Wie schreibt man eine queere weibliche Figur, ohne sie festzuschreiben? Wir sprechen über Karen Barads agentiellen Schnitt, Judith Butlers Begriff der Lebbarkeit und darüber, wie Kategorien, Labels und literarische Formen mitbestimmen, welche Körper und Beziehungen verständlich werden.
Ausgangspunkt dieser Folge ist die kritische Rückmeldung einer Hörerin: Warum haben wir in einer früheren Folge erneut trans Frauen als Beispiel herangezogen, um die Instabilität der Kategorie „Frau“ zu zeigen – obwohl unser Argument ausdrücklich transinklusiv war?
Wir nehmen diese Kritik auf und fragen, warum es nicht genügt, die Grenzen einer Kategorie immer weiter auszudehnen oder einen anderen marginalisierten Körper zum neuen Grenzfall zu machen. Mit Karen Barad sprechen wir über Quantenphysik, Apparate, agentielle Schnitte und die Frage, ob Eigenschaften unabhängig von den Bedingungen ihrer Bestimmung bereits vollständig vorhanden sind.
Von dort führt die Folge zu einem literarischen Experiment: Verena schreibt unabsichtlich an einem Roman über Hedy, eine junge Frau, deren Frausein niemand bestreitet, deren Art zu begehren, Nähe herzustellen und Beziehungen zu leben aber nicht als queere Möglichkeit weiblichen Lebens gelesen wird, sondern als Mangel, Unreife oder Störung.
Mit Judith Butler fragen wir, warum Anerkennung allein nicht genügt, wenn die Bedingungen dieser Anerkennung ein Leben unverständlich oder unlebbar machen. Wir sprechen darüber, wie die Kategorie „Frau“ nicht nur nach außen abgrenzt, sondern auch im Inneren festlegt, welche Formen von Weiblichkeit, Begehren und Beziehung als plausibel gelten.
Außerdem geht es um queere Zeit, E-Mail-Korrespondenzen, Labels und Fehllektüren, die Briefform als materiell-diskursive Anordnung, Hedy als mögliche Cyborgfigur und um Korrigierbarkeit als ethische Praxis des Lesens.
Texte und Autor*innen, über die wir sprechen:- Butler, Judith (2004) Undoing Gender, New York: Routledge
- Barad, Karen (2007) Meeting the universe halfway: Quantum Physics and the Entanglement of Matter and Meaning. Durham: Duke University Press.
Den erwähnten Artikel von Juliana Stocker findet ihr auf Substack: Sind cis Frauen Frauen?Absolut lesenswert!
Juliana findet ihr übrigens auch auf Instagram.
Wie immer freuen wir uns über eure Gedanken: Wie geht es euch, wenn ihr queere Figuren lest? Was macht ihre Queerness aus? Wie viel Gutes oder Schlechtes tun Labels in der Literatur? Habt ihr euch diese Fragen vielleicht sogar schon einmal selbst beim Schreiben gestellt?
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