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Mein Gast heute ist Prof. Fritz Neumeyer. Er ist Mies-van-der-Rohe-Spezialist und Architekturtheoretiker. Bis 2012 hatte er den Lehrstuhl für Architekturtheorie an der Technischen Universität, Berlin inne.
Von ihm möchte ich wissen, wie sich die Rolle des Architekten und der sehr wenigen Architektinnen in der Geschichte verändert hat, von Vitruv über Leone Batista Alberti bis zu David Chipperfield und Tim Anstey. Wie verstand der mittelalterliche Baumeister sein Tun, wie der „Stararchitekt“ des 20. Jahrhunderts? Und wie verändert sich die Rolle des Architekten im Zeithalter hochgradiger Spezialisierung und Künstlicher Intelligenz?
Von der Idee des Architekten als "Kurator", als Organisator komplexer Prozesse hält er nichts, ebensowenig von kollektiven Entwurfsprozessen, die den individuellen Entwurf ersetzen. "Beim Entwurf bleibe immer so ein Rest, der nie erklärbar ist", sagt Neumeyer und zitiert Goethe: „Es ist etwas unbekannt Gesetzliches im Subjekt, das dem unbekannt Gesetzlichen im Objekt entspricht – und noch etwas mehr."
Lit: Fritz Neumeyer, Quellentexte zur Archtekturtheorie (mit Jasper Cepel) 2002
Theoretiker in der Reihenfolge ihrer Erwähnung:
itruv 80/70 v. Chr. bis ca. 15 v. Chr.
Leon Battista Alberti 1404–147210
Zehn Bücher über die Baukunst (1485)
Rem Koolhaas 1944
Oswald Matthias Ungers 1926–2007
Le Corbusier 1887–1965
Vers une Architecture (1923)
Esprit Nouveau (Zeitschrift 1920 – 1925)
Gottfried Semper 1803–1879
Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten oder praktische Ästhetik (1860)
Jeffrey Scott 1884–1929
Architecture of Humanism (1914)
Robert Venturi 1925–2018
Complexity and Contradiction“ (1966)
Denise Scott Brown 1931 and Robert Venturi 1925–2018
Learning from Las Vegas (1977)
Aldo Rossi1931–1997
Die Architektur der Stadt“ (1966).
Lina Bo Bardi 1914–1992
Filippo Brunelleschi 1377–1446
Adolf Behne 1885–1948
Der moderne Zweckbau (1923).
Siegfried Giedion 1888–1968
Befreites Wohnen (1929/1930).
Karl Friedrich Schinkel 1781–1841
Philip Johnson1906–2005
The International Style (1932).
Tim Anstey (Hg.) 1965
Architecture and Authorship (2007)
David Chipperfield 1953
Common Ground“ (2012)
produced by www.projektmik.com
Mein Gast ist Katia Baudin, seit 2017 Direktorin der Kunstmuseen Krefeld und Kuratorin der Ausstellung „Charlotte Perriand – Die Kunst des Wohnens". Gemeinsam mit Dr. Waleria Dorogova realisierte sie die erste große Schau der Architektin und Designerin in Deutschland (Krefeld, Oktober 2025 – März 2026).
„Ich fand das extrem zeitgemäß, die Fragestellung, die sie gestellt hat, und auch die ästhetischen Formen und die Entwicklung, und wie sie das ganze 20. Jahrhundert praktisch gedacht und begleitet hat", sagt Baudin. Ihr erster Kontakt zu Perriand geht auf ihre Präsentation des Werks von Fernand Léger (1881–1955) in Köln 2016 zurück. Den 22 Jahre älteren Léger verband seit 1930 eine enge persönliche und künstlerische Freundschaft mit Perriand.
Dass es die aktuelle Serie von Ausstellungen (Paris, London, Krefeld, Salzburg, Barcelona) braucht, um Charlotte Perriand einem breiteren Publikum bekannt zu machen, ist eigentlich erstaunlich. Kaum eine Designerin des 20. Jahrhunderts kann auf 70 Jahre Produktivität auf höchstem Niveau zurückblicken. Viele ihrer Entwürfe werden bis heute produziert – darunter auch jene, deren Autorenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg lange allein Le Corbusier zugeschrieben wurde: die berühmte „Chaise longue basculante", der „Fauteuil grand confort" und der „Fauteuil à dossier basculant".
