehendes Wasser im Übertopf ist dabei tabu: Die Wurzeln dürfen nach dem Gießen nicht dauerhaft im Wasser stehen.

    Nach dem Umtopfen beginnt die eigentliche Bewährungsprobe

    Beim Lockern und Einsetzen werden fast immer Fein- und Haarwurzeln verletzt. Deshalb wird ein frisch umgetopfter Kaktus nicht automatisch sofort angegossen. Sieben bis zehn Tage sind eine brauchbare Orientierung – abhängig von Wetter, Jahreszeit, Substratfeuchte, Pflanzenart und Umfang der Wurzelverletzungen.

    Auch Dünger hat unmittelbar nach dem Umtopfen Pause. Die Wurzeln sollen heilen und den neuen Raum erschließen. Ein geschützter, beobachtbarer Standort hilft dabei, Probleme früh zu erkennen. Sinkt die Pflanze ein, kann eine Lufttasche unter dem Ballen die Ursache sein. Wird sie weich oder gelblich, kann das ein Zeichen von Fäulnis sein.

    Philipp bringt die Wasserfrage am Ende mit einem wurzellosen Echinopsis-Kindel auf den Punkt:

    Philipp bringt die Wasserfrage am Ende mit einem wurzellosen Echinopsis-Kindel auf den Punkt: Ohne aktive Wurzeln kann die Pflanze das angebotene Wasser noch gar nicht aufnehmen.

    Ohne aktive Wurzeln kann eine Pflanze das angebotene Wasser nicht einfach nutzen. Ungefähr so:

    „Das ist wie: Ich habe das Auto auf dem Wagenheber stehen und trete tüchtig aufs Gas – da fährt nix.“
    — Ulrich Haage

    Muss ein neu gekaufter Kaktus sofort umgetopft werden?

    Nicht jeder Neuerwerb ist ein Freitagabend-Notfall. Im Spätsommer kann ungeeignete Torferde entfernt und die Pflanze anschließend trocken gehalten werden. Im Winter ist es unter Umständen sinnvoller, einen trockenen Ballen bis zum Frühjahr in Ruhe zu lassen und erst dann gründlich zu arbeiten.

    Aufgeklebte Augen, Sombreros oder Strohblumen sollten allerdings vorsichtig entfernt werden. Drähte und Einstichstellen sind mögliche Eintrittspforten für Infektionen. Die verletzte Stelle darf abtrocknen; Holzkohlepulver kann dabei als trockene Abdeckung dienen.

    Was von dieser Folge bleibt
    1. Erst beobachten, dann entscheiden. Nicht der Kalender, sondern die Pflanze liefert den Anlass.
    2. Ober- und Unterseite gehören zusammen. Wurzeln, Erde und Schädlinge müssen mit beurteilt werden.
    3. Pflanze, Topf und Substrat sind ein System. Mehr Raum bedeutet auch einen anderen Wasserhaushalt.
    4. Verletzung, Jahreszeit und Wachstum mitdenken. Eine starre Regel passt nicht zu jedem Fall.
    5. Nicht automatisch angießen. Erst müssen die Wurzeln wieder arbeitsfähig sein.
    6. Manchmal ist Umtopfen genau die richtige Hilfe. Manchmal ist Nicht-Umtopfen die bessere Pflege. Der beste Anfang ist immer derselbe: nicht nur den sichtbaren Kaktus anschauen, sondern seinen Wurzelballen verstehen.

      Die Menschen in dieser Folge
      Ulrich Haage

      Kaktusgärtner, Blogger und Podcaster bei Kakteen-Haage in Erfurt. Ulrich verbindet jahrzehntelange Berufserfahrung mit Geschichten aus Gärtnerei, Werkstatt und Kakteenkultur.

      Philipp Heidel-Weizel

      Gärtner, Masterabsolvent und Abteilungsleiter in einer Baumschule bei Hamburg. Philipp verbindet aktuelles gärtnerisches Fachwissen, Berufspraxis und seine eigene Erfahrung als Kakteenliebhaber.

      Kapitel der Episode

      Die Zeitmarken der Audiofassung.

      • 00:00 KaktusWerkstatt: Von Spezialfällen zu CactusBasics Kakteen umtopfen
      • 03:36 Fragen aus zwei KaktusWerkstätten
      • 04:30 Wie früher umgetopft wurde
      • 06:36 Wann muss ein Kaktus wirklich raus?
      • 07:42 Wachstumsstopp, Schäden und Wurzelläuse
      • 11:55 Alte Erde vollständig entfernen?
      • 15:04 Woran erkennt man verbrauchte Erde?
      • 16:42 Umtopfen in zehn – oder etwas mehr – Sätzen
      • 20:15 Welche Kakteenerde passt zur eigenen Pflege?
      • 23:02 Wie groß soll der neue Topf sein?
      • 27:09 Kugel, Säule, Starkzehrer und Rübenwurzel
      • 30:28 Empfindliche Wurzeln und die richtige Wassermenge
      • 31:46 Der richtige Topf – rund oder eckig, Ton oder Kunststoff?
      • 32:26 Die hellen Altbrandtöpfe
      • 33:15 Übertopf: praktisch oder kreuzgefährlich?
      • 35:02 Mehr hören und das Umtopfvideo
      • 36:28 Pflege nach dem Umtopfen
      • 40:10 Muss ein neu gekaufter Kaktus sofort raus?
      • 42:35 Fünf Entscheidungen zum Schluss
      • 44:40 Der Aha-Moment: Ohne Wurzeln kein Wasser
      • 46:14 Folge 048 und Ausblick
      • Kakteen für die Ohren

        Hör den CactusPodcast dort, wo du sowieso hörst.

        Einmal folgen – und neue Episoden erscheinen automatisch in deiner Podcast-App.

        SpotifyIn Spotify folgen
        Apple PodcastsAuf Apple-Geräten hören
        YouTube MusicDen RSS-Podcast hinzufügen

        Weitere Möglichkeiten: Pocket Casts · Deezer · RSS-Feed

        Noch neu bei Podcasts? So funktioniert das Abonnieren.

        Fragen aus der KaktusWerkstatt

        Frag den Kaktusgärtner

        Vier kurze Antworten auf Fragen, die beim Umtopfen fast immer auftauchen.

        Wurzeln schauen aus dem Abzugsloch – muss ich sofort umtopfen?

        Nein. Ein gesunder, gut durchwurzelter Ballen bedeutet: Du kannst umtopfen. Zum Muss wird es erst, wenn Wachstum, Wasseraufnahme, Topf oder Wurzeln tatsächlich Probleme zeigen.

        Muss die alte Erde vollständig ab?

        Nicht bei einem gesunden Ballen. Meist genügt es, die äußere Erde zu lockern und die Wurzeln zu kontrollieren. Bei Schädlingen, Fäulnis, Pilzverdacht oder völlig ungeeigneter Erde kann eine vollständige Reinigung nötig sein.

        Wie viel größer darf der neue Topf sein?

        Bei kleinen Pflanzen reicht meistens eine Topfstufe – ungefähr ein bis zwei Zentimeter mehr Durchmesser. Entscheidend sind Wurzeltyp, Wachstum und Gießweise, nicht allein die Größe des sichtbaren Kaktus.

        Wann darf ich nach dem Umtopfen wieder gießen?

        Feinwurzeln werden beim Umtopfen fast immer verletzt. Sieben bis zehn Tage Trockenzeit sind eine brauchbare Orientierung – abhängig von Wetter, Jahreszeit, Pflanzenart, Substratfeuchte und Umfang der Verletzungen.

        Deine Frage fehlt? Schreib an [email protected].

        KaktusWerkstatt · Video

        Kakteen richtig umtopfen – Schritt für Schritt erklärt

        Das Video zur Umtopf-Folge – mit vielen Spezialfällen und den Handgriffen zum Nachmachen.

        Transkript · redaktionell gekürzt
        KaktusWerkstatt und die fehlenden Grundlagen

        Ulrich erzählt vom Kakteenaktionstag auf der Landesgartenschau im Eichsfeld, den er für sich KaktusWerkstatt genannt hat. Dort wurde praktisch gearbeitet und zugleich deutlich, wie viele Grundfragen hinter dem scheinbar einfachen Umtopfen stehen. Philipp war schon dort als Gesprächspartner dabei.

        Die ersten Anzeichen

        Wurzeln am Abzugsloch, ein platzender Topf oder stockendes Wachstum können Anlass zur Kontrolle sein. Ein gesund durchwurzelter Ballen bedeutet: Jetzt kann umgetopft werden. Ob es bereits sein muss, entscheidet der konkrete Zustand der Pflanze.

        Wurzelschäden und Schädlinge

        Wenn eine Pflanze trotz passender Pflege nicht wächst oder ungewöhnlich blass wird, lohnt der Blick unter die Erde. Helle, feste Feinwurzeln sprechen für Gesundheit; weiße Spuren können Wurzelläuse verraten. Bei Schädlingen oder Fäulnis muss alte Erde deutlich gründlicher entfernt werden als bei einem gesunden Ballen.

        Verbraucht, verdichtet oder nur trocken?

        Erde kann hart werden, schrumpfen oder Wasser nur noch am Ballen vorbeileiten. Ein einfacher Test nach dem Gießen zeigt, ob das Substrat tatsächlich Wasser aufgenommen hat. Besonders torfreiche Mischungen können nach langer Trockenheit schwer wieder benetzbar sein.

        Der praktische Ablauf

        Pflanze sicher greifen, Kunststofftopf massieren, Ballen lösen, Wurzelhals freilegen, Wurzeln prüfen, passenden Topf wählen, etwas Erde vorlegen, in gleicher Höhe einsetzen, auffüllen und vorsichtig festigen. Luftlöcher vermeiden – und anschließend nicht automatisch gießen. Das begleitende Video zeigt die Handgriffe.

        Die Erde muss zur Pflege passen

        Philipp passt seine Mischung an die Häufigkeit seiner Kontrollen an. Eine gute Standard-Kakteenerde ist für Einsteiger oft hilfreicher als eine komplizierte Spezialmischung. Sehr abrupte Substratwechsel können bei üppig kultivierten Pflanzen unnötigen Stress erzeugen.

        Nicht zu viel Topf auf einmal

        Bei kleinen Pflanzen reichen meist ein bis zwei Zentimeter zusätzlicher Durchmesser. Größere oder schnell wachsende Pflanzen verlangen eine individuelle Prognose. Ein absichtlich großer Topf kann Wachstum fördern, muss dann aber durch eine luftigere, weniger wasserhaltende Mischung abgesichert werden.

        Der Wurzeltyp entscheidet mit

        Säulen brauchen Stabilität, Rübenwurzler Tiefe, stark wachsende Blattkakteen mehr Reserven. Empfindliche Wurzelsysteme sollten möglichst wenig gestört werden. Gegossen wird nach aktiver Wurzelmasse – nicht einfach nach der Menge Erde im Gefäß.

        Ton, Kunststoff und Übertopf

        Tontöpfe trocknen schneller, Kunststofftöpfe halten Feuchtigkeit länger und erleichtern das Austopfen. Helle Altbrandtöpfe sind ein besonderer historischer Fund. Übertöpfe können Stabilität geben, dürfen aber nie zum stehenden Wasserreservoir werden.

        Die Zeit danach

        Sieben bis zehn Tage ohne Gießen sind eine Orientierung, kein starres Gesetz. Wetter, Jahreszeit, Substratfeuchte und Wurzelverletzungen bestimmen die tatsächliche Pause. Auch mit Dünger wird gewartet, bis die Wurzeln den neuen Raum wieder nutzen können.

        Neuerwerbungen und Rettungsfälle

        Neu gekaufte Kakteen müssen nicht pauschal sofort umgetopft werden. Im Winter kann ein trockener Ballen bis zum Frühjahr warten. Bei Schädlingen, Fäulnis oder verletzender Dekoration besteht dagegen unmittelbarer Handlungsbedarf.

        Der kleine Aha-Moment

        Ein wurzelloses Kindel kann angebotenes Wasser noch nicht aufnehmen. Dasselbe Grundprinzip gilt nach starken Wurzelverletzungen: Erst wenn Wurzeln wieder funktionieren, wird aus Gießen tatsächlich Versorgung.

        Shownotes:

        CactusBasics – Kakteen umtopfen: Muss der wirklich raus?

        Direkt zu dieser Folge
          • Umtopfvideo: Kakteen umtopfen
          • KaktusWerkstatt bei Kakteen-Haage – mit Spickzettel
          • KaktusWerkstatt auf der Landesgartenschau im Eichsfeld
          • Kakteenerden und Zuschlagstoffe bei Kakteen-Haage
          •  

            Ältere Episoden und Vertiefungen
            • CactusPodcast 010 – CactusBasics – Kakteenpflege: Die richtige Kakteenerde
            • CactusPodcast 012 – Kakteenerde: Interview mit Lothar Bodingbauer, Teil 1
            • CactusPodcast 013 – Kakteenerde: Interview mit Lothar Bodingbauer, Teil 2
            • CactusPodcast 014 – Die einfachste Kakteenerde der Welt
            • CactusPodcast 021 – Kunststofftöpfe für Kakteen: Interview mit Georg Schwarz
            • CactusPodcast 044 – Philipp inside DKG – Deutsche Kakteengesellschaft
            • CactusPodcast 046 – Vorschau: 100 Jahre Kakteenverein Erfurt
            • CactusPodcast 047 – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt – live
            • CactusPodcast hören und abonnieren
              • CactusPodcast – alle Folgen
              • CactusPodcast
              • CactusPodcast bei Apple Podcasts
              • CactusPodcast-Community bei Facebook
              • Weiterhören

                Der CactusBasics-Hörpfad

                Diese Folge ist der Wegpunkt zum Umtopfen. Die bereits erschienenen Grundlagenfolgen führen von der ersten Pflanze über Pflege und Erde bis zu Aussaat und Vermehrung.

                • CP008 · Pflegeleichte Kakteen finden – ein guter Anfang für die eigene Sammlung.
                • CP009 · Wachstum, Licht und Wasser verstehen – die Grundlagen der Kakteenpflege.
                • CP010 · Die richtige Kakteenerde – Substrat verstehen und auswählen.
                • CP011 · Kakteenerde richtig lagern – Vorräte sinnvoll aufbewahren.
                • CP014 · Die einfachste Kakteenerde der Welt – eine alltagstaugliche Mischung.
                • CP007 · CactusBasics Aussaat – der Einstieg in die Vermehrung aus Samen.
                • CP025 · Kakteenaussaat und Tipps – Erfahrungen für die weitere Praxis.
                • Der Hörpfad wächst mit weiteren Grundlagenfolgen zu Gießen, Licht und Standort, Winterruhe, Schädlingen und Vermehrung weiter.

                  Der Beitrag CactusPodcast 048 – CactusBasics: Kakteen umtopfen – Muss der wirklich raus? erschien zuerst auf Cactusblog.

                  48 min
                • CactusPodcast 047 – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt: live aus dem Gewächshaus
                  CactusPodcast 047 – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt – live aus dem Gewächshaus

                  10. Mai 2026 · CactusPodcast

                  Ein Jahrhundert Kakteenleidenschaft – erzählt von den Menschen, die sie weitertragen.

                  1926 wurde in Erfurt eine Ortsgruppe der Deutschen Kakteen-Gesellschaft gegründet. Hundert Jahre später treffen sich Kakteenfreunde mehrerer Generationen dort, wo Erfurter Kakteengeschichte seit Jahrhunderten zu Hause ist: im Gewächshaus bei Kakteen-Haage.

                  Diese Folge des CactusPodcast ist die Aufzeichnung des Bühnengesprächs zum Jubiläum des Kakteenvereins „Walther Haage“ Erfurt am 9. Mai 2026. Die Veranstaltung war Teil des Tags der offenen Tür 2026 und wurde live aus dem Gewächshaus bei Kakteen-Haage übertragen.

                  Unter den Gästen waren Besucherinnen und Besucher des Tags der offenen Tür sowie unsere Kakteenfreunde aus Ústí nad Labem, mit denen uns seit Jahrzehnten eine enge Freundschaft verbindet. Sie waren gemeinsam mit ihrem Vorsitzenden angereist.

                  Es geht um die ersten Vereinsjahre, die nächtliche Wanderung zur Königin der Nacht, um Krieg und Neubeginn, das Vereinsleben im Kulturbund der DDR, die Wende und die Neuorganisation danach. Vor allem aber geht es um die Menschen hinter den Pflanzen.

                  Durch das Gespräch führt Philipp Heidel-Weizel. Mit dabei sind Hans-Friedrich Haage, Andreas Schill, Gudrun Kroll, Klaus-Dieter Lentzkow, Markus Münch und Tim Oettel. Zum Auftakt gratuliert DKG-Präsident Till Hägele.

                  100 Jahre Kakteenverein Erfurt – live aus dem Gewächshaus

                  von Ulrich Haage, Philipp Heidel-Weizel und Gäste | CactusPodcast

                  https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2026/08/CP047-100-Jahre-Kakteenverein-Erfurt-live-.mp3
                  Die Menschen in dieser Folge

                  Für diese Runde habe ich Menschen zusammengebracht, die den Erfurter Kakteenverein über Jahrzehnte getragen, nach Brüchen neu aufgebaut und immer wieder für die nächste Generation geöffnet haben. Ihre Erinnerungen, ihr Wissen und vor allem ihr persönliches Engagement tragen diese Folge.

                  Till Hägele

                  Till Hägele ist Präsident der Deutschen Kakteen-Gesellschaft. Der Gartenbauingenieur und promovierte Agrarwissenschaftler arbeitet seit 2001 als Abteilungsleiter der Gewächshausanlage im Botanischen Garten München. In Erfurt ordnet er die 100 Jahre Vereinsgeschichte aus Sicht der DKG ein – und richtet einen deutlichen Appell an die nächste Generation.

                  Philipp Heidel-Weizel

                  Philipp Heidel-Weizel moderiert das Bühnengespräch. Er gehört zur jüngeren Generation der Kakteenfreunde und arbeitet heute professionell als Pflanzenzüchter, besonders im Bereich Gehölze. Im CactusPodcast war er bereits in Episode 044 – Philipp inside DKG zu Gast. Für diese Jubiläumsrunde führt er die Geschichte bewusst von den Pflanzen zu den Menschen hinterm Kaktus.

                  Hans-Friedrich Haage

                  Hans-Friedrich Haage schlägt die direkte Brücke in die Familien- und Vereinsgeschichte. Als Sohn von Walther Haage kennt er viele Erzählungen aus der Erfurter Kakteenzucht aus erster Hand. Nach seinem Gartenbaustudium übernahm er 1972 die Leitung der verstaatlichten „Brigade Kakteenzucht“ und führte den Betrieb 1990 wieder in die Selbständigkeit. Mehr zu ihm: Hans-Friedrich Haage bei Kakteen-Haage.

                  Andreas Schill

                  Andreas Schill war über viele Jahre Kassierer der Erfurter Kakteengruppe und hat die starke Zeit der großen Ausstellungen unmittelbar erlebt. Kakteen sind nicht sein einziges ausgesprochen spezielles Hobby: Andreas gehört auch zur Erfurter Gartenbahnszene. Die beiden Welten trafen bei Kakteen-Haage schon ganz praktisch zusammen, wenn die Kaktus-Bahn durch das Gewächshaus fuhr.

                  Gudrun Kroll

                  Gudrun Kroll hat die Chronik der Erfurter Kakteenfreunde weitergeführt und damit einen wichtigen Teil der Vereinsgeschichte bewahrt. In der Kakteenwelt ist sie außerdem für ihre Hybriden bekannt; auch 2026 ist sie mit dem Vortrag „Blühende Hybriden“ im Programm einer DKG-Ortsgruppe zu finden. In dieser Folge erzählt sie unter anderem, wie entscheidend der persönliche Kontakt dafür war, selbst wieder Mitglied einer Ortsgruppe zu werden.

