Warum soll Sexualität eigentlich sagen, wer wir sind? In dieser Folge sprechen wir über Michel Foucaults
Der Wille zum Wissen: über Beichte, Geständnis, Macht-Wissen, Biopolitik und die Frage, warum wie Sex zur Wahrheit über uns selbst werden konnte.
Wir beginnen mit Foucaults Kritik an der Repressionshypothese, also an der Vorstellung, Sexualität sei vor allem unterdrückt worden und Befreiung bestehe darin, endlich offen über Sex zu sprechen. Foucault verschiebt den Blick: Entscheidend ist nicht nur, ob über Sex gesprochen wird, sondern wer sprechen soll, wer zuhört, wer deutet und welche Folgen diese Deutung für die Person hat.
Von dort aus geht es um Beichte, Geständnis und die Frage, wie aus sexuellen Handlungen Hinweise auf eine ganze Person werden. Foucaults berühmtes Beispiel ist der Übergang vom Sodomiten zum Homosexuellen. Nicht gleichgeschlechtliches Begehren entsteht neu, sondern eine neue Form des Wissens, in der Sexualität als innere Beschaffenheit einer Person gelesen wird.
Außerdem sprechen wir über Macht-Wissen, das Sexualitätsdispositiv, Biopolitik und Norm. Sexualität wird bei Foucault gerade deshalb politisch so wichtig, weil sie einzelne Körper und Bevölkerung miteinander verbindet: Gesundheit, Fortpflanzung, Familie, Krankheit, Entwicklung und demografische Zukunft.
Am Ende kehren wir zum Begriff
sex(e) zurück. Foucault fragt, ob sex(e) wirklich die natürliche Grundlage der Sexualität ist — oder ob diese scheinbare Grundlage erst im Sexualitätsdispositiv entsteht. Daraus folgt eine schwierige Frage für politische Kämpfe um Anerkennung und Sichtbarkeit: Was passiert, wenn wir weiter nach einer sexuellen Wahrheit suchen, obwohl genau diese Suche uns an das Dispositiv bindet?
Zum Schluss geht es um Foucaults Gegenformel: nicht Sex-Begehren, sondern Körper und Lüste. Und um die Frage, warum das gerade für Asexuality Studies interessant wird: Kann ein Mensch gesellschaftlich verständlich sein, ohne überhaupt eine sexuelle Wahrheit über sich besitzen zu müssen?
Zum Mitlesen:- Michel Foucault, Sexualität und Wahrheit, Band I: Der Wille zum Wissen
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