Wir sind uns einig, dass Charlotte Perriand (1903–1999) in die Reihe der großen Kreativen des 20. Jahrhunderts gehört. Wir sprechen über ihr vielfältiges Werk, in dem neben Design und Architektur auch die Fotografie eine große Rolle spielt, sowie über ihre Fähigkeit, mit den unterschiedlichsten Menschen zu kommunizieren. Und über ihre mehrjährigen Aufenthalte in Japan, im damaligen Indochina sowie in Brasilien – all diese Kulturen fanden Eingang in ihr Werk.
Ausstellung: Charlotte Perriand-Die Kunst des Wohnens
https://kunstmuseenkrefeld.de/de/Exhibitions/2025/Charlotte-Perriand-Lart-Dhabiter-Die-Kunst-Zu-Wohnen
Katalog Charlotte Perriand-Die Kunst des Wohnens" https://kunstmuseenkrefeld.de/de/Visit/Shop/Publications/2026/Charlotte-Perriand
produced by www.projektmik.com
Mein Gast heute ist Prof. Arthur Ruegg, Architekt, Designhistoriker und DER Kenner der Möbel des Architekten, Authors und Malers Le Corbusier (1887–1965). Über 300 Positionen umfasst sein Werkverzeichnis der Möbel, das er 2012 anlässlich des 125. Geburtstages von Le Corbusier vorlegte. Es zeigt die große Bandbreite des möbelkünstlerischen Werks, vom eleganten Holzstuhl mit Dekor über die Stahlrohr Kollektion der 1920er Jahre bis zu farbigen Betonmöbeln.
Berühmt wurden vor allem der kubische Sessel "Fauteuil grand confort", die "Chaiselonge basculante" und die "Casiers", die während der zehnjährigen Zusammenarbeit mit der Architektin und Designerin Charlotte Perriand (1903–1999) und Corbusiers Cousin und Büropartner Pierre Jeanneret (1896–967) entstanden, wie wir heute (wieder) wissen. Zu dritt schufen sie legendäre Einrichtungen, Ausstellungen und diese ikonischen Möbel. Wie sah die wechselvolle Zusammenarbeit der drei aus?
Arthur Ruegg hat Charlotte Perriand in den 1970er Jahren persönlich kennen gelernt. "Sie war wirklich eine starke Person, eine schlaue." sagt er im Podcast. Mit ihr zusammen baute er einen "Casiers". Später folgten die Rekonstruktionen von temporären Ausstellungen, zuletzt von „Un equipement intérieur d'une habitation" von Corbusier, Perriand und Jeanneret auf dem Salon d'Automne von 1929. Sie wurde Teil der jüngsten Retrospektiven von Charlotte Perriand in Paris, London, Krefeld und Salzburg.
Perriand selbst hat seit 1965 zahlreiche Redesigns ihrer und gemeinsamer Entwürfe des Trios bei dem italienischen Möbelhersteller Cassina betreut und sie erstmals in eine (erfolgreiche) serielle Produktion überführt.
Arthur Rüegg (mit Klaus Spechtenhauser) Le Corbusier – Möbel und Interieurs 1905–1965. Zürich 2012
Möbel von Le Corbusier
https://www.cassina.com/de/de/maestri/le-corbusier.html?srsltid=AfmBOoqUuoF3zpwYegCr1oo4kKSda5KnPkXlBh1kQfPwFOrwHzs4P66f
Möbel von Le Corbusier, Charlotte Perriand und Piere Jeannert
https://www.cassina.com/de/de/maestri/le-corbusier-pierre-jeanneret-charlotte-perriand.html?srsltid=AfmBOooMQiaqwpbkmtJVPD7TejRB8ya5Rzl4nFyTBTbTwqovv6Dq0Uqk
Möbel von Le Corbusierund Piere Jeannert
https://www.cassina.com/de/de/maestri/le-corbusier-pierre-jeanneret.html
https://www.fondationlouisvuitton.fr/en/events/charlotte-perriand-inventing-a-new-world
produced by www.projektmik.com
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Mein Gast heute ist Professor Winfried Nerdinger.