                  Klaus-Dieter Lentzkow

                  Klaus-Dieter Lentzkow bringt die Magdeburger Perspektive und ein großes Stück ostdeutscher Vereinsgeschichte mit. Er wurde kurz nach der Wiedervereinigung als Beisitzer in den Vorstand der Deutschen Kakteen-Gesellschaft gewählt und war später Sprecher des DKG-Beirats. Im Gespräch erinnert er an den tiefen Einschnitt der Wendezeit – und daran, wie neue Verbindungen zwischen ost- und westdeutschen Gruppen entstanden.

                  Markus Münch

                  Markus Münch steht für die Generation, die den Kakteenverein „Walther Haage“ Erfurt heute trägt. Er beschreibt den heutigen Vereinsabend als ziemlich unkomplizierte Angelegenheit: keine Krawatte, keine feste Sitzordnung, dafür Vorträge, Erfahrungsaustausch und jede Menge kleine Tricks, die man eben nicht aus jedem Buch bekommt. Auch außerhalb der Vereinsabende ist er mit einem breiten Pflanzensortiment auf Garten- und Kakteenveranstaltungen präsent.

                  Tim Oettel

                  Tim Oettel ist Pflanzenenthusiast und Biologiestudent aus Göttingen. Gemeinsam mit Dr. Michael Schwerdtfeger produziert er die Kurzfilmreihe Doc Shorts, in der botanische und zoologische Kuriositäten niedrigschwellig in kurzen Videos erzählt werden. 2025 wurde der weitere Ausbau der Serie an der Universität Göttingen gefördert. Tim steht damit ziemlich genau für eine der Zukunftsfragen dieser Folge: Wie erreicht Pflanzenwissen heute neue Menschen – über YouTube und soziale Medien, aber am Ende möglichst auch wieder persönlich? Mehr: Doc Shorts – Wundersame Botanik.

                  Ulrich Haage

                  Ulrich Haage ist Gastgeber der Jubiläumsveranstaltung und des CactusPodcast. In dieser Folge führt er vom Podcast-Intro ins Gewächshaus, begrüßt die Gäste und gibt das Gespräch anschließend an Philipp weiter.

                  Kapitel der Episode

                  Die Zeitmarken passen zur veröffentlichten Audiofassung und eignen sich auch für die Shownotes sowie für die Beschreibung der Videoaufzeichnung auf YouTube.

                  • 00:00 Intro – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt
                  • 01:49 Live im Gewächshaus
                  • 05:14 Till Hägele – Grußwort der DKG
                  • 11:26 Macht die Türen auf für die Jungen
                  • 12:35 Philipp Heidel-Weizel übernimmt das Bühnengespräch
                  • 13:35 Hans-Friedrich Haage – wie alles begann
                  • 16:53 Nächtliche Wanderung zur Königin der Nacht
                  • 18:18 Bruch, Krieg und Neubeginn
                  • 22:13 Die starke Zeit – Schill, Kroll und Lentzkow
                  • 25:23 Kulturbund, Wende und Neugründung
                  • 32:36 Warum Menschen im Verein bleiben
                  • 36:06 Neue Verbindungen nach der Wiedervereinigung
                  • 38:52 Markus Münch und Tim Oettel – die nächste Generation
                  • 42:09 Warum interessieren sich junge Menschen für Pflanzen?
                  • 43:56 Wissenschaftskommunikation: YouTube, Doc Shorts & Instagram
                  • 46:57 Social Media und der persönliche Kontakt
                  • 49:59 Was ein Kakteenverein heute leisten kann
                  • 52:26 Grüße aus Magdeburg
                  • 53:04 Über 60 Jahre Freundschaft mit Ústí nad Labem
                  • 56:03 Auf die nächsten 100 Jahre
                  • Die Podiumsdiskussion im Gewächshaus

                    Die Livesendung aus dem Gewächshaus bei Kakteen-Haage haben wir auch im Video festgehalten.

                    Kakteen für die Ohren

                    Hör den CactusPodcast dort, wo du sowieso hörst.

                    Einmal folgen – und neue Episoden erscheinen automatisch in deiner Podcast-App.

                    SpotifyIn Spotify folgen
                    Apple PodcastsAuf Apple-Geräten hören
                    YouTube MusicDen RSS-Podcast hinzufügen

                    Weitere Möglichkeiten: Pocket Casts · Deezer · RSS-Feed

                    Noch neu bei Podcasts? So funktioniert das Abonnieren.

                    Transkript · redaktionell gekürzt
                    00:00 · Intro – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt

                    Ulrich: Herzlich willkommen zum CactusPodcast, Folge 47. Heute etwas ganz Besonderes: die Aufzeichnung unserer Live-Sendung zum 100-jährigen Jubiläum des Kakteenvereins „Walther Haage“ Erfurt. Am 9. Mai 2026 haben wir im Gewächshaus bei uns in der Gärtnerei gefeiert – gemeinsam mit den befreundeten Kakteenfreunden aus Ústí nad Labem. Der Präsident der Deutschen Kakteen-Gesellschaft spricht ein Grußwort, und Philipp Heidel-Weizel moderiert anschließend die Gesprächsrunde. Er blickt mit uns in die Vergangenheit und führt das Ganze in die Zukunft.

                    01:49 · Live im Gewächshaus

                    Ulrich: Ein Verein lebt nicht von Protokollen oder Mitgliederlisten – auch wenn die Chronik ziemlich voll davon ist. Das Spannende ist das, was zwischen den Zeilen passiert: was Menschen erleben, was sie zusammenbringt und wie sie ihr Wissen und ihre Leidenschaft in eine Gemeinschaft hineintragen.

                    100 Jahre sind ein dickes Brett. Deshalb zuerst ein Dank an die Mitglieder, an mein Team, an Freunde, Gäste und Familie und an alle, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben. Die Chronik ist für mich dabei ein wichtiges Thema geworden. Wer eigene Erinnerungen oder Geschichten hat, darf sie gern ergänzen. Gudrun Kroll hat diese Chronik weitergeführt und hilft dabei, dass sie lebendig bleibt.

                    05:14 · Till Hägele – Grußwort der DKG

                    Till Hägele: Die Ortsgruppe Erfurt feiert ihr 100-jähriges Jubiläum. 1926 war sie bereits der elfte Kakteenverein in Deutschland. Das Interesse an Kakteen wuchs besonders im 19. Jahrhundert mit dem aufkommenden Bürgertum und der Begeisterung für exotische Pflanzen. Fachliteratur, Gärtnereien und Vereine sorgten dafür, dass Wissen weitergegeben wurde.

                    Heute ist diese Aufgabe nicht kleiner geworden: Wissen bewahren, Wissen weitergeben und Menschen für Kakteen und andere Sukkulenten begeistern. Und deshalb der Appell: Engagieren Sie sich für dieses Hobby und schauen Sie bei einem Kakteenverein vorbei.

                    Zum Abschluss überreicht die DKG Markus Münch die Ehrenurkunde zum Jubiläum.

                    11:26 · Macht die Türen auf für die Jungen

                    Ulrich: Den Appell an die jungen Leute möchte ich um einen Appell an die ältere Generation ergänzen: „Macht die Türen auf für die Jungen.“ Schaut, welche Sprache sie sprechen, was sie interessiert und wo die Gemeinsamkeiten liegen. Die gibt es immer, wenn man will.

                    Damit geht es direkt zur jüngeren Generation: Philipp Heidel-Weizel hat früh mit Pflanzen angefangen und macht heute beruflich das, was einmal Hobby war – er arbeitet als Pflanzenzüchter.

                    12:35 · Philipp Heidel-Weizel übernimmt das Bühnengespräch

                    Philipp: Beim Stichwort Kaktus denken viele zuerst an Dornen, an Pflanzen, die angeblich kein Wasser brauchen, oder an die Fensterbänke der Großeltern. Heute geht es aber nicht nur um Pflanzen. Es geht um Freundschaften, Leidenschaft, Wissenschaft, Reisen, Vereinsabende und mehrere Generationen. „Es soll heute einmal um die Menschen hinter dem Kaktus gehen.“

                    13:35 · Hans-Friedrich Haage – wie alles begann

                    Philipp: Wenn es in Erfurt um Kakteen geht, kommt man am Namen Haage nicht vorbei. Hans-Friedrich, über deine Familie gibt es eine direkte Verbindung zur Gründungszeit. Wie muss man sich 1926 vorstellen?

                    Hans-Friedrich: Kakteen wurden Ende des 19. Jahrhunderts zu Modepflanzen. Zunächst konnten sich vor allem Fürstenhäuser und botanische Gärten solche Sammlungen leisten. Später wurden Kakteen für breitere Schichten erschwinglich. In Erfurt gab es mit Haage und Haage & Schmidt spezialisierte Betriebe. Friedrich Adolph Haage hatte den 1822 gegründeten Betrieb früh stark auf Kakteen ausgerichtet. Wer sich keine großen Pflanzen leisten konnte, kaufte Samen und zog selbst aus.

                    So war es logisch, dass sich Liebhaber zusammenschlossen, Erfahrungen austauschten und Vereine gründeten. Pfarrer Bertram war bei der Gründung in Erfurt eine treibende Kraft.

                    16:53 · Nächtliche Wanderung zur Königin der Nacht

                    Hans-Friedrich: Aus der Anfangszeit ist eine besonders schöne Geschichte überliefert. Nach einem Vereinsabend hieß es, bei Haage blühe die Königin der Nacht. Also machten sich die Kakteenfreunde zu Fuß auf den Weg. Es gab kaum Beleuchtung und keine bequeme Verbindung hinaus zur Gärtnerei. Im Gänsemarsch ging es durch die Dunkelheit, um dieses kurze Blütenschauspiel gemeinsam zu erleben.

                    Philipp: Heute würde man wahrscheinlich ein Foto per WhatsApp schicken. Damals lief eine ganze Gruppe nachts los. Genau darin steckt schon sehr viel Vereinsgeschichte.

                    18:18 · Bruch, Krieg und Neubeginn

                    Philipp: Mit der NS-Zeit und dem Krieg kommt der Bruch. Wie ging es danach weiter?

                    Hans-Friedrich: Der Neubeginn war kein einzelner Moment. Walther Haage hielt viele Vorträge über Kakteen und begeisterte damit Menschen. In der DDR konnte man einen Verein aber nicht einfach frei gründen. Naturwissenschaftliche Gruppen fanden schließlich unter dem Dach des Kulturbundes ihren Platz. Walther Haage hatte als selbständiger Gärtner Vorbehalte gegenüber staatlichen Institutionen; deshalb brauchte es Zeit, bis eine neue Fachgruppe entstehen konnte. 1961 kam es schließlich zur Gründung der Fachgruppe Kakteen.

                    22:13 · Die starke Zeit – Schill, Kroll und Lentzkow

                    Philipp: Jetzt schauen wir auf die starke Zeit der 1970er und 80er Jahre. Mit Andreas Schill, Gudrun Kroll und Klaus-Dieter Lentzkow sitzen Menschen hier, die diese Jahrzehnte aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt haben.

                    Andreas: Wir haben große Ausstellungen aufgebaut, unter anderem auf der iga. Das war stundenlange Arbeit: Sand in die Halle, Pflanzen arrangieren, ganze Landschaften aufbauen. Und es gab enormes Interesse. Ich war damals noch sehr jung und wurde sogar von der Schule freigestellt, weil das als gesellschaftliche Arbeit anerkannt wurde. Über Pflanzenverkauf kamen für damalige Verhältnisse beachtliche Summen zusammen, die wieder an die beteiligten Mitglieder verteilt wurden.

                    Das Vereinsleben bestand aber nicht nur aus Ausstellungen: Monatsabende, Vorträge, Austausch, Pflanzen und Samen – und natürlich das gemeinsame Erleben.

                    25:23 · Kulturbund, Wende und Neugründung

                    Philipp: Ende der 1980er kommt ein harter Einschnitt. Die bisherigen Strukturen brechen weg, viele Fachgruppen lösen sich auf oder verlieren Mitglieder. Klaus-Dieter, du warst kurz nach der Wiedervereinigung eines der ersten ostdeutschen Vorstandsmitglieder in der DKG. Wie hast du diese Zeit erlebt?

                    Klaus-Dieter: Vieles brach tatsächlich zusammen. Menschen verloren ihre Arbeit, zogen weg oder hatten andere Sorgen. Die Liebhaberei rückte nach hinten. Von den vielen Tausend Mitgliedern, die zuvor in DDR-Fachgruppen organisiert waren, fand nur ein kleiner Teil unmittelbar den Weg in die DKG. Dazu kamen Missverständnisse zwischen Ost und West. Wir mussten erst lernen, wie die jeweiligen Strukturen funktionierten.

                    Gleichzeitig entstanden neue Möglichkeiten. Gruppen nahmen Kontakt auf, Reisen wurden möglich, und nach und nach entstand ein gemeinsames Netzwerk.

                    32:36 · Warum Menschen im Verein bleiben

                    Gudrun: Nach der Wende ging meine frühere Ortsgruppe Gotha leider kaputt. Kontakte nach Erfurt gab es aber weiterhin. Irgendwann fragte mich jemand: Warum bist du eigentlich nicht Mitglied in Erfurt? Meine Antwort war: Weil mich noch keiner gefragt hat. Und schon hatte ich die Beitrittserklärung.

                    Philipp: Das ist eigentlich die schönste Erklärung: persönlicher Kontakt. Gudrun, du hast später die Chronik weitergeführt. Vieles ist heute moderner, aber die Grundidee ist dieselbe – Menschen müssen miteinander ins Gespräch kommen.

                    Philipp erinnert an eine Erklärung seiner Großmutter für die große Vereinsdichte zu DDR-Zeiten: Freizeit, Fernsehen und Kommunikation funktionierten anders. Vereine waren wichtige soziale Räume. Genau dieser persönliche Teil ist bis heute ein Argument, auch wenn heute das Internet dazukommt.

                    36:06 · Neue Verbindungen nach der Wiedervereinigung

                    Nach der Wiedervereinigung knüpften die Erfurter schnell Kontakte zu westdeutschen Ortsgruppen. Helmut Bude stellte beispielsweise die Verbindung nach Kassel her. Besuche in Sammlungen, Reisen bis Heidelberg und gegenseitige Einladungen machten aus einzelnen Gruppen ein immer engeres Netzwerk.

                    Philipp: Genau das ist doch ein starkes Argument für Ortsgruppen: Dort gibt es Sammlungen zu sehen, Wissen zu hören und manchmal fällt auf dem Rückweg auch noch ein Steckling ab. Die DKG hat viele Ortsgruppen in ganz Deutschland – wahrscheinlich ist auch in der Nähe der Hörerinnen und Hörer eine.

                    38:52 · Markus Münch und Tim Oettel – die nächste Generation

                    Philipp: Jetzt sitzen Markus Münch aus der Erfurter Gruppe und Tim Oettel, Pflanzenenthusiast und Biologiestudent aus Göttingen, hier. Die Haarfarben ändern sich plötzlich ein wenig.

                    Markus: Ein heutiger Vereinsabend ist ziemlich locker. Keine feste Sitzordnung, kein Krawattenzwang. Wer kommt, ist willkommen. Oft sind schon die Minuten vor dem Vortrag besonders interessant: Da hört man Tricks und Erfahrungen, die jemand gerade ausprobiert hat – Veredelungen, Aussaaten oder ungewöhnliche Versuche.

                    Markus schätzt dabei besonders das Wissen der älteren Mitglieder. Fast bei jedem Treffen gebe es etwas, auf das er allein nicht gekommen wäre. Gudruns Idee, bei der nächsten Blüte der Königin der Nacht wieder als Gruppe ins Gewächshaus zu kommen, schließt dabei wunderbar den Kreis zur nächtlichen Wanderung von 1926.

                    42:09 · Warum interessieren sich junge Menschen für Pflanzen?

                    Philipp: Tim, du bist mit dem Internet aufgewachsen. Warum ausgerechnet Pflanzen?

                    Tim: Gerade weil ich vorher wenig darüber wusste. Je mehr man über seine Umwelt und über Pflanzen lernt, desto spannender werden sie. Bei mir war ein Schlüsselmoment die Blüte einer Phalaenopsis. Meine Oma war im Orchideenverein. Irgendwann standen 21 Orchideen in meinem Zimmer und ich hatte die Mission, sie wieder zum Blühen zu bringen. Das war meine Einstiegsdroge für Pflanzen.

                    Markus: Bei mir fing es ebenfalls mit wenigen Zimmerpflanzen und Kakteen an. Als ich sie als Kind auf dem Dachboden überwinterte und im Frühjahr wieder nachsah, waren die Kakteen die einzigen, die überlebt hatten. Also habe ich mich weiter auf sie spezialisiert.

                    43:56 · Wissenschaftskommunikation: YouTube, Doc Shorts & Instagram

                    Philipp: Tim, du machst Kurzdokus über Pflanzen, Tiere und ihre Lebensräume. Was steckt dahinter?

                    Tim: Gemeinsam mit meinem Professor machen wir an der Universität ein Kurzvideoformat. In fünf bis maximal zehn Minuten nehmen wir uns ein biologisches Kuriosum vor. Weil es kurze Dokumentationen sind, heißt die Reihe Doc Shorts. Auf YouTube erreichen wir damit Studierende, aber auch Menschen außerhalb der Universität. Wichtig ist uns, niedrigschwellig zu erzählen und die eigene Begeisterung weiterzugeben.

                    Die Themen führen von Göttingen bis Costa Rica, Namibia, Kenia oder Sri Lanka. Pflanzen stehen dabei oft in Beziehung zu Tieren – etwa bei Bestäubung und Blütenökologie. Das Internet ist voller Inhalte und soziale Netzwerke wie Instagram sind voller Pflanzenbilder. Umso wichtiger ist es, Wissen spannend und verständlich zu erzählen.

                    46:57 · Social Media und der persönliche Kontakt

                    Soziale Medien können Menschen mit einem Spezialinteresse überhaupt erst zusammenbringen. Über Pflanzen entstehen Kontakte zu Menschen in anderen Ländern, zu botanischen Gärten und zu Sammlern. Entscheidend wird es aber dort, wo aus dem digitalen Kontakt eine echte Begegnung entsteht.

                    Philipp: Genau so haben auch wir uns kennengelernt beziehungsweise wurden weiter miteinander vernetzt. Social Media ist ein Sprungbrett – aber es ersetzt nicht, jemandem wirklich in die Augen zu schauen.

                    Auf die Frage, warum man heute Mitglied einer Ortsgruppe werden sollte, landet Tim beim Engagement: Wer seine Begeisterung ausleben und weitergeben kann, kann damit auch andere anstecken und ein Thema wieder sichtbar machen.

                    49:59 · Was ein Kakteenverein heute leisten kann

                    Philipp: Markus, wenn heute jemand hier sitzt oder im Livestream zuschaut und noch nie in einer Ortsgruppe war – was erwartet ihn?

                    Markus: Kommt einfach vorbei. Es erwarten euch freundliche Menschen, ein interessanter Vortrag und eine bequeme Atmosphäre. Ihr könnt erst einmal ganz unverbindlich schauen. Und die Beitrittserklärungen liegen natürlich auch da.

                    Damit endet die eigentliche Gesprächsrunde mit einer großen Einladung nach Erfurt – und ebenso zu den anderen Ortsgruppen der DKG.

                    52:26 · Grüße aus Magdeburg

                    Aus Magdeburg kommen Glückwünsche „von einem Hundertjährigen zum anderen Hundertjährigen“. Und weil Vereinsleben eben nicht nur fachlicher Austausch, sondern auch viel Gemütlichkeit ist, gibt es gleich noch etwas für den nächsten gemeinsamen Grillabend dazu.

                    53:04 · Über 60 Jahre Freundschaft mit Ústí nad Labem

                    Zum Schluss kommen die tschechischen Freunde aus Ústí nad Labem zu Wort. Die Verbindung zwischen beiden Gruppen reicht bis in die frühen 1960er Jahre zurück und wurde über Jahrzehnte mit gegenseitigen Besuchen, Pflanzen, Samen, Literatur und persönlichen Freundschaften gepflegt.

                    Die Gäste erinnern an Namen der frühen Verbindung und daran, dass diese Freundschaft inzwischen älter ist als viele der Menschen, die sie heute weitertragen. Ihr Wunsch ist einfach: dass diese Zusammenarbeit weitergeht und der Erfurter Verein auch die nächsten 100 Jahre schafft.

