Christoph predigt

Brückenbau GmbH


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[Fischer] Liebe Konfis,

[Fischer] Ich war nur einmal seekrank. Das hat mir aber auch gereicht. Die Fahrt auf dem Meer war gar nicht lange -- von Helsingborg in Schweden nach Helsingør in Dänemark. 20 Minuten mit der Fähre nur. Aber an dem Tag war es wellig und windig, ich hatte wenig geschlafen und vermutlich irgendetwas gegessen, was auch nicht half. Kurz, mir war hundeübel. Diese Fahrt wird mir in schlechter Erinnerung bleiben. Muss nicht nochmal sein! Dabei bin ich einfach nur ein paar Jahre zu früh auf dieser Strecke gereist. Inzwischen geht das nämlich ganz einfach. Am 1. Juli 2000 wurde ganz in der Nähe -- ihr ahnt es schon -- eine Brücke eröffnet. Von Malmö geht es nun bequem nach Peberholm und von dort aus durch den Tunnel nach Kopenhagen. Da würde ich jetzt auch wieder bedenkenlos hinfahren.

[Engele] Eine Brücke also: Ihr habt es uns ja nicht ganz leicht gemacht mit dem Symbol, das ihr euch ausgesucht habt--gibt es doch keine spannende Bibelgeschichte, die man jetzt einfach erzählen könnte als Pfarrer, um diesen Gottesdienst mit Inhalt zu füllen. In der dicken Lutherbibel, die hier auf dem Altar liegt, kommt das Wort "Brücke" kein einziges Mal vor. Die interessanten Geschichten der Bibel brauchen das auch nicht. Als zum Beispiel das Volk Israel beim Auszug aus Ägypten ohne Ausweg am Toten Meer steht, baut Gott nicht schnell eine Brücke, um sie außer Gefahr zu bringen. Er teilt einfach gleich das komplette Meer und sie ziehen trockenen Fußes hindurch. Ähnlich geht es beim Einzug nach Kanaan, als Gott den Jordan teilt. Oder als der Prophet Elia am Ende seines Lebens ans andere Flussufer will. Brücken sind nichts, was die Bibelgeschichten brauchen.

[Fischer] Man muss sich also auf die Bedeutung der Brücke konzentrieren, wenn man daraus irgendetwas lernen will. Dazu habt ihr uns heute schon viel erzählt. Und tatsächlich lässt sich auch in der Bibel ganz viel finden, wenn man verstanden hat, was eine Brücke im Wesentlichen ausmacht. Alle Brücken, egal ob hoch oder niedrig, egal ob lang oder kurz, egal ob es sich um eine fünfspurige Autobahnbrücke handelt oder eine abenteuerlich schwankende Seilbrücke über eine tiefe Schlucht -- alle Brücken haben das ganz Wesentliche gemeinsam: Sie verbinden, was sonst getrennt wäre. Sie machen zugänglich, was sonst auf der "anderen Seite" unerreichbar wäre -- oder zumindest, wohin man nur mit großer Mühe kommen könnte. So freuen sich 70.000 Reisende zwischen Italien und Österreich jeden Tag, dass sie sich nicht wie früher auf kleinen gewundenen Sträßchen durch irgendwelche Alpendörfer quälen müssen, sondern gegen eine kleine Gebühr über die Europabrücke fahren können. Das ebenfalls Europabrücke genannte Bauwerk zwischen Kehl und Straßburg verbindet, nur etwa 120km von hier, zwei Länder, die früher "Erzfeinde" waren. Und ich werde auf dem Öresund nicht mehr seekrank.

[Engele] Eine Brücke also: Verbindung zwischen dem, was sonst getrennt ist. Das ist genau das, liebe Konfis, was wir in dieser Welt ganz dringend brauchen: Brücken, wo es sonst nur Trennung gibt. Davon haben wir nämlich viel zu viel: Von Menschen, die sich enttäuscht voneinander abwenden. Von Familien, die zerbrechen. Von Leuten, die sich über unterschiedliche Meinungen völlig zerstreiten. Von denen, die nur auf den eigenen Vorteil schielen und ohne Rücksicht auf andere ganz viel Porzellan zerschlagen im Leben. Von Spannungen, von Diskriminierung und Mobbing, von Gewalt und Krieg. Davon haben wir genug. Und deshalb bauen wir viel zu oft ganz andere Dinge als Brücken: Grenzzäune zum Beispiel und Schranken. Mauern, nicht nur aus Stein und Stacheldraht wie die, die wir 40 Jahre lang hier in Deutschland hatten. Wir schotten uns ab. Wir ziehen Grenzen. Wir sichern das Gebiet unserer Ansprüche.

[Fischer] Dabei bräuchten wir so dringend Brückenbauer. Bei Jesus klingt das so: "Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen." Jesus sieht das Lebensglück bei denen, die auf andere zugehen -- trotz unterschiedlicher Meinungen, trotz Vorurteile, trotz Streit und Verletzungen. Friedensstifter, das sind Brückenbauer. Menschen, die von ihrer Position aus anfangen, einen Weg auf den anderen zu zu bauen, auf dem man sich dann begegnen kann. Auf dem man zueinander kommen kann, sich umarmen und dann ein Fest der Versöhnung miteinander feiern. Wie würde sich unsere Welt verändern, wenn wir mehr von dieser Sorte hätten. Und deshalb wünschen wir euch -- und unserer ganzen Welt -- so sehr, dass ihr auf euren Lebenswegen zu Brückenbauern werdet.

