Der Medienbote - Vor 20 Jahren

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  • Der Medienbote - Vor 20 Jahren | 03.11.2006 | #046
    Bernt von zur Mühlen | Auf der Suche nach der Zeitung von morgen

    Auf der Suche nach der Zeitung von morgen

    1984 wurden in den USA insgesamt 63 Millionen Tageszeitungen gedruckt. Derzeit sind es nur noch 44 Millionen. Das heißt nun nicht, dass die Substanz der Tageszeitungen am Ende sei. Nein, der Inhalt von Tageszeitungen ist nach wie vor für die Massen faszinierend. 57 Millionen Amerikaner lesen ihre Zeitung aber nur noch oder überwiegend in der Darreichungsform der Internetseiten und die „New York Times“ meldet, dass sie inzwischen mehr Online-Leser als Blattleser hat. Das Menetekel des Internets hat alle Abteilungen von Tageszeitungen durchgerüttelt. Redaktionen werden verkleinert, Investitionen in Online-Redaktionen umgelenkt und der Zeitung enorm viel Zusatzprodukte an die Seite gestellt, wie Bücher, DVDs, Reisen etc. Auf der Seite der Kosten dürfte alles und teilweise schon zu viel in Gang gesetzt worden sein. Auch verzweifelte Töne sind zu hören. Ein Marshall-Plan für die Gattung Tageszeitung soll her, die Vernetzung aller regionalen Zeitungen und die Zusammenarbeit über die Eigentümergrenzen hinweg vorangetrieben werden. Aber die Profitraten der großen US-Tageszeitungen sind immer noch zweistellig. Strukturwandel kann aufreibend sein. Großkäufe im Internetlager wie YouTube, die Dominanz des bewegten Bildes und die faktische Abkehr der jungen Menschen vom Leitmedium Tageszeitung verunsichern tief. Rezepte sind nicht da, aber die Einbettung von Videos, Fotogalerien, Blogs und Podcasts lassen vermuten, dass diese Nutzungsgewohnheiten Teil der Tageszeitungswelt werden. Der Kern einer Tageszeitung, Informationsbroker zu sein mit der eleganten Führung der digitalen Möglichkeiten, scheint das Umstellungsszenarium zu beschreiben.

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    3 min
  • Der Medienbote - Vor 20 Jahren | 02.11.2006 | #045
    Bernt von zur Mühlen | Globalisiertes Schreibpult

    Globalisiertes Schreibpult

    Nahezu alle großen Automarken lassen in Osteuropa bauen. Ikea schraubt in diesen Ländern und niemanden interessiert, ob sein keramisches Hüftgelenk vielleicht in Tschechien gebastelt wurde. Sensibel reagieren wir, wenn unsere deutsche Sprache in anderen Ländern zusammengebaut wird. Ausnahme sind Schriftsteller, die schon immer in deutscher Zunge vorwiegend in Italien oder Frankreich ihre Werke verfasst haben. Warum sollte also ein modernes Textprodukt, wie es der Online-Auftritt einer Tageszeitung ist, oder Teile einer Zeitung nicht auch im Ausland entstehen, wenn dort günstigere Kostenumstände vorhanden sind? Vor einigen Monaten lasen wir von einer kleinen Schreib-Crew von Journalisten, die an der Küste Chinas ihre Laptops aufgeschlagen haben und ihre Auftraggeber in Deutschland bedienen. Jetzt hören wir von der „Süddeutschen Zeitung“, dass sie die Online-Redaktion in Prag ansiedeln wollte oder noch will. Deutsch sprechende Bewerber aus Prag wurden getestet, haben probehalber in der Mutterredaktion in München gearbeitet und Anzeigen wurden geschaltet. Natürlich sind die ortsüblichen Bezahlungen von Redakteuren in Prag weit unter dem Niveau von Deutschland. Wäre das ehrenrührig, eine komplette Redaktion im Europa der Regionen in einer Stadt anzusiedeln, die auf das engste mit der deutschen Kulturgeschichte verbunden ist? 1348 wurde in Prag die älteste Universität Mitteleuropas, die Karls-Universität gegründet. Die Stadt ist knapp drei Autostunden von München oder Dresden entfernt. Mit der Hälfte der Personalkosten könnte grenznah viel Inhalt erarbeitet werden und unter Umständen die Qualität einer Zeitungswebseite wesentlich positiv beeinflussen. Die Kosten für Geistesarbeiter werden auch der Globalisierung unterworfen werden. Schließlich gehen auch Ärzte aus Deutschland nach England, weil sie dort mehr verdienen.

