Wie funktioniert das Schreckgespenst „Gender“ im politischen Diskurs? Wir sprechen mit Judith Butler über Anti-Gender als Phantasma, über Angst, Allianzen, Religion, Nation, Faschisierungstendenzen — und darüber, wie kritische, feministische Praxis trotzdem handlungsfähig bleiben kann.
In dieser Folge gehen wir der Frage nach, wie „Gender“ im Anti-Gender-Diskurs überhaupt zu einer so wirkmächtigen Bedrohungsfigur werden konnte. Ausgehend von Judith Butlers
Who’s Afraid of Gender? lesen wir „Gender“ nicht als klar definierte Theorie oder politische Position, sondern als Phantasma: als eine Projektionsfläche, auf der sehr unterschiedliche Ängste, Konflikte und gesellschaftliche Krisen gebündelt werden. Wir sprechen darüber, wie diese affektive Logik funktioniert – über Verdichtung, Verschiebung, Dämonisierung, semantische Elastizität und die produktive Funktion von Widersprüchen. Dabei wird deutlich, dass es im Anti-Gender-Diskurs weniger um Argumente als um Gefühle, Moral und die Herstellung eines politischen Ausnahmezustands geht.
Im zweiten Teil der Folge schauen wir uns an, in welche größeren politischen und ideologischen Zusammenhänge dieses Phantasma eingebettet ist: in Debatten um Nation, Reproduktion, religiöse Ordnung, Anti-Intellektualismus und die Angst vor innerer Zersetzung. Dabei geht es auch um die Rolle des Vatikans, um globale rechte und religiöse Allianzen, um die Instrumentalisierung von „Gender“ als angeblichem Kolonialismus und um die Frage, warum unterschiedliche Akteur*innen trotz aller Widersprüche an derselben Bedrohungserzählung mitarbeiten können. Zum Schluss fragen wir, was Judith Butler dieser Politik der Angst entgegensetzt: nicht die Verteidigung von „Gender“ als starrem Begriff, sondern die Verteidigung von Kritik, von offener Zukunft, von Bündnissen – und von der Möglichkeit eines lebbaren Lebens ohne Angst.
Zum Mitlesen:
- Butler, Judith (2024) Who's Afraid of Gender. Dublin: Penguin Books/Allen Lane.
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