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Zwischen den Gipfeln des Rätikons, dem Gamperdonatal und dem Nenzinger Himmel lebt ein Mann, der sich nie auf eine Rolle festlegen ließ. Michael Benvenuti, 68 Jahre, Werkzeugmacher, dreifacher Familienvater, Kommunalpolitiker a.D. und leidenschaftlicher Fotograf, ist ein Grenzgänger – zwischen Handwerk und Kunst, zwischen Lokalpolitik und globalem Denken, zwischen christlich geprägter Heimat und hinduistischer Spiritualität.Sein Lebensmittelpunkt ist Nenzing. Seine geistige Heimat ist weiter gefasst.Zur Fotografie kam Benvenuti früh. Ein Jugendfreund besaß eine Kamera – der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft. Zunächst waren es Familienbilder, Urlaubsaufnahmen im Nenzinger Himmel, später Landschaften von Skitouren, darunter die Wildspitze oder sogar der Mont Blanc. Die Kamera wurde Begleiter auf Bergtouren, Vereinsveranstaltungen und durch alle Lebensphasen.Richtig intensiv widmet er sich der Fotografie seit der Pensionierung. Spiegelreflex, Teleobjektiv, Stativ – professionelle Ausrüstung für eine Passion, die weit über ein Hobby hinausgeht.Er fotografiert nicht spektakulär, sondern aufmerksam. „Seit ich wieder intensiv fotografiere, sehe ich die kleinsten Blumen“, sagt er. Ein Löwenzahn wird bei ihm zum Kunstwerk, weil er ihn nicht achtlos übergeht.Neun Auflagen hat sein Kalender mittlerweile erlebt. Rund 150 Exemplare erscheinen jährlich. Ein fester Kundenstamm wartet bereits im Frühjahr auf die neue Ausgabe.Der Kalender ist in Nenzing direkt bei ihm erhältlich, in der Trafik oder im Gasthaus Gampadon im Nenzinger Himmel – Orte mit Menschen, die für ihn Handschlagqualität verkörpern.Ein Bild mit 20 bis 30 Hirschen im Nenzinger Himmel sorgte im vergangenen Jahr für hitzige Diskussionen. Jagd und Agrargemeinschaft befürchteten, das Foto könne Besucher anlocken und Unruhe ins Wild bringen und hängten es ab.Benvenuti argumentierte aus der Perspektive des Fotografen und Wanderers. Er spricht gern vom „Kuchen und Kuchenstück“: Viele sehen nur einen Ausschnitt – er sieht das Ganze. Juristisch war er im Recht. Am Ende kaufte ein Jäger das Bild – heute hängt es in einer Jagdhütte.Der Konflikt wurde zu einem Lehrstück über Perspektiven, Verantwortung und Dialog.45 Jahre arbeitete Benvenuti im Formenbau, unter anderem für international tätige Unternehmen. Er bewegte sich im Toleranzbereich von wenigen Tausendstelmillimetern.Lego-Spritzgussformen gehörten zu seinen Projekten – mit minimalen Abweichungen von plus/minus drei Tausendstel. Diese Präzision prägte sein Denken. Zwei Hundertstel fühlten sich für ihn wie „ein Berg“ an.Diese handwerkliche Genauigkeit spiegelt sich heute in seinen Fotografien: Komposition, Licht, Detail – nichts ist zufällig.Fast ein Vierteljahrhundert war Benvenuti in der Gemeindepolitik tätig, zunächst in einer großen Partei, später parteilos. 2009 gründete er die Liste „Wir gemeinsam“ und trat bei der Landtagswahl an.Sein zentrales Prinzip: Handschlagqualität. Nicht über andere schimpfen, sondern selbst vorleben.Heute betrachtet er Demokratie kritisch. Er hinterfragt Mehrheitsprinzipien und spricht offen über alternative Modelle. Dabei geht es ihm weniger um Ideologie als um Verantwortung, Integrität und geistige Substanz in der Politik.Benvenuti bezeichnet sich als bekennenden Hinduisten. Für ihn ist Spiritualität keine Randnotiz, sondern Grundverständnis.Er glaubt fest an Reinkarnation. Die Menschheit, sagt er, müsse geistig wachsen. Die Frage nach Gott und Sinn sei zentral – auch wenn sie heute oft belächelt werde. Dass Jesus, der später Christus genannt wurde, über mehrere Jahre in einem Ashram in Indien lernte, ist für ihn logisch nachvollziehbar und erwiesene Tatsache.Diese Haltung erklärt auch seine Skepsis gegenüber Modernisierung im Nenzinger Himmel: 5G, Kläranlagen, zunehmende Technisierung – für ihn Zeichen einer Entwicklung, die das Ursprüngliche verdrängt.
