Benedikt XVI. ist aus seiner bayerischen Heimat wieder nach Rom abgereist und es muss erlaubt sein, auf die Absonderlichkeiten einen Blick zu werfen, die weltweit im Namen der christlichen Religion die Gattung Mensch sich medial so erlaubt. Wenn Sie erleben wollen, wie das Sakrament der Beichte medial pervertiert wird, zumal jedes Kind weiß, dass es ein Beichtgeheimnis gibt, dann gehen Sie mal auf www.mysecret.tv und lesen Sie, wie Tausende von Geständnissen online sich so anfühlen. Gleich am Anfang wird darauf hingewiesen, dass der Inhalt für Minderjährige nicht taugt. Auf einer Navigationsleiste wird man akkurat durch die Geständnisse geführt: Essstörungen, Spielsucht, Diebstahl, Lügen, reichlich Pornografie, Schlägerei etc. Keine Sünde ist ausgelassen, keine nur erdenkliche Verfehlung ohne persönlichen Eintrag - und alles von dem 38-jährigen Prediger und Gründer der LifeChurch, einer evangelischen Kirche mit Sitz bei Oklahoma City, Craig Groeschel, eingerichtet, der partout den intimen Holzbeichtstuhl mit dem weltweiten Schauplatz Internet tauschen wollte. Wer Alkoholismus, Ehebruch, Demütigung und 13 andere Kategorien anklickt, stößt auch schon mal auf Schwerverbrecher, Drogendealer und Vergewaltiger. Der TVBeichtvater Craig Groeschel ist ein wahres crossmediales Wunderwerk. Mit seinem MySecret.tv macht er Reichweite und Schlagzeilen und seine Predigt verweist auf die elektronische Beichte. Ab und zu pickt er sich in seinen auch in verschiedenen anderen Kirchen übertragenen Predigten ein paar höllische Kostproben aus den Internetbeichten heraus. Noch fehlt der Button auf der Internetseite für die elektronische Absolution. Aber jetzt schon kann der Sünder auf der Internetseite eine spezielle „Prayer-Group“ bitten, für ihn zu beten.