Er ist einer der renommiertesten Architektur- und Kunsthistoriker der Gegenwart mit langer Publikationsliste. Er hat an der TU in München gelehrt, war Gründungsdirektor des NS-Dokumentationszentrums dort und ist heute Präsident der Bayrischen Akademie der Künste.
Wir sprechen über den schweizerisch- französischen Architekten, Künstler und Autor Le Corbusier (1887 - 1965).
Winfried Nerdinger widmete ihm bereits 1986 seine Antrittsvorlesung und setzt sich seitdem kontinuierlich mit seinem Werk auseinander. Im März dieses Jahres erschien seine komprimierte Biografie über den Architekten in der Reihe C.H. Beck Wissen.
Für Winfried Nerdinger zählt Le Corbusier ezu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Bauten wie die Kirche Notre-Dame-du-Haute in Ronchamp oder das Kloster Sainte-Marie de la Tourette sind von einmaliger künstlerischer Qualität. Wegweisend ist auch seine Unité d’Habitation in Marseille, auf deren Dach er eine Art „Dorfplatz“ für die Bewohner schuf mit Wasserbecken, Kindergarten, Klettersteinen und mehr. „File du soleil“ nannte er das ost-west-ausgerichtete Gebäude wegen der ausgewogenen Belichtung der Wohnungen.
Zugleich entwickelte Le Corbusier radikale städtebauliche Konzepte, die top down für Eliten geplant waren. Autogerechtigkeit und Funktionstrennung, die unsere Städte heute belasten, formulierte er in der Charta von Athen 1942. Seine Konzepte bot er bereitwillig autoritären Machthaber an, gerne hätte er etwa für das Vichy-Regime gearbeitet.
Wir sprechen über die inspirierenden wie auch die schwierigen Seiten Le Corbusiers, über seine Zusammenarbeit mit Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand sowie über die zentrale Bedeutung von Ordnung in seinem Werk.
Winfried Nerdinger. Le Corbusier. Architekt, Künstler, Visionär. C.H.Beck Wissen (2026)
Das architektonische Werk von Le Corbusier in der Welterbeliste der UNESCO:
https://lecorbusier-worldheritage.org/de/
produced by www.projektmik.com
My guest today is Belgian architect Paul Robbrecht.
Fifty years ago, he and his wife Hilde Daem founded Robbrecht en Daem architecten in Ghent, Belgium. In 2005, their son Johannes joined the studio.
Today, it is one of the most renowned practices in the country.
Robbrecht and Daem were entrusted with integrating a concert hall (Concertgebouw) and an exhibition hall (BRUSK) into Bruges, a UNESCO World heritage site
They expanded the Whitechapel in London and restored Henry van de Velde's Boekentoeren (Book Tower) in Ghent. My favorite buildings is the Market Hall in Ghent.
“If we can use things that already exist, let's use them.” Paul Robbrecht says
I have worked with Robbrecht en Daem on several occasions
In 2013, they created a life-size Model for us, Projekt MIK e.V., based on Ludwig Mies van der Rohe's design for the Golf Club House in Krefeld.
For me, the office is a special cosmos: architecture, music, nature and, above all, art “as a critical presence” are always there - even physically, under the vast roof of a former timber yard in Ghent. Everything is connected, you can feel it.
