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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Geliebte Gottes in der Augustenhilfe,
Aus dem Matthäusevangelium, aus dem 17. Kapitel:
1 Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. 4 Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. 5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! 6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. 7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. 9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist. (Matthäus 17,1-9)Was für ein Tag!
Nie war Glauben schöner. Nie war Jesus herrlicher! Nie war seine Gottheit klarer! Nie war es einfacher, ihm zu folgen, dem Mann aus Nazaret, als dort, in diesem Moment, auf dem Berg!
Sie waren unter sich. Nur der allerengste Kreis. Nicht einmal allen zwölf, die er ausgewählt hatte, war es gestattet, zu kommen. Nur drei von ihnen, denen er sich wohl am engsten verbunden fühlte. Thomas, der Zweifler, war nicht dabei. Judas, der Zelot, der Eiferer auch nicht. Weder Nathanael, der gleich alles theologisch hinterfragt, noch Judas Iskariot, mit seinem dauernden Blick auf die Finanzen. Und vor allem: Keine Volksmenge, die drängte und drückte, die nur Wunder sehen wollte und oberflächlich zuhörte. Keine Pharisäer, die auf jeden Wortfetzen lauerten, den man ihm irgendwie ankreiden könnte. Keine Schriftgelehrten, die nervös wurden, wenn er Dinge sagte, die die Römer falsch verstehen könnten. Keine Mütter mit lauten, unruhigen Kindern, die von Jesus gesegnet werden sollten. Keine unaufhörliche Masse der ewig Elenden, die seine Hilfe suchten.
Die Welt, der Alltag, alle Sorgen und Fragen ganz weit weg.
Nur sie. Und Jesus.
Die Auserwählten unter den Auserwählten.
Geschlossene Gesellschaft.
Besser war es noch nie gewesen. Jesus, ganz exklusiv und ohne Ablenkung. Nur bei ihnen. Jesus -- seine göttliche Herrlichkeit aufgedeckt, ungefiltert. Das hätte noch ewig so weitergehen können.
Aber nein, halt: Es wurde doch noch einmal besser.
Mose und Elia.
Die Größten unter den Großen aus der Geschichte Israels geben sich die Ehre dort auf dem Berg.
Mose, durch den Gott sein Volk aus Ägypten befreite. Wer kennt die Geschichten nicht? Die wundersame Rettung aus dem Körbchen im Schilf. Sein mutiges Aufstehen gegen den Pharaoh, den mächtigsten Mann der Welt -- ein Mann aus dem Sklavenvolk, Auge in Auge mit dem Zentrum der Macht. 10 Plagen. Der triumphale Aufbruch. Das geteilte Rote Meer und die endgültige Niederlage der Ägypter. Die Begegnung mit Gott am Sinai. Die Erwählung als Gottes Volk, der Bund mit Gott selbst, die heiligen Gebote, die er gibt. Ganz Israel bezieht seine Identität -- nicht nur die religiöse -- zurück auf diesen einen Mann. Mose. Zentrum der Geschichte Israels. Fundament, auf den die Geschichte sich gründet.
Und Elia. Vielleicht der größte der Propheten. Einer, durch den Gott redet. Rebellisch, Aufsehen erregend. Plakativ. Charismatisch. Feuer fällt vom Himmel! Einer, in dem man sieht, dass Gott immer noch da ist. Einer, der für den mächtigen Gott Israels steht. Gerne erinnert man sich an ihn, in einer Zeit, in der Israel alles ist, nur nicht mächtig. Ohnmächtig vielmehr, unter der Besatzungsmacht der Römer.
Dass Mose und Elia einmal wiederkämen am Ende der Zeit, das munkelt man seit langem in Israel. Zumal bei beiden das Ende irgendwie rätselhaft war. Mose, so sagt man, sei von Gott selbst bestattet worden. Wo, weiß keiner. Elia verschwand so feurig, wie er gelebt hatte -- in einem flammenden Wagen in den Himmel entführt. Jetzt sind sie beide wieder da. Das Ende der Zeit muss angebrochen sein. Das passt ganz gut zu dem, was Jesus sagt: vom Gottesreich, das herbeigekommen ist.
