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Im zweiten Teil meines Kommentars zu "Das Orakel spricht" geht es wesentlich um den Begriff der Authentizität. Strömquist hält diesen Begriff für unhaltbar, weil aus der Perspektive einer Diskurstheorie, die jede objektive Wahrheit ablehnt, jeder Wunsch und jedes Selbstbild genau so authentisch oder unauthentisch ist wie jedes andere. Alle Wünsche und Selbstbilder sind aus dieser Perspektive Diskurseffekte und deshalb kontingent. Tatsächlich ist es aber so, dass die radikale Absage an jede objektive Wahrheit einen erkenntnistheoretischen und moralischen Relativismus impliziert, der sich nicht nur auf die Sätze der Diskurstheorie selbst anwenden lässt, sondern auch auf andere politisch-aktivistische Grundüberzeugungen. Als Alternative wird ein moderater Konstruktivismus skizziert, welcher der Tatsache, dass Diskurse sich über die Zeit hinweg ändern, Rechnung trägt, aber trotzdem die Möglichkeit offen hält, uns durch weltseitige Fehlersignale in unseren Konstruktionen korrigieren und begrenzen zu lassen. Anschließend werden zwei Einwände gegen den Authentizitäts-Begriff entkräftet, die sich auf die Psychoanalyse beziehen.
By Henning LütjeIm zweiten Teil meines Kommentars zu "Das Orakel spricht" geht es wesentlich um den Begriff der Authentizität. Strömquist hält diesen Begriff für unhaltbar, weil aus der Perspektive einer Diskurstheorie, die jede objektive Wahrheit ablehnt, jeder Wunsch und jedes Selbstbild genau so authentisch oder unauthentisch ist wie jedes andere. Alle Wünsche und Selbstbilder sind aus dieser Perspektive Diskurseffekte und deshalb kontingent. Tatsächlich ist es aber so, dass die radikale Absage an jede objektive Wahrheit einen erkenntnistheoretischen und moralischen Relativismus impliziert, der sich nicht nur auf die Sätze der Diskurstheorie selbst anwenden lässt, sondern auch auf andere politisch-aktivistische Grundüberzeugungen. Als Alternative wird ein moderater Konstruktivismus skizziert, welcher der Tatsache, dass Diskurse sich über die Zeit hinweg ändern, Rechnung trägt, aber trotzdem die Möglichkeit offen hält, uns durch weltseitige Fehlersignale in unseren Konstruktionen korrigieren und begrenzen zu lassen. Anschließend werden zwei Einwände gegen den Authentizitäts-Begriff entkräftet, die sich auf die Psychoanalyse beziehen.