Christen sind auch nur Menschen. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir genau wie unsere Mitmenschen, die unseren Glauben nicht teilen, mit allerlei Sünden zu kämpfen haben. Sollen wir uns deshalb einfach der Ungerechtigkeit ergeben? Darüber wollen wir heute nachdenken. Herzlich willkommen zur Abendandacht.Johannes berichtet in der Offenbarung, wie Gottes Absicht, die Sünder zu richten, bereits jetzt auf Erden sichtbar wird. Jede Naturkatastrophe und jedes Unglück, jedesmal, wenn eine Macht gestürzt wird, alles, was das Leben bitter macht und den Schöpfer vergessen lässt, ist ein Zeichen dafür, dass die Sünde über die Erde herrscht und in den Tod reisst. Gottes Kinder leben mitten in der Welt, wo das alles geschieht. Christus zeigt im heutigen Abschnitt aus der Offenbarung seiner Kirche, wie sie unter diesen Umständen mit ihm leben kann (Offenbarung 10,1-11).Und ich sah einen anderen starken Engel aus dem Himmel herabsteigen, bekleidet mit einer Wolke, und ein Regenbogen war auf seinem Haupt; und sein Angesicht war wie die Sonne und seine Füsse wie Feuersäulen. Und er hielt in seiner Hand ein offenes Büchlein; und er setzte seinen rechten Fuss auf das Meer, den linken aber auf die Erde, und er rief mit lauter Stimme, wie ein Löwe brüllt. Und als er gerufen hatte, liessen die sieben Donner ihre Stimmen vernehmen. Und als die sieben Donner ihre Stimmen hatten vernehmen lassen, wollte ich schreiben; da hörte ich eine Stimme aus dem Himmel, die zu mir sprach: Versiegle, was die sieben Donner geredet haben, und schreibe diese Dinge nicht auf!Und der Engel, den ich auf dem Meer und auf der Erde stehen sah, erhob seine Hand zum Himmel und schwor bei dem, der lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, der den Himmel geschaffen hat und was darin ist, und die Erde und was darauf ist, und das Meer und was darin ist: Es wird keine Zeit mehr sein; sondern in den Tagen der Stimme des siebten Engels, wenn er in die Posaune stossen wird, soll das Geheimnis Gottes vollendet werden, wie er es seinen Knechten, den Propheten, als Heilsbotschaft verkündet hat.Und die Stimme, die ich aus dem Himmel gehört hatte, redete nochmals mit mir und sprach: Geh hin, nimm das offene Büchlein in der Hand des Engels, der auf dem Meer und auf der Erde steht! Und ich ging zu dem Engel und sprach zu ihm: Gib mir das Büchlein! Und er sprach zu mir: Nimm es und iss es auf; und es wird dir Bitterkeit im Bauch verursachen, in deinem Mund aber wird es süss sein wie Honig. Und ich nahm das Büchlein aus der Hand des Engels und ass es auf; und es war in meinem Mund süss wie Honig. Als ich es aber aufgegessen hatte, wurde es mir bitter im Bauch. Und er sprach zu mir: Du sollst nochmals weissagen über viele Völker und Nationen und Sprachen und Könige!Der Engel: das Wesen KircheJohannes sah in seiner Vision einen weiteren Engel. Es war ihm anzusehen, dass er stark war. Dieser Bote wird das ausführen können, wozu ihn der Herr sendet. Dass er vom Himmel gekommen sein muss, wird daran deutlich, dass er mit einer Wolke bekleidet, einen Regenbogen auf seinen Haupt trägt, sein Antlitz wie die Sonne leuchtet und seine Füsse Feuersäulen gleichen. Diese Vergleiche verdeutlichen Gottes Gegenwart und Heiligkeit.Einige Ausleger meinen, dass hier Gott selbst beschrieben wird. Tatsächlich gleicht der Engel jenem, den Johannes auf dem Thron sah und auch Christus, den er ganz am Anfang des Buches beschrieb. Diese Übereinstimmung ist wirklich auffällig. Trotzdem wird an keiner Stelle in der Offenbarung Gott mit einem Engel bezeichnet. Er thront im Himmel und die himmlischen Wesen umgeben ihn und führen seine Pläne aus. Dieser Engel steht auf der Erde, zugleich auf dem Meer und dem Land. Es gibt keinen Ort, wo er auf dem Erdenrund nicht ist. Überall kann man an ihm Gottes Heiligkeit und Herrlichkeit erkennen. Um das zu tun hat Gott diesen Boten ausgerüstet, ihm