„Auf ein Formular passt kein Leben“: Herta Müller beschreibt, was geschieht, wenn eine Biografie durch Diktatur, Überwachung und erzwungene Ausreise aus ihren Zusammenhängen gerissen wird. Aufgewachsen in der deutschsprachigen Minderheit im rumänischen Banat, erlebte sie die Verfolgung durch die Securitate und kam 1987 in die Bundesrepublik – wo ihr zunächst erneut mit Misstrauen begegnet wurde.
Im Gespräch mit Shelly Kupferberg reflektiert die Literaturnobelpreisträgerin über ein „weggetragenes Leben“, über Heimat als notwendige und zugleich politisch missbrauchte Vorstellung und über die Erfahrung, eine Sprache zu verstehen, ohne alle gesellschaftlichen Situationen lesen zu können. Sie erzählt von Akten, Verleumdungen und der tiefen Verletzung, die das Gehenmüssen hinterlässt. Dabei richtet sich ihr Blick immer wieder auf die Gegenwart: Was bedeutet es, Demokratie tatsächlich zu leben? Und wie lassen sich Erfahrungen von Exil vermitteln, ohne sie auf abstrakte Begriffe zu reduzieren? Ein eindringliches Gespräch über Sprache, Freiheit und die Notwendigkeit, einzelne Lebensgeschichten vor dem Verschwinden zu bewahren.