Schon am Frankfurter Hauptbahnhof wundert man sich über all die verkleideten Menschen, die aus den Zügen Richtung U-Bahn strömen. Monster mit Hörnern, Orks aus Fantasy-Romanen oder Japanische Popstars stehen dann auf der Rolltreppe zwischen Touristen oder Bankern. Auf dem Messegelände werden es dann immer mehr, immer noch buntere und skurrilere Figuren. Und dann fragt man sich, wieso eigentlich gerade die Buchmesse dieses Publikum anzieht.
Inga: "Ja, also ich lese ziemlich viel. Ich bin da ein bisschen altmodisch, also ich lese auch Klassiker wie Goethe und so weiter"
sagt Inga. Heute auf der Buchmesse sind sie und ihre Freundin Vanessa als Steampunker verkleidet.
Vanessa: "Ach, das sind einfach so Fantasiefiguren.“
Inga: „Ja, so eine Mischung aus Vintage und Technik sozusagen. Also wie man sich das in den 1950ern so vorgestellt hat: Die Moderne, gemischt mit dieser Zeit sozusagen. "
Vanessa kam von den beiden als erste auf die Idee. Interesse daran hat die Buchmesse geweckt:
Vanessa: „Bei mir war es so: Wir gingen einmal auf die Buchmesse und da hat man die ganzen verrückten Leute gesehen und dann denkt man sich 'Hey, das gefällt mir, das mach' ich jetzt auch.' Dann bin ich einmal zu meiner Freundin Inga gegangen und meinte 'Hey, hast du Lust, mitzumachen?'“
Inga: „Und da meinte ich 'ja!', also es war eher eine spontane Idee.“
Das Aussehen der beiden erinnert fast an Cyborgs, also halb Roboter und halb Mensch. Vanessa hat kleine Zahnräder auf der Stirn kleben und auspuffartige Metalldosen am Kopf, Inga trägt einen schwarzen Zylinder und hält eine Art Zepter in der Hand, an dessen Ende ein kleines Fass sitzt.
Vanessa „Jaja, das ist alles selber genäht und gebaut und gebastelt und ja.“
Inga: „Also manche Dinge sind natürlich auch gekauft, aber das meiste ist von uns selbst gemacht.“
Ich frage sie, wie da Freunde und Bekannte, zum Beispiel in der Schule, reagieren.
Vanessa: „Die meisten sind begeistert. Es gibt immer ein paar Leute, die einen schräg angucken, aber unser Freundeskreis findet das eigentlich cool. Und mit dem Rest geben wir uns nicht ab.“
Die Ideen für ihre Kostüme entnehmen sie aus Büchern, Comics, Fernsehserien, Filmen oder Computerspielen. Die Frankfurter Buchmesse gilt in der Cosplay-Szene schon fast als Convention, also als organisiertes Treffen der Fantasy- und Japan-Fans.
Andere Gruppe, anderes Kostümthema. Zwischen den vielen Messeständen im Cosplay-Bereich treffe ich Jamie, im Semannsoutfit mit langen, violetten Haaren und Sam mit einer schwarzen Perücke.
Jamie: „Also nachgemacht, ausprobiert.. Ja, man will sich immer verbessern. Man fängt halt klein an und dann wird man mit der Zeit besser und dann ist man irgendwann richtig stolz darauf wenn man so richtig gute Cosplays machen kann.“
Sam: „Ja, natürlich muss man sich auch erstmal einen Charakter aussuchen, den man auch mag. Also man macht nicht einfach irgendwas.“
Jamie: „Also für mich persönlich macht das was aus, wenn man sich die Klamotten nicht irgendwie im Internet bestellt, sondern sie sich selber herstellt und die sich dann selber herstellt und die am Ende trotzdem richtig gut aussehen. Dann bin ich immer stolz.“
Jamie selbst hat sich nicht als ein spezieller Charakter verkleidet:
Jamie: "Also das hab ich jetzt auch gekauft auf einer anderen Convention, ... das sind so meine Notfall-Cosplays, falls ich halt irgendwas machen möchte, mich verkleiden möchte, aber irgendwie nichts spezielles fertig hab. Ich bin momentan an anderen Sachen am Machen, die sind einfach noch nicht fertig oder geplant und einfach noch nicht angefangen.
Im Alltag da trag ich höchstens Klamotten die eben von diesem bestimmten Merchandise, was ich so mag, also wo was von meinem Lieblingsspiel oder so was abgebildet ist. Und sonst mehrmals im Jahr geh ich auf 'ne Convention, wo ich micht dann komplett von oben bis unten verkleide."
..und die Buchmesse ist nicht ihr erstes Treffen.
Jamie: „Das ist jetzt