Christoph predigt

Das Geheimnis von Weihnachten


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Psst.

Ein Geheimnis.

Hört gut zu und spitzt eure Ohren und ich will euch vom Geheimnis reden.

Vom Geheimnis von Weihnachten.

Es ist eine ganz besondere Zeit, diese Tage zwischen dem ersten Advent und dem Heiligen Abend. Während es draußen dunkel ist und kalt und ungemütlich, zünden wir eine Kerze nach der anderen an. Das warme Licht der Kerzen vertreibt die Dunkelheit und taucht alles in diesen ganz besonderen Schein, den es irgendwie nur kurz vor Weihnachten gibt. Plätzchenduft liegt in der Luft und der leise Gesang von Weihnachtsliedern. Advent ist eine Zeit für alle Sinne, mit Zimtsternen und Tannenzweigen und Schneeflocken und glänzenden Christbaumkugeln, mit Drehorgelspielern auf den Straßen und Lebkuchengeschmack im Mund, mit wehmütig romantischen Filmen im Fernsehen und Lichtern, vielen, vielen tausend Lichtern überall. Den "Spirit of Christmas", den besonderen Geist der Weihnachtszeit beschwören amerikanische Filme -- und meine amerikanischen Freunde auch -- und malen ein ganzes Universum von Rentieren und Elfen und Ho-Ho-Ho-rufenden Weihnachtsmännern in diese Zeit hinein. Egal, aus welcher Weihnachtstradition man kommt: Diese Zeit des Jahres ist eine ganz besondere, herzerwärmende, geheimnisvolle Zeit.

Und wir sind die Geheimnisträger.

Fast so was wie weihnachtliche Geheim-Agenten.

Vom Geheimnis von Weihnachten.

Denn wir wissen, dass das Geheimnis der Weihnachtszeit nicht das Vanillekipferlrezept von Tante Elsa ist, oder die Frage, welches Geschenk für mich mein Ehepartner wohl dieses Jahr bis zum Heiligabend in seiner Sockenschublade versteckt. Wir kennen das wahre Geheimnis von Weihnachten, das eigentlich gar nicht geheim ist, sondern eher "geheimnisvoll", weil es aller Welt nicht unbekannt ist, aber sich letzten Endes selbst von seinen intimsten Kennern nur als unbegreifliches Geheimnis erfahren lässt. Man kann es mit einem einzigen Satz zusammenfassen und doch in Millionen von Sätzen nie völlig erfassen -- dass Gott nämlich zu uns kommt und Mensch wird. Gott. Ein Mensch. Dass er das Leben mit uns teilt. Dass er sich herunterbeugt, sich hineinkniet in seine Welt, mit hochgekrempelten Ärmeln und schmutzigen Händen. Ja, sogar mit schmutzigen Windeln. Denn dieses Kind in der Krippe, diesen Jesus von Nazaret, den können wir sehen und begreifen und beschreiben und versuchen einzuordnen. Aber das Geheimnis, das können wir nie auch nur ansatzweise begreifen: Dass der unendliche Gott sich aus Liebe zu seinen Menschen endlich macht in diesem Jesus. Endlich. Im wahrsten Sinne des Wortes, hindurch durch die ganzen Begrenztheiten des menschlichen Lebens bis hin zum Ende aller Enden -- bis hin zum Tod selbst. Man kann über Weihnachten, über den fleischgewordenen Gott nicht nachdenken, ohne ihn nicht auch gleich dort am Kreuz mitzudenken. So tief, so weit geht es, das Geheimnis von Weihnachten, das keiner auf der Welt voll ergründen und erfassen kann. Den gescheitesten Denkern der Welt ist es -- in des Apostels Worten -- "eine Torheit." "Uns aber, die wir daran glauben, ist es eine Gotteskraft."

Das Geheimnis von Weihnachten, vom heruntergekommenen Gott.