Links to the architecture and Artists mentioned in the podcast
Concert Hall, Bruges, Belgium
https://robbrechtendaem.com/projects/concert-hall
BRUSK. Brugge, Belgium
https://www.museabrugge.be/de/visit/locations/brusk
Market Hall and Central Squares, Ghent, Belgium
https://robbrechtendaem.com/projects/market-hall-and-central-squares
Mies 1:1. das Golfclub Projekt, Krefeld, Germany
https://www.projektmik.com/projekt-mies-11-das-golfclub-projekt/
Jan van Eyck, Portrait of a Man
https://en.wikipedia.org/wiki/Portrait_of_a_Man_(Self_Portrait%3F)
Boekentoren – University Library, Ghent, Belgium
https://robbrechtendaem.com/projects/boekentoren-university-library
Rubens Square, Knokke, Belgium
https://robbrechtendaem.com/projects/rubens-square
Encounter with Cristina Iglesias
https://robbrechtendaem.com/encounters/cristina-iglesias
Encounter with Gerhard Richter
https://robbrechtendaem.com/encounters/gerhard-richter
Encounter with Luc Tuymans
https://robbrechtendaem.com/encounters/luc-tuymans
Encounter with Michaël Borremans
https://robbrechtendaem.com/encounters/michael-borremans
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Mein Gast heute ist Dr. Anke Blümm. Sie ist ausgewiesene Spezialistin für das Bauhaus, hat intensiv über dessen Netzwerke geforscht, und an der heute allen zugänglichen Plattform Bauhaus Community mitgewirkt. Sie hat zudem in Weimar die Restaurierung und Wiedereröffnung vom Haus am Horn kuratiert und die Dauerausstellung konzipiert. Über dieses Haus sprechen wir heute.
Das Haus am Horn ist ein ungewöhnliches Gebäude – weniger schön als interessant – sowohl im Hinblick auf die kollaborativen Prozesse im Bauhaus als auch auf die Bestrebungen, den Bauprozess zu rationalisieren und nach dem Ford'schen Vorbild in die Massenproduktion zu überführen.
Das Haus am Horn wurde restauriert und ist seit 2019 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. https://www.klassik-stiftung.de/haus-am-horn/
produced by www.projektmik.com
Mein Gast heute ist Dr. Hannah Schiefer. Sie ist Kunsthistorikerin, war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kunstgeschichte an der Uni Düsseldorf und ist seit August 2025 an der Fakultät für Architektur der Uni Siegen. Sie hat ein interessantes Buch geschrieben: Handwerk und Baukunst. Kollaborative Prozessen moderner Architekturproduktion. Es ist im Mai diesen Jahres erschienen und wurde mit dem Paul-Clemen-Preis geehrt.
Die Frage nach dem Kontext architektonischer Prozesse der Moderne und Nachkriegsmoderne, nach den Netzwerken, Interaktionen und Kollaborationen ist auch für Kenner nicht einfach zu beantworten – das haben die ersten Folgen dieses Podcast schon gezeigt. Hannah Schiefer hat diese Frage zu beantworten versucht mit einer beeindruckenden, detailreichen Tiefenrecherche – die Publikation wiegt über 3 kg- an drei Beispielen: das Wohnhaus Luzi in Jenaz, Schweiz von Peter Zumthor, fertig gestellt 2002, die St. Anna Kirche von Rudolf Schwarz in Düren, 1956 und Haus Lange von Ludwig Mies van der Rohe in Krefeld, 1930 . Es habe sich gezeigt, dass es alles sehr komplex zusammenhängt, ökonomisch, ökologisch, ideologisch sagt Schiefer. Die Geschichtsschreibung habe jedoch im Sinne einer idealistischen Architekturtheorie den prozesshaften Charakter von Architektur ignoriert.
Schiefer interessiert sich weniger für den mentalen Akt der künstlerischen Konzeption. Wir sprechen über Mies, Rudolf Schwarz und Peter Zumthor, über das System hinter deren Architekturproduktion. Schiefer kann plausibel zeigen, dass auch in der Moderne, die mit rationellem Bauen und industrialisierten Prozessen assoziiert wird, das Handwerk eine zentrale Rolle spielt.
produced by www.projektmik.com
Prof. Wolf Tegethoff ist heute mein Gast. Er war über 25 Jahre Leiter des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München und gilt als Kenner des Architekten Ludwig Mies van der Rohe.