By Der Podcaster Bandi KoeckZwischen den Gipfeln des Rätikons, dem Gamperdonatal und dem Nenzinger Himmel lebt ein Mann, der sich nie auf eine Rolle festlegen ließ. Michael Benvenuti, 68 Jahre, Werkzeugmacher, dreifacher Familienvater, Kommunalpolitiker a.D. und leidenschaftlicher Fotograf, ist ein Grenzgänger – zwischen Handwerk und Kunst, zwischen Lokalpolitik und globalem Denken, zwischen christlich geprägter Heimat und hinduistischer Spiritualität.Sein Lebensmittelpunkt ist Nenzing. Seine geistige Heimat ist weiter gefasst.Zur Fotografie kam Benvenuti früh. Ein Jugendfreund besaß eine Kamera – der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft. Zunächst waren es Familienbilder, Urlaubsaufnahmen im Nenzinger Himmel, später Landschaften von Skitouren, darunter die Wildspitze oder sogar der Mont Blanc. Die Kamera wurde Begleiter auf Bergtouren, Vereinsveranstaltungen und durch alle Lebensphasen.Richtig intensiv widmet er sich der Fotografie seit der Pensionierung. Spiegelreflex, Teleobjektiv, Stativ – professionelle Ausrüstung für eine Passion, die weit über ein Hobby hinausgeht.Er fotografiert nicht spektakulär, sondern aufmerksam. „Seit ich wieder intensiv fotografiere, sehe ich die kleinsten Blumen“, sagt er. Ein Löwenzahn wird bei ihm zum Kunstwerk, weil er ihn nicht achtlos übergeht.Neun Auflagen hat sein Kalender mittlerweile erlebt. Rund 150 Exemplare erscheinen jährlich. Ein fester Kundenstamm wartet bereits im Frühjahr auf die neue Ausgabe.Der Kalender ist in Nenzing direkt bei ihm erhältlich, in der Trafik oder im Gasthaus Gampadon im Nenzinger Himmel – Orte mit Menschen, die für ihn Handschlagqualität verkörpern.Ein Bild mit 20 bis 30 Hirschen im Nenzinger Himmel sorgte im vergangenen Jahr für hitzige Diskussionen. Jagd und Agrargemeinschaft befürchteten, das Foto könne Besucher anlocken und Unruhe ins Wild bringen und hängten es ab.Benvenuti argumentierte aus der Perspektive des Fotografen und Wanderers. Er spricht gern vom „Kuchen und Kuchenstück“: Viele sehen nur einen Ausschnitt – er sieht das Ganze. Juristisch war er im Recht. Am Ende kaufte ein Jäger das Bild – heute hängt es in einer Jagdhütte.Der Konflikt wurde zu einem Lehrstück über Perspektiven, Verantwortung und Dialog.45 Jahre arbeitete Benvenuti im Formenbau, unter anderem für international tätige Unternehmen. Er bewegte sich im Toleranzbereich von wenigen Tausendstelmillimetern.Lego-Spritzgussformen gehörten zu seinen Projekten – mit minimalen Abweichungen von plus/minus drei Tausendstel. Diese Präzision prägte sein Denken. Zwei Hundertstel fühlten sich für ihn wie „ein Berg“ an.Diese handwerkliche Genauigkeit spiegelt sich heute in seinen Fotografien: Komposition, Licht, Detail – nichts ist zufällig.Fast ein Vierteljahrhundert war Benvenuti in der Gemeindepolitik tätig, zunächst in einer großen Partei, später parteilos. 2009 gründete er die Liste „Wir gemeinsam“ und trat bei der Landtagswahl an.Sein zentrales Prinzip: Handschlagqualität. Nicht über andere schimpfen, sondern selbst vorleben.Heute betrachtet er Demokratie kritisch. Er hinterfragt Mehrheitsprinzipien und spricht offen über alternative Modelle. Dabei geht es ihm weniger um Ideologie als um Verantwortung, Integrität und geistige Substanz in der Politik.Benvenuti bezeichnet sich als bekennenden Hinduisten. Für ihn ist Spiritualität keine Randnotiz, sondern Grundverständnis.Er glaubt fest an Reinkarnation. Die Menschheit, sagt er, müsse geistig wachsen. Die Frage nach Gott und Sinn sei zentral – auch wenn sie heute oft belächelt werde. Dass Jesus, der später Christus genannt wurde, über mehrere Jahre in einem Ashram in Indien lernte, ist für ihn logisch nachvollziehbar und erwiesene Tatsache.Diese Haltung erklärt auch seine Skepsis gegenüber Modernisierung im Nenzinger Himmel: 5G, Kläranlagen, zunehmende Technisierung – für ihn Zeichen einer Entwicklung, die das Ursprüngliche verdrängt.