Chrisi Kindle prägte über vier Jahrzehnte den Sportjournalismus in Liechtenstein
Wer in Liechtenstein Fussball liebte, kannte seine Stimme. Ob packende Cup-Nächte des FC Vaduz, Länderspiele der Nationalmannschaft oder grosse Ski-Erfolge – Chrisi Kindle war über Jahrzehnte der Mann hinter dem Mikrofon. Mit rund 600 kommentierten Spielen, davon etwa 500 Begegnungen des FC Vaduz und rund 100 Länderspielen, gehört er zu den prägendsten Sportjournalisten des Landes. Seine Karriere führte ihn von der Schreibmaschine über Telex und Telefax bis ins digitale Zeitalter – und immer stand eines im Mittelpunkt: die Leidenschaft für den Sport.
Nach dem Ende von Radio Liechtenstein Anfang 2025 ist es ruhiger um den langjährigen Sportreporter geworden. Doch wer ihm zuhört, merkt schnell: Die Begeisterung für den Fussball ist ungebrochen. Ebenso wie die Erinnerungen an eine Zeit, in der Sportjournalismus oft Improvisation, Abenteuer und Herzblut bedeutete.
Schon als kleiner Junge wusste Chrisi Kindle, wohin sein Weg führen sollte. Während andere Kinder einfach Fussball schauten, kommentierte er die Spiele zu Hause gleich selbst.
Dass daraus tatsächlich ein Beruf werden könnte, glaubte allerdings kaum jemand.
«Diesen Beruf gibt es gar nicht», bekam er damals von Berufsberatern immer wieder zu hören. Man riet ihm zu einer «richtigen» Ausbildung.
Kindle liess sich davon nicht beirren.
Beim Liechtensteiner Volksblatt absolvierte er zunächst eine kaufmännische Lehre. Parallel durfte er erste Erfahrungen in der Sportredaktion sammeln. Dort wurde sein Talent rasch erkannt. Sein damaliger Lehrmeister übertrug ihm immer mehr Verantwortung – und warf den 19-Jährigen bereits 1978 bei der Ski-Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen ins kalte Wasser.
«Mach einfach», hiess es damals.
Für Kindle wurde diese erste Weltmeisterschaft zum Start einer aussergewöhnlichen Laufbahn.
Zwanzig Jahre arbeitete Chrisi Kindle beim Liechtensteiner Volksblatt. Ende der 1990er-Jahre suchte er eine neue Herausforderung.
Sie hiess Radio.
1998 wechselte er zu Radio Liechtenstein und fand dort seine eigentliche Bühne. Seine markante Stimme wurde für Generationen von Sportfans zum festen Begleiter an den Wochenenden.
Bis zum Sendeschluss des Radios im Jahr 2025 berichtete er praktisch ohne Unterbruch über das Sportgeschehen im Land.
Wer heute einen Bericht schreibt, braucht Laptop, Smartphone und Internet.
Damals war alles anders.
Bei seiner ersten Ski-WM schrieb Kindle seine Texte noch auf einer Schreibmaschine. Anschliessend mussten sie auf einer Telex-Station übertragen werden. Jede Zeile bedeutete zusätzliche Arbeit, jede Übermittlung kostete Zeit.
Noch schwieriger hatten es die Fotografen.
Mit seinem langjährigen Kollegen Eddi Risch war Kindle bei unzähligen Grossanlässen unterwegs. Während Kindle schrieb, verwandelte Risch Hotelbadezimmer in improvisierte Dunkelkammern.
Anschliessend begann der eigentliche Kraftakt.
Ein einziges Foto benötigte rund sechs Minuten, bis es über eine Telefonleitung in der Redaktion ankam.
Heute dauert derselbe Vorgang wenige Sekunden.
Eine seiner liebsten Erinnerungen stammt vom berühmten Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel.
Im Hotel gab es lediglich eine Telefonkabine.
Während Fotograf Edi Rich den Telefonhörer auseinanderbaute und sein Übertragungsgerät anschloss, musste Kindle den Hotelangestellten beschäftigen.
«Er braucht einfach noch etwas», erklärte er immer wieder.
Während draussen Gäste ungeduldig auf die Telefonleitung warteten, wurden drinnen Bild für Bild Richtung Liechtenstein geschickt.
Improvisation gehörte damals zum Berufsalltag.
Nicht weniger filmreif verlief eine Reise nach Nordirland.
1994 bestritt Liechtenstein in Belfast sein erstes Pflichtspiel überhaupt in einer EM-Qualifikation.
Den Spielbericht schrieb Kindle auf dem Rückflug – mit der Schreibmaschine auf den Knien.
Neben ihm sass Nationaltorhüter Martin Öhri.