Mit seiner Publikation über die Landhäuser und Villen von Ludwig Mies van der Rohe hat er 1981 ein Grundlagenwerk geschaffen als die Architektur der Moderne gerade nicht populär war. Es folgten Einzeluntersuchungen zu Haus Tugendhat, zum Barcelona Pavillon und zu Mies Verhältnis zu Karl Friedrich Schinkel
Wolf Tegethoff hat sich aber auch intensive mit den Möbeln und Patenten von Mies befasst als Leiter des gleichnamigen DFG Forschungsprojekt an dem auch ich beteiligt war.
Wir sprechen über Mies und die Leitfrage des Podcast: Wie kolaborativ war Mies? Wie sah die Zusammenarbeit mit seinen Mitarbeitern, den ausführenden Firmen, den Auftraggeberinnen und Auftraggebern aus? Und welchen Einfluß hatten sie auch das entstehende Werk?
Und wir sprechen im Besonderen über Möbel, über den "Barcelona Sessel”, den ikonischen MR 10, dessen Ursprungsidee von Mart Stam kam und wie Mies mit ihnen Geld verdiente.
produced by www.projektmik.com
My guest today is Dr. Laura Martínez de Guereñu. She is an architect and an associate professor of the history of architecture at the IE University in Madrid, and in 2018 she won the first Lilly Reich Grant, awarded by the Fundació Mies van der Rohe in Barcelona.
Her latest publication, which presents new findings on Lilly Reich's role in the design of the Barcelona Pavilion, will be released in September 2025. “Lilly Reich in Barcelona: The Materialisation of a Neglected Authorship".
The Barcelona Pavilion was built in 1929 to represent the German Reich at the International Exposition in Barcelona. Although it was originally intended to be temporary (May–October 1929), a replica has been open to the public at its original location since the 1980s. The architect Ludwig Mies van der Rohe is widely regarded as the pavilion's creator. The pavilion holds iconic status in architectural history.
However, Mies only received the commission after spending several months working on the planning of the large industrial exhibition for the World's Fair with his partner, Lilly Reich. Designing 25 industrial sections with 268 exhibitors across 16,000 square metres (170,000 square feet) was challenging. Mies made Lilly Reich's collaboration a condition of accepting the commission.
Through meticulous study of the plans and examination of all available sources, Martínez de Guereñu's latest publication reveals that Mies and Reich developed the formal vocabulary used in the pavilion while planning the industrial exhibition. The pavilion is not an isolated design, but a coherent part of the overall presentation. So, how much credit is due to Lilly Reich? I discuss this with Laura Martínez de Guereñu.
The Conversation was recorded in Krefeld at Studio K22
produced by www.projektmik.com
Prof. Dr. Dietrich Neumann ist heute mein Gast. Er ist Professor für Kunst- und Architekturgeschichte an der Brown University in Providence, Rhode Island und hat bereits mehrfach über den Architekten Ludwig Mies van der Rohe geforscht und publiziert. Vor wenigen Monaten legte er eine umfassende Publikation über das Gesamtwerk des Architekten vor, in der er neue Schwerpunkte setzen möchte. Kontext und Rezeption stehen im Mittelpunkt und er möchte den Partnern und Mitarbeitern von Mies eine Stimme geben: „Im MoMA wird alles immer Mies zugeschrieben. Das ist die alte Herangehensweise, wir sehen das heute anders. Natürlich, in allen Büros gibt es immer Mitarbeiter, aber denen Credit zu geben, soweit man das weiß, ist, glaube ich, wichtig und wird sich sicher auch im Laufe der Zeit noch mehr durchsetzen.“ Das finde ich interessant.
Wir sprechen über Mies und seine Kollegen, zum Beispiel Wilhelm Deffke, der für ihn die großen repräsentativen Zeichnungen ausführte oder Phillip Johnson, mit dem er beim Seagram Building kooperierte, da er in New York keine Zulassung als Architekten besaß. Was bedeutet Urheberschaft oder Autorenschaft in diesem Zusammenhang? Und wie sah Mies das Selbst? Mies sei einerseits gut darin gewesen, sich als Meister-Genie zu stilisieren“ sagt Neumann. Aber zugleich habe er „sehr überzeugend dargelegt, dass, wenn man einmal eine gute Lösung gefunden hat, die immer wieder angewandt werden kann.“ Für Mies spiele es dann gar keine Rolle, wer der Autor ist.