Was dieses -- unser -- Geheimnis aber von allen anderen Geheimnissen der Welt unterscheidet, ist, dass wir es nicht verschweigen müssen. Nicht einmal verschweigen sollen. Im Gegenteil: Dieses Geheimnis ist unser Auftrag. Das soll man uns nachsagen, meint der Apostel, dass wir "Handlanger" Christi seien und treue Verwalter dieses Geheimnisses. Wenn nämlich die unergründliche Liebe Gottes in Jesus Christus aufleuchtet wie nie zuvor, dann muss dieses Geheimnis weiterleuchten in unserer Zeit, an unserem Ort -- ja, hier in Burladingen -- durch die, in denen Jesus Christus weiterlebt mit seinem Heiligen Geist. Durch uns. Durch wen denn auch sonst?

Schaut, "Verwalter" sind hier nämlich keine "Zusammen-halter". Keine Bewahrer, die das Geheimnis geheim weitertragen, so dass nur ein innerer Kreis, eine kirchliche Elite, ein besonderer Club davon weiß und es erfahren kann. Verwalter und Diener sind die, die helfen, es auszuteilen, an alle zu verteilen, bis keinem mehr entgehen kann, was hier geschieht und geschehen ist.

Das Geheimnis von Weihnachten, vom Gott, der zu uns kommt.

Tun wir das denn? Ist das denn so?

Advent ist von je her eine Zeit der Vorbereitung, eine Zeit der Zu-bereitung, zur der auch das prüfende Hinterfragen des eigenen Lebens gehört. Im Licht des Gottes, der uns entgegenkommt, wird nämlich manches sichtbar, was ich sonst auch vor mir selbst gerne verborgen halte. Leuchtet aus mir denn noch seine unbegreifliche Liebe für die Welt? Kann man sie an mir sehen? Ist sie heller und klarer als die grauslig blau blinkende Weihnachtsdekoration an der Fassade meines Nachbarn?

Oder in Paulus' Worten: Bin ich ein treuer Haushalter?

Diese Adventszeit stellt mich vor die Frage, wie es ganz praktisch aussehen kann, dass der liebende Gottessohn aus mir spricht, in Wort und Tat und allem Wesen. Was das heißén könnte, ganz praktisch, hier und heute in Burladingen und in den Dörfern drum herum. Und vielleicht muss ich das Rad da gar nicht neu erfinden, sondern kann aus dem Tagesevangelium heute von dem lernen, der damals schon dem Kommen Gottes den Weg bereitet hat -- von Johannes.

"Was sollen wir tun?"

Die Frage war eigentlich immer die selbe.

Von Ehrlichkeit und Integrität redet er dann. Vom Verzicht auf Gewalt, vom Trachten nach Gerechtigkeit und vom Geben aus dem Überfluss, aus dem ich selbst lebe -- sei es mein Geldbeutel, mein Kühlschrank oder meine Garderobe. Von Zuwendung zum anderen, von Verzicht, von -- Liebe. Von nichts anderem eigentlich, als von dem, was Jesus selbst vorgelebt hat. So simpel! Und doch muss es jeder und jede Einzelne für sich am eigenen Platz zur eigenen Zeit immer wieder neu durchbuchstabieren, was das ganz praktisch heißt. In Burladingen. Im Advent 2021. In der Coronazeit. Im lauten Feld der Meinungen. In Zeiten von Distanz und Verlust und Einsamkeit.

Ob ich das schaffe? Ob ich da treu sein werde?

Während ich mich bange selbst hinterfrage, fängt auch bei mir das Geheimnis von Weihnachten, vom Gott, der zu uns kommt, wieder neu zu leuchten an. "Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens", wie der Engel es damals schon verkündete, fängt ja da an, wo er kommt, wo er da ist. Und -- geheimnisvolles Geheimnis aller Geheimnisse -- er ist ja da. Bei uns. Bei mir. In mir.

Und -- vielleicht -- auch durch mich in seiner Welt?

Möge seine unergründliche, geheimnisvolle Liebe in uns und um uns und durch uns leuchten in dieser Adventszeit.

Amen.

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