Kraft verliehen.Wir haben hier die Kirche vor uns. Zu ihr gehören alle, die daran glauben, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist, der gekommen ist, um sie von der Sünde zu erlösen. Durch den Glauben an ihn werden sie geheiligt, Gott geweiht. Der himmlische Vater rüstet seine Kinder mit dem Heiligen Geist aus, damit sie mitten in einer Welt, die sich der Herrschaft der Sünde ergeben hat, Gottes Herrlichkeit bezeugt.Der Schwur: das Zeugnis der KircheDer Engel, der auf dem Meer und auf der Erde stand, erhob seine Hand zum Himmel und schwor. Es wird ausdrücklich erwähnt, bei wem er diesen Schwur leistete. Vor dem ganzen Erdenrund sprach er vom ewigen Gott, der Himmel, Erde und Meer mit allem, was darin enthalten ist, geschaffen hat. Mitten in einer Welt, die annimmt, dass alles ohne Wirken des Allmächtigen entstanden sei, bezeugt die Kirche, dass Gott der Ursprung von allem ist. Er hat alles gemacht, damit es ihn ehrt.Der Engel schwört feierlich, dass es einmal keine Zeit mehr geben wird. Wenn die letzte Posaune zu hören ist, wird der Wille des Ewigen vollendet. Die Vergänglichkeit, unter die die Sünde die ganze Schöpfung unterworfen hat, wird an diesem Tag entmachtet. Mitten in einer Welt, die sich dem Lauf der Zeit bereitwillig hingibt, bezeugt die Kirche, dass es einen ewigen Gott gibt. Sein Wille ist keine vorübergehende Sache. Das Urteil des Ewigen über die Sünde und alle, die sich ihr unterwerfen, wird einmal für immer bestehen bleiben.Das Buch: die bittersüsse Hoffnung der KircheDer Engel hatte ein offenes Buch in seiner Hand. Für ihn waren Gottes Absichten nicht verschlossen. Er konnte erkennen, dass das, was Gott geplant hat, bereits im Lauf der Zeit deutlich wird. Gott wird sein Volk zu seiner Ehre retten, indem er die ganze Welt richtet. Das ist das Geheimnis, das der Ewige seiner Kirche durch die Schrift offenbart.Johannes soll das Büchlein, das der Engel in seiner Hand hält, von ihm nehmen und essen. Er soll von dem leben, was Gott in seinem Wort offenbart. Mit dem Bild wird das Wort verdeutlicht, mit dem Jesus der Versuchung des Teufels widerstand, von den Dingen der Erde zu leben (Matthäus 4,4): «Es steht geschrieben: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes hervorgeht.» Alle, die wie der Apostel noch darauf warten, für immer von der Herrschaft der Sünde befreit zu werden, leben mit der Hoffnung auf diese Zeit. Sie nehmen die Zusagen des Ewigen zu sich und verzichten darauf, Hoffnung im Vergänglichen zu suchen.Der Engel kündigte Johannes an, dass das Buch sehr süss in seinem Mund aber bitter in seinem Bauch sein wird. Genau so kam es. Das Evangelium ist eine gute Botschaft. Es ist süss zu hören, dass Gott Menschen von der Herrschaft der Sünde befreit. Es ist allerdings bitter, von einer Nachricht zu leben, die von den Mitmenschen verachtet wird. Das ist die Situation der Kirche in der gegenwärtigen Welt.SchlussDie Kirche lebt in einer Welt, die sich von Gott abwendet. Mitten unter diesem Einfluss ist es nötig, immer wieder das Evangelium zu hören und zu bewegen.Es ist nötig, das Evangelium zu hören, weil die Sache eben nicht hoffnungslos ist. Das letzte Wort hat der Herr. Der Ewige wird das endgültige Urteil fällen. All jene, die an Christus glauben, werden von der Schuld befreit, die sie unter Gottes Gericht brachte.Es ist nötig, das Evangelium zu hören, weil der Heilige ein Volk zu sich ruft, das mitten in der gottlosen Welt seiner Ehre dient. Der Allmächtige rüstet seine Kinder mit seinem Geist aus, damit sie sich nicht der Ungerechtigkeit hingeben müssen, sondern nach Gottes Gerechtigkeit streben.Lasst uns darum beten, dass das Evangelium weiterhin klar verkündigt wird und Gott unsere Herzen bereit macht, gerne darauf zu hören. Lasst uns den himmlischen Vater bitten, dass er uns die Weisheit gebe, jeden Tag mit dieser guten Nachricht zu leben und so seiner Ehre dienen zu können.