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Autor, Sprecher und Episodenbild
Yeal Gabriel Gwyneth Spengler
Technik und Gestaltung
Thorsten Siefert
Am 19. Februar 2026 veröffentlichte die Rhein-Zeitung einen Artikel mit der Überschrift „Immer mehr Schüler im AK-Land mit brauner Haltung“. AK-Land ist die Bezeichnung für den im letzten Beitrag ausführlich vorgestellten Landkreis Altenkirchen. Es wurde bereits deutlich, dass die eher ländlich geprägte Mentalität der Einwohner in der Mehrzahl wenig progressiv im Sinne gesellschaftlicher Veränderungs- und Modernisierungsprozesse wirkt. Ein Blick auf die Zweitstimmen der Bürger im AK-Land bei der letzten Bundestagswahl 2025 zeigt eine fast 50 prozentige Zustimmung zur AfD und ihrer Politik.
Bei dem RZ-Artikel handelt es sich im eigentlichen Sinne um ein Interview mit dem GEW-Kreisvorstand Altenkirchen zu dem Thema „Rechte Orientierung von Kindern und Jugendlichen.“ Beklagt werden von den Gewerkschaftsvertretern unter anderem:
● Bemerkungen von Schülern, die auf eine rechte Gesinnung schließen lassen
● Zunahme von rechter Symbolik im Umfeld von Schulen
● verbal aggressives, offen feindseliges Verhalten gegenüber dunkelhäutigen Schülern
● Auseinandersetzungen zwischen jungen Migranten unterschiedlicher Herkunft
● Probleme im Umgang mit rechts ausgerichteten Elternhäusern, deren Grundhaltung aber schwer fassbar ist
● Rechte Meldeportale, in die Lehrer eingetragen werden, die sich engagieren, eben auch gegen rechte Positionen und für eine freiheitliche demokratische Grundordnung
Wir hören hier also von unterschiedlichen Erfahrungen, die durch die Häufigkeit ihres Auftretens den Eindruck einer Zunahme einer rechten Grundhaltung bei Kindern und Jugendlichen vermuten lassen. Es handelt sich bei dem aus diesen Beobachtungen gezogenen Folgeschluss mehr um eine Feststellung auf anekdotischer Basis als um Rückschlüsse, die aufgrund einer zuverlässigen wissenschaftlichen Untersuchung gezogen wurden. Entwertet dieser Umstand den Aussagewert des logischen Schlusses aus einer Vielzahl von Einzelereignissen auf ein sich Verschieben der politischen Haltung junger Menschen nach rechts?
Kaum. Um aber etwas mehr Sicherheit in dieser Frage zu gewinnen, lohnt es sich, über den Tellerrand des Landkreises Altenkirchen zu schauen. Gibt es Hinweise darauf, dass die rechte Orientierung von Kindern und Jugendlichen zugenommen hat, belastbare Hinweise?
Eine wichtige Quelle auch bei solchen Fragestellungen ist immer die Shell-Jugendstudie. Sie beleuchtet wiederkehrend die Interessen, Sorgen, Nöte, Zukunftserwartungen und eben auch die politische Haltung junger Menschen in der Bundesrepublik. Die aktuelle Studie stammt aus dem Jahr 2024.
Es zeigt sich, dass 50% der jungen Menschen im Land politisch interessiert sind. Insgesamt schätzen sich die seinerzeit Befragten als mehr links ein. Allerdings liegt der Anteil männlicher Jugendlicher, die sich als rechts oder eher rechts einschätzen, bei 25 %. 2019 waren es noch unter 20 %. Die Demokratiezufriedenheit betrug im Westen 77 %, im Osten der Republik nur 60 %.
Soweit kann man wohl gehen: Ein sich in der demokratischen Gesellschaft wiederfinden fällt Jugendlichen immer schwerer. Die zum Teil in sozialen Medien verbreiteten Verschwörungstheorien, eine Vielzahl von Fakenews, die Vermischung von Informationen und Meinungen – all das trägt dazu bei, eine grundsätzliche Verunsicherung bei jungen Menschen als Boden zu nutzen, in den sich eine rechte Saat einfacher Botschaften, Erklärungen und Lösungen einbringen lässt.
Welche Maßnahmen können helfen? In einer Veröffentlichung der Amadeu Antonio Stiftung vom Oktober 2025 werden ganz unterschiedliche Empfehlungen für in Schule und Jugendarbeit Tätige gegeben. Einer der wichtigsten Ansätze – neben dem Schutz für Engagierte, partnerschaftlicher Elternarbeit, der besseren Verankerung politischer Bildung und vielen weiteren guten Ideen mehr – ist: “Demokratie leben”.
Genau dies empfehlen auch die Altenkirchener Pädagogen vom Kreisvorstand der GEW: Demokratie in der Schule, in schulischen Prozessen besser verankern, im Alltag erlebbar machen. Sie verwenden dabei den zentralen Begriff der Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Und tatsächlich ist das unmittelbare Erleben, dass man in einem demokratischen System etwas anstoßen, bewegen, verändern oder auch weiter entwickeln kann, maßgeblich für eine bestenfalls lebenslange positive Bindung an die Grundidee dieser Form der politischen Verfasstheit. Denn erfahrene Selbstwirksamkeit vergessen Menschen für gewöhnlich nicht.
Vielleicht lohnt es sich, darüber in Schulen nachzudenken und Bereiche über die üblichen Partizipationsräume hinaus zu schaffen, zu öffnen, die es möglich machen, dass Schüler mehr Mitsprache- und Gestaltungsrechte – auch bezogen auf Unterrichtsinhalte und das gesamte Schulleben als Miteinander – erhalten und nicht ständig an Grenzen der Bevormundung stoßen.
