Die Perspektiven der Macher.
ROSE Bikes ist vom klassischen Fahrradhändler zu einer der bekanntesten deutschen Premium-Fahrradmarken geworden. Heute beschäftigt das Familienunternehmen nach eigenen Angaben rund 650 Mitarbeitende und erwirtschaftet etwa 215 Millionen Euro Umsatz.
Der Weg dorthin war keine lineare Erfolgsgeschichte. Immer wieder musste ROSE zentrale Elemente des eigenen Geschäftsmodells infrage stellen: den gedruckten Katalog, den Handel mit Fremdmarken, ein extrem breites Customizing-Angebot und die Vorstellung, dass Direct-to-Consumer ausschließlich digital funktionieren müsse.
Im Gespräch mit Thorsten Heckrath-Rose geht es darum, wie Transformation in einem Traditionsunternehmen tatsächlich funktioniert.
warum die größten Wachstumsschritte häufig auf die disruptivsten Entscheidungen folgten,weshalb ROSE sein individuelles Customizing trotz hoher Kundennachfrage weitgehend aufgegeben hat,wie Standardisierung Produktion, Qualität und Skalierbarkeit verändert,warum eine starke Eigenmarke langfristig mehr Kontrolle ermöglicht als ein austauschbares Handelsmodell,welche Rolle Stores als Community-, Service- und Erlebnisorte spielen,warum ROSE beim Customer Service auf eine Kombination aus Technologie und menschlicher Expertise setzt,wie das Unternehmen internationale Märkte testet, ohne das deutsche Modell einfach zu kopieren, weshalb Thorsten Heckrath-Rose beim Thema Investoren bewusst zurückhaltend bleibt,was die Partnerschaft mit dem Profiradsport-Team ROSE Racing Circle von klassischem Sponsoring unterscheidet,und warum Reshoring, neue Produktionsverfahren und kürzere Lieferketten das Geschäftsmodell der Fahrradindustrie grundlegend verändern könnten.Die zentrale Entscheidung
ROSE Bikes hat das breite Customizing-Angebot beendet, obwohl es lange Teil der Differenzierung war.
Die Entscheidung reduzierte Komplexität in Einkauf und Produktion, verbesserte die Qualität und ermöglichte es, stärker mit standardisierten Prozessen und Quereinsteigern zu arbeiten. Erst dadurch wurde das Geschäftsmodell in größerem Maßstab skalierbar.
Der eigentliche Wendepunkt war der Wechsel vom Händler zur eigenständigen Marke.
Als Onlinehandel und Plattformen den Wettbewerb über Preis, Sortiment und Liefergeschwindigkeit verschärften, erkannte ROSE: Ein Händler kann schnell kopiert werden. Eine Marke mit eigener Produktkompetenz, Ästhetik, Community und technischer Positionierung deutlich schwerer.
Unternehmen müssen nicht ihre bisherigen Erfolgsmodelle schützen. Sie müssen die Fähigkeit schützen, diese Erfolgsmodelle rechtzeitig zu verändern.