                    56:03 · Auf die nächsten 100 Jahre

                    Ulrich: Das ist ein schöner Abschluss: noch einmal die internationale Freundschaft sichtbar zu machen. Liebe Grüße in die Welt im Livestream und vielen Dank an dieses tolle Publikum. Es hat sehr viel Spaß gemacht. „Auf die nächsten 100 Jahre!“

                    Shownotes zu CactusPodcast 047

                    100 Jahre Kakteenverein „Walther Haage“ Erfurt – live aus dem Gewächshaus

                    • Kakteenverein „Walther Haage“ Erfurt
                    • Deutsche Kakteen-Gesellschaft e. V.
                    • Ortsgruppen der DKG
                    • Jubiläum und Livestream bei Kakteen-Haage
                    • Komplette Videoaufzeichnung auf YouTube
                    • CactusPodcast 046 – die Einladung zum Jubiläum
                    • CactusPodcast 044 – Philipp inside DKG
                    • Hans-Friedrich Haage – Kakteenzucht in der DDR
                    • Geschichte von Kakteen-Haage
                    • Friedrich Adolph Haage und die Erfurter Kakteengeschichte
                    • Klub kaktusářů Ústí nad Labem
                    • Doc Shorts mit Tim Oettel und Michael Schwerdtfeger
                    • Gartenbahn-Stammtisch Erfurt und die Kaktus-Bahn
                    • Starke Sätze aus der Folge
                      • „Ein Verein lebt nicht von Protokollen oder Mitgliederlisten.“
                      • „Macht die Türen auf für die Jungen.“
                      • „Es soll heute einmal um die Menschen hinterm Kaktus gehen.“
                      • „Social Media kann ein Sprungbrett zur Vernetzung sein – den persönlichen Kontakt ersetzt es nicht.“
                      • Der Beitrag CactusPodcast 047 – 100 Jahre Kakteenverein Erfurt: live aus dem Gewächshaus erschien zuerst auf Cactusblog.

                        57 min
                      • CactusPodcast 043 – Im Gewächshaus und drumherum

                        CactusPodcast 043 – Im Gewächshaus und drumherum

                        18. Juli 2025 · CactusPodcast

                        Eine Sammelfolge aus dem Gewächshaus: neue Kakteen-Podcasts, Pflanzenethik, Dornenhilfe, Doppelfolie, Welwitschia – und sieben gestohlene Schildkröten, die wieder nach Hause fanden.

                        Nach einer längeren Pause hat sich einiges angestaut. Deshalb geht diese Episode nicht nur ins Gewächshaus, sondern auch ein gutes Stück drumherum: Ulrich entdeckt einen zweiten deutschsprachigen Kakteen-Podcast, denkt über Ethik und Artenschutz nach und erzählt von einem Screenshot, der überraschend teuer wurde.

                        Dazu kommen praktische Fragen aus der Gärtnerei: Wie bekommt man feine Dornen aus dem Finger? Warum liegen auf manchen Gewächshausdächern zwei Folien? Was macht Welwitschia mirabilis so außergewöhnlich? Und wie endete die Geschichte der sieben verschwundenen Schildkröten?

                        Im Gewächshaus und drumherum

                        von Ulrich Haage | CactusPodcast

                        https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2025/07/CP43-im-gewaechshaus-v2.mp3
                        Direkt zu:
                        Kapitel
                        Geschichten
                        Frag den Kaktusgärtner
                        Transkript
                        Shownotes

                        Host und erwähnte Stimmen

                        Die Menschen in dieser Folge

                        Host

                        Ulrich Haage

                        Kaktusgärtner, Blogger und Podcaster bei Kakteen-Haage in Erfurt. In dieser Sammelfolge verbindet Ulrich Beobachtungen aus der Podcastwelt mit Technik, Pflanzenwissen und einer ziemlich persönlichen Geschichte aus der Gärtnerei.

                        Podcastkollegen

                        Lucas und Tobias

                        Die Stimmen hinter Im Gewächshaus, einem deutschsprachigen Podcast über Kakteen und andere Sukkulenten. Themen wie Pflanzenethik, Artenschutz und verantwortungsvoller Handel geben Ulrich den Anstoß für diese Folge.

                        Kapitel der Episode

                        Die Zeitmarken der Audiofassung.

                        • 00:00 Da isser wieder – eine Sammelfolge
                        • 02:08 „Im Gewächshaus“ – der neue Kakteen-Podcast
                        • 05:10 Podcast-Umschau
                        • 08:17 Ethik bei Pflanzen
                        • 11:53 Verbotene Gewächshausfotos und Abmahnung
                        • 14:06 Frag den Kaktusgärtner: Dorn im Finger
                        • 16:57 Frage an die Schwarmintelligenz: Pitahaya
                        • 18:57 Doppelfolie auf dem Gewächshausdach
                        • 27:27 Welwitschia mirabilis
                        • 32:43 Die gestohlenen Schildkröten
                        • 35:39 Nachtrag: Alle sieben sind wieder da
                        • 37:07 Der wilde Ritt im Rückblick
                        • 38:31 Ausblick auf Folge 044
                        • Kakteen für die Ohren

                          Hör den CactusPodcast dort, wo du sowieso hörst.

                          Einmal folgen – und neue Episoden erscheinen automatisch in deiner Podcast-App.

                          SpotifyIn Spotify folgen
                          Apple PodcastsAuf Apple-Geräten hören
                          YouTube MusicDen RSS-Podcast hinzufügen

                          Weitere Möglichkeiten: Pocket Casts · Deezer · RSS-Feed

                          Noch neu bei Podcasts? So funktioniert das Abonnieren.

                          Kakteengeschichten · Begleitartikel

                          Vom Podcastteich bis zum Gewächshausdach

                          Nach längerer Pause ist aus einer einzelnen Idee eine Sammelfolge geworden. Das verbindende Motiv ist das Gewächshaus: als Podcastname, als Ort für Pflanzen und Technik, als Bildmotiv – und als Schauplatz einer Geschichte, die weit über Kakteen hinausführt.

                          Ein zweiter deutschsprachiger Kakteen-Podcast

                          Mit Im Gewächshaus bekommt der CactusPodcast Gesellschaft. Lucas und Tobias sprechen über Kakteenerde, Bestäubung, Aloe-Hybriden, Baumarktpflanzen und illegale Wildentnahmen. Besonders hängen bleibt ihr Blick auf Nachhaltigkeit, Pflanzenethik und verantwortungsvollen Handel.

                          „Mit zwei Podcasts haben wir immerhin eine Verdoppelung geschafft.“
                          — Ulrich Haage

                          Das ist keine bezahlte Empfehlung. Es ist Freude darüber, dass ein Thema größer wird, sobald mehrere Stimmen darüber sprechen.

                          Artenschutz und Pflanzenethik sind nicht dasselbe

                          Artenschutz hat klare Regeln und internationale Abkommen. Pflanzenethik beginnt oft früher: bei der Frage, woher eine Pflanze stammt, wie sie vermehrt wurde, warum Seltenheit Preise treibt und welche Folgen das eigene Sammeln haben kann.

                          Die jüngere Perspektive von Lucas und Tobias bringt Ulrich dazu, die eigene Haltung neu zu prüfen. Das Ergebnis ist keine fertige Lehrmeinung, sondern eine offene Frage an die Community: Wo beginnt für uns ein fairer Umgang mit Pflanzen?

                          „Artenschutz ist nicht gleich Ethik.“
                          — Ulrich Haage

                          Verbotene Gewächshausfotos

                          Ein Screenshot aus dem eigenen Pinterest-Account enthielt ein fremdes Foto eines alten viktorianischen Gewächshauses. Der Screenshot war selbst angefertigt – das darin sichtbare Bild aber nicht. Daraus wurde eine Abmahnung über knapp 400 Euro und eine auf ein Jahr begrenzte Nutzungslizenz.

                          Das ursprünglich verwendete Foto kann nach Ablauf dieser Lizenz nicht mehr gezeigt werden. An seiner Stelle steht nun eine eigens für diese Folge geschaffene Gewächshausszene. Die Geschichte bleibt – als ziemlich teure Erinnerung daran, dass auch ein selbst angefertigter Screenshot fremde Bildrechte nicht aushebelt.

                          Warum zwei Folien auf dem Gewächshausdach?

                          Bei einem Foliengewächshaus liegen die beiden Häute nicht einfach lose übereinander. Ein kleines Gebläse hält zwischen ihnen ein Luftpolster. Diese ruhende Luftschicht verbessert die Wärmedämmung und stabilisiert die Folie gegen Wind.

                          Entscheidend sind saubere Befestigung, ein gleichmäßiger niedriger Druck und möglichst dichte Übergänge. Zu wenig Luft lässt die Folien aufeinanderliegen; zu viel Druck belastet Material und Konstruktion. Kondenswasser, Lichtverlust und die spätere Reparierbarkeit gehören ebenfalls zur Planung.

                          Das Prinzip ist einfach, die Details sind es nicht: Dachform, Folienqualität, Windlage und vorhandene Lüftungen bestimmen, wie gut die Lösung funktioniert.

                          Welwitschia mirabilis – zwei Blätter für ein langes Leben

                          Welwitschia mirabilis gehört zu einer sehr alten Entwicklungslinie der Nacktsamer und ist heute die einzige lebende Art ihrer Familie. Nach dem Jugendstadium bildet sie nur zwei dauerhafte Laubblätter. Diese wachsen an ihrer Basis kontinuierlich weiter, während Wind, Sand und Alter die Enden in lange Streifen zerfasern.

                          Ihre Heimat ist die Namib. Feuchte Küstenluft und Nebel spielen dort eine wichtige Rolle: Wasser kondensiert an Pflanze und Boden und kann so den Wurzelraum erreichen. Die häufig erzählte Vorstellung, die Pflanze nehme den Nebel hauptsächlich direkt über ihre Blätter auf, gilt dagegen nicht als gut belegt.

                          In Kultur ist Welwitschia keine klassische Sukkulente und braucht während des Wachstums regelmäßig Wasser. Gleichzeitig verträgt ihr empfindliches Wurzelsystem grobe Eingriffe schlecht. Das macht sie weniger zu einer Anfängerpflanze als zu einem langfristigen Kulturprojekt.

                          Sieben gestohlene Schildkröten

                          Anfang Juni 2025 verschwanden sieben Griechische Landschildkröten aus dem Gelände bei Kakteen-Haage. Für ihren über 90-jährigen Halter und früheren Gärtnermeister waren sie langjährige Weggefährten. Die Anteilnahme war entsprechend groß: Menschen aus der Nachbarschaft, Social Media, Polizei und Medien halfen bei der Suche.

                          Vier Tiere wurden zunächst kurz vor Mitternacht in einer Einkaufstüte vor dem Tor abgestellt. Drei blieben verschwunden – bis die Polizei auch sie zurückbrachte. Nach dem bekannten Stand waren die Tiere online zum Verkauf angeboten und anhand ihrer markanten Zeichnungen identifiziert worden.

                          Nachtrag: Zum Zeitpunkt der Aufnahme waren zunächst vier Schildkröten zurück. Wenig später kamen auch die drei übrigen Tiere wohlbehalten nach Hause. Alle sieben sind wieder vereint.
                          Was von dieser Sammelfolge bleibt
                          • Gute Podcastnachbarschaft macht ein Nischenthema größer.
                          • Artenschutz und Pflanzenethik gehören zusammen, sind aber nicht dasselbe.
                          • Ein Screenshot beseitigt keine fremden Bildrechte.
                          • Gewächshaustechnik funktioniert nur, wenn Details und Standort mitgedacht werden.
                          • Welwitschia zeigt, wie ungewöhnlich ein Pflanzenleben werden kann.
                          • Und manchmal endet eine schlimme Geschichte doch noch gut.
                          • Wiederkehrende Rubrik

                            Frag den Kaktusgärtner

                            Zwei Fragen aus dieser Folge – eine praktische Antwort und eine offene Spur für die Schwarmintelligenz.

                            Dorn im Finger – was hilft?

                            Ein gut sichtbarer Dorn lässt sich meist mit einer sauberen Pinzette greifen. Bei vielen sehr feinen Glochiden kann vorsichtig angedrücktes Klebeband helfen. Ulrich nutzt außerdem einen Bimsstein, um oberflächlich sitzende feine Dornen behutsam abzureiben. Nicht tief schneiden oder in der Haut herumstochern. Bei starker Entzündung, tief sitzenden Fremdkörpern oder Beschwerden am Auge gehört die Sache in medizinische Hände.

                            Warum kann Pitahaya den Urin rötlich färben?

                            Die kräftigen Betalaine roter Pitahayas können Ausscheidungen vorübergehend rosa oder rot färben. Das ist eine mögliche Erklärung für die überlieferte Geschichte von Soldaten, die nach dem Essen der Früchte glaubten, Blut auszuscheiden. Die genaue historische Quelle der Episode ist jedoch weiterhin offen.

                            Frage an die Schwarmintelligenz: Kennst du die Geschichte aus der Zeit um Kolumbus – oder eine belastbare Quelle dafür? Schreib an [email protected].

                            Fast-Transkript · redaktionell gekürzt
                            Da isser wieder

                            Nach längerer Pause meldet sich Ulrich mit einer Sammelfolge zurück. In der Gärtnerei und im Alltag war so viel los, dass der Podcast immer wieder nach hinten rutschte. Inzwischen haben sich mehrere Geschichten angesammelt, die alle mit dem Gewächshaus zu tun haben – manchmal als Ort, manchmal als Bild und manchmal nur als gedanklicher Ausgangspunkt.

                            „Im Gewächshaus“ – der Podcast

                            Ulrich freut sich über einen weiteren deutschsprachigen Podcast zu Kakteen und anderen Sukkulenten. Lucas und Tobias sprechen über Erde, Bestäubung, Hybriden, Baumarktpflanzen und Pflanzen-Poaching. Die Empfehlung ist keine Werbung, sondern Ausdruck der Freude über eine wachsende Community.

                            Podcast-Umschau

                            Neben den beiden spezialisierten Formaten gibt es einzelne Podcastfolgen über Kakteen: eine Einschlaffolge auf Grundlage von Wikipedia, Beiträge aus Wissenschafts- und Pflanzenpodcasts und zahlreiche englischsprachige Episoden. Ulrich lädt dazu ein, weitere Funde an das Studio zu schicken.

                            Ethik bei Pflanzen

                            Der Blick der jüngeren Podcaster auf Nachhaltigkeit, Wildentnahmen und hochpreisige Trendpflanzen beschäftigt Ulrich. Artenschutz kennt rechtliche Kategorien. Ethik fragt zusätzlich nach Verantwortung, Herkunft und den Folgen des eigenen Handelns. Eine fertige Antwort gibt es nicht – aber einen Anlass, die eigene Perspektive zu prüfen.

                            Abmahnung für einen Screenshot

                            Ein auf Pinterest häufig angeklicktes Foto wurde in einem selbst erstellten Screenshot gezeigt. Weil das darin enthaltene Gewächshausbild von jemand anderem stammte, folgte eine Abmahnung. Nach einigem Schriftwechsel zahlte Ulrich knapp 400 Euro und erhielt eine zeitlich begrenzte Nutzungslizenz. Das Originalbild ist inzwischen entfernt und durch eine eigens geschaffene Szene ersetzt.

                            Dorn im Finger

                            Für einzelne Dornen liegt die Pinzette nahe. Feine, oberflächliche Glochiden lassen sich manchmal mit Klebeband abnehmen; Ulrich nennt aus seiner Praxis außerdem den Bimsstein. Wichtig ist, die Haut nicht durch unkontrolliertes Stochern zusätzlich zu verletzen.

                            Pitahaya und die Schwarmintelligenz

                            Ulrich sucht den Ursprung einer Geschichte aus der Zeit um Kolumbus: Soldaten essen Pitahayas und halten die spätere Rotfärbung ihres Urins für ein göttliches Urteil. Der biologische Effekt ist plausibel, die konkrete historische Quelle bleibt jedoch ungeklärt. Hinweise sind ausdrücklich willkommen.

                            Zwei Folien und ein Luftpolster

                            Auf einem Foliengewächshaus kann eine zweite Dachhaut die Wärmedämmung verbessern. Zwischen den Folien erzeugt ein kleines Gebläse ein gleichmäßiges Luftpolster. Es stabilisiert die Außenhaut und verringert Wärmeverluste – vorausgesetzt, Befestigung, Druck und Anschlüsse passen zur Konstruktion.

                            Welwitschia – zwei Blätter

                            Welwitschia mirabilis wächst in der Namib und bildet nach ihrer Jugend nur zwei dauerhafte Blätter. Sie wachsen lebenslang an der Basis weiter und fransen unter den Bedingungen der Wüste auf. Sehr alte Exemplare können viele Jahrhunderte überdauern. In Kultur braucht die Pflanze Erfahrung, einen schonenden Umgang mit den Wurzeln und während des Wachstums verlässlich Wasser.

                            Die verschwundenen Schildkröten

                            Sieben Landschildkröten verschwinden vom Gelände. Die Sorge gilt nicht nur den Tieren, sondern besonders ihrem hochbetagten Halter, für den sie seit vielen Jahren zum Alltag gehören. Nach öffentlicher Suche stehen zunächst vier Tiere in einer Einkaufstüte vor dem Tor.

                            Alle sieben wieder da

                            Nach der Aufnahme folgt die gute Nachricht: Auch die drei übrigen Schildkröten werden gefunden und von der Polizei zurückgebracht. Nach dem bekannten Stand sollten sie online verkauft werden und konnten anhand ihrer Zeichnungen erkannt werden. Damit endet die Geschichte glücklicher, als es während der Aufnahme zu hoffen war.

                            Ausblick auf Folge 044

                            Die nächste Episode führt nach Hamburg. Für das Interview hat sich Ulrich Unterstützung von Moderator und Interviewtrainer Markus Tirok geholt. Nach der sehr breit angelegten Sammelfolge soll das nächste Gespräch bewusst anders werden.

                            Shownotes:

                            CactusPodcast 043 – Im Gewächshaus und drumherum

                            Im Gewächshaus – der Podcast
                            • Im Gewächshaus – Podcastseite von Lucas und Tobias
                            • Im Gewächshaus bei Spotify
                            • Copiapoa aus Kultur oder illegale Wildentnahme?
                            • Weitere Kakteen im Podcast-Äther
                              • Einschlafen mit Wikipedia: Kakteengewächse – die richtige Adresse zur erwähnten Einschlaffolge
                              • Samenernte bei der Königin der Nacht – Video aus dem Gewächshaus
                              • Spektrum: Nerds at Work – Kaktus trifft Hirn
                              • Jane Perrone und der Pflanzenpodcast On The Ledge
                              • Welwitschia mirabilis
                                • Welwitschia bei Kakteen-Haage – Pflanzenporträt
                                • Kew Gardens: Welwitschia mirabilis
                                • South African National Biodiversity Institute: Welwitschia mirabilis
                                • Die sieben Schildkröten
                                  • MDR Thüringen: Suche nach den sieben Schildkröten – erhaltener offizieller Beitrag
                                  • Thüringer Allgemeine: Alle sieben Schildkröten sind zurück
                                  • Rund um den CactusPodcast
                                    • Markus Tirok – Unterstützung bei der Vorbereitung von Folge 044
                                    • Alle Folgen des CactusPodcast
                                    • CactusPodcast-Community bei Facebook
                                    • Fragen, Ergänzungen und eigene Kakteengeschichten erreichen das CactusPodcast-Studio unter [email protected].

                                      Der Beitrag CactusPodcast 043 – Im Gewächshaus und drumherum erschien zuerst auf Cactusblog.

                                      41 min
                                    • CactusPodcast 042 – CactusEvents: Gärtnerweihnacht – der Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart
                                      CactusPodcast 042 – CactusEvents: Gärtnerweihnacht – der Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart

                                      4. Dezember 2024 · CactusPodcast

                                      Was geschieht, wenn Gärtner nicht nur Weihnachten feiern, sondern ihren eigenen Weihnachtsmarkt erfinden?

