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Der Bundeskanzler nennt uns Ärztinnen und Ärzte „Nutznießer" des Gesundheitssystems. Das Wort trifft — aber es erklärt die Empörung nicht allein.
Seit unserer letzten Folge Mitte Juli ist viel passiert. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist in Kraft, mit Carsten Linnemann hat ein neuer Minister das BMG übernommen — einer, der sich das Amt vor einem Jahr selbst nicht zugetraut hatte —, und Ende August fiel der Satz, über den seitdem die ganze Ärzteschaft spricht. Er sagt viel darüber aus, welche Wertschätzung uns diese Regierung entgegenbringt. Anders als der Bundeskanzler sehen wir uns als Stützen dieses Systems, nicht als nutznießende Profiteure.
Und wir haben darüber gesprochen, was von Carsten Linnemann zu erwarten ist und was im Herbst mit dem Primärversorgungsgesetz und den Strukturvorschlägen der Finanzkommission noch auf uns zukommt.
Folge aufgenommen am 21.09.2026
Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist beschlossen – und die ambulante Versorgung wird überproportional belastet. Für die Hausarztpraxen heißt das konkret: Die Honorare werden gedeckelt, jedes Wachstum, mehr Fälle, mehr HZV-Einschreibungen, mehr Leistungen, werden nur noch mit Abschlag vergütet, die TSVG-Zuschläge für Terminvermittlung und offene Sprechstunde werden gestrichen, und die Entbudgetierung, keine zwölf Monate alt, wird durch die Hintertür wieder einkassiert.
Man baut damit das Fundament ab, auf dem die eigenen Reformen stehen sollen: kein einziger Effizienzmechanismus, keine Strukturveränderung, keine Anreize zur Niederlassung – während dieselbe Regierung parallel ein Primärarztsystem plant und eine Notfallreform beschließt, die beide auf starke Hausarztpraxen angewiesen sind.
Darüber sprechen wir mit Dr. Christoph Weinrich, Leiter des Stabsbereichs Recht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: Was ändert sich für die Praxen ganz praktisch, welche rechtlichen Spielräume haben sie – vom Zuschnitt der Sprechstunden bis zur Anpassung des Leistungsangebots – und wie stellen sie sich jetzt klug für die Zukunft auf?
Folge aufgenommen am 14.07.2026
Jahrzehntelange politische Versäumnisse werden auf unserem Rücken ausgetragen. Gesetzentwürfe entstehen ohne Abstimmung mit uns, ignorieren den Personalmangel und blenden die Versorgungsrealität in den Praxen weitgehend aus. Es wird von uns mehr Versorgung abgefordert, die aber nicht vergütet werden soll. Viele Kolleginnen und Kollegen erwägen, keine neuen Kassenpatienten mehr aufzunehmen.
Die demografische Entwicklung und der Wegfall von Leistungserbringern werden die Situation dramatisch zuspitzen - eine Verschlechterung der Versorgung ist die logische Folge. Digitalisierung kann unterstützen – das strukturelle Problem löst sie nicht.
Die Rahmenbedingungen werden sich weiter verändern – weit weniger abgestimmt, als uns lieb ist. Die Herausforderung wird sein, handlungsfähig zu bleiben. Nicht alles können wir beeinflussen – aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen.
Wir sprechen über das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz, in dem der ambulante Sektor am stärksten belastet wird, während die Notfallreform gleichzeitig die Anforderungen an die ambulante Versorgung massiv erhöht – mit der Erwartung, Notdienststrukturen und Hausbesuche flächendeckend und rund um die Uhr sicherzustellen.
In den hausärztlichen Praxen stehen steigenden Anforderungen gedeckelte Honorare gegenüber – wer will sich unter diesen Bedingungen noch niederlassen? Wir ordnen ein, was die aktuellen Entwicklungen konkret für unsere Arbeit bedeuten.
Wer die Basis der ambulanten Versorgung kaputt spart, gefährdet die Versorgung und verschiebt bestehende Probleme, anstatt sie nachhaltig zu lösen.
Es braucht tragfähige strukturelle Reformen, eine effizientere Patientensteuerung, echten Bürokratieabbau, die Stärkung der Primärversorgung, bessere Digitalisierung und eine verlässliche Vergütung.
Folge aufgenommen am 29.04.2026
Im Zentrum des Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetzes (GVSG) standen drei Reformelemente:
Der politische Anspruch war klar formuliert: bessere Vergütung hausärztlicher Leistungen, mehr Zeit für die Versorgung und weniger Bürokratie im Praxisalltag.
In der praktischen Umsetzung ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Für die allermeisten Praxen bringen weder die neue „Chronikerpauschale light“ noch die Vorhaltepauschale eine spürbare Entlastung im Versorgungsalltag - und auch keine Verbesserung der Honorarsituation. Gleichzeitig steigt insbesondere mit der Versorgungspauschale der bürokratische Aufwand deutlich an – jedenfalls dann, wenn wir die Vorgaben konsequent umsetzen möchten.
