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Der Landkreis Altenkirchen


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Autor, Sprecher und Episodenbild

Yeal Gabriel Gwyneth Spengler

Technik und Gestaltung

Thorsten Siefert

Der Landkreis Altenkirchen liegt im Norden von Rheinland-Pfalz. Dort leben etwas über 132.000 Menschen. Insgesamt kann man von einem eher ländlich geprägten Raum sprechen. Dennoch: Über 50 % der Einwohner arbeiten im produzierenden Gewerbe, bedeutsam sind der Maschinenbau sowie die Verarbeitung von Kunststoff und Metall. Die Altenkirchener wirken sehr mit ihrer Heimat verbunden, pflegen ihre kulturellen und religiösen Bräuche. 

Der Hunger nach Veränderung, er scheint gering zu sein. Alles soll beim Alten bleiben, man selbst ist am Liebsten unter sich. Wer sich anschließen möchte, kann es gerne versuchen. Zugezogene kommen allerdings ohne viel eigenes Bemühen kaum wirklich an, viele bleiben doch fremd. Wer anders ist oder anders leben möchte, wird maximal toleriert, meist kritisch beäugt, ist eigentlich nicht erwünscht. Diese Haltung lässt sich bestenfalls noch mit dem Wort konserativ beschreiben und zieht sich durch weite Kreise der einheimischen Bevölkerung.

So erscheint es auch nicht erstaunlich, dass die andernorts zumindest in Teilen gelungene Integration von Menschen aus anderen Ländern hier als nicht sonderlich gelungen zu beschreiben ist. Man könnte fragen: Liegt es vielleicht an dem “Unter-sich-sein-wollen” der Einwohner, das es kaum zulässt, dass Begegnungen mit anderen Kulturen kaum über das Alltägliche, das Unvermeidbare hinausgehen? Ist das der Grund dafür, dass sich häufig keine weiteren Beziehungen zwischen Einheimischen und den Anderen haben ergeben können. Könnte die Wand des “Unter-sich-sein-wollens” so auch zum Modell für das Leben der Zugewanderten geworden sein? Ist es also verwunderlich, dass man in weitgehend voneinander abgeschotteten sozialen Räumen nebeneinander herlebt, zu wenig über- und voneinander einander weiß.

Ein Blick auf die politische Orientierung in diesem Landkreis. Schaut man sich die Ergebnisse der letzten Bundestagswahl an, so fällt ein Ruck nach Rechts auf: Die AfD legte bei den Zweistimmen um16,3 % auf 39,5 % zu. Am 22. März werden die Bewohner des Landkreises Altenkirchen erneut zur Wahlurne gerufen, dann sind Landtagswahlen.

Schaut man sich den Rheinland-Pfalz-Trend des Südwestrundfunks vom Januar an, wird es ein Rennen zwischen SPD mit vorhergesagten 26 % und der CDU mit 29 % geben, die AfD würde danach bei 18 % liegen. Aber das ist eine Landesprognose, wie wird der nördlichste Landkreis wohl wählen?

Lässt sich die zunehmende Orientierung nach rechts bei den Bundestagswahlen 2025 nur durch die konservative Grundhaltung und eine geringe Offenheit gegenüber Veränderungen erklären? Liegt es an dem Nebeneinander statt Miteinander zwischen Einheimischen und Zugewanderten und der daraus resultierenden Fremdheit? Wohl kaum, denn ein Festhalten an dem, was lange war, führt ganz sicher nicht automatisch zu einer politischen Ausrichtung, die schlimmstenfalls mit der demokratischen Grundordnung kollidiert. Vielleicht macht es aber die Menschen in sich schnell und politisch veränderten Zeiten unsicherer und ggf. etwas empfänglicher für Haltungen, die die Rückkehr in eine vermeintliche heile und sehr deutsche Welt versprechen. 

Hinzu kommt: Der ländliche Raum scheint für die rechte Szene interessant zu sein. Immer wieder finden dort Veranstaltungen von entsprechenden Gruppen statt. Diese erreichen mit ihren politischen und ideologischen Botschaften offenbar auch zunehmend die bürgerliche Mitte. Hinzu kommen die Nachwirkungen der Corona Zeit, die offenbar zu einer Entfremdung vom demokratischen System geführt hat, man traut ihm nicht mehr, hängt eher Verschwörungstheorien an. Und aktuell zeigt sich, die Rhein-Zeitung berichtete unlängst darüber, eine zunehmend “braune Haltung” bei den Schülerinnen im Landkreis Altenkirchen. 

Letzteres wird das Schwerpunktthema im Laufe dieser Woche in Today’s Day sein. Welche Beobachtungen führen zu der Einschätzung, dass die Schülerinnen im Norden von Rheinland-Pfalz eine zunehmend rechte Orientierung haben sollen? Und wie kann die Gesellschaft dieser Tendenz so begegnen, dass eine demokratische Gesellschaftsordnung von den Jugendlichen wieder mehr als ein Zukunftsmodell empfunden wird, als es jetzt der Fall zu sein scheint? Fragen, denen dringend nachzugehen ist.

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netkiosk.digitalBy Hans-Christian Spengler und Thorsten A. Siefert