Und natürlich sprechen wir auch über die Ausstellungsarchitektin und Designerin Lilly Reich (1885 – 1947), mit der Mies seit 1925 bis zu seiner Übersiedlung in die USA zusammenarbeitete. „Die waren ein gutes Team in der Beziehung, solche Ideen über Wochen hinweg hin und her zu überlegen und auszuprobieren.“ sagt Neumann im Podcast und ergänzt: „Sie war sehr viel besser darin, Ideen zu artikulieren (...), zu schärfen. Sie war auch die Gebildetere von den beiden, viel belesener als Mies. Sie versuchte immer ihn zu pushen, ihn für das Intellektuelle zu begeistern.“
Das Gespräch wurde in deutsch geführt. Eine Übersetzung ins Englische wird bald auf unserer Website www.projektmik.com zur Verfügung stehen,
Das Gespräch wurde aufgezeichnet im Tonstudio Speaker-Search in Berlin
produced by www.projektmik.com
From the publisher's feed
Haben Le Corbusier, Ludwig Mies van der Rohe, Egon Eiermann oder andere Vertreter der Moderne ihre Architekturen eigentlich alleine geplant und errichtet? Vermutlich nicht.
Aber wer sind die…
Was wissen wir über die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Architekturbüros der Moderne?
Welchen Einfluss hatten die Fachleute in den ausführenden Firmen?
Und: Welche Rolle spielten die Partnerinnen und Partner?
Auf solche Fragen fehlen uns häufig zufriedenstellende Antworten.
Der Architekt David Chipperfield sagt: Architecture does not just happen. Sein Name steht für eines der interessantesten Architekturbüros der Gegenwart. Er beschreibt Architektur als ein Zusammenspiel von Anforderungen, Erwartungen, Vorschriften und hoffentlich auch Visionen.
Deshalb erfordert Architektur Kollaboration. Und ihr Erfolg hängt maßgeblich davon ab, wie gut diese Kollaboration funktioniert.
Im Podcast spreche ich mit Fachleuten über Bauten der Moderne und über das Netzwerk der Menschen, die das Planen und Bauen begleitet und beeinflusst haben. Das klappt heute nicht immer gleich gut, weil Quellen fehlen oder die Frage nie gestellt wurde. Aber in den letzten Jahren sind spannende neue Erkenntnisse gewonnen worden. Die möchte ich vorstellen.
Mein Name ist Christiane Lange. Ich bin Kunsthistorikerin und Mitbegründerin des gemeinnützigen Vereins Projekt MIK. www.projektmik.com
Ein Podcast von Projekt MIK, produziert vom Studio K22, Krefeld, Germany
English Version:
Did Le Corbusier, Ludwig Mies van der Rohe, Egon Eiermann, and other representatives of modernism actually plan and build their buildings on their own? Probably not.
But who are the many others who accompany the design and execution of architecture?
What do we know about the employees in modernist architecture firms?
What influence did the experts in the executing companies have?
And what role did partners play?
We often lack satisfactory answers to such questions.
Architect David Chipperfield says: Architecture does not just happen. His name stands for one of the most interesting architectural firms of our time. He describes architecture as an interplay of requirements, expectations, regulations, and hopefully also visions.
That is why architecture requires collaboration. And its success depends largely on how well this collaboration works.
In the podcast, I talk to experts about modernist buildings and the network of people who accompanied and influenced their planning and construction. This does not always work equally well today because sources are missing or the question was never asked. But in recent years, exciting new insights have been gained. I would like to present them here.
My name is Christiane Lange. I am an art historian and co-founder of the non-profit association Projekt MIK. www.projektmik.com
A podcast by Projekt MIK, produced by Studio K22, Krefeld, Germany.