                                      Kurz vor der ersten Thüringer Gärtnerweihnacht sitzen Dirk Büttner und ich im warmen Studio, draußen stehen bereits die ersten Hütten auf dem Hof. Wir erzählen, wie aus einer Idee des Deutschen Gartenbaumuseums und des Landesverbands Gartenbau Thüringen ein gemeinsames Fest wurde – mit Thüringer Gärtnern, regionalen Produkten, Glühwein, Gärtnerpunsch, Adventsgestecken und einer bemerkenswerten Menge Vorfreude.

                                      Diese Episode ist zugleich die erste gemeinsame Folge von CactusPodcast und blattgold.fm, dem deutschen Gärtner-Podcast mit Reicharts Erben. Dirk und ich entwickeln die Gärtnerweihnacht beim Reden noch ein Stück weiter – inklusive grünem Glühwein, Kaktusburger und einer Gulaschkanone, die gar keine Kanone ist.

                                      Gärtnerweihnacht – der Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart

                                      von Ulrich Haage und Dirk Büttner | CactusPodcast – CactusEvents

                                      https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2024/12/CP42-Gartnerweihnacht-und-blattgold-fm-1.mp3

                                      CactusEvents · Rückblick

                                      Aus der spontanen Idee wurde ein echtes Format

                                      Wir haben diese Folge im Dezember 2024 wenige Tage vor der Premiere aufgenommen. Damals war noch vieles im Werden: Hütten wurden aufgestellt, Kolleginnen und Kollegen brachten Grün, Produkte und Ideen mit, und manche Programmpunkte entstanden hörbar erst während unseres Gesprächs.

                                      Die erste Thüringer Gärtnerweihnacht fand am 13. und 14. Dezember 2024 bei Kakteen-Haage statt. Es blieb nicht bei diesem Versuch: 2025 folgte die zweite Ausgabe. Die jeweils dokumentierte Entwicklung des Projekts findest du auf gaertnerweihnacht.de.

                                      Damit ist diese Folge heute mehr als eine Einladung zu einem vergangenen Termin. Sie hält den Moment fest, in dem aus Zusammenarbeit, ein paar Spargelverkaufshäuschen und ziemlich viel Begeisterung ein neuer Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart entstand.

                                      Die Menschen in dieser Folge

                                      Diese Episode ist kein klassisches Interview. Dirk und ich wechseln ständig die Rollen: mal fragt einer, mal ergänzt der andere, und zwischendurch bauen wir beim Reden schon am nächsten Programmpunkt.

                                      Dirk Büttner

                                      Dirk Büttner ist der kommunikative Nicht-Gärtner im Team von blattgold.fm. Er verantwortet das Projekt redaktionell und begleitet mit mir und Patricia Pöpel seit 2023 Themen, Menschen und Debatten im professionellen Gartenbau. In dieser Folge spielt Dirk zunächst den ahnungslosen Besucher, der über die plötzlich aufgetauchten Hütten staunt – obwohl er natürlich längst Mittäter der Gärtnerweihnacht ist.

                                      Ulrich Haage

                                      Ulrich Haage ist Kaktusgärtner, Gastgeber des CactusPodcast und Präsident des Landesverbands Gartenbau Thüringen. In Folge 042 erzählt er, warum ihn ein Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart sofort angezündet hat, was die Kolleginnen und Kollegen gemeinsam auf die Beine stellen – und welche kulinarischen Ideen besser noch ein wenig Versuchsküche vertragen.

                                      Kapitel der Episode

                                      Die Zeitmarken passen zur veröffentlichten Audiofassung.

                                      • 00:00 Zwei Podcasts, ein Studio
                                      • 02:04 Die erste Thüringer Gärtnerweihnacht
                                      • 03:15 Warum ein Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart?
                                      • 04:52 Die Idee von Gartenbaumuseum und Landesverband
                                      • 05:57 Weihnachtsbäume, Glühwein und Gärtnerpunsch
                                      • 07:38 Wildgulasch, Kaktusbratwurst und die Idee vom Kaktusburger
                                      • 09:46 Gartenbaumuseum, Adventsgestecke und Räucherwerk
                                      • 11:18 Thüringer Gärtner und ihre Produkte
                                      • 12:58 Tee, Märchen, Musik und Erfurter Spezialitäten
                                      • 15:49 Was gemeinsam möglich wird
                                      • 16:40 Die Einladung zur Premiere
                                      • 17:49 CactusPodcast trifft blattgold.fm
                                      • Kakteen für die Ohren

                                        Hör den CactusPodcast dort, wo du sowieso hörst.

                                        Einmal folgen – und neue Episoden erscheinen automatisch in deiner Podcast-App.

                                        SpotifyIn Spotify folgen
                                        Apple PodcastsAuf Apple-Geräten hören
                                        YouTube MusicDen RSS-Podcast hinzufügen

                                        Weitere Möglichkeiten: Pocket Casts · Deezer · RSS-Feed

                                        Noch neu bei Podcasts? So funktioniert das Abonnieren.

                                        Transkript · redaktionell gekürzt
                                        00:00 · Zwei Podcasts, ein Studio

                                        Ulrich: Hey, ich bin Ulrich Haage – und das ist, ja, jetzt wird es schon schwierig. Nein: Das ist der CactusPodcast. Wir sind mit einer neuen Folge dabei und heute bin ich nicht allein.

                                        Dirk: Genau, hier ist Dirk Büttner.

                                        Ulrich: Dirk ist der Schlüssel für ganz viele Dinge. Wir haben ein gemeinsames Podcastprojekt und schon lange daran getüftelt, wie wir unsere beiden Projekte einmal zusammenschmeißen. Das zweite ist blattgold.fm, der deutsche Gärtner-Podcast mit Reicharts Erben.

                                        Dirk: Wir machen zwar kein Carsharing und kein Jobsharing, aber ein bisschen Studiosharing. Wenn es darauf ankommt, sind wir meistens beide bei blattgold.fm zu hören.

                                        02:04 · Die erste Thüringer Gärtnerweihnacht

                                        Dirk: Ich kam vorhin auf die Cactusfarm und habe gestaunt. Eigentlich kehrt um diese Zeit Ruhe ein, die Kakteen legen sich schlafen – und plötzlich sind hier ein paar Hütten aus dem Boden gewachsen. Was hast du schon wieder vor?

                                        Ulrich: Dirk tut jetzt ganz ordentlich so, als hätte er keine Ahnung. Das kann er gut. Er ist natürlich Mittäter. Auf dem Hof laufen die Vorbereitungen für die erste Thüringer Gärtnerweihnacht. Vielleicht sogar die erste deutsche – aber ganz so groß wollen wir es nicht machen.

                                        Dirk: Unabhängige Recherchen haben ergeben: Wir sind nicht die Allerersten. Das tut der Sache keinen Abbruch. Die erste Thüringer Gärtnerweihnacht mit ganz vielen Thüringer Gärtnern findet jedenfalls hier auf der Cactusfarm statt.

                                        03:15 · Warum ein Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart?

                                        Ulrich: Ich habe auf die etablierten Weihnachtsmärkte geschaut und oft gedacht: Das würde ich auch gern einmal machen – aber ein kleines bisschen anders. Im Team musste ich keine große Überzeugungskiste auspacken. Besonders die Kolleginnen waren sofort Feuer und Flamme: Dann schmücken wir, hängen Lichterketten auf und machen den Hof weihnachtlich.

                                        Das Charmante ist: Wir können selbst entscheiden, was wir anbieten. Wir können Dinge ausprobieren, die zu uns und zu den Gärtnern passen.

                                        04:52 · Eine gemeinsame Idee

                                        Ulrich: Die Idee stammt eigentlich aus einer Kooperation zwischen dem Deutschen Gartenbaumuseum und dem Landesverband Gartenbau Thüringen. Dirk und ich sitzen hier und erzählen darüber, obwohl weder Joachim Lissner noch Ulrike Richter im Studio sind.

                                        Dirk: Wann ist es so weit?

                                        Ulrich: Am 13. und 14. Dezember 2024, Freitag und Samstag am dritten Advent. Für mich ist das genau der Moment, in dem man einen Weihnachtsmarkt wirklich genießen und sich auf Weihnachten einstimmen kann.

                                        05:57 · Weihnachtsbäume, Glühwein und Gärtnerpunsch

                                        Ulrich: Zum ersten Mal werden bei uns auf der Cactusfarm Weihnachtsbäume verkauft. Der Thüringer Tannenhof ist dabei. Dazu kommt Fahner Obst mit Glühwein und weiteren Getränken.

                                        Dirk: Roten, weißen und rosé Glühwein kennt man. Grüner Glühwein wäre doch noch eine Anregung.

                                        Ulrich: Wir machen etwas Eigenes: Gärtnerpunsch. Warum soll der nicht grün werden? Das ist genau der Punkt – wir können selbst gestalten. Vor ungefähr zehn Jahren haben wir sogar schon einmal einen Kaktusglühwein entwickelt. Den können wir heute nicht mehr genauso bauen, aber uns fällt bestimmt etwas Neues ein.

                                        07:38 · Die Gulaschkanone, die keine Kanone ist

                                        Ulrich: In der Vorbereitung war von einer Gulaschkanone die Rede. Ich sah schon das Ofenrohr und die Räder vor mir und fragte mich, wie Pascal Klenart, der Staudengärtner aus Erfurt, das Ding hierherbekommt. Dann sagte er: Meine Gulaschkanone ist tragbar. Es gibt also keine fahrbare Kanone, dafür aber frischen Wildgulasch aus dem Erfurter Steigerwald.

                                        Natürlich grillen wir auch Kaktusbratwurst. Und ich tüftle noch daran, ob wir einen veganen Burger aus Kaktusfleisch hinbekommen. Das ist noch im Werden – und ich habe Respekt davor, so etwas in größerer Menge zu bauen.

                                        Für die süße Strecke backt meine Tochter Maria. Am Samstag soll unser familiäres Makronenbattle öffentlich werden: Kokosmakronen, zwei Lager und eine Jury, die man wahrscheinlich schon vorher mit Probemodellen zu beeinflussen versucht.

                                        09:46 · Gartenbaumuseum, Adventsgestecke und Räucherwerk

                                        Dirk: Die Gärtnerweihnacht ist kein rein familiäres Projekt. Was macht das Deutsche Gartenbaumuseum auf der Cactusfarm?

                                        Ulrich: Ganz praktische Dinge: Die Floristinnen zeigen, wie adventliche und weihnachtliche Gestecke entstehen. Man darf mitmachen und ihnen über die Schulter schauen. Unsere Nachbarn von der Kräutergärtnerei Valeriana sind ebenfalls dabei. Dort geht es unter anderem um selbst gemachtes Räucherwerk; für das Seminar muss man sich vorher anmelden.

                                        11:18 · Thüringer Gärtner und ihre Produkte

                                        Dirk: Ein Weihnachtsmarkt ist nicht nur zum Essen, Trinken und Schauen da. Man möchte auch etwas mit nach Hause nehmen. Welche Gärtner kommen noch?

                                        Ulrich: Christoph Seever aus Dornheim bringt selbst gepresste heimische Öle mit. Antje Kochlett vom Rosenhof Holzhausen kommt mit Rosenprodukten – von Seifen und Düften bis zu Bonbons. Rose Saatzucht hat Aromen, Hydrolate und weitere Erzeugnisse aus Demeter-Anbau dabei.

                                        Der Interessenverband Thüringer Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen bringt eine Teeverkostung mit. Wer das auf der Bundesgartenschau 2021 erlebt hat, weiß, wie überraschend solche Thüringer Kräutertees sein können.

                                        12:58 · Märchen, Musik und Erfurter Spezialitäten

                                        Dirk: Wo ein Märchenerzähler ist, sind die Kinder nicht weit.

                                        Ulrich: Es gibt Musik, Weihnachtslieder und ein richtiges Bühnenprogramm. Kulinarisch kommen außerdem die Erfurter Brunnenkressesuppe von Ralf Fischer, Weihnachtsstollen – in Erfurt natürlich Schittchen – Waffeln, Plätzchen, Tee und die sogenannte Alpakaspucke von den Alpakas von der Fahner Höhe dazu. Bei Letzterer wissen wir selbst noch nicht ganz genau, was uns erwartet. Sie soll aber lecker sein.

                                        15:49 · Was gemeinsam möglich wird

                                        Ulrich: Das Charmante an der Idee ist, dass die Gärtnerkollegen gesagt haben: Wir schmeißen uns zusammen. Selbst Betriebe, die nicht persönlich dabei sein können, stellen Tannengrün, Material und Unterstützung bereit. Ein Kollege leiht uns seine Spargelverkaufshäuschen – deshalb stehen hier jetzt kleine Weihnachtsspargelbüdchen.

                                        Unterstützung kommt auch von der Klassik Stiftung und vom Garten- und Friedhofsamt. Dreh- und Angelpunkt sind der Landesverband Gartenbau Thüringen und das Deutsche Gartenbaumuseum. Da ist ein großer Berg Hilfe zusammengekommen.

                                        16:40 · Die Einladung zur Premiere

                                        Dirk: Wir freuen uns auf Freitag, den 13., und Samstag, den 14. Dezember 2024 – das Wochenende zum dritten Advent. Vor allem freuen wir uns auf viele Besucher, die mit uns anstoßen und einen oder zwei schöne Nachmittage und Abende auf der Cactusfarm verbringen möchten: diesmal nicht mit Sommerfestgefühl, sondern mit Winter-, Weihnachts- und Adventsgefühl.

                                        Ulrich: Mehr Informationen gibt es auf gaertnerweihnacht.de und bei den beteiligten Partnern. Und ganz wichtig: Am Freitag geht es um 14 Uhr los, am Samstag um 11 Uhr.

                                        17:49 · CactusPodcast trifft blattgold.fm

                                        Ulrich: Das war eine ziemlich coole Kooperation. Dies hier ist der CactusPodcast – und ich freue mich, wenn ihr auch zu unserem zweiten Projekt rüberwechselt: zu blattgold.fm, dem deutschen Gärtner-Podcast mit Reicharts Erben.

                                        Dirk: Was wir völlig vergessen haben: Haben wir euch eigentlich eingeladen?

                                        Ulrich: Wir freuen uns riesig, wenn ihr uns zur Gärtnerweihnacht auf der Cactusfarm bei Kakteen-Haage besucht. Bis dann!

                                        Shownotes zu CactusPodcast 042

                                        Gärtnerweihnacht – der Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart

                                        Die Folge und das gemeinsame Podcastprojekt
                                        • Gärtnerweihnacht – das Projekt nach der Premiere 2024
                                        • blattgold.fm – der deutsche Gärtner-Podcast mit Reicharts Erben
                                        • Landesverband Gartenbau Thüringen
                                        • Deutsches Gartenbaumuseum Erfurt
                                        • In der Folge genannt
                                          • Klenart Stauden – Pascal Klenart, Staudengärtner aus Erfurt
                                          • Gartenbau Seever – Christoph Seever aus Dornheim
                                          • Erfurter Brunnenkresse – Ralf Fischer
                                          • Rosenhof Holzhausen – Antje Kochlett
                                          • Rose Saatzucht – Saatgut und Erzeugnisse aus Demeter-Anbau
                                          • Alpakas von der Fahner Höhe
                                          • Kräutergärtnerei Valeriana
                                          • Thüringer Tannenhof
                                          • Der CactusPodcast
                                            • Alle Folgen im Cactusblog
                                            • Menschen im CactusPodcast
                                            • Mail ans Studio
                                            • Starke Sätze aus der Folge
                                              • „Das Charmante an dieser Idee ist, dass die Gärtnerkollegen gesagt haben: Wir schmeißen uns zusammen.“
                                              • „Wir können das selber machen.“
                                              • Der Beitrag CactusPodcast 042 – CactusEvents: Gärtnerweihnacht – der Weihnachtsmarkt auf Gärtnerart erschien zuerst auf Cactusblog.

                                                31 min
                                              • CactusPodcast 041 – Espostoa lanata: Dynamit und Gartenbaumuseum
                                                Espostoa lanata – und was hat das mit Dynamit oder Löwenzahn zu tun​ – Episode 041
                                                Ulrike Richter vom Deutschen Gartenbaumuseum schafft die Verbindung beim Jubiläum bei Kakteen-Haage – Teil 3
                                                Hey, ich bin Ulrich Haage, ich bin Kaktusgärtner und heute geht es gleich mehrfach um Geschichte, nochmal um Löwenzahn, Sprengstoff und wieder um einen Kaktus. 
                                                In Teil drei der Jubiläumsserie geht es um Dynamit, Espostoa lanata und Ulrike Richter vom Deutschen Gartenbaumuseum. Und letzteres ist nicht ganz zufällig in Erfurt beheimatet.
                                                Nachtrag zur letzten Episode
                                                Stichwort Löwenzahn – ich hab meine Hausaufgaben aus der letzten Episode gemacht – vielleicht erinnerst du dich – ich habe beim Besuch des mexikanischen Botschafters hier bei Kakteen-Haage über eine Löwenzahngärtnerei in Vietnam philosophiert – und wann ich zum letzten Mal selbst Löwenzahn gegessen habe.
                                                Update: letzte Woche – ich war im Wald und habe eine Handvoll Bärlauchblätter und -Knospen und Löwenzahnknospen mitgebracht und in einem scharfen Gewürzsud eingelegt. Löwenzahnkapern – lecker, bitter, geiler Stoff – wenn du mal selbst probieren willst: Link ist in den Shownotes.
                                                Und: wo bleibt die nächste Episode im CactusPodcast?
                                                Wenn du dich in den vergangenen 10 Monaten gefragt hast: wo ist denn nun die nächste Folge vom CactusPodcast? Kommt der Haage nochmal wieder?
                                                • Ja, der ist immer noch da, der war auch nie weg, aber der hatte in der Gärtnerei zu tun, gefühlt ohne Unterlass.
                                                • Und dann gibt es da noch ein anderes Podcast-Projekt, dass eine ganze Menge Energie und Kraft gefressen hat – darüber kann ich hoffentlich in Kürze mehr erzählen.
                                                • Der letzte Grund: der eine oder andere wird mitbekommen haben, dass mich das Leben Anfang 2022 etwas aus der Bahn geworfen hat. Ich stehe heute zwar wieder auf beiden Füßen, trotzdem hab ich manchmal das Gefühl ich laufe wie im Teer durch meine Tage. Und da fällt zeitweise manches vom Tisch, was mir sehr am Herzen liegt – unter anderem auch mein geliebter CactusPodcast.
                                                • Da ist so manche Geschichte unerzählt geblieben – und damit das so nicht bleibt, geht’s jetzt hier weiter – und als Entschädigung wird die Folge heute wohl etwas länger.