[Engele] "Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen." Ihr habt ja beim Konfi-Wochenende schon einmal ganz praktisch begonnen, das zu üben. Dabei habt ihr festgestellt, das das nicht ohne Herausforderungen ist. Das kann eine ganz schön wackelige Angelegenheit sein. In der Theorie ist das immer viel leichter. Die Konstruktion, die hier vorne auf dem Altar steht, wurde von dem genialen Leonardo da Vinci entworfen. In der Theorie steht sie ohne eine einzige Schnur, ganz von selbst und sicher. Das geht auch -- das wurde oft genug demonstriert. Besonders gut funktioniert es, wenn man starke, gerade Balken nimmt. Noch besser, wenn man die an der richtigen Stelle einkerbt. Dann ist es faszinierend, wie sich das Ganze komplett selber trägt. Nur ist es im Leben viel öfter so, wie hier bei unserer Brücke: Man findet nur krumme Hölzer. Das Leben verläuft nicht immer in den einfachen, geraden Bahnen mit den offensichtlichen, simplen Lösungen, die wir so gerne hätten. Es legt uns oft genug viel Krummes, Schwieriges in den Weg. Dann braucht man Mut zum Brückenbauen. Dann wackelt es und die Knie beginnen zu zittern. Unsere Brücke hier ist mehr als 20 Mal eingestürzt, bevor sie endlich stabil und fertig war. Da hätten viele schon lange aufgegeben. Brückenbauen ist eine ganz schön große Herausforderung!

[Fischer] "Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen." Den brauch ich nämlich. Sonst wird das nichts. Ich war ja der, der es beim Konfiwochenende mit zitternden Knien ganz oben auf die Brücke geschafft hat. Und der, der dann entschieden hat, aus Sicherheitsgründen nicht die geplanten Konfifotos oben auf der Brücke zu machen. Ich weiß, wie unsicher das Ganze ist! Wie soll das nur im Leben klappen?

[Fischer] Ich glaube, ich habe die Lösung bei Jesus gefunden. ("Wo sonst--als Pfarrer?", denkt ihr jetzt...) Der kurze Satz, den ihr von ihm schon gehört habt, hat es nämlich in sich: "Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen." Vielleicht muss man den Satz von hinten her lesen. Von den Kindern Gottes her nämlich. Dann fällt einem vielleicht auf, dass unsere schwankenden Brückenkonstruktionen ja gar nicht das erste Bauprojekt sind. Lange vor uns hat schon ein anderer eine Brücke gebaut: Gott nämlich. Er hat sich auf den Weg zu uns gemacht, als wir getrennt von ihm waren. Er ist zu uns gekommen, als wir das umgekehrt nie geschafft hätten und verdient sowieso nicht. Er kam uns entgegen in Jesus Christus. Er wurde Mensch und einer von uns. Er brachte neues Leben dahin, wo keines war. Seine Brücke heißt Jesus. Ihre Form ist das Kreuz. Mit Jesus ist das "Reich Gottes", das Ziel unserer Hoffnung, mit Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geist von der "anderen" Seite hierher zu uns gekommen, wo es mit Jesus begonnen hat. Der Apostel Paulus beschreibt das im Epheserbrief so:

[Engele] Darum denkt daran, [...] dass ihr zu jener Zeit ohne Christus wart, ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels und den Bundesschlüssen der Verheißung fremd; daher hattet ihr keine Hoffnung und wart ohne Gott in der Welt. Jetzt aber in Christus Jesus seid ihr, die ihr einst fern wart, nahe geworden durch das Blut Christi. Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht hat und hat den Zaun abgebrochen, der dazwischen war, indem er durch sein Fleisch die Feindschaft wegnahm. Er hat das Gesetz, das in Gebote gefasst war, abgetan, damit er in sich selber aus den zweien einen neuen Menschen schaffe und Frieden mache und die beiden versöhne mit Gott in einem Leib durch das Kreuz, indem er die Feindschaft tötete durch sich selbst. Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren. Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, (Epheser 2,11-19)

[Fischer] Es heißt, die besten Brückenbauer müssten schwindelfrei sein. Ich glaube vor allem, sie brauchen einen sicheren Stand. Und genau da liegt das Geheimnis des Brückenbauens: Am besten geht das mit Menschen, die sich im Leben sicher sind. Die nicht schon durch Meinungsunterschiede grundsätzlich in Frage gestellt sind. Die bei krummen Hölzern und krummen Lebenswegen nicht komplett zusammenbrechen. Die auch bei Widerstand und Ablehnung noch wissen, wer sie sind. Menschen, wie ihr, liebe Konfis. Menschen, die "Gottes Kinder heißen." Menschen, die bekennen können, was ihr heute bekennt: Gott ist in Jesus Christus auf mich zugekommen. Er hat mich lieb und hat mir versprochen immer bei mir zu sein, komme, was wolle. Auch, wenn es krumm wird und wackelt und schwankt. Er hat sein "Ja" zu mir gesagt und darauf stehe ich. Daraus lebe ich. Er hat zu mir eine Brücke gebaut und im Vertrauen auf ihn darf ich sie jetzt weiterbauen, zu anderen hin.

[Fischer] Deshalb, liebe Konfis, baut! Seid für den Rest eures Lebens die "Brückenbau GmbH" (Das steht ja bekanntlich für: Gotteskinder mit begründer Hoffnung) Gott helfe euch dabei und segne euch und durch euch die Menschen, die eure Brücken verbinden--damit keiner mehr seekrank werden muss. Amen.

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