Entscheidend bleibt daher das, was für uns ohnehin zählt: alle Diagnosen sauber erfassen und präzise abrechnen. Wer versucht, jeder neuen Regelung hinterherzulaufen, verliert schnell den Überblick.
Folge aufgenommen am 31.03.2026
In dieser Folge vom ARZTGESPRÄCH, aufgenommen auf dem HIT – Hausärztliche Praxis & IT Kongress in Köln, haben wir live vor Ort auf den Kongressfluren und in Fachgesprächen darauf geschaut, was sich aktuell bei Praxisverwaltungssystemen, digitalen Tools und smarter Praxisorganisation tut.
Denn der HIT-Kongress hat genau diese Themen in den Mittelpunkt gerückt – und zwar im Boxring: neue PVS-Lösungen, intelligente Software für den Praxisalltag, Digitalisierungskonzepte und Diskussionen rund um die moderne Arztpraxis. Ein starkes Format, das den Austausch, direkte Vergleiche und praxisnahe Einblicke von Kollegen für Kollegen in den Mittelpunkt gestellt hat.
Wir haben darüber gesprochen, welche Digitalisierungsthemen gerade Fahrt aufnehmen und worauf Praxen jetzt achten sollten.
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Folge aufgenommen am 13./14.03.2026
2025 war wieder ein bewegtes Jahr für das Gesundheitswesen und für unseren Podcast. In dieser Folge ziehen wir eine kurze Bilanz: politische Weichenstellungen, Digitalisierungsschübe, ePA & KI im Praxisalltag – aber auch viele Belastungen für Praxen, von TI-Problemen bis zu wachsenden Terminengpässen.
Und 2026 wird mindestens genauso herausfordernd. Der Reformdruck ist hoch – es braucht endlich wirksame Patientensteuerung und eine besser integrierte Digitalisierung, um die Versorgung zu entlasten zu optimieren.
Auch wenn Tino in dieser Folge fehlt, wollten wir den Jahreswechsel nicht unkommentiert lassen. Wir sprechen offen darüber, was die Vorhaltepauschale wirklich leisten kann, wo Praxen weiterhin unter Druck stehen und warum 2026 ein entscheidendes Jahr wird, um Vertrauen zurückzugewinnen und die ambulante Versorgung zukunftsfest aufzustellen.
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Folge aufgenommen am 03.01.2026
Die Gematik – offiziell Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte – spielt seit Jahren die Schlüsselrolle bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland.
Sie verantwortet zentrale Anwendungen wie die elektronische Patientenakte, das eRezept und die Telematikinfrastruktur. Anfang August hat die Gematik eine neue Stabsstelle Versorgung eingerichtet, um die Versorgungsperspektive stärker in die eigene Arbeit einzubringen – mit mehr Austausch, mehr Nähe zur Praxis und mehr Fokus auf die tatsächlichen Abläufe in der Versorgung.
Darüber sprechen wir mit Timo Frank von der Stabsstelle Versorgung. Gemeinsam blicken wir auf Nutzen und Risiken der ePA, den Digitalisierungsfahrplan der Gematik und darauf, wie digitale Anwendungen künftig näher an der Realität von Ärzt:innen und Patient:innen entwickelt werden können.
Der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach hat in den letzten Tagen seiner Amtszeit noch mit großer Dringlichkeit mehrere Reformvorhaben angestoßen. Seit einem halben Jahr steht nun mit Nina Warken eine neue Bundesgesundheitsministerin an der Spitze des Hauses – doch vom einst spürbaren Reformdruck ist wenig geblieben.
Von der elektronischen Patientenakte, kurz ePA, hatte man sich viel versprochen – ein digitaler Schritt nach vorn, der das Gesundheitswesen spürbar entlasten soll. In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Wie viele digitale Tools der gematik wirkt sie nicht alltagstauglich, wenig nutzerfreundlich und ist für viele Akteure im Gesundheitswesen – von Pflegeeinrichtungen bis Krankenhäusern – schlicht noch nicht nutzbar.
Der Reformstau bleibt bestehen, es fehlt ein klarer roter Faden in der Gesundheitspolitik - über Legislaturen hinweg.
Ab dem 1. Januar 2026 laufen die bisherigen RSA-Zertifikate der Telematikinfrastruktur (TI) aus. Das BSI stuft die bisherige Verschlüsselung als unsicher ein und schreibt neue ECC-Zertifikate vor. Betroffen davon sind alle zentralen Praxis-Komponenten – der Konnektor, der eHBA bis hin zum Kartenterminal und zur SMC-B-Karte.
Ohne rechtzeitige Erneuerung der Zertifikate verlieren Praxen den Zugang zur TI – und damit die Möglichkeit, eRezepte, eAU oder Versichertenstammdaten zu nutzen.
In dieser Folge erklären wir, wie Praxen den Status ihrer Zertifikate prüfen, um gut vorbereit zu sein wenn Sie sich an ihren IT-Support wenden – und vor allem, warum es äußerst kritisch zu sehen ist, dass Ärztinnen und Ärzte überhaupt gezwungen sind, sich mit solchen komplexen technischen IT-Vorgaben auseinanderzusetzen.
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