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In dieser Folge sprechen wir über zwei Konzepte, die im Alltag mit Kindern eine zentrale Rolle spielen, auch wenn sie oft unsichtbar bleiben: Coregulation und Synchronizität. Beides beschreibt im Kern, wie sehr wir als Bezugspersonen mit dem Erleben unserer Kinder verbunden sind – körperlich, emotional und auf Ebene des Nervensystems.
Coregulation bedeutet, dass Kinder ihre Gefühle und ihren Stress nicht alleine regulieren können, sondern dabei auf uns angewiesen sind. Gerade in den ersten Lebensjahren ist das keine Frage von Erziehung oder Gewöhnung, sondern von Gehirnentwicklung. Die Bereiche im Gehirn, die für Impulskontrolle und Emotionsregulation zuständig sind, reifen erst nach und nach.
Diese gemeinsamen Regulationserfahrungen sind die Grundlage dafür, dass Kinder nach und nach eigene Strategien entwickeln. Selbstständigkeit entsteht also nicht im Gegensatz zu Nähe, sondern auf ihrer Basis.
Synchronizität beschreibt, dass sich die Nervensysteme von Eltern und Kind gegenseitig beeinflussen. Stress überträgt sich – aber auch Ruhe. Das macht den Alltag oft herausfordernd, weil wir natürlich nicht immer gelassen bleiben, wenn ein Kind weint oder wütend ist. Es geht aber nicht um Perfektion: Schon kleine Momente von Orientierung – ein bewusster Atemzug, eine ruhigere Stimme, ein kurzes Innehalten – können helfen, wieder mehr Stabilität in die Situation zu bringen.
Viele Schwierigkeiten entstehen, weil wir von Kindern Selbstregulation erwarten, bevor sie dazu in der Lage sind. Ein besseres Verständnis von Coregulation und Synchronizität kann helfen, kindliches Verhalten einzuordnen – und im Alltag etwas mehr Orientierung und Entlastung zu finden.
Fragen, Feedback oder Themenwünsche? Schreib uns an [email protected]
Quellen
Feldman, R. (2007). Parent–infant synchrony and the construction of shared timing: Physiological precursors, developmental outcomes, and risk conditions. J. Child Psychol. Psychiatry, 48(3–4), 329–354.
Giedd, J. N. (2004). Structural magnetic resonance imaging of the adolescent brain. Ann. N. Y. Acad. Sci., 1021, 77–85.
Golds, L., Gillespie-Smith, K., Nimbley, E., & MacBeth, A. (2022). What factors influence dyadic synchrony? A systematic review of the literature on predictors of mother-infant dyadic processes of shared behavior and affect. Infant Ment. Health J., 43(5), 808–830.
Gunnar, M. R., & Donzella, B. (2002). Social regulation of the cortisol levels in early human development. Psychoneuroendocrinology, 27(1–2), 199–220.
Gunnar, M. R., & Quevedo, K. (2007). The neurobiology of stress and development. Annu. Rev. Psychol., 58, 145–173.
Gunzenhauser, C., Fäsche, A., Friedlmeier, W., & von Suchodoletz, A. (2014). Face it or hide it: Parental socialization of reappraisal and response suppression. Front. Psychol., 4, 992.
Lyons-Ruth, K., et al. (2023). Linking maternal disrupted interaction and infant limbic volumes: The role of infant cortisol output. Dev. Cogn. Neurosci., 60, 101223.
Morris, A. S., Silk, J. S., Steinberg, L., Myers, S. S., & Robinson, L. R. (2007). The role of the family context in the development of emotion regulation. Soc. Dev., 16(2), 361–388.
Pratt, M., Apter-Levi, Y., Vakart, A., Kanat-Maymon, Y., Zagoory-Sharon, O., & Feldman, R. (2017). Mother-child adrenocortical synchrony: Moderation by dyadic relational behavior. Horm. Behav., 89, 167–175.
Reindl, V., Gerloff, C., Scharke, W., & Konrad, K. (2018). Brain-to-brain synchrony in parent-child dyads and the relationship with emotion regulation revealed by fNIRS-based hyperscanning. NeuroImage, 178, 493–502.
Sarro, E. C., Wilson, D. A., & Sullivan, R. M. (2014). Maternal regulation of infant brain state. Curr. Biol., 24(14), 1664–1669.
Thomas, A., & Chess, S. (1977). Temperament and development. Brunner/Mazel.