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  • Der Medienbote - Vor 20 Jahren | 01.11.2006 | #044
    Bernt von zur Mühlen | Fidel Castro und das Fernsehen

    Fidel Castro und das Fernsehen

    Fidel Castro ist bekanntlich sehr krank, hat die Amtsgeschäfte an seinen Bruder übergeben und liegt im Krankenhaus. Nun haben es Diktatoren nicht sehr gern, wenn sie kraftlos werden, das Volk spekuliert und manche werden sich vielleicht Hoffnung auf eine Änderung hin zur Freiheit machen. Deshalb braucht ein gestandener Diktator, auch im warmen Klima der Karibik, ständige Medienpräsenz. Da offensichtlich die ab und zu von der Staatspresse in Kuba veröffentlichten Fotos vom bettlägerigen Diktator nicht ausreichen, um Gerüchte zu zerstreuen, ließ sich jetzt Fidel Castro im Krankenhaus vom staatseigenen Fernsehen filmen. Der Zauselbart steckte in einer hochmodischen Freizeitkleidung made in Germany, natürlich das Ganze in den Farben Kubas. Der Auftritt war nicht sehr spannend. Fidel Castro las in die Fernsehkameras aus der Tageszeitung vor, peinlich achtete die Kameraeinstellung darauf, dass man die Frontseite der Zeitung inklusive Datum sah und keiner auf die dumme Idee kommen sollte, dass Castro schon verblichen sei und die Aufnahme schon alt und perdu. Castro bediente sich genau derselben zeitlichen Identifikationstechnik, wie es Terroristen machen, wenn sie gefangen genommene Geiseln zeigen. Ein aktuelles Stück Zeitung muss her, um die Beweisführung möglichst frisch zu führen. Jetzt hat Castro mit seiner Vorleserei aus der Zeitung für diesen Zeitungstag den Beweis geführt, dass er an diesem Tage noch lebte. Aber was ist mit gestern, was mit heute? Castro sollte einen täglichen Video-Blog auf seiner Insel einführen, wo er täglich aus der Zeitung vorliest und jedermann sehen kann, dass dies topaktuell ist. Dann würden sich vielleicht junge Menschen in Kuba für das Auslaufmodell Castro interessieren.

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  • Der Medienbote - Vor 20 Jahren | 31.10.2006 | #043
    Bernt von zur Mühlen | Endlich hilft das Weltall der mobilen Terrestrik

    Endlich hilft das Weltall der mobilen Terrestrik

    Was Astra, Eutelsat, Alcatel und Samsung für die Zukunft des mobilen Satelliten- und Datenfunks auf den Weg bringen wollen, ist die Konvergenzmeldung des Jahres! Wo üblicherweise Technologiekonzerne ihre sinnlosen Standardspielchen mit dem verwirrten Verbraucher spielen, hat die reine Vernunft die Köpfe von Astra und Eutelsat geküsst, indem die beiden normalerweise hart konkurrierenden Satellitenfirmen gemeinsame Sache bei der Etablierung der längst überfälligen satellitengestützten Systeme für den Handyempfang machen wollen. Und wie von einer guten Fee gleichzeitig gelenkt verkünden Alcatel und Samsung die dazu maßgeschneiderte Endgerätemeldung, dass ein hybrides Handy von beiden gefertigt wird, dass sowohl vom Satelliten als auch von terrestrischen DVB-H-Systemen Signale empfangen und verarbeiten kann. Damit hat sich das Universalkommunikationsgerät Handy auf die oberste Reichweitenstufe heben lassen, denn es operiert jetzt im Bereich der europaweiten Footprints von Astra und Eutelsat. Das Handy ist jetzt nicht mehr von den kleinen Reichweitennetzen der Terrestrik allein abhängig. Es kann auch Satellit. Alles ohne die furchtbar großen Hässlich-Schüsseln, alles mit der Miniaturantenne im Handy- Corpus. Man könnte für einen Moment zum Technik-Schwärmer werden, denn damit öffnen sich endlich für das Medium Radio und andere Datendienste neue, fast grenzenlose Reichweiten und der kraftvolle Treiber Mobile Video hat einen großen Reichweitenbringer an seiner Seite. Kleiner netter Nebeneffekt, der den Technikern bisher Kopfzerbrechen bereitete: DVB-H und der Satellit ergänzen sich in den Häuserschluchten der Großstädte. Wo der eine nicht hinkommt, hilft der andere. Aber auch der Wettbewerb lässt grüßen. Damit wird DMB weiter an die Wand gespielt, es sei denn es wird von den Großen gnädig in der Chiptechnologie und in den Netzen mitgenommen.