                                                  Disclaimer:
                                                  ich gebe mir Mühe, dranzubleiben. Falls es doch mal wieder eine längere Pause geben sollte, dann könnten die Gründe dafür ggf. dort liegen. Danke an alle, die nachgefragt haben, oder kommentiert oder mir anderweitig eine Nachricht zukommen ließen. Der letzte Anstoß kam gestern auf dem 24er Forumtreffen, es war für mich überraschend zu hören, bei welcher Gelegenheit Ihr dem CactusPodcast zuhört, deswegen special Thanks to Henry & Jan für eure Geschichten.
                                                  Und bei der Gelegenheit auch einen Gruß an Ralf im Harz, der wenn ich richtig informiert bin, heute Geburtstag hat – und wenn das nicht stimmt – auch nicht wild, dann einfach welcome home von deiner weiten schönen Reise.
                                                  Apropos Geschichten:
                                                  CactusPodcast 041 Kakteengeschichte - Espostoa lanata - Dynamit und Deutsches Gartenbaumuseum

                                                  von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte

                                                  https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2024/04/cactuspodcast-041-espostoa-lanata-dynamit-und-deutsches-gartenbaumuseum.mp3
                                                  Dynamit, Kakteenerde und Durchschlagkraft?
                                                  Was hat Alfred Nobel mit Kakteenerde zu tun?
                                                  Ist Ulrike Richter explosiv?
                                                  Nein, die neue Vorständin des Deutschen Gartenbaumuseum will bewegen, über sprengen hat sie bislang noch nichts erzählt.
                                                  Um die Bedeutung des Dynamit kurz und bündig zu klären: wir befinden uns im Jahr 1866. Der schwedische Chemiker Alfred Nobel sucht nach einem sicheren Sprengstoff, denn Jahre zuvor werden vier Menschen getötet, als bei seinen Versuchen mit dem empfindlichen Nitroglycerin sein Haus in die Luft gejagt wird. Einer der Menschen ist sein Bruder.
                                                  Ob dieser Verlust ihn beflügelt, ob Zufall oder emsige Forschung – der Durchbruch gelingt Nobel jedenfalls mit einem für uns alten Bekannten aus der Kakteenwelt: Kieselgur! Als er das bis dahin schwer zu kontrollierende „Sprengöl“ oder Nitroglycerin in Kieselgur mischt, hat er die Lösung: Dynamit. Und zugleich die Quelle seines späteren unglaublichen Reichtums. Dass seine Erfindung, das „Sicherheitssprengpulver“ von den Menschen nicht nur für die großen Bauwerke seiner Zeit wie Gotthard-Tunnel oder Panama-Kanal, sondern auch für Waffen im Krieg verwenden, macht Nobel nicht glücklich.
                                                  Er engagiert sich immer mehr als Friedensstifter und bringt einen großen Teil seines Vermögens in die Friedensarbeit ein – der Friedensnobelpreis ist sicher der heute bekannteste, nicht jeder weiß: das Geld dafür stammt aus den Kriegen seit 1870.
                                                  Das Kieselgur stammte damals aus der Lüneburger Heide, unser Kieselgur heute kommt aus Dänemark.
                                                   
                                                  Und um das klar zu sagen: wir machen damit Kakteenerde, keinen Sprengstoff.
                                                  Wie ist das mit dem Deutschen Gartenbaumuseum?

                                                  Das deutsche Gartenbaumuseum ist in Erfurt zuhause. Wie kam das?

                                                  Erfurt, Blumenstadt und Ursprung des kommerziellen Gartenbaus

                                                  Erfurt gilt als der Ursprung des deutschen Gartenbaus. Sicher hat es zu der Zeit auch in anderen Regionen der deutschen Landen schon Erwerbsgartenbau gegeben. Die Art und Weise mit der die Professionalisierung vonstatten ging war aber in Erfurt einzigartig.
                                                  Die Gründe lagen in meinen Augen in der Vorgeschichte. Der Gartenbau hat die Grundlage für den Reichtum der Erfurter Patrizier gesorgt. Ein Reichtum und eine wirtschaftliche Bedeutung wie sie später vielleicht noch mit den großen Hansestädten vergleichbar würden. Die Gärtner selbst waren dabei nicht die die Rahm abschöpften. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, der Verdienst landete in erster Linie bei den Händlern. Aber die sorgten für den Erhalt ihrer Wohlstandquelle.
                                                  Nicht ohne Grund bezeichnete schon Luther die Erfurter als „des Heiligen Römischen Reiches Gärtner“. In Erfurt waren Gärtner ansässig, die über lange Zeiträume die Gartenbaugeschichte schrieben. Dazu gehören große Namen wie Benary, J. C. Schmidt, Platz, Franz Anton Haage, Fischer, Heinemann, Pabst, Czeckalla, Haage & Schmidt, Chrestensen, Jühlke – und auch Friedrich Adolph Haage.

                                                  Gartenbau in der DDR und Gründung des Deutschen Gartenbaumuseum 1961

                                                  Als 1961 in Erfurt die erste Internationale Gartenausstellung nach dem Krieg stattfindet wird zeitgleich auf das Deutsche Gartenbaumuseum eingeweiht. (die erste Allgemeine Deutsche Gartenbauausstellung mit internationaler Beteiligung findet übrigens im Jahr 1865 in Erfurt statt. Die Ausstellungstradition reicht aber noch weiter in der Geschichte zurück)
                                                  Das Museum trägt bis 1989 eine eindrucksvolle Sammlung zusammen und erfreut sich auf der iga alljährlich zahlreicher Besucher. Mit der Wende bleiben die gewohnten Besuchermassen aus und auch die Zukunft des Museums ist nicht mehr sicher. Auch wenn der Erfolg immer viele Väter hat, ist mir ein Name in Erinnerung, den ich immer wieder höre, wenn es damals darum ging „bleibt das deutsche Gartenbaumuseum in Erfurt?“. Der damalige Präsident des Zentralverband Gartenbau Karl Zwermann hat gemeinsam mit dem langjährigen Thüringer Landwirtschaftsminister Volker Sklenar die Weichen gestellt, dass das Museum in Erfurt bleibt.
                                                  Und dort ist es bis heute.

                                                  Jetzt Bühne frei für Ulrike Richter vom Deutschen Gartenbaumuseum, die zu Beginn über ein Bild spricht, dass eben die Inhalte dieser Episode umfasst: Dynamit und Espostoa lanata:

                                                  Espostoa lanata – entdeckt 1802 durch Humboldt
                                                  Wir haben von Ulrike Richter schon gehört, dass die Pflanze von Humboldt entdeckt wurde, hier die Geschichte wie das passiert ist:
                                                  August 1802, Alexander von Humboldt war unterwegs im Huancabamba-Tal, wo das liegt ist heute Peru. Es war anstrengend und beschwerlich, diese Reise. Humboldt und seine Gefährten mussten allein „27mal den Río Huancacabamba mit vieler Gefahr überqueren“. Was Humboldt aber beeindruckte, das waren „ganze Cactuswälder“. Er notierte in seinen Aufzeichnungen einen „kandelaberartig verzweigter Säulenkaktus, der auch ohne Blüten durch seine schneeweiße, dichte Behaarung sehr auffällig ist.“
                                                  Beat Leuenberger, von dem die meisten diese Hintergrundinformationen stammen, hat hier etwas tiefer geschürft und Informationen zusammengetragen, die weder auf Wikipedia, aber auch nicht in „Kakteen von A bis Z“ von meinem Großvater Walther Haage zu finden sind – und das hat mich etwas überrascht.
                                                  Nochmal der Reihe nach:
                                                  Die Geschichte einer Entdeckung
                                                  1802 wird die wollige Espostoa von Humboldt und Bonpland gefunden. Beide identifizieren die Pflanze als neue Art. Im Feldbuch gibt es eine kurze Beschreibung unter dem Namen Cactus lanatus in Humboldts Handschrift, dazu eine schematische Skizze eines Querschnitts eines blühfähigen Triebs. Was fehlt ist Herbarmaterial und eine Zeichnung die Karl Sigismund Kunth erwähnt ist anscheinend auch verschollen. Die Notizen und die Zeichnung waren damit die alleinige Grundlage für die von Kunth bearbeitete Beschreibung
                                                  1823 erscheint dann die formelle Publikation, also die Erstbeschreibung von Cactus lanatus durch Humboldt, Bonpland und Kunth im großem Werk „Nova genera et species plantarum“. Humboldt erwähnt dort auch die pflaumengroßen, roten essbaren Beerenfrüchte und bezeichnet sie als „piscol colorado“.
                                                  1828 Cereus lanatus (Kunth) DC. – (Augustin-Pyrame de Candolle)
                                                  1870 kommt Haage ins Spiel So lange braucht es, bis die Pflanzen nach Europa in Kultur kommt. Benedikt Roezl stammt aus Prag und sammelt in Lateinamerika Pflanzen. Und die schickt er an die Kakteengärtnerei Friedrich Adolph Haage jun. in Erfurt. Noch bis zur Jahrhundertwende wurde sie als vermeintlich neue Art unter dem Namen Pilocereus dautwitzii geführt, benannt nach dem K. K. Hofbauverwalter und Architekt Dautwitz, der ein eifriger Kakteensammler ist und auf Schloß Schönbrunn bei Wien lebt.
                                                  1898 Pilocereus lanatus (Kunth) F.A.C.Weber (Frédéric Albert Constantin Weber)
                                                  1904 Cleistocactus lanatus (Kunth) F.A.C.Weber
                                                  1916 Oreocereus lanatus (Kunth) Britton & Rose
                                                  1920 Nathaniel Lord Britton und Joseph Nelson Rose stellten die Art in die Gattung Espostoa
                                                  Beschreibung Espostoa lanata
                                                  Wuchsform, Habitus
                                                  Espostoa lanata wächst baumförmig mit in den oberen Teilen verzweigten Trieben und erreicht Wuchshöhen von 1,5 bis 7 Metern. Der Stamm kann bis zu 1 Meter hoch werden und bis 20 Zentimeter Durchmesser erreichen. Die ausgebreiteten oder aufsteigenden Triebe werden mehrere Meter lang und weisen Durchmesser von 6 bis 10 Zentimeter auf. Es sind 18 bis 25 gerundete Rippen vorhanden, die 5 bis 8 Millimeter hoch sind und durch gerade Furchen voneinander getrennt sind. Die darauf befindlichen elliptischen, 7 bis 10 Millimeter voneinander entfernten Areolen sind trotz der zahlreichen Haare und Dornen erkennbar.
                                                  Dornen und Wolle
                                                  Der einzelne Mitteldorn, der auch fehlen kann, ist 2 bis 5 Zentimeter lang. Die 30 bis 40 ausgebreiteten, rötlichen oder gelblich braunen Randdornen vergrauen im Alter und weisen eine Länge von 3 bis 8 Millimeter auf. Das vier bis fünf Rippen umfassende Cephalium ist bis zu 1 Meter lang und besteht aus hellbrauner bis grauer, bis zu 3 Zentimeter langer Wolle.
                                                  Hübsche Blüten
                                                  Die trichterförmigen purpur- bis hellpurpurfarbenen Blüten sind 4,5 bis 5,5 Zentimeter lang und erreichen einen Durchmesser von 3 bis 3,5 Zentimeter. Die kreiselförmigen, mehr oder weniger purpurroten Früchte besitzen eine Länge von bis zu 2,5 Zentimeter und Durchmesser.
                                                  Die Wollige Espostoa blüht im Sommer und nur nachts. Nach und nach erscheinen die Blüten aus der schmalen ganz dicht wolligen Blühzone (Cephalium) seitlich an den Säulen. Sie sind frühmorgens schon wieder verwelkt. Die sich dunkel verfärbenden Blütenreste fallen nicht ab sondern bleiben, noch monatelang an der Pflanze.
                                                  Espostoas wachsen langsam, benötigen viel Sonne und ihrer tropischen Herkunft entsprechend einen nicht zu kühlen Standort.
                                                  Verbreitung, Gefährdung und Nutzung der wolligen Espostoa
                                                  Espostoa lanata ist in Ecuador in der Provinz Loja sowie in Peru in den Regionen Piura, Amazonas, Cajamarca und Lambayeque in Höhenlagen von 500 bis 2000 Metern verbreitet.
                                                  Die Art wird als nicht gefährdet eingestuft.
                                                  Aus dem Cephalium gewonnene Wollhaare wurden in Peru früher als Füllung für Kissen verwendet. Oder vielleicht auch für Mützen?
                                                  Bevor ich hier den Sack auch zu mache sage ich
                                                  Danke fürs zuhören und:
                                                  weil die Folge heute sowieso schon länger ist als geplant, gibt es heute auch noch einen anderen musikalischen Abspann als gewohnt. Wir haben gestern beim Forumtreffen über die Basis dazu sinniert – wenn du eine Idee hast, woher die Melodie stammen könnte, dann schick mir eine Mail an [email protected], oder in der CactusPodcast-Gruppe.
                                                  Auch wenn du einen Themenwunsch hast für die nächste Folge.
                                                  Ich hab zwar auch schon eine Idee aber ich freu mich noch mehr, von dir zu hören!
                                                   
                                                   
                                                  Und was kommt als nächstes?
                                                  Sei gespannt!
                                                  Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 042 zum Thema – hast du Wünsche?
                                                   
                                                  Und wenn du jetzt Fragen hast – oder deine Antworten auf meine Fragen schicken willst – oder vielleicht deine eigene Kakteengeschichte erzählen möchtest – melde dich einfach.
                                                  • Schick mir eine Mail an [email protected] oder
                                                  • schreib mir in unserer Facebook-Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
                                                    Wenn du mehr wissen willst – du findest die Shownotes, Fotos und viel mehr ganz einfach unter www.cactuspodcast.de/041
                                                    Bis zur nächsten Episode – wo wir weiter in der Geschichte schauen.
                                                    Bleib gesund und mach’s gut!
                                                     
                                                    Shownotes:

                                                    Darüber habe ich erzählt:

                                                    • Rezept für Löwenzahnkapern – https://indigo-blau.de/loewenzahnkapern-rezept 
                                                    • Kakteenforum – https://kakteenforum.de 
                                                    • Espostoa lanata – https://de.wikipedia.org/wiki/Espostoa_lanata 
                                                    • Kieselgur – https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kieselgur
                                                    • Deutsches Gartenbaumuseum – https://www.gartenbaumuseum.de/
                                                       
                                                      Schöne Grüße aus der Blumenstadt Erfurt
                                                      Ulrich Haage mit schicken Grüßen aus der Kakteengärtnerei.
                                                       
                                                      Wie gefällt dir diese Episode?

                                                      Ich freue mich auf dein Feedback.

                                                      • per Mail an [email protected]
                                                      • in der FB CactusPodcast Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
                                                      • Kommentare direkt hier im cactusblog.de
                                                      • deine Bewertung auf iTunes – das wäre mir ein inneres Maximal-Blümchenpflücken!
                                                         
                                                          
                                                        Mehr gibt es wie immer in der Facebook CactusPodcast Community. 
                                                        Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episoden vornehmen?
                                                         
                                                        Du willst mehr vom CactusPodcast? Das geht ganz einfach:
                                                        Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes – nein Apple Podcast abonnieren. 
                                                        Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.
                                                         
                                                        Du willst noch mehr wissen / haben / hören?
                                                        Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
                                                        Keine Afilliate Links – ich erhalte keine Provision. 
                                                         

                                                        Der Beitrag CactusPodcast 041 – Espostoa lanata: Dynamit und Gartenbaumuseum erschien zuerst auf Cactusblog.

                                                        36 min
                                                      • CactusPodcast 040 – Kakteengeschichte: Begegnung der Kulturen – Mexikanischer Botschafter in der Kakteengärtnerei
                                                        Hoher Besuch: Mexikanischer Botschafter in der Kakteengärtnerei zu Gast​ – Episode 040
                                                        Botschafter Francisco Jose Quiroga Fernandes besucht Kakteen-Haage
                                                        Ich bin Ulrich Haage und ich bin immer noch ein bisschen aufgeregt.
                                                        Warum?
                                                        Wir hatten vor zwei Tagen (wieder) hohen Besuch in der Gärtnerei und zwar aus Mexiko.
                                                        Ich erzähle dir heute, wer uns besucht hat und warum das etwas besonderes ist für uns, was ich neues erfahren habe über den Umgang mit Kakteen in Mexiko.
                                                        Und jetzt geht’s los, viel Spaß bei Episode 40 im CactusPodcast!
                                                        Alles VIP bei den Kakteen
                                                        Ganz schön viele VIP in letzter Zeit hier!

                                                        In der der letzten Episode war der Thüringer Ministerpräsident bei uns zu Gast und nun schon wieder so eine große Nummer!

                                                        Aber der Reihe nach. Seit Donnerstag, 25.5. haben wir, also Kakteen-Haage, diplomatischen Kontakt nach Mexiko.
                                                        S.E. (Seine Excellenz) Herr Botschafter Francisco Jose Quiroga Fernandes erwies unser Gärtnerei die Ehre seines Besuches.
                                                        (Wer uns besucht, das habe ich allerdings erst beim Abschied mitbekommen.)

                                                        Und das kam so:
                                                        Am vorigen Freitag klingelte das Telefon, eine Dame stellte sich vor als Mitarbeiterin der Botschaft Mexikos in Berlin und erkundigte sich, ob es möglich wäre, dass der Gesandte in der folgenden Woche Kakteen-Haage einen Besuch abstattet.
                                                        Natürlich ist das möglich!
                                                        Es war nur nicht so einfach, mich mit meiner Freude einigermaßen angemessen zu verhalten.
                                                        Ich meine, noch nie war ein Mitglied unserer Familie in Mexiko – und dann kommt das Land hochoffiziell zu uns – was für eine Story!
                                                        Mein Verhältnis zu Mexiko ist nicht so ganz einfach. Einerseits – dort sind die meisten Kakteen zu Hause – es ist schon so, wie das Land meiner Träume. Nicht nur meiner Träume, auch der Rest der Familie hat vermutlich ein bisschen sowas wie Sehnsuchtsgefühle.
                                                        Und trotzdem war noch niemand von der Haage-Familie dort drüben – auch wenn das mir oft nicht geglaubt wird. Ich treffe häufiger auf Menschen, die sogar ganz konkret wissen, welches Familienmitglied wann in Mexiko gewesen ist und wann. Meist wird mein Großvater Walther Haage dabei zuerst erwähnt. Mein Großvater wäre sehr gern nach Mexiko gereist – aber das war ihm nie vergönnt.
                                                        Ich war der erste Haage aus unserer Familie, der es bis nach Amerika geschafft hat. Und für mich hat sich Guatemala nach 20 Jahren DDR schon sehr mexikanisch angefühlt und ich habe dort viele Menschen aus Mexiko getroffen, die Urlaub gemacht haben.
                                                        Einige Jahre später war ich mit meiner Schwester Amrey in den USA. In Californien und Arizona sind wir auf den Süd-Highways unterwegs gewesen und haben mehr als einmal einen Blick in Richtung Mexiko geworfen. Aber auch da haben mich die Grenzsicherungsanlagen an die deutsch-deutsche Grenze erinnert und ich hab keinen Gedanken daran verschwendet, diese Grenze mal zu überschreiten.
                                                        Auch aus diesem Grund war diese politisch hochoffizielle Kontaktaufnahme für mich etwas ganz Besonderes und ein bisschen unvorstellbar!
                                                         
                                                        Und dann ist am Donnerstagnachmittag eine große schwarze Limousine mit einem Null-Kennzeichen auf unseren Parkplatz gerollt. Ohne ein Hoheitskennzeichen und ohne Polizei – damit hatte ich aber auch nicht gerechnet.
                                                        Ich begrüßte eine Frau und vier Männer in gediegenen schwarzen Anzügen.
                                                        Aus der Staatskanzlei hatte ich erfahren: am Vormittag hatte sich die Delegation mit Bodo Ramelow und mit der IHK getroffen und meine Schwester hatte auf den Berliner Kakteentagen eine Einladung ausgesprochen. Dennoch war mir nicht klar, wie wir zu diesem hochkarätigen Besuch gekommen sind. Also hab ich ganz platt nach dem Grund für den Besuch gefragt. Und ich erfuhr: in der Botschaft gibt es ein großes Kakteen-Display, in denen viele verschiedene Kakteen gezeigt werden. Es soll Sinnbild sein für die Vielfalt Mexikos. Ein Teil der Kakteen stammt aus dem Botanischen Garten Berlin und vermutlich wurden einige von den Berliner Kakteenfreunden gestiftet. Das wollte uns der Botschafter zeigen. Und auch das Interesse an einer deutschen Kakteengärtnerei. Im Laufe des Besuchs kam im Nebensatz sehr freundlich und dezent – also diplomatisch – die Frage, ob wir vielleicht auch ein paar Pflanzen stiften würden. Klar machen wir das! Ehrensache!
                                                        Und schon waren wir mitten im Gespräch.
                                                        CactusPodcast - 040 Kakteengeschichte - Begegnung der Kulturen: Mexikanischer Botschafter in der Kakteengärtnerei

                                                        von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte

                                                        https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2023/06/cactuspodcast-040-kakteengeschichte-mexikanischer-botschafter-besucht-kakteen-haage.mp3
                                                        Wieder schwarze Limousine

                                                        Und dann ist am Donnerstagnachmittag eine große schwarze Limousine mit einem Null-Kennzeichen auf unseren Parkplatz gerollt. Ohne ein besonderes Hoheitskennzeichen und ohne Polizei.
                                                        Damit hatte ich aber auch nicht gerechnet. Ich begrüßte eine Frau und vier Männer in gediegenen schwarzen Anzügen.
                                                        Aus der Thüringer Staatskanzlei hatte ich erfahren: am Vormittag hatte sich die Delegation mit Bodo Ramelow und mit der IHK getroffen.
                                                        Und meine Schwester hatte auf den Berliner Kakteentagen eine Einladung ausgesprochen. Ich bin mir sicher, es gab außerdem noch einen Freund bei den Berliner Kakteenfreunden, der in Berlin ein wenig Fäden gezogen hatte.