Music for Creators. (n.d.). Upbeat motivational acoustic corporate [Music]. Free Music Archive. https://freemusicarchive.org
By Dr. Michaela Junghänel und Sophie NiestrojIn dieser Folge sprechen wir über zwei Konzepte, die im Alltag mit Kindern eine zentrale Rolle spielen, auch wenn sie oft unsichtbar bleiben: Coregulation und Synchronizität. Beides beschreibt im Kern, wie sehr wir als Bezugspersonen mit dem Erleben unserer Kinder verbunden sind – körperlich, emotional und auf Ebene des Nervensystems.
Coregulation bedeutet, dass Kinder ihre Gefühle und ihren Stress nicht alleine regulieren können, sondern dabei auf uns angewiesen sind. Gerade in den ersten Lebensjahren ist das keine Frage von Erziehung oder Gewöhnung, sondern von Gehirnentwicklung. Die Bereiche im Gehirn, die für Impulskontrolle und Emotionsregulation zuständig sind, reifen erst nach und nach.
Diese gemeinsamen Regulationserfahrungen sind die Grundlage dafür, dass Kinder nach und nach eigene Strategien entwickeln. Selbstständigkeit entsteht also nicht im Gegensatz zu Nähe, sondern auf ihrer Basis.
Synchronizität beschreibt, dass sich die Nervensysteme von Eltern und Kind gegenseitig beeinflussen. Stress überträgt sich – aber auch Ruhe. Das macht den Alltag oft herausfordernd, weil wir natürlich nicht immer gelassen bleiben, wenn ein Kind weint oder wütend ist. Es geht aber nicht um Perfektion: Schon kleine Momente von Orientierung – ein bewusster Atemzug, eine ruhigere Stimme, ein kurzes Innehalten – können helfen, wieder mehr Stabilität in die Situation zu bringen.
Viele Schwierigkeiten entstehen, weil wir von Kindern Selbstregulation erwarten, bevor sie dazu in der Lage sind. Ein besseres Verständnis von Coregulation und Synchronizität kann helfen, kindliches Verhalten einzuordnen – und im Alltag etwas mehr Orientierung und Entlastung zu finden.
Fragen, Feedback oder Themenwünsche? Schreib uns an [email protected]
Quellen
Feldman, R. (2007). Parent–infant synchrony and the construction of shared timing: Physiological precursors, developmental outcomes, and risk conditions. J. Child Psychol. Psychiatry, 48(3–4), 329–354.
Giedd, J. N. (2004). Structural magnetic resonance imaging of the adolescent brain. Ann. N. Y. Acad. Sci., 1021, 77–85.
Golds, L., Gillespie-Smith, K., Nimbley, E., & MacBeth, A. (2022). What factors influence dyadic synchrony? A systematic review of the literature on predictors of mother-infant dyadic processes of shared behavior and affect. Infant Ment. Health J., 43(5), 808–830.
Gunnar, M. R., & Donzella, B. (2002). Social regulation of the cortisol levels in early human development. Psychoneuroendocrinology, 27(1–2), 199–220.
Gunnar, M. R., & Quevedo, K. (2007). The neurobiology of stress and development. Annu. Rev. Psychol., 58, 145–173.
Gunzenhauser, C., Fäsche, A., Friedlmeier, W., & von Suchodoletz, A. (2014). Face it or hide it: Parental socialization of reappraisal and response suppression. Front. Psychol., 4, 992.
Lyons-Ruth, K., et al. (2023). Linking maternal disrupted interaction and infant limbic volumes: The role of infant cortisol output. Dev. Cogn. Neurosci., 60, 101223.
Morris, A. S., Silk, J. S., Steinberg, L., Myers, S. S., & Robinson, L. R. (2007). The role of the family context in the development of emotion regulation. Soc. Dev., 16(2), 361–388.
Pratt, M., Apter-Levi, Y., Vakart, A., Kanat-Maymon, Y., Zagoory-Sharon, O., & Feldman, R. (2017). Mother-child adrenocortical synchrony: Moderation by dyadic relational behavior. Horm. Behav., 89, 167–175.
Reindl, V., Gerloff, C., Scharke, W., & Konrad, K. (2018). Brain-to-brain synchrony in parent-child dyads and the relationship with emotion regulation revealed by fNIRS-based hyperscanning. NeuroImage, 178, 493–502.
Sarro, E. C., Wilson, D. A., & Sullivan, R. M. (2014). Maternal regulation of infant brain state. Curr. Biol., 24(14), 1664–1669.
Thomas, A., & Chess, S. (1977). Temperament and development. Brunner/Mazel.
Music for Creators. (n.d.). Upbeat motivational acoustic corporate [Music]. Free Music Archive. https://freemusicarchive.org