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Come as you are


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Autor, Sprecher und Episodenbild

Yeal Gabriel Gwyneth Spengler

Technik und Gestaltung

Thorsten Siefert

Fragen Sie doch einmal die KI. Geben Sie “Oberberg” und “queer” als Suchbegriffe ein, drücken Sie Enter. Gleich zu Beginn informiert Sie prompt Ihre Auskunftsfreudige dahingehend, dass queeres Leben auf dem Land immer noch schwierig ist, mit Anfeindungen gerechnet werden muss, soziale Isolation die Folge sein kann. Das gilt sicherlich nicht exklusiv für den im Süden NRW´s liegenden Landkreis Oberberg. Auch im benachbarten rheinland-pfälzischen Landkreis Altenkirchen sieht es nicht besser aus. Das wunderschöne, stille, zurückgezogene, ruhige Leben auf dem Land ist für LGBTQ+- Menschen oft unglaublich schwierig, egal wo, auch im Jahr 2026.

Folglich nicht erstaunlich: Queere Menschen wandern in die Städte ab, am besten in eine Großstadt, in der eine queere Kultur bereits etabliert und Teil des Stadtbildes ist. Dorthin, wo sie eher als auf dem Land die Möglichkeit haben, offen und selbstbestimmt auch nach außen leben zu können, wie sie es möchten – ein zentrales Menschenrecht. Ein Recht, dass ihnen in ländlichen Regionen oft nicht zugestanden wird, wo sie Kommentare ertragen müssen, beschimpft und ausgegrenzt werden. 

Hier existieren Toleranz und Akzeptanz mehrheitlich als Worthülsen. Geduldet wird nur, wer dem Spektrum ländlicher Normalität gerade noch entspricht. Offen queer lebende Menschen gehören nicht dazu, schon gar nicht, wenn sie laut und nach Gleichberechtigung fordernd auftreten. Auch heute sind viele von ihnen auf dem Land schwer auszumachen, bleiben unauffällig, verstecken sich, leben zurückgezogen. Ich entsinne mich an unzählige Dates mit Männern aus der Region Westerwald, die kein Interesse daran hatten, öffenlich als Schwuler erkannt zu werden.

Was aus alledem entsteht, ist häufig ein Doppelleben. Gespielte Normalität für die Dorfgemeinschaft samt Mitgliedschaft bei der Feuerwehr oder in der Kirmesjugend, gelebte Sexualität in der Großstadt, anonym, in Sicherheit. Manchmal aber trägt auch dieses Konzept nicht und queere Menschen geraten in so große seelische Not, das mitunter nur ein Selbstmord der einzige Ausweg zu sein scheint. 

“Es geschehen Selbstmorde, auch in Oberberg” ist die Überschrift eine Artikels, der vor einigen Tagen in der Kölnischen Rundschau erschien. Dort wurde über die Gründung einer Beratungsstelle für queere Menschen in der Kleinstadt Waldbröl berichtet, die im Mai ihre Tore öffnen soll. Unter dem Namen “Come as you are” sollen Menschen aus dem Umland die Möglichkeit erhalten, kompetent und anonym – wenn gewünscht auch online –  betreut zu werden mit dem Ziel Perspektiven für ein gutes queeres Leben zu eröffnen. Man plant zudem Freizeitprojekte anzubieten, die ein unbeschwertes, geschütztes Beisammensein ermöglichen.  

Ein erster Kontakt mit dem Team der Beratungsstelle ist bereits in der Pride-Week Oberberg vom 20. bis 27. Juni möglich. Dort wird man in Gummersbach auf dem Bismarckplatz mit einem eigenen Stand präsent sein. Genau an diesem Ort soll im Monat Juni auch der erste CSD stattfinden. 

Toleranz und Akzeptanz, egal welcher Religion, Herkunft oder Lebensform gegenüber, kann nur dann entstehen und beständig sein, wenn sich unterschiedliche Menschen begegnen, um zu erkennen, dass sie so unterschiedlich eben nicht sind. Das Projekt “Come as you are” 

als Wegbereiter für mehr Akzeptanz queeren Lebens kann eine solche Entwicklung unterstützen und fördern. Und genau das wird es tun. 

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netkiosk.digitalBy Hans-Christian Spengler und Thorsten A. Siefert