                                                        Dennoch war mir nicht klar, wie wir zu diesem hochkarätigen Besuch gekommen sind. Also hab ich ganz platt nach dem Grund für den Besuch gefragt.
                                                        Und ich erfuhr: in der Botschaft gibt es ein großes Kakteen-Display, in denen viele verschiedene Kakteen gezeigt werden. Es soll Sinnbild sein für die Vielfalt Mexikos. Ein Teil der Kakteen stammt aus dem Botanischen Garten Berlin und vermutlich wurden einige von den Berliner Kakteenfreunden gestiftet. Das wollte uns der Botschafter zeigen. Und auch das Interesse an einer deutschen Kakteengärtnerei.
                                                        Im Laufe des Besuchs kam im Nebensatz sehr freundlich und dezent – also diplomatisch – die Frage, ob wir vielleicht auch ein paar Pflanzen stiften würden.
                                                        Klar machen wir das! Ehrensache!
                                                        Und schon waren wir mitten im Gespräch.

                                                        Diplomdeutsch – oder Diplomatendeutsch?

                                                        An der Stelle ein Einschub mit etwas Nachhilfe in Sachen Diplomsprache? Diplomatie, also Botschaftsbegriffe.
                                                        Ich brauchte die jedenfalls, denn ich hab mich im Kaktusgärtneralltag nicht mit der Frage auseinandergesetzt, was ein Gesandter ist und was der Unterschied zum Botschafter.
                                                        Hier kommt der Service-Block, falls du das auch nicht wusstest:

                                                        Was ist eigentlich ein Botschafter?

                                                        Ein Botschafter ist ein Diplomat und der beamtete oberste Beauftragte eines Staates in einem anderen Land oder bei einer internationalen Organisation. Er wird vom Außenministerium entsandt und ist der persönliche Repräsentant des Staatsoberhauptes seines Landes. (sagt Wikipedia)

                                                        Der Botschafter ist der Chef der Botschaft, der Gesandte sein Vertreter. In großen Botschaften gibt es manchmal auch einen ersten und einen zweiten Gesandten. Ganz praktisch: die Anrede für den Botschafter lautet „Excellenz“, der Gesandte hat keine zusätzliche Anrede. Blöd für mich: ich hab mich an den angekündigten Gesandten gehalten und war mir der Sache auch weiter sicher, denn wenn es der Botschafter gewesen wäre, dann hätten ihn seine Mitarbeiter auch mit seinem Titel oder seiner Anrede bedacht. Das kenne ich aus den Ministerien, da erscheint mir die Wortwahl selbst in der dritten Person manchmal sehr historisch: „Herr Minister hat gesagt…“, oder „Frau Ministerin wird am Dienstag um 11 Uhr hier sein …“

                                                        In Mexiko sind diese Förmlichkeiten offenbar nicht so wichtig, oder die Menschen in der Delegation waren einfach so klassisch entspannt und locker miteinander unterwegs.
                                                        Ich hab mal wieder was gelernt: Sei dir nie zu sicher, mit nichts!

                                                        Kakteenessen, Tradition und Löwenzahn im Alltag

                                                        Zurück ins Gewächshaus:
                                                        Wir sind inzwischen bei den Mutterpflanzen angekommen.
                                                        Opuntien! Nopales – in Mexiko werden die gern als Gemüse gegessen – erzählt ein Delegierten und alle nicken eifrig mit besonderem Gesichtsausdruck.
                                                        Ja, ich weiß – und erzähle vom Kakteenessen in unserem Gewächshaus – und dass es im Moment schwierig ist Nopalitos als Salat im Glas zu importieren.
                                                        Ich überlege, wie ich das einsortiere, welches Gewicht hat der Kaktus als Nahrungsmittel im Alltag in Mexiko? Ich hab Kaktusblätter auf den Märkten im Süden der USA gesehen, auch in den großen Supermärkten in der Gemüseabteilung.
                                                        Im Nachgang mache ich mir darüber nochmal Gedanken, wie würde das erzählen? Mir kommt unser heimischer Löwenzahn in den Sinn. Würde ich in Vietnam überraschend über eine Pflanze stolpern, dann könnte ich auch erzählen: „esse ich, schmeckt, wird in Deutschland gern im Salat gegessen.“ Und es wäre wahr. Konkret ist es aber mindestens 30 Jahre her, dass ich meinen letzten Löwenzahnsalat genossen habe. Gut, „Löwenzahnhonig“ haben wir mit den Kindern im Kindergartenalter gemacht, aber auch das ist 10-15 Jahre her.
                                                        Ich sammle mich und meine Gedanken mal – auch Löwenzahn wird gegessen und es gibt einige Landwirte, die professionell Löwenzahn anbauen. Ich glaube aber, dass Kakteen in Mexiko und auf der Welt wirtschaftlich eine größere Bedeutung haben, als Löwenzahn. Wie groß die wirtschaftliche Bedeutung für Mexiko ist, das kann ich ja bei meinem ersten Besuch in der Botschaft mal erfragen …

                                                        Ich warne vor den feinen, weißen Dornen, den Glochiden an den Opuntien – aber schon hat der schwarze Anzug einen dünnen weißen Streifen auf dem Rücken.
                                                        Au weh!
                                                        Ich denke an die Ledersitze in der Limousine auf der Rückfahrt nach Berlin. Das wird bestimmt unangenehm.
                                                        Manchmal verstehen sie mich vermutlich nicht und sie sind einfach zu höflich, das zu zeigen.
                                                        Ich bemühe mich, Geschichten zu erzählen, die auch für Nicht-Kakteen-Spezialisten unterhaltsam sind.

                                                        Die nächste Frage hat mich deswegen kurz überrascht:
                                                        „Gibt es bei Ihnen auch Peotl?“ – wir schauen gerade die großen Astrophytum Mutterpflanzen an.
                                                        Moment – noch ein paar Schritte, dann sind wir bei den Lophophora.

                                                        Ja, Peotl haben wir – und ich höre Geschichten vom Heiligen Kaktus aus dem alten Mexiko.
                                                        Damals hatten die Kakteen eine ganz besondere Bedeutung – der Kaktus auf dem der Adler mit der Schlange sitzt – das war der Ursprung, dort ist das heutige Mexiko gegründet worden. Das war die Opuntie, die auch heute noch Wappenpflanze Mexikos ist.
                                                        Aber auch sonst seien Kakteen heute wieder mehr im Bewusstsein der Bevölkerung in Mexiko.
                                                        An der Nationalen Universität und dem zugehörigen Botanischen Garten sind die Kakteen gut vertreten, es gibt verschiedene Forschungsprojekte in denen es auch um die Erhaltung der Kakteenpopulation geht.

                                                        Frag den Kaktusgärtner – nein – heute: Frag den Botschafter!

                                                        Und das war das Stichwort – damit sind wir von ganz allein in die Rubrik FdK gekommen – heute besser FdB: frag den Botschafter – denn wir haben im Vorfeld ein paar Hörerfragen eingesammelt, die ich jetzt dem Botschafter stellen konnte.

                                                        roman (Insta)
                                                        Mich würde interessieren welchen Stellenwert Kakteen dort haben, wir hier hegen und pflegen das sie überleben, dort ist es eventuell manchmal so etwas wie Unkraut… 😍🌵🌵🌵

                                                        Kakteen sind für die Mexikaner wichtig. Die Pflanzen sind ziemlich tief in die Kultur und Traditionen des Landes eingebettet. Sie sind ein Teil des kulturellen Erbes sind auch Symbol für die Vielfalt von Mexiko.

                                                        Das war mir so nicht klar – aber es erklärt die Sache mit dem Kaktus-Display in der Botschaft und den Fakt, das eine so hochkarätige Delegation sich auf den Weg macht, um Kakteen zu besorgen – und das erstaunt mich ziemlich!
                                                        Dann ist da noch der Punkt mit den Kakteen in der mexikanischen Küche.

                                                        Opuntia zählt in manchen Regionen zu den Grundnahrungsmitteln, die Kakteenblätter oder Nopales oder Tunas (Opuntienfrüchte) oder Pitahaya (Früchte von Selenicereus oder Hylocereus).
                                                        Außerdem werden Kakteen in der Volksmedizin für alle möglichen Heilanwendungen eingesetzt.
                                                        Übrigens auch Lophophora.

                                                        Aure Lia (FB)
                                                        Was wird getan, damit die Lophophora in freier Wildbahn erhalten bleibt und wie läuft es bisher?
                                                        … und:

                                                        philippheidelweizel (insta)
                                                        Was für eine tolle Gelegenheit! Vielleicht könnt ihr mal nach Auswilderungsprogrammen bei Kakteen fragen.
                                                        Die Fragen passen gut zusammen – deswegen die Antwort im Paket:

                                                        Ja. Es gibt verschiedene Renaturierungsprogramme, die von der Regierung angeschoben werden und es gibt Programme aus Privatinitiative.
                                                        Und nicht zuletzt zielen verschiedene Forschungsprojekte der Nationalen unabhängigen Universität Mexiko (UNAM) auf die Erforschung und Erhaltung von Kakteen und anderen sukkulenten Pflanzen in verschiedenen Regionen von Mexiko.

                                                        Außerdem – und das war eine meiner Fragen: „gibt es viele Gärtner in Mexiko, die die Versorgung mit Kakteen im eigenen Land sichern.“
                                                        Die Mitarbeiterin hat diese Aussage etwas relativiert, sie sagte: „zumindest in Mexico D. C. gibt es genügend Kakteen zu kaufen.“

                                                        Thomas Paul (FB)
                                                        Ich würde mal fragen ob er den Chefgärtner zum Gegenbesuch nach Mexiko einlädt.

                                                        Ich war nicht so keck, nach einer Einladung zu fragen – aber ich habe sie bekommen.
                                                        Zwar kein Gegenbesuch in Mexiko, aber nach Berlin wurde ich eingeladen – und das finde ich schon abgefahren!

                                                        Jetzt ist dir sicher auch aufgefallen: einige der Antworten sind in erster Linie diplomatischer Natur „politisch pauschal positiv“.
                                                        Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass in der Botschaft in Deutschland Detail-Informationen über Artenschutz-Projekte vorliegen, das wäre definitiv zu viel erwartet, auch wenn der Besuch in der Gärtnerei einige Tage Vorlauf für die Vorbereitung gehabt hätte.

                                                        Deswegen möchte ich gern noch eine andere Seite dazu hören.
                                                        Mich interessiert: bist du selbst schon mal in Mexiko gewesen, oder kennst jemanden der vor Ort war und etwas zu konkreten Erhaltungsmaßnahmen von Kakteen in Mexiko erzählen kann?
                                                        Wie siehst du das?

                                                        Vom Sämling zum Kaktus und die Zukunft der Kakteen

                                                        Im Gewächshaus sind wir nach den Samenträgern bis zur Aussaat gekommen. Ich glaube die schiere Masse der winzigen Kakteensämlinge waren sehr beeindruckend, denn es kam vom Herrn Wirtschaftsgesandten die erste „technische Frage“.
                                                        Wie viele Mitarbeiter arbeiten hier? Die Sämlinge pikiert nur eine Kollegin – aber insgesamt sind wir zwölf, die die gesamte Gärtnerei am Laufen halten.
                                                        Ich bin manchmal selbst unsicher, ob das jetzt viel oder wenig ist – für eine normale Gärtnerei wäre es ganz schön viel – und auch die Qualifikation unserer Mitarbeiter macht mich immer wieder stolz!

                                                        Bei den Chamaecereus unterhalten wir uns über die Kakteengärtnereien und die momentanen Veränderungen auf dem Markt. Ich erzählen vom selten gewordenen Generationenwechsel bei den Kaktusgärtnern, denn meist ist es einfach Schwund. Das erlebe ich hier in Deutschland, aber auch in anderen Ländern der Erde.
                                                        Ich frage, ob wir in Zukunft Kakteen direkt aus mexikanischen Gärtnereien kaufen können. Der Botschafter strahlt und erzählt vom neuen Handelsabkommen und dass das vielleicht auch den Markt für den Handel mit Kakteen erleichtern könnte. Wie das konkret aussehen kann, das weiß ich noch nicht – aber ich bin zuversichtlich.

                                                        Wir haben die letzte Etappe unserer kurzen Rundreise durch die Kakteengärtnerei erreicht und stehen jetzt im Museum.
                                                        Ich erzähle von den verschiedenen Standorte, an denen die Gärtnerei in Erfurt ansässig gewesen ist, ich erzähle vom Kakteenjäger Fric der im Mexiko Kakteen gesammelt hat und offenbar ist die Sammlung mit Kakteenbriefmarken aus der ganzen Welt ein interessantes Feld.

                                                        Den Abschluss des Besuchs ist der Fototermin an der Friedrich Adolph Haage Gedenkplatte.
                                                        Daneben gibt es noch den obligatorischen Eintrag ins Gästebuch – und erst dann wird mir bewusst, wer uns besucht hat:
                                                        Es steht nämlich unter der Unterschrift:
                                                        Francisco Jose Quiroga Fernandes
                                                        Botschafter

                                                        Bevor ich hier den Sack auch zu mache sage ich Danke fürs zuhören und:
                                                         
                                                        meine Fragen:
                                                        Ich möchte gern deine Sicht hören.
                                                        Bist du selbst schon mal in Mexiko gewesen, oder kennst jemanden der vor Ort war.
                                                        Kannst du etwas zu konkreten Erhaltungsmaßnahmen von Kakteen in Mexiko erzählen?
                                                        Und wie siehst du das, ist die Erhaltung der Kakteen in Mexiko für dich wichtig? 
                                                         
                                                         
                                                        Und was kommt als nächstes?
                                                        Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 041 zum Thema 200 Jahre Kakteen-Haage.
                                                        In der Episode wird es um Dynamit und das Deutsche Gartenbaumuseum gehen. Es wird explosiv mit einem weiteren Kaktus und einem Gast. Ich bekomme eine Mütze – und du darfst auf die Geschichte echt gespannt sein!
                                                         
                                                        Und wenn du jetzt Fragen hast – oder deine Antworten auf meine Fragen schicken willst – oder vielleicht deine eigene Kakteengeschichte erzählen möchtest – melde dich einfach.
                                                        • Schick mir eine Mail an [email protected] oder
                                                        • schreib mir in unserer Facebook-Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
                                                          Wenn du mehr wissen willst – du findest die Shownotes, Fotos und viel mehr ganz einfach unter www.cactuspodcast.de/040
                                                          Bis zur nächsten Episode – wo wir weiter in der Geschichte schauen.
                                                          Bleib gesund und mach’s gut!
                                                           
                                                          Shownotes:

                                                          Darüber habe ich erzählt:

                                                          • Mexikanische Botschaft: https://embamex.sre.gob.mx/alemania
                                                          • Botschafter (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Botschafter 
                                                          • UNAM – Nationale Autonome Universität von Mexiko: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Autonome_Universit%C3%A4t_von_Mexiko
                                                          • Deutsches Gartenbaumuseum – https://www.gartenbaumuseum.de/
                                                             
                                                            Schöne Grüße aus der Blumenstadt Erfurt
                                                            Ulrich Haage mit schicken Grüßen aus der Kakteengärtnerei.
                                                             
                                                            Wie gefällt dir diese Episode?

                                                            Ich freue mich auf dein Feedback.

                                                            • per Mail an [email protected]
                                                            • in der FB CactusPodcast Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
                                                            • Kommentare direkt hier im cactusblog.de
                                                            • deine Bewertung auf iTunes – das wäre mir ein inneres Maximal-Blümchenpflücken!
                                                               
                                                                
                                                              Mehr gibt es wie immer in der Facebook CactusPodcast Community. 
                                                              Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episoden vornehmen?
                                                               
                                                              Du willst mehr vom CactusPodcast? Das geht ganz einfach:
                                                              Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes – nein Apple Podcast abonnieren. 
                                                              Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.
                                                               
                                                              Du willst noch mehr wissen / haben / hören?
                                                              Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
                                                              Keine Afilliate Links – ich erhalte keine Provision. 
                                                               

                                                              Der Beitrag CactusPodcast 040 – Kakteengeschichte: Begegnung der Kulturen – Mexikanischer Botschafter in der Kakteengärtnerei erschien zuerst auf Cactusblog.

                                                              28 min
                                                            • CactusPodcast 039 – Kakteengeschichte: Jubiläum – Bodo Ramelow und Goethe
                                                              200 Jahre Kakteen-Haage – Jubiläum Teil 2​ – Episode 039
                                                              Goethe, Kaktus und Bodo Ramelow
                                                              Hey, ich bin Ulrich Haage, ich bin Kaktusgärtner und bin ziemlich aufgeregt wegen der heutigen Episode – aber das halte ich noch eine Weile aus.
                                                              Wir machen heute zweierlei – wir machen Geräusche:
                                                              erstens: / Dornengeräusche
                                                              zweitens: / Autogeräusche
                                                              Nachtrag zur Königin der Nacht aus Episode 038
                                                              Eine Geschichte aus dem Botanischen Garten Dresden

                                                              Vor den Geräuschen gibt es noch einen Nachtrag zur letzten Episode: die Geschichte vom letzten sächsischen Kaiser und der Königin der Nacht:

                                                              Ich war vor einigen Wochen in Dresden. Dort wurde im Botanischen Garten eine zauberhafte Geschichte zur Königin der Nacht erzählt – und die erzählt euch heute kein anderer als René Burkhardt, der mich heute im CactusPodcastStudio besucht:

                                                              In den 1960er Jahren kündigten im Sommer die Zeitungen die zu erwartende Blüte der Königin der Nacht an. Am Abend versammelten sich Tausende Besucher vor dem Botanischen Garten, weit mehr, als ins Gewächshaus passen würden.

                                                              Um der Situation überhaupt wieder Herr zu werden wurde die Polizei gerufen, die dann „den Verkehr im Garten regelte“. So konnten alle Besucher die seltenen Blüten bewundern.

                                                              Und damit herzlich willkommen im CactusPodcast bei Teil zwei der Serie zum Thema 200 Jahre Kakteen-Haage.

                                                              Am liebsten würde ich jetzt stoppen und schauen, ob du da draußen tatsächlich heraushören konntest, was sich hinter den Aufnahmen verbirgt – denn das ist ja nicht so einfach, diese Sounds einzufangen.
                                                              Aber – die Zeit haben wir nicht, deswegen löse ich das erste Geräusch gleich auf.
                                                              Gleich.

                                                              CactusPodcast - 03 Kakteengeschichte - Jubiläum - Goethe, Kaktus und Bodo Ramelow

                                                              von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte

                                                              https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2023/04/cactuspodcast-039-kakteengeschichte-jubilaeum-goethe-kaktus-und-bodo-ramelow.mp3
                                                              Der Großvater – fast 200 Jahre dabei

                                                              Vorher steigen wir aber erstmal ein: uns erwartet heute eine ziemliche Promi-Dichte.
                                                              Wir beginnen gleich mal mit dem ältesten noch lebenden Promi: >>ping
                                                              DAS ist der GROSSVATER
                                                              Damit ist nicht mein Großvater gemeint, also nicht Walther Haage.
                                                              Und auch nicht dieser hier:
                                                              >> Fagott
                                                              Das ist der Fagott-Großvater aus Peter und der Wolf.
                                                              DER GROSSVATER ist unser alter schöner Echinocactus grusonii, vielleicht ist er dir ja schon mal in oder vor unserem Gewächshaus begegnet.
                                                              Und wenn nicht – auf www.cactuspodcast.de/39 findest du mindestens ein Foto von ihm. Da kannst du ihn in seiner ganzen Pracht anschauen – sogar mit Schärpe!