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  • Der Medienbote - Vor 20 Jahren | 30.10.2006 | #042
    Bernt von zur Mühlen | Chinas eigener Handy-TV-Standard

    Chinas eigener Handy-TV-Standard

    In Deutschland sind die Standardkämpfe im Bereich der digitalen Übertragungen noch im Anfangsstadium. Irritierend und letztlich teuer wird es immer für den Konsumenten. Beim Handy-TV setzen Debitel und Mobilcom auf den Standard DMB, der bereits in Südkorea verwendet wird. Motorola und Nokia favorisieren DVB-H und haben bereits als Partner Holtzbrinck und Burda im Boot. Dass Millionen von Euros im DAB-Standard verpufften, ist jetzt schon Technologiegeschichte und hat noch nicht einmal richtig die Rechnungshöfe beschäftigt, die nur ab und zu dieses Thema kritisch aufgespießt haben. Standardkämpfe sind lächerlich, gehören aber zu den eitlen Industrieritualen besonders in der Unterhaltungselektronik und der Telekommunikation. Gewinnen wird nie nur einer, aber das Unterholz wird zerstört und Milliarden von Euros versickern. Wenn allerdings ein gigantischer Marktelefant wie China auf den Plan tritt und auch beim Spiel der Standards mitspielen will, wird es spannend. China hat angekündigt, einen eigenen Handy-TV-Standard zu etablieren, der natürlich den eigenen Milliardenmarkt erobern soll und dann dafür sorgen könnte, dass ein weiterer Zersplitterungs-Standard entsteht. Chancen auf Anwendung dieses chinesischen Handy-TV-Standards in Asien und Teilen von Afrika bestehen in jedem Fall - und sich teuere Lizenzzahlungen für die Standards DMB oder DVB-H zu sparen, macht aus chinesischer Sicht Sinn. Alles klingt noch etwas exotisch, aber ein Land, das jährlich zehn- bis zwanzigmal mehr Ingenieure von den Unis entlässt als Deutschland, ist ernst zu nehmen.

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  • Der Medienbote - Vor 20 Jahren | 27.10.2006 | #041
    Bernt von zur Mühlen | Der Protagonist Gesundheit

    Der Protagonist Gesundheit

    Bei der Einführung des Euro waren sich die Initiatoren einig. Ein gutes Gefühl sollte vermittelt werden für die gemeinsame Währung. Es war eine Kampagne für den Verstand und das Herz der europäischen Nationen und ihrer Bürger. Als der Euro kam, war die Mehrheit vorbereitet und auf die neuen Münzen und Scheine neugierig, also gut eingestimmt oder sogar stolz. Am Ende der Alien-Veranstaltung, die euphemistisch Gesundheitsreform genannt wurde, liegt das Gefühl von jedem Einzelnen für das, was wir Gesundheit nennen, zerfleddert und lädiert am Boden. Nichts hat der Debattenprozess für das Gesundheitsbewusstsein getan, alle Akteure im Theaterstück reden durcheinander, schimpfen auf den anderen und die Frontarbeiter der Gesundheit, die Ärzte und das Pflegepersonal, wurden von Apparatschicks auf Nebenbühnen abgedrängt. Ihr Image und ihre Hingabe für einen schwierigen Beruf sind angegriffen oder in unverständlichen Schnipsel-Beiträgen von TV-Nachrichten untergegangen. Das in Krankenhausserien vermittelte Bild von Gesundheit und medizinischen Berufen ist lächerlich, denn der Porsche fahrende Arzt und die gut aussehende Schwester sind banal und nicht dazu angetan, für diese Berufsbilder bei Kindern und Jugendlichen zu werben. Die Gesundheitsministerin hat zu keinem Zeitpunkt einen Spirit rübergebracht, der dazu führen würde, dass es uns langsam dämmert, wie wertvoll und pflegeintensiv eines unserer wichtigsten Güter ist. Das Theaterstück war erbärmlich inszeniert. Keine Botschaft wurde klar. Der Protagonist hat schwere Schwindsucht und man fragt sich, welche Werte demnächst die Bürokratie als nächstes zerstört.

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  • Der Medienbote - Vor 20 Jahren | 26.10.2006 | #040
    Bernt von zur Mühlen | Wer kauft Pro Sieben SAT.1?

    Wer kauft Pro Sieben SAT.1?