By Hans-Christian Spengler und Thorsten A. SiefertAutor, Sprecher und Episodenbild
Yeal Gabriel Gwyneth Spengler
Technik und Gestaltung
Thorsten Siefert
Am 19. Februar 2026 veröffentlichte die Rhein-Zeitung einen Artikel mit der Überschrift „Immer mehr Schüler im AK-Land mit brauner Haltung“. AK-Land ist die Bezeichnung für den im letzten Beitrag ausführlich vorgestellten Landkreis Altenkirchen. Es wurde bereits deutlich, dass die eher ländlich geprägte Mentalität der Einwohner in der Mehrzahl wenig progressiv im Sinne gesellschaftlicher Veränderungs- und Modernisierungsprozesse wirkt. Ein Blick auf die Zweitstimmen der Bürger im AK-Land bei der letzten Bundestagswahl 2025 zeigt eine fast 50 prozentige Zustimmung zur AfD und ihrer Politik.
Bei dem RZ-Artikel handelt es sich im eigentlichen Sinne um ein Interview mit dem GEW-Kreisvorstand Altenkirchen zu dem Thema „Rechte Orientierung von Kindern und Jugendlichen.“ Beklagt werden von den Gewerkschaftsvertretern unter anderem:
● Bemerkungen von Schülern, die auf eine rechte Gesinnung schließen lassen
● Zunahme von rechter Symbolik im Umfeld von Schulen
● verbal aggressives, offen feindseliges Verhalten gegenüber dunkelhäutigen Schülern
● Auseinandersetzungen zwischen jungen Migranten unterschiedlicher Herkunft
● Probleme im Umgang mit rechts ausgerichteten Elternhäusern, deren Grundhaltung aber schwer fassbar ist
● Rechte Meldeportale, in die Lehrer eingetragen werden, die sich engagieren, eben auch gegen rechte Positionen und für eine freiheitliche demokratische Grundordnung
Wir hören hier also von unterschiedlichen Erfahrungen, die durch die Häufigkeit ihres Auftretens den Eindruck einer Zunahme einer rechten Grundhaltung bei Kindern und Jugendlichen vermuten lassen. Es handelt sich bei dem aus diesen Beobachtungen gezogenen Folgeschluss mehr um eine Feststellung auf anekdotischer Basis als um Rückschlüsse, die aufgrund einer zuverlässigen wissenschaftlichen Untersuchung gezogen wurden. Entwertet dieser Umstand den Aussagewert des logischen Schlusses aus einer Vielzahl von Einzelereignissen auf ein sich Verschieben der politischen Haltung junger Menschen nach rechts?
Kaum. Um aber etwas mehr Sicherheit in dieser Frage zu gewinnen, lohnt es sich, über den Tellerrand des Landkreises Altenkirchen zu schauen. Gibt es Hinweise darauf, dass die rechte Orientierung von Kindern und Jugendlichen zugenommen hat, belastbare Hinweise?
Eine wichtige Quelle auch bei solchen Fragestellungen ist immer die Shell-Jugendstudie. Sie beleuchtet wiederkehrend die Interessen, Sorgen, Nöte, Zukunftserwartungen und eben auch die politische Haltung junger Menschen in der Bundesrepublik. Die aktuelle Studie stammt aus dem Jahr 2024.
Es zeigt sich, dass 50% der jungen Menschen im Land politisch interessiert sind. Insgesamt schätzen sich die seinerzeit Befragten als mehr links ein. Allerdings liegt der Anteil männlicher Jugendlicher, die sich als rechts oder eher rechts einschätzen, bei 25 %. 2019 waren es noch unter 20 %. Die Demokratiezufriedenheit betrug im Westen 77 %, im Osten der Republik nur 60 %.
Soweit kann man wohl gehen: Ein sich in der demokratischen Gesellschaft wiederfinden fällt Jugendlichen immer schwerer. Die zum Teil in sozialen Medien verbreiteten Verschwörungstheorien, eine Vielzahl von Fakenews, die Vermischung von Informationen und Meinungen – all das trägt dazu bei, eine grundsätzliche Verunsicherung bei jungen Menschen als Boden zu nutzen, in den sich eine rechte Saat einfacher Botschaften, Erklärungen und Lösungen einbringen lässt.
Welche Maßnahmen können helfen? In einer Veröffentlichung der Amadeu Antonio Stiftung vom Oktober 2025 werden ganz unterschiedliche Empfehlungen für in Schule und Jugendarbeit Tätige gegeben. Einer der wichtigsten Ansätze – neben dem Schutz für Engagierte, partnerschaftlicher Elternarbeit, der besseren Verankerung politischer Bildung und vielen weiteren guten Ideen mehr – ist: “Demokratie leben”.
Genau dies empfehlen auch die Altenkirchener Pädagogen vom Kreisvorstand der GEW: Demokratie in der Schule, in schulischen Prozessen besser verankern, im Alltag erlebbar machen. Sie verwenden dabei den zentralen Begriff der Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Und tatsächlich ist das unmittelbare Erleben, dass man in einem demokratischen System etwas anstoßen, bewegen, verändern oder auch weiter entwickeln kann, maßgeblich für eine bestenfalls lebenslange positive Bindung an die Grundidee dieser Form der politischen Verfasstheit. Denn erfahrene Selbstwirksamkeit vergessen Menschen für gewöhnlich nicht.
Vielleicht lohnt es sich, darüber in Schulen nachzudenken und Bereiche über die üblichen Partizipationsräume hinaus zu schaffen, zu öffnen, die es möglich machen, dass Schüler mehr Mitsprache- und Gestaltungsrechte – auch bezogen auf Unterrichtsinhalte und das gesamte Schulleben als Miteinander – erhalten und nicht ständig an Grenzen der Bevormundung stoßen.