                                                              Warum Schärpe?

                                                              Na weil Jubiläum!
                                                              Kakteen-Haage feiert 2022 Jubiläum 200 Jahre – und dieser Echinocactus grusonii – heute korrekt übrigens Kroenleinia grusonii – gehört zu dem wenigen, das uns schon über die Jahrhunderte begleitet. Konkret: diese Pflanze ist zum Beispiel schon länger da, als beispielsweise unser altehrwürdiges Geschäftshaus. Das steht erst seit den 1890er Jahren. Und 1890 – damals war die Gärtnerei auch noch am anderen Ende der Stadt – im späteren Neu-Daberstedt angesiedelt.
                                                              Wir gehen aber noch weiter zurück in der Geschichte – in die 1820/30er Jahre und wir wechseln auch noch mal den Standort. Zu der Zeit befindet sich die Gärtnerei in der Schmidtstedter Straße – unweit des heutigen Erfurter Hauptbahnhofes.
                                                              Wir haben eine recht gute Dokumentation, die zeigt, dass diese Pflanze unsere Gärtnerei schon seit sehr langer Zeit begleitet. Neben dem Foto mit der Schärpe gibt es Fotos, auf denen ich als Kind mit diesem grusonii zu sehen bin, mit meinem Vater in jungen Jahren und auch mit meinem Großvater, mit dem Großvater sozusagen. In welchem Jahr die Pflanze aber nun ganz genau zu uns gekommen ist – das kann ich nicht mit Gewissheit sagen – aber dazu gibt es gleich von meinem prominenten Gast eine spannende Erklärung. Der muß aber erst noch ankommen.

                                                              Cactus Sounds und Geräusche raten

                                                              Echinocactus grusonii – ich bleibe erstmal bei diesem Namen – zählt ohne Zweifel zu den bekanntesten Kakteen überhaupt. Da mag man denken – darüber ist längst alles Spannende erzählt. Bei der Vorbereitung sind mir so viele Aspekte in die Finger gekommen, dass ich mich entschieden habe: dafür gibt es eine eigene Episode. Wenn du sofort mehr wissen möchtest: der Wikipedia-Artikel ist schon extrem informativ.
                                                              Die Deutsche Kakteengesellschaft hat die Pflanze 2008 zum Kaktus des Jahres gewählt – eben auch weil sie so bekannt ist.
                                                              Die kleine Kaktusmusik, die du in der Episode hören kannst, hat übrigens mein Spontangast Rene Burkhardt eigenhändig auf den Dornen des Großvaters gespielt.
                                                              Limousinen-Sound

                                                              Hier kommt das zweite Geräusch: Reifen einer Limousine auf Schotter.

                                                              Ich hab extra nachgeschaut: meine betagte Daimler B-Klasse ist auch eine Limousine. Und da du die Farbe ohnehin nicht zweifelsfrei raushören konntest, kannst du dir anhand des Abrollgeräusches vermutlich auch beim Hersteller nicht ganz sicher sein, was wir aufgenommen haben. Zum Jubiläum im September 2022 rollten jedenfalls zwei BMW 750 ld xdrive gecleant, mit Blaulicht, Sonderschutz (im Volksmund sagt man gepanzert) und ohne Standarte – und so ein Bolide kommt mit 6 Litern Diesel über die Runden.

                                                              Weil ich mich so mit den Autos beschäftigt habe: Bodo Ramelow fährt aber nicht nur den sparsamen 6-Liter-BMW-Boliden. Bei der Recherche zu dieser Episode habe ich ein Video aus seinem ersten Jahr als Thüringer Ministerpräsident gefunden, da ist er als Egon Olsen im Volvo von Erich Honecker unterwegs.
                                                              Ramelow im Honecker-Volvo – in der Autobild-Zeitung
                                                              … und der ganze Bodo – Egon Olsen Spot als Filmchen auf Facebook

                                                              Worüber ich mich etwas gewundert habe: es gibt fast keine Fotos von diesen Dienstfahrzeugen. Ich habe aber in meinem Fundus ein paar Bilder gefunden. 

                                                              … so Sorry für so viel Aufmerksamkeit für schnöde Autos – aber es hat einfach Spaß gemacht, all diese Details noch herauszufinden …

                                                              und wie steht es denn mit Bodo Ramelow und den Kakteen?

                                                              Bodo Ramelow ist im Februar 1956 in Osterholz-Scharmbeck geboren und aufgewachsen. Und hier gibt es eine – weit entfernte  – Verbindung zu den Kakteen: In Osterholz-Scharmbeck war auch Kurt Petersen zu Hause. Er war der 13. Präsident der Deutschen Kakteengesellschaft und ein hervorragender Epi-Kenner. Kurt Petersen war Initiator der EPIG (Interessengemeinschaft Epiphytische Kakteen – www.epig.org ) 

                                                              Mit den Kakteen – sagt Bodo Ramelow über sich selbst, hat er kein glückliches Händchen – das überlasse er lieber den Kakteengärtnern.

                                                              Das ist uns ganz recht! 

                                                               

                                                              200 Jahre und Ramelow – ist das normal?

                                                              Wenn ich das hier so locker erzähle und es vielleicht so rüberkommt, als würde ich sowas alle Tage machen können – der Schein trügt.
                                                              Über die zweihundert Jahre hab ich in der letzten Episode schon erzählt.

                                                              Und ja, wir haben in 200 Jahren einige Gäste bei uns begrüßen dürfen. Und wir haben uns auf den Tag und die Gäste vorbereitet. Trotzdem war ich aufgeregt. Aber es gab einen, der war das nicht – und diese kleine Geschichte möchte ich gern vor dem Vergessen bewahren.
                                                              Das kam so:
                                                              Der MP kam vom Parkplatz und ich begrüßte ihn „am Großvater“. Mein Vater, Hans-Friedrich Haage war derweil neben uns ins Gespräch vertieft und hatte unseren Gast nicht gleich mitbekommen. Und da sein Personengedächtnis nur wenig besser ist als meines, habe ich versucht, ihm bei der Vorstellung eine Brücke zu schlagen.
                                                              Ich also:
                                                              „Mein Vater.“ >
                                                              „Unser Landesvater.“ <
                                                              Offensichtlich durchschauten beide mein Ansinnen, es gab jedenfalls ein schallendes Gelächter.
                                                              Und meine Schwester hat den Moment für unser Gästebuch festgehalten.

                                                              Und was erzählt er denn nun?

                                                              Bodo Ramelow spricht über die Begegnung zwischen Friedrich Adolph Haage, dem Großherzog Ernst August von Sachsen Weimar, dem Freiherr Johann Wolfgang von Goethe und der Verbindung zu seinen eigenen Vorfahren, der Familie Fresenius.
                                                              Er spricht von Höhen und Tiefen, von der Bundesgartenschau und von dem, was Gärtner durch alle Zeiten hindurch geschaffen haben und heute noch bewegen.

                                                              Ich muss das nicht verbergen: Ich schätze unseren Ministerpräsidenten sehr, nicht wegen seiner lobenden Worte für uns – und es ist auch keine parteipolitische Ansicht.
                                                              Ich schätze Menschen, die weiter blicken wollen, die aufrecht sind, die Fehler machen können und die auch eingestehen können.
                                                              Das ist bei Wolfgang Tiefensee oder bei Bernhard Vogel so, ich denke an Hans-Dietrich Genscher oder Helmut Kohl. Und das ist bei ganz „normalen Menschen“ auch so und ich bin froh, viele solcher „normaler Menschen“ zu meinen Freunden zählen zu dürfen.
                                                              Das Bild des Großherzogs, der sich die Jacke auszieht und dem Gärtner zugesellt, daran habe ich mich erinnert, als ich mit eben diesem Bodo Ramelow im letzten Sommer im Harz in der Nähe vom Dreiherrenstein auf einer Borkenkäferfläche Bäume aufgepflanzt habe. Der Fototermin war vorüber, die Kameras eingepackt und die offiziellen Reden gehalten und wir haben zu zweit Bäume gesetzt und dabei geschwitzt – schweigend und ohne Jacke. Das muß ein MP nicht machen.
                                                              Aber er kann es tun. Und diese Nahbarkeit – das hat mich bei der Geste von Ernst August auch beeindruckt.
                                                              Die da oben – sind auch Menschen.
                                                              Der Job ist ein anderer und ich beneide sie nicht darum.

                                                              Auf bald – und bleib happy!

                                                               
                                                              Und was kommt als nächstes?
                                                              Das war der zweite Teil zum Kakteen-Haage-Jubiläum, diesmal mit Ministerpräsident Bodo Ramelow und Rene Burkhardt als Gast im Studio.
                                                              In der Episode 40 wird es explosiv mit einem weiteren Kaktus und einem Gast. Ich bekomme eine Mütze – und du darfst auf die Geschichte echt gespannt sein!
                                                               
                                                              Und wenn du jetzt Fragen hast – oder vielleicht deine eigene Kakteengeschichte erzählen möchtest – melde dich einfach.
                                                              • Schick mir eine Mail an [email protected] oder
                                                              • schreib mir in unserer Facebook-Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
                                                                Wenn du mehr wissen willst – du findest die Shownotes, Fotos und viel mehr ganz einfach unter www.cactuspodcast.de/038
                                                                Bis zur nächsten Episode – wo wir weiter in der Geschichte schauen.
                                                                Bleib gesund und mach’s gut!
                                                                Shownotes:

                                                                Darüber habe ich erzählt:

                                                                • Echinocactus grusonii – heute – https://de.wikipedia.org/wiki/Kroenleinia_grusonii
                                                                • EPIG – Interessengemeinschaft Epiphytische Kakteen – https://epig.org/ueber-die-epig/
                                                                • Deutsche Kakteengesellschaft – https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Kakteen-Gesellschaft
                                                                • Thüringer Staatskanzlei über den Besuch von Bodo Ramelow bei Kakteen-Haage – https://www.staatskanzlei-thueringen.de/medienservice/veranstaltungsberichte/detailseite/default-03e2b3e90f
                                                                • Ramelow im Volvo – https://www.autobild.de/klassik/artikel/volvo-264-te-kurioses-video-mit-sed-karosse-14708023.html
                                                                • und das Egon Olsen Volvo-Video dazu – https://www.facebook.com/watch/?v=337172750270030
                                                                • Deutsches Gartenbaumuseum – https://www.gartenbaumuseum.de/
                                                                   
                                                                  Stay tuned! 
                                                                  Schöne Grüße aus der Blumenstadt Erfurt
                                                                  Ulrich Haage mit schicken Grüßen aus der Kakteengärtnerei.
                                                                   
                                                                  Wie gefällt dir diese Episode?

                                                                  Ich freue mich auf dein Feedback.

                                                                  • per Mail an [email protected]
                                                                  • in der FB CactusPodcast Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
                                                                  • Kommentare direkt hier im cactusblog.de
                                                                  • deine Bewertung auf iTunes – das wäre mir ein inneres Maximal-Blümchenpflücken!
                                                                     
                                                                      
                                                                    Mehr gibt es wie immer in der Facebook CactusPodcast Community. 
                                                                    Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episoden vornehmen?
                                                                     
                                                                    Du willst mehr vom CactusPodcast? Das geht ganz einfach:
                                                                    Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes – nein Apple Podcast abonnieren. 
                                                                    Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.
                                                                     
                                                                    Du willst noch mehr wissen / haben / hören?
                                                                    Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
                                                                    Keine Afilliate Links – ich erhalte keine Provision. 
                                                                     
                                                                    … und hier kannst du das Video der Episode direkt anschauen …

                                                                    Der Beitrag CactusPodcast 039 – Kakteengeschichte: Jubiläum – Bodo Ramelow und Goethe erschien zuerst auf Cactusblog.

                                                                    20 min
                                                                  • CactusPodcast 038 – Kakteengeschichte: Jubiläum – Haage am Sächsischen Hof
                                                                    200 Jahre Kakteen-Haage – Jubiläum Teil 1​ – Episode 038
                                                                    Seid Ihr wirklich die älteste Kakteengärtnerei der Welt?
                                                                    „Seid ihr wirklich die älteste Kakteengärtnerei der Welt?“
                                                                    Das ist eine der häufigsten Frage, die ich beantworte.
                                                                    Es geht heute um 200 Jahre Kakteengeschichte – nämlich die von Kakteen-Haage.
                                                                    Wie und warum – und was nicht, das gibt’s heute und in den nächsten Episoden im CactusPodcast.
                                                                    Wie lassen sich 200 Jahre Kakteen-Geschichte erzählen?
                                                                    … mit viel Respekt!

                                                                    Wir starten heute eine Serie mit einem Blick in die Geschichte von Kakteen-Haage – und zum Teil ist das ja auch die Geschichte der Kakteen – mehr als mir das im Alltag bewusst ist.
                                                                    Ganz ehrlich – genau davor habe ich einen ziemlichen Respekt, denn ich hatte keine Ahnung, wie ich das in eine Episode gepresst bekomme – deswegen wird es jetzt eine kleine Serie. Klar, auch die kann keine 200 Jahre abbilden, aber so bekommst du entspannt ein Gefühl für ein paar Dinge, die in den letzten zwei Jahrhunderten in der Kakteenwelt passiert sind.

                                                                    Mein ganz persönliches:

                                                                    Ich sitze allein mit mir und ein paar tausend Kakteen im Gewächshaus und versuche endlich die nächste Episode auf den Weg zu bringen – und es fällt mir nicht so leicht. Und DAS ist mir in letzten zwei Jahren häufiger passiert, als es mir lieb ist – und es gefällt mir nicht. Es ist ein bisschen wie meine Versprechen nicht halten und das ist blöd.
                                                                    Mein Plan, die Episode 38 rechtzeitig den Weihnachtskakteen zu widmen, ist nicht aufgegangen. Auch die angekündigte Folge 39 ist noch nicht vorbereitet. Es gibt für dieses und für jenes auch plausible Gründe – allein, ich tue mich schwer, das einfach so hinzunehmen. Sowohl Schlumbergera und vielleicht auch die Hintergrundgeschichten aus dem ZDF Fernsehgarten kommen halt eben später. Sorry dafür! Mal wieder alles etwas anders.

                                                                    Jump

                                                                    Aber jetzt – wir springen jetzt zurück in der Geschichte. Erstmal nur ein paar Wochen – in den warmen Spätsommer 2022:

                                                                    CactusPodcast - 038 Kakteengeschichte - Jubiläum - Haage am Sächsischen Hof

                                                                    von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichten

                                                                    https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2023/01/cactuspodcast-038-kakteengeschichte-jubilaeum-haage-am-saechsischen-hof.mp3
                                                                    200 Jahre Kakteen-Haage
                                                                    Wir haben am 24. September 2022 gefeiert.
                                                                    Es war viel weniger pompös als mancher erwartet hat – und zugleich viel größer und schöner, als ich dachte.
                                                                    Der 24. September war ein ganz normaler Samstag – und trotzdem waren wir alle ziemlich aufgescheucht.
                                                                    Wir haben uns lange im Vorfeld Gedanken gemacht, wie wir die Feier begehen werden, Ideen haben wir schon Jahre vorher gesammelt – und wie es so ist – dann war es 2021, Corona und in Erfurt verwandelte sich. Es war BUGA in Erfurt – Bundesgartenschau und wir Gärtner hatte mehr als alle Hände voll zu tun. Und plötzlich war schon das Jubiläumsjahr angebrochen – und wir hatten immer noch zu tun.
                                                                    In unserer Familie kursiert ein Spruch, „Es ist traurig, sich allein zu freuen. Freu dich mit mir!“ Ich hab eben erst gelernt, dass dieser Text von Lessing stammt. Jedenfalls haben wir uns Gäste eingeladen, damit wir nicht allein feiern müssen.
                                                                    Unsere Gäste waren Wegbegleiter aus nah und fern. Ziemlich aufwändig war es, die Kollegen aus früheren Jahren zu kontaktieren – da sollte man doch in Zeiten von Social Media denken, wir sind alle vernetzt – Pustekuchen! Das war in manchen Fällen eine ziemliche Sucherei – und da bin ich froh, dass meine Mutter immer noch ihr altes Adressbuch führt! Ein echter Schatz!
                                                                    Aus der langen Gästeliste haben wir neun Redner ausgesucht – die – jeder aus seiner Sicht einen kleinen Blick auf eine ausgewählte Geschichte aus den 200 Jahren werfen wird. Klein – weil jeder Redner hat fünf Minuten Zeit – sonst bleibt ja keine Zeit zum Feiern mehr!
                                                                    Am Vormittag trudelten frühzeitig die Gäste ein. Unser erster Redner war übrigens der erste Gast, der morgens mit einem riesigen Dahlienstrauß auf dem Parkplatz stand.
                                                                    Gärtnerei im Jubiläums-Modus
                                                                    Seit dem letzten Sommer war am Haus die frisch sanierte Gedenktafel für Friedrich Adolph Haage angebracht. Meine Mutter und meine Tochter Maria haben zusätzlich einen Kranz aus Aloe darüber angebracht.
                                                                    Vor dem Gewächshaus stand festlich geschmückt „Der Großvater“ – unser ältester Echinocactus grusonii. Und im Gewächshaus haben sich die Gäste versammelt.
                                                                    Und wir springen 200 Jahre zurück in die 1820er Jahre. Das machen wir mit der Hilfe eines leibhaftigen Sachsens. Denn die Kakteengeschichte der Haages begann in Sachsen. Und da beginnt auch die Geschichte der kommerziellen Kakteengärtnerei.
                                                                    Auf diese Reise begleitet uns Winfried Kaiser, er ist der letzte amtierende Präsident der sächsischen Gärtner gewesen – und nun seit einigen Jahren schon im Ruhestand. Aber so richtig Ruhestand geht bei Gärtnern ja nicht – er ist oft noch in der Familiengärtnerei Kaiser Gartenbau in Weinböhla fleißig – und er hat ein heimliches Faible für Kakteen – das merkt man auch in seiner Rede.
                                                                    Wir sind jetzt in Sachsen:
                                                                    Winfried Kaiser: Friedrich Adolph Haages Ausbildung bei Sächsischen Hofgärtner Seidel

                                                                    Winfried Kaiser ist für mich immer ein besonderer Gärtner – nicht nur, weil er sich als „normaler Gärtner“ für Kakteen interessiert hat. Wann immer wir uns trafen, dann hat er sich intensiv nach den Kakteen erkundigt und immer auch eine eigene kleine Geschichte zu erzählen gehabt – das ist unter den Profigärtnern eher selten. ZVG – der Zentralverband Gartenbau, unsere berufsständische Organisation, dort haben wir uns regelmäßig getroffen, um zu schauen, wie wir gemeinsam das Leben der Gärtner in Deutschland etwas besser machen können.
                                                                    Seine Heimat Weinböhla ist übrigens auch ein bedeutender gartenbaulicher Standort – auch eine Kakteengärtnerei gab es dort, vielleicht sagt dir der Name Treuheit im Zusammenhang mit winterharten Kakteen etwas.
                                                                    Und die Familie – oder treffender – die Gärtnerdynastie der Seidels – von denen hast du sicher schon gehört – Kamelien, Schlossgarten Pillnitz – auch hier gibt es eine unheimlich spannende Familiengeschichte zu entdecken.
                                                                    Gab es zu der Zeit auch schon andere Kakteengärtnerei ?
                                                                    Ja, auch vor der Gründung von Kakteen-Haage im Jahr 1822 gab es einen Gärtner, der Kakteen zum Verkauf angeboten hat. Ich gehe davon aus, dass es nicht der einzige war. Ich hab in unserem Katalogarchiv auf den ersten Blick acht Kakteen im Schellhase-Katalog aus dem Jahr 1808 gefunden.