    Haim Saban macht Druck: Die Investmentbank Morgan Stanley soll einen Käufer für Pro Sieben SAT.1 Media suchen. Wer kommt in Frage? Welche Eckdaten schaut sich ein potenzieller Käufer genau an, bevor er sich engagiert? Lassen wir mal das komplizierte Geflecht der Mediengesetze, Staatsverträge etc. weg, das einen ausländischen Investor mindestens irritiert, wenn nicht sogar abschreckt. Spielen wir für einen Moment Verkäufer und stellen das nicht in den Vordergrund. Es kommen in Frage in nicht alphabetischer Reihenfolge: Rupert Murdoch. Der hat zwar viel familieninternes Gebrummel am Hals, aber er ist einkaufslustig und wurde schon einmal zu Zeiten von Wolfgang Clement als Medienminister in Nordrhein-Westfalen auf einem Medienforum als willkommener Investor begrüßt. Dann Silvio Berlusconi. Hat dieser genug Geld? Langweilt er sich ohne das Amt des Ministerpräsidenten und hat er Lust auf Medien-Tedeschi? Schalke 04 kommt auch in Frage, denn da ist gutes und viel Geld aus Russland im Hintergrund. Oder Gazprom direkt? Google hat vielleicht in seinen internen Suchmaschinen Pro Sieben SAT.1 noch nicht auf dem Radar und diese Jungs arbeiten mit so schlanken Strukturen, dass alleine die Unterhaltungsabteilung von Pro Sieben SAT.1 schon zu viel Leute wären. Läuft es also auf eine Heuschrecke hinaus, die an das TV-Geschäft traditioneller Art noch glaubt? Schwer zu sagen. Was ist mit einem Telekomunternehmen? Zum Beispiel British Telecom oder die Spanier? Alle werden sich genau ansehen, ob noch Sparpotenzial im Sender steckt und feststellen, dass da schon konsequent gearbeitet worden ist. Kaum Speck mehr oder sogar Minus-Speck. Einer, der sehr viel Geld hat und große Erfahrung mit dem deutschen Medienmarkt besitzt, ist Albert Frère. Mit 4,5 Milliarden Euro frisch von Bertelsmann in der Portokasse, käme der Kaufmann erster Klasse in Frage. Der Multimilliardär hat vor wenigen Tagen mit einem anderen Multimilliardär, dem Franzosen Bernard Arnault, Chef des weltweit größten Luxusgüterkonzerns Moet Hennessy Louis Vuitton, eine Beteiligungsgesellschaft in Paris gegründet - und die braucht Futter.

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  • Der Medienbote - Vor 20 Jahren | 25.10.2006 | #039
    Bernt von zur Mühlen | Blockierte Zweitverwertung im Föderalismus

    Blockierte Zweitverwertung im Föderalismus

    Fernsehproduzenten haben sehr ernstzunehmende Probleme und rauchen nicht den ganzen Tag auf Yachten vor Cannes dicke Zigarren. Auf den Münchner Medientagen rechnete Johannes Kreile, Geschäftsführender Justiziar des Bundesverbands Fernsehproduzenten, vor, dass bei deutschen Kinofilmen ein Auslandserlös von durchschnittlich 31.572 Euro für Zweitverwertung erreicht wird, aber für TV-Produktionen nur 6.700 Euro. Das Problem scheint ein Geschäftsmodell aus den sechziger Jahren zu sein, demzufolge die rechtliche Stellung von Produzenten auf schwachen Füßen steht. Das verstaubte Vertragsmodell gibt dem Auftraggeber nahezu alle Verwertungsmöglichkeiten und dem Produzenten fast nichts. Die Verwertung von Nebenrechten wie Pay-TV oder im wachsenden IPTV-Bereich lässt nicht die Kasse des Produzenten klingeln, sondern die des auftraggebenden Programmanbieters. Viel Geld, viel Wertschöpfung geht so verloren. Eine Lösung wäre, dass zum Beispiel dem Produzenten ein Rückkaufrecht eingeräumt wird, wenn fünf Jahre die Rechte nicht genutzt wurden, oder der Rundfunkstaatsvertrag so geändert wird, dass Programmanbieter verpflichtet sind, nach einer bestimmten Zeit die Rechte wieder an den Produzenten zurückzugeben. Aber 16 Bundesländer zu einer Meinung für dieses Problem zu bekommen, dürfte schwierig sein, obwohl mit gesundem Menschenverstand nicht einzusehen ist, dass eine solche volkswirtschaftliche Frage die Sache von Ministerpräsidenten sein sollte. Wir werden noch lange an der Bürde des Föderalismus tragen.

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  • Der Medienbote - Vor 20 Jahren | 24.10.2006 | #038
    Bernt von zur Mühlen | Sabine Christiansen und Hubert Burda

    Sabine Christiansen und Hubert Burda

    Was war da los? Sabine Christiansen, üblicherweise brillant vorbereitet und mit einer Gigant-Redaktion von mehr als 30 Mitarbeitern ausgestattet, stellte am Sonntag tatsächlich den Verleger Hubert Burda mit den Worten vor, dass in seinem Verlag die „Hörzu“ erscheine. Es schien so, als ob in der Sekunde der Formulierung Frau Christiansen unsicher wurde, ob das mit der „Hörzu“ und Hubert Burda so seine Richtigkeit habe, aber weder der Verleger noch wer anders intervenierte, wohl aus Höflichkeit. Der Chronist wurde ratlos. Hatte man in den letzten 24 Stunden den Verkauf der „Hörzu“, die seit Jahrzehnten im Springer-Verlag erscheint, an den Burda-Verlag verpasst? Wusste Frau Christiansen zum Zeitpunkt ihrer Sendung mehr als alle Nachrichtendienste? Die Erinnerung schweifte zurück, als tatsächlich Burdas in den 70er Jahren im Springer-Verlag engagiert waren. Mit einem beträchtlichen Anteil, der dann wieder zurückgekauft wurde. War die „Hörzu“ dann übrig geblieben und undercover von Burda weiterbetrieben worden? Nach einer halben Stunde quälender Unsicherheit am Fernsehschirm - es war 22.11 Uhr und die Sendung lief bereits eine halbe Stunde - kam bei einer Großaufnahme auf den Verleger Hubert Burda die Texteinblendung, dass Burda die „Hörzu“ verlegt. Also doch. Jetzt wusste es die ganze Fernsehnation. Frau Christiansen hatte sich am Anfang nicht versprochen. Und einer Gigant-Redaktion wie der von Sabine Christiansen, deren Namensabspann nach jeder Sendung alleine ein paar Minuten dauert, konnte doch so ein Fehler nicht passiert sein. Schwarz auf weiß wurde das schließlich eingeblendet. Burda ist der Verleger der „Hörzu“, nicht mehr Springer. Ob das Frau Springer mitbekommen hat?

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  • Der Medienbote - Vor 20 Jahren | 23.10.2006 | #037
    Bernt von zur Mühlen | Jetzt beginnen die Gerhard-Schröder-Wochen

    Jetzt beginnen die Gerhard-Schröder-Wochen

    „Bild“ und „Spiegel“ sind sich ab heute das erste Mal einig: Altkanzler Gerhard Schröder hat beide Blätter zusammengebracht. Denn beide drucken Auszüge aus Schröders Memoiren „Entscheidungen - mein Leben in der Politik“ ab. Wir sehen einer Gerhard-Schröder- Medien-Tsunami-Welle entgegen, die bis Weihnachten durchs Land rollen wird. Die ARD schaufelt am heutigen Montag Gerhard Schröder um 21.00 Sendezeit frei und zeigt den Portraitfilm „Gerhard Schröder - Kanzlerjahre“. Am Donnerstag beginnt der Verkauf der Memoiren im Berliner Dussmann-Haus. Luxemburgs Premier Jean- Claude Juncker assistiert Gerhard Schröder bei der Pressekonferenz und Signierstunde. Reinhold Beckmann präsentiert den Altkanzler exklusiv und ohne weitere Gäste am 30. Oktober ungestört 75 Minuten und Sabine Christiansen ein paar Tage später. Ulrich Wickert hofiert gleich drei Stunden lang Gerhard Schröder auf Phoenix und Teile der Memoiren hat der Altkanzler persönlich als Hörbuch eingesprochen. Wozu Willy Brandt 15 Jahre brauchte, Helmut Kohl sechs Jahre und Helmut Schmidt fünf Jahre, präsentiert Gerhard Schröder in weniger als einem Jahr. Die Ratz-Fatz-Basta-Memoiren von Gerhard Schröder haben den Schreiber rational seinen Rochus auf die „Bild“-Zeitung vergessen lassen, die legendenverdächtig ihre Leser wissen lässt, dass der Altkanzler die Memoiren mit der Hand geschrieben habe. Schröder tourt durch Deutschland wie ein Popstar, veranstaltet Lesungen und Signierstunden, gibt Interviews und wird bis Weihnachten der wichtigste Buchverkäufer und Medienstar in Deutschland werden. Nostalgie wird sich ausbreiten und wir werden alle kurz vor Weihnachten inniglich bitten, dass der Altkanzler wie im Sommermärchen Fußball-WM uns allen auf riesigen Leinwänden im Public-Viewing-Verfahren seine Memoiren vorliest.

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