                                                                    Der erste Kakteen-Haage Katalog
                                                                    Bis der erste Katalog von Friedrich Adolph Haage erscheint, soll es noch einen Moment dauern – und auch da gibt es eine Überraschung: mein Großvater hat mir immer mal ein Dia von einer Kopie von der ersten Haage-Ausgabe mit einer englischen Signatur gezeigt – und so bin ich mein Leben lang davon ausgegangen, wir haben nur ein Bild von einer Kopie in unserem Archiv.
                                                                    Und dann habe ich bei den Vorbereitungen für das Haage-Buch „Kaktus, Kresse, Kohl“ in einer Kiste mit Unterlagen von meiner Großmutter das Original zutage gefördert. Das ist in dem Kasten wohl unter die Räder gekommen. Und vor wenigen Wochen habe ich sogar den zugehörigen Schutzumschlag entdeckt. Mein Großvater vermerkt darauf den unersetzlichen Wert des Dokuments, das aber für viele Jahrzehnte nicht mehr in seinem Umschlag ruht und beziffert ihn mit 20.000 Reichsmark, das entspricht heute grob 100.000 €. Spannend, was Geschichte für Werte bewegt!
                                                                     
                                                                    Und was kommt als nächstes?
                                                                    Das soll es für den ersten Teil gewesen sein. In der Episode 39 treffen wir auf weitere hochrangige Persönlichkeiten und einen weiteren Kaktus der bei uns – und überhaupt Geschichte schreibt – du darfst gespannt sein.
                                                                    Wenn du Fragen hast – oder vielleicht deine eigene Kakteengeschichte erzählen möchtest – melde dich einfach.
                                                                    • Schick mir eine Mail an [email protected] oder
                                                                    • schreib mir in unserer Facebook-Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
                                                                      Wenn du mehr wissen willst – du findest die Shownotes, Fotos und viel mehr ganz einfach unter www.cactuspodcast.de/038
                                                                      Bis zur nächsten Episode – wo wir weiter in der Geschichte schauen.
                                                                      Bleib gesund und mach’s gut!
                                                                      Shownotes:

                                                                      Darüber habe ich erzählt:

                                                                      • ZVG – https://www.derdeutschegartenbau.de/
                                                                      • Deutsches Gartenbaumuseum – https://www.gartenbaumuseum.de/
                                                                      • KaktusKochbuch – https://www.kakteen-haage.de/Literatur/Kakteenliteratur/Literatur/KochbuchKaktus-Ulrich-Haage-Ulrich-Manck.html
                                                                      • Hofgärtner Seidel – https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_Seidel
                                                                         
                                                                        Stay tuned! 
                                                                        Schöne Grüße aus der Blumenstadt Erfurt
                                                                        Ulrich Haage mit schicken Grüßen aus der Kakteengärtnerei.
                                                                         
                                                                        Wie gefällt dir diese Episode?

                                                                        Ich freue mich auf dein Feedback.

                                                                        • per Mail an [email protected]
                                                                        • in der FB CactusPodcast Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
                                                                        • Kommentare direkt hier im cactusblog.de
                                                                        • deine Bewertung auf iTunes – das wäre mir ein inneres Maximal-Blümchenpflücken!
                                                                           
                                                                            
                                                                          Mehr gibt es wie immer in der Facebook CactusPodcast Community. 
                                                                          Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episoden vornehmen?
                                                                           
                                                                          Du willst mehr vom CactusPodcast? Das geht ganz einfach:
                                                                          Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes – nein Apple Podcast abonnieren. 
                                                                          Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.
                                                                           
                                                                          Du willst noch mehr wissen / haben / hören?
                                                                          Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
                                                                          Keine Afilliate Links – ich erhalte keine Provision. 
                                                                           
                                                                          … und hier kannst du das Video der Episode direkt anschauen …

                                                                          Der Beitrag CactusPodcast 038 – Kakteengeschichte: Jubiläum – Haage am Sächsischen Hof erschien zuerst auf Cactusblog.

                                                                          23 min
                                                                        • CactusPodcast 037 – Pflanzenpflege: Gratis-Überwinterung für Kakteen und MDR Garten
                                                                          Gratis Überwinterung für Kakteen und MDR Garten​ – Episode 037
                                                                          Wie bringe ich meine Kakteen ohne extra Heizkosten durch den Winter? Ulrich Haage hat etwas ausgegraben.
                                                                          Herzlich willkommen zum CactusPodcast Episode 037
                                                                          Ich bin Ulrich Haage – und heute geht es um eine Idee, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Trotzdem mit Blick auf die aktuellen Energiepreise vielleicht eine Möglichkeit für den einen oder anderen Kakteensammler, seine Pflanzensammlungen kostengünstig, also ohne Mehrkosten durch den Winter zu bringen.
                                                                          Kakteen im Winter – drin und draußen und auch die Aufnahme ist so
                                                                          Diese Episode hat mal wieder ein paar Besonderheiten – zum einen: Der Hauptteil ist als Videocast und zum Teil draußen entstanden – deswegen ist der Ton nicht voll optimal, es gibt ein paar Windgeräusche – und ich zeige ein paar Sachen, die du dir vielleicht im Video nochmal anschauen willst – deswegen gibt es das Video in den Shownotes – oder direkt auf der Seite zur Episode 037 – und die findest du ganz einfach, indem du auf www.cactuspodcast.de/037 gehst.
                                                                           
                                                                          Die zweite Besonderheit:
                                                                          Das gleiche Thema behandeln wir auch in der Sendung vom MDR Garten vom 6. November 2022. Dort kannst du dir das nochmal in professionell gefilmt anschauen – dazu aber nachher noch mehr – jetzt erstmal zum Thema Gratis Überwinterung für Kakteen.
                                                                          Bitte nicht wundern – gleich kommt noch eine Begrüßung und ich brauche ein wenig Anlauf, um nochmal ins Thema zu kommen.
                                                                          CP037 Pflanzenpflege - Gratis Überwinterung für Kakteen

                                                                          von Ulrich Haage | CactusPodcast - Pflanzenpflege

                                                                          https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2022/11/cactuspodcast-037-pflanzenpflege-gratis-ueberwinterung-und-mdr-garten.mp3
                                                                          Noch Fragen zur gratis Schuhkartonüberwinterung?
                                                                          Ich schon, jedenfalls gibt es von mir noch ein paar Ergänzungen dazu – und eine Erkenntnis.
                                                                          Und mit der fange ich gleich mal an:
                                                                          wenn ich solche Geschichten erzähle – vor allem, wenn das im Fernsehen passiert – dann sind das immer extrem vereinfachte und verallgemeinerte Geschichten.
                                                                           
                                                                          Warum ist das so?
                                                                          Beim Fernsehen geht es immer um Zeit.
                                                                          Wer schon mal aufmerksam auf dem Set hinter den Kulissen beim Dreh zuschauen konnte, der ist vielleicht schon mal über den „Zeitnehmer“ gestolpert. Die Person hat die Aufgabe, im Gesichtsfeld des Moderators hinter der Kamera zu stehen, auf die Stoppuhr zu drücken, wenn ein Take startet, wild mit den Armen zu fuchteln, wenn die geplante Zeit zu Ende geht, damit hier in unserem Fall Moderatorin Diana Fritzsche-Grimmig – oder der Gast – also ich – zum Ende kommen.
                                                                          Wenn die Kameras wieder auf Standby sind, dann ruft der Zeitnehmer die real gedrehte Zeit in den Raum. Wenn er 2:30 ruft, aber nur 1:30 Minuten geplant sind, dann geht’s entweder von vorn los, mit einem neuen und kürzeren Take, oder ein geplantes Thema muss sterben. Das hatten wir diesmal auch.
                                                                          Dass in 90 Sekunden die meisten Themen nur an der Oberfläche angekratzt werden können und oft mehr Fragen entstehen, als geklärt werden, dass muss ich sicher nicht erklären.
                                                                          Jetzt noch ein paar Fragen im Detail
                                                                          • geht das wirklich?
                                                                            ja, das geht, aber ich muss ein paar Dinge korrekt machen – und es gibt natürlich keine Garantie:
                                                                            Zum Verständnis – diese Methode ist keine ideale Lösung und ich laufe Gefahr, dass es Verluste dabei gibt. Pflanzen, die ich so überwintern will, müssen gesund und gut abgetrocknet sein, damit sie diese Form der Winterruhe gut überstehen. Konkret: ich habe keine Schädlinge oder Krankheiten an den Pflanzen und habe in den letzten vier Wochen nicht mehr gedüngt und mindestens 14 Tage nicht mehr gegossen.
                                                                          • geht das bei allen Pflanzen?
                                                                            Nein!
                                                                            Wie immer lautet meine Empfehlung wie bei der Reinigung: erstmal an einer ungefährlichen Ecke ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Wenn ich bisher noch nicht so viel Erfahrung mit meinen Pflanzen habe, dann würde ich nicht gleich alle Pflanzen so behandeln, sondern die robustesten und am leichtesten ersetzbaren zum Lernen nehmen. Sehr weiche Pflanzen wie Blattkakteen oder Sukkulenten wie beispielsweise Echeveria scheiden aus, die würden den Winter nicht überstehen. Für meine besonders wertvollen Schätze und ganz junge Pflanzen wie die Aussaaten brauche ich auch weiter einen Platz auf dem Fensterbrett. Wenn ich dagegen eine Caudexpflanze wie Dioscorea oder Stephania habe, die ohnehin gerade alle Blätter abgeworfen hat – dann kann ich die getrost einpacken und wegräumen.
                                                                          • ist trotzdem Pflege nötig?
                                                                            Ja! Ich sollte alle zwei bis drei Wochen ein paar Pflanzen auswickeln und schauen, ob alles noch fit ist. Wenn die Pflanzen durchtreiben, also hellgrüne oder gelbe Austriebe zeigen, dann hat es nicht geklappt, die Pflanze war noch im Wachstum und sollte dann im Hellen weiterkultiviert werden. Auch bei Schädlingsbefall muss ich die Pflanze wieder auspacken, behandeln und unter Kontrolle behalten.
                                                                            Ich weiß – auch jetzt bleiben sicher noch viele Fragen offen – wenn du mehr wissen möchtest – schick mir einfach eine Nachricht.
                                                                            Frag den Kaktusgärtner
                                                                            Heute hab ich noch ein Bonbon in der Rubrik Frag den Kaktusgärtner:
                                                                            Ich hab eine Nachricht von Steffi bekommen. Sie schreibt:
                                                                            … leider habe ich Ihren Cactuspodcast erst jetzt entdeckt, ab sofort bin ich fleißige Hörerin.
                                                                            Ich finde den Podcast spannend, sehr informativ und die Geschichten aus der Kaktusfarm sind einfach schön und für mich sehr interessant.  Auch die Offenheit bei bestimmten Themen macht Sie einfach nur sehr sympathisch, Hut ab vor solch einem Chef, meinen Respekt.
                                                                            Ein dickes Dankeschön, für solch ein Lob – läuft runter wie Öl und es tut gut, solch ein Feedback zu bekommen.
                                                                            ❤️
                                                                            … das  wollte ich einfach mal loswerden, habe aber auch noch eine Frage:
                                                                            Ich habe einen Echinocactus grusonii geschenkt bekommen, eine ältere Pflanze mit ca. 30 cm Durchmesser. Leider steht die Pflanze in reiner Torferde, keine Kakteenerde. Sollte ich die Pflanze so kurz vor dem Winter noch in Kakteenerde umtopfen?
                                                                            Die Sache mit der Torferde kurz vor dem Winter: eigentlich ist jetzt keine gute Zeit mehr zum Umtopfen, denn meist bekommt man den Torf nicht so einfach von der Wurzel.
                                                                            ABER – egal welcher Kaktus – im Winter steigen die Chancen für Schädlingsbefall, wenn Kakteen in reinem Torf, oder Torf-Sand Gemisch kultiviert werden. Speziell Wollläuse freuen sich dann und wetzen die Messer. Man kann jetzt abwägen, welches Problem größer ist.
                                                                            Meine Empfehlung ist an der Stelle fast immer: den Wurzelballen in lauwarmen Wasser einweichen und vorsichtig entfernen, die Pflanze einige Tage trocknen lassen und dann in eine Kakteenerde mit ausreichend mineralischen Anteilen umtopfen. Über den Winter die Pflanze möglichst trocken halten, weil vor dem Frühjahr im Allgemeinen keine neuen Wurzeln gebildet werden.
                                                                            Und jetzt frage ich:
                                                                            Mich interessiert – wie überwinterst du deine Kakteen?
                                                                            Ist bei dir alles im grünen Bereich? Heizung safe?
                                                                            Pflanzen schon komplett eingeräumt?
                                                                            Willst du die Schuhkarton-Überwinterung mal probieren?
                                                                            Ich freu mich auf deine Nachricht an [email protected], als Kommentar auf www.cactusblog.de oder in unserer kleinen Community auf Facebook: https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/ 
                                                                             
                                                                            Und was kommt als nächstes?
                                                                            Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 038 und da geht es unter anderem um Weihnachtskakteen, denn am 15. November bin ich zu Gast im Podcast bei den Grünstadtmenschen von Mein schöner Garten >> schau mal bei https://gruenstadtmenschen.blogs.julephosting.de/ vorbei.
                                                                            Ich hab mich mit Karina über Schlumbergera unterhalten – und sie hat sich echt knifflige Fragen für mich ausgedacht. Am Ende ist das Thema aber so groß, dass ich entschieden habe, dass ich noch eine Ergänzung dazu mache.
                                                                             
                                                                            Außerdem:
                                                                            Wenn ich es schaffe, dann ist auch das Garten-Fernsehen auch nochmal Thema. Ich war im Oktober mit unseren Kakteen im ZDF-Fernsehgarten auf dem Erfurter Petersberg zu Besuch. Was ich dort erlebt habe – und drumherum, davon erzähle ich vielleicht auch noch ein paar intime und investigative Geschichten.
                                                                             
                                                                            In diesem Sinne – das wars für heute.
                                                                            Bleib gesund, schau in die Shownotes und schreib mir mal, wie dir der CactusPodcast gefällt.
                                                                             
                                                                            Stay tuned! 
                                                                            Schöne Grüße aus der Blumenstadt Erfurt
                                                                            Ulrich Haage mit schicken Grüßen aus der Kakteengärtnerei.
                                                                             
                                                                            Shownotes:

                                                                            Darüber habe ich erzählt:

                                                                            • Das Herzstück dieser Episode als Video: https://www.youtube.com/watch?v=BuYZ_AOFftk&t=184s
                                                                            • Der MDR Garten aus den Gewächshäusern bei Kakteen-Haage: https://www.ardmediathek.de/video/mdr-garten/mdr-garten/mdr-fernsehen/Y3JpZDovL21kci5kZS9iZWl0cmFnL2Ntcy9iMzM1NzNlMi1hYmY0LTRlYjAtOTBhNC1mZGYwNGRiYzc2MDc
                                                                            • coming up next: Weihnachtskakteen in CactusPodcast Episode 038 – und zu diesem Thema bin ich am 15.11. zu Gast bei Karina von den Grünstadtmenschen – https://gruenstadtmenschen.blogs.julephosting.de
                                                                              Wie gefällt dir diese Episode?

                                                                              Ich freue mich auf dein Feedback.

                                                                              • per Mail an [email protected]
                                                                              • in der FB CactusPodcast Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
                                                                              • Kommentare direkt hier im cactusblog.de
                                                                              • deine Bewertung auf iTunes – das wäre mir ein inneres Maximal-Blümchenpflücken!
                                                                                 
                                                                                  
                                                                                Mehr gibt es wie immer in der Facebook CactusPodcast Community. 
                                                                                Welche Themen soll ich mir in den kommenden Episoden vornehmen?
                                                                                 
                                                                                Du willst mehr vom CactusPodcast? Das geht ganz einfach:
                                                                                Sogar automatisch: jetzt gleich den CactusPodcast auf iTunes – nein Apple Podcast abonnieren. 
                                                                                Auch diesmal habe ich mir wieder viel Mühe gegeben, die Shownotes mit noch mehr Informationen zu ergänzen.
                                                                                 
                                                                                Du willst noch mehr wissen / haben / hören?
                                                                                Service-Links – ich bin Überzeugungstäter!
                                                                                Keine Afilliate Links – ich erhalte keine Provision. 
                                                                                 
                                                                                … und hier kannst du das Video der Episode direkt anschauen …

                                                                                Der Beitrag CactusPodcast 037 – Pflanzenpflege: Gratis-Überwinterung für Kakteen und MDR Garten erschien zuerst auf Cactusblog.

                                                                                30 min
                                                                              • Polaskia chichipe – alles andere als Standard
                                                                                Polaskia chichipe – etwas anders als gewöhnlich

                                                                                Es gibt Kakteen, die sind weniger bekannt als andere. Die Polaskia zählt zu den eher weniger bekannten. Und sie ist ein bisschen wie eine Katze.

                                                                                Mag es gern wärmer, so wie es in Oaxaca und Puebla in Mexiko eben ist. Dabei kommt sie aber auch mit niedrigen Temperaturen bis -4° C aus.

                                                                                Bei uns ist sie beliebt, weil sie im Unterschied zu Carnegiea gigantea bereits in haushaltstauglicher Größe beginnt, sich zu verzweigen – sozusagen der Hands-Up-Kaktus für die Wohnung.

                                                                                Nützlich – diese Polaskia chichipe

                                                                                In der Heimat gibt es andere, handfeste Gründe für die Beliebtheit. So mögen die Einheimischen die Polaskia wegen ihrer essbaren purpurroten Früchte, die sie chichituna nennen. (spannend für mich: ich finde bis auf diese Abbildung bei Pinteres keine Fotos von diesen Kaktusfrüchten) An manchen Orten gibt es regelrechte „Obstplantagen“ in denen die bis zu 2,5 cm großen Polaskia-Früchte geerntet werden.

                                                                                Und noch ein weiterer praktischer Nutzen ist bekannt: wie alle Säulenkakteen haben auch Polaskia im Inneren ein stabiles hölzernes Stützgerüst, um die bis zu 5 Meter hoch werdende Pflanze auch sicher tragen zu können. So stabil, dass früher daraus Zäune und Möbel gebaut wurden. Darüber berichtet sogar ein Zeitungsartikel aus den 20er Jahren in unserem Archiv.

                                                                                Die häufigste Nutzung der Einheimischen war indes auf die Verwendung als Brennholz reduziert.

                                                                                So etwas könnte heute zum Problem werden – denn Kaktusholz steht inzwischen unter Schutz, auf ähnlichem Level wie Ariocarpus oder Elefant.

                                                                                Deswegen sind selbst die „Regenmacher“ entweder aus anderem Holz geschnitzt, oder sie sind echt und teuer. Wenigstens in der Theorie müssten sie sogar mit einer Mini-CITES Bescheinigung versehen sein. In der Praxis ist das aber nicht so. 

                                                                                Und so klingt solch ein Rainmaker oder Regenholz:

                                                                                https://video1.thomann.de//vidiot/02591c1c/video_i5139p10_yd59vqpa.mp4

                                                                                 

                                                                                Typisch für die Jungpflanzen ist der leicht kreidige Farbverlauf in Richtung Austrieb und die noch feinen, manchmal sogar gestreiften Dornen.

                                                                                Mit zunehmendem Alter werden daraus scharfe Waffen – die bei innigem Kontakt schmerzhafte Erinnerungen hinterlassen können.

                                                                                Mit zunehmendem Alter hat diese Pflanze auch neue Namen bekommen – und zwar eine ganz stattliche Sammlung:

                                                                                • „Chichibe“,
                                                                                • „Chichituna“,
                                                                                • Cereus chichipe,
                                                                                • Lemaireocereus chichipe,
                                                                                • Myrtillocactus chichipe,
                                                                                • Cereus mixtecensis,
                                                                                • Lemaireocereus mixtecensis,
                                                                                • Chichipia oder
                                                                                • Heliabravoa.
                                                                                • Wie Sie die kleine Schönheit rufen, können Sie sich aussuchen. 

                                                                                  Hier gibt es Polaskia bei Kakteen-Haage.

                                                                                   

                                                                                  © Ulrich Haage – erstmals erschienen gekürzt als Titelstory im Kakteen-Haage Katalog 2019 Herbst / Winter

                                                                                  Der Beitrag Polaskia chichipe – alles andere als Standard erschien zuerst auf Cactusblog.

                                                                                  1 min

                                                                                About Blog Archive • Cactusblog

                                                                                From the publisher's feed

                                                                                Aus dem Leben eines Kaktusgärtners