Auf einmal ist alles ganz klar. Auf einmal ist alles ganz einfach. Auf einmal steht man ganz sicher auf der richtigen Seite, wenn man zu ihm gehört. Wenn man dabei ist, dort auf dem Berg.
Da gibt es keine Zweifel. Da gibt es keine Fragen. Da gibt es keine Gegner, die einem das Leben schwer machen. Da gibt es keine Sorgen, die einen nicht schlafen lassen.
Nur Jesus. Herrlichkeit. Gottes Macht und Größe. Und die Hoffnung auf sein Reich liegt fast greifbar in der Luft.
Es hätte immer so bleiben können.
"Lasst uns Hütten bauen."
Wenn es einen Moment im Leben gab, der nie enden sollte, dann dieser.
Aber Jesus macht nicht mit. Gott selbst wiederspricht denen, die ihre dauerhafte Zukunft in diesem Herrlichkeitsmoment planen. Er macht ganz schnell Schluss mit dem Traum von einem ungetrübten Leben jenseits aller Fragen und Anfechtungen. Sie müssen hinunter vom Berg. Raus aus der Herrlichkeit. Weg von den Größen der Vergangenheit.
Gott lässt nicht zu, dass wir uns zurückziehen aus der Welt. Er sammelt uns nicht in einem heiligen Elitegrüppchen, ganz unter uns und fern von allem, was Probleme bereiten könnte. Der Weg der Nachfolge Jesu geht schnurstracks hinein in den Alltag des menschlichen Daseins. Hinein in die Fragen und Zweifel, in die Sorgen, in die Widerstände, die das Leben hier so mit sich bringt. Bei jedem ganz anders, und doch quasi garantiert mit dabei. Das Leben findet nicht in der Wolke von Gottes Herrlichkeit statt. Wer Jesus anschaut, hätte das längst begreifen können: Sein ganzer Weg hier war ein Abstieg. Heraus aus der Herrlichkeit Gottes, hinein ins Menschsein. Ein Kind wird er an Weihnachten, arm und klein, ohne Platz und Wiege. In Windeln gewickelt in einer Krippe liegend. Hinein geht Gott in ihm, hinein in die Welt mit ihren Problemen und Leiden, mit Krankheit und Ausgrenzung, mit Verfolgung und Hass. Hinunter geht Gott mit ihm, in alles hinein -- in restlos alles. Keinen Platz gibt es, keine Situation, in die er seinen Fuß nicht setzen würde. Hinunter, bis hinein ins Sterben, in den Tod. Das war sein Weg: Immanuel, Gott mit uns in allem.
Wer hätte ahnen können, dass er das auch seinen Nachfolgern zumuten würde?
Schweigend gehen sie hinunter vom Berg. Kein Triumphzug. Niemand wird hinausposaunen: "Wir haben es gesehen! Er ist wahrhaftig Gottes Sohn." Selbst das hat er ihnen verboten.
Schweigend gehen sie hinunter. Mit jedem Schritt ist die Herrlichkeit weiter weg. Der Traum vom Berg.
Schweigend gehen sie hinunter. Mit jedem Schritt kommt die Wirklichkeit näher. Das Leben. Der Alltag. Und alles, was dazugehört. Alles, dem man auf dem Berg entfliehen konnte.
Mitten hinein geht ihr Abstieg.
Was bleibt von all der Herrlichkeit? Längst leuchtet Jesu Gesicht nicht mehr wie die Sonne. Mose und Elia konnte man nicht mitnehmen, hinunter ins Leben.
Was bleibt da noch? Der bittere Nachgeschmack von dem, was hätte sein können?
Nein: Was bleibt, ist das, was Gott selbst hineingeredet hat, dort auf dem Berg. Als er Petrus ins Wort fiel bei seinen Hüttenbauplänen.
"Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!"
Er bleibt. Gottes geliebter Sohn. Jesus. Immanuel. Gott bei den Menschen.
Der bleibt.
"Auf ihn sollt ihr hören."
Das ist es, was bleibt, wenn der Alltag wiederkommt. Und die Sorgen.
"Auf ihn sollt ihr hören."
Was Gott in ihm hineinspricht in unsere Welt, in unseren Alltag, in unser Leben -- das bleibt. Was Gott hineinspricht: Hörbar, sichtbar aufgeschrieben im Evangelium. Was Gott hineinspricht, wenn er in ihm lebt. Ist er nicht selbst das fleischgewordene Gotteswort?
Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. (Barmer Theologische Erklärung, These I)Still war es auf dem Berg. Eine heilige Stille, in der nur ganz wenige Worte fielen -- wenn man von Petrus' vorlautem Quaken einmal absieht. Gott spricht. Jesus spricht. Mose und Elia.
Drunten wird es wieder laut. Es wimmelt wieder im Leben. So viele Stimmen. Fragen, Anfragen. Ansprüche, Widersprüche. Ratschläge. Anklagen. Das Leben ist laut und voll und manchmal ein wirres Durcheinander. Mal eine Symphonie, mal eine wahre Kakophone der Stimmen.
Seine Stimme bleibt. Mittendrin ist sie die eine, auf die ich hören möchte.
"Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!"
Das bleibt.
Und was er selbst dann spricht auf dem Berg, das begleitet sie hinunter, hinein ins Leben.
Das begleitet uns, an jedem Tag und in jeder Nacht: "Steht auf", sagt er, "und fürchtet euch nicht!"
Steht auf und fürchtet euch nicht und geht hinein ins Leben, in allem was kommt, im Wissen, dass er mit euch geht und im Hören, auf das, was er sagt.
Das nämlich: Steht auf und fürchtet euch nicht.
Amen.
By Christoph FischerGnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!
Geliebte Gottes in der Augustenhilfe,
Aus dem Matthäusevangelium, aus dem 17. Kapitel:
1 Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. 2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. 3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. 4 Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. 5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören! 6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. 7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht! 8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. 9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist. (Matthäus 17,1-9)Was für ein Tag!
Nie war Glauben schöner. Nie war Jesus herrlicher! Nie war seine Gottheit klarer! Nie war es einfacher, ihm zu folgen, dem Mann aus Nazaret, als dort, in diesem Moment, auf dem Berg!
Sie waren unter sich. Nur der allerengste Kreis. Nicht einmal allen zwölf, die er ausgewählt hatte, war es gestattet, zu kommen. Nur drei von ihnen, denen er sich wohl am engsten verbunden fühlte. Thomas, der Zweifler, war nicht dabei. Judas, der Zelot, der Eiferer auch nicht. Weder Nathanael, der gleich alles theologisch hinterfragt, noch Judas Iskariot, mit seinem dauernden Blick auf die Finanzen. Und vor allem: Keine Volksmenge, die drängte und drückte, die nur Wunder sehen wollte und oberflächlich zuhörte. Keine Pharisäer, die auf jeden Wortfetzen lauerten, den man ihm irgendwie ankreiden könnte. Keine Schriftgelehrten, die nervös wurden, wenn er Dinge sagte, die die Römer falsch verstehen könnten. Keine Mütter mit lauten, unruhigen Kindern, die von Jesus gesegnet werden sollten. Keine unaufhörliche Masse der ewig Elenden, die seine Hilfe suchten.
Die Welt, der Alltag, alle Sorgen und Fragen ganz weit weg.
Nur sie. Und Jesus.
Die Auserwählten unter den Auserwählten.
Geschlossene Gesellschaft.
Besser war es noch nie gewesen. Jesus, ganz exklusiv und ohne Ablenkung. Nur bei ihnen. Jesus -- seine göttliche Herrlichkeit aufgedeckt, ungefiltert. Das hätte noch ewig so weitergehen können.
Aber nein, halt: Es wurde doch noch einmal besser.
Mose und Elia.
Die Größten unter den Großen aus der Geschichte Israels geben sich die Ehre dort auf dem Berg.
Mose, durch den Gott sein Volk aus Ägypten befreite. Wer kennt die Geschichten nicht? Die wundersame Rettung aus dem Körbchen im Schilf. Sein mutiges Aufstehen gegen den Pharaoh, den mächtigsten Mann der Welt -- ein Mann aus dem Sklavenvolk, Auge in Auge mit dem Zentrum der Macht. 10 Plagen. Der triumphale Aufbruch. Das geteilte Rote Meer und die endgültige Niederlage der Ägypter. Die Begegnung mit Gott am Sinai. Die Erwählung als Gottes Volk, der Bund mit Gott selbst, die heiligen Gebote, die er gibt. Ganz Israel bezieht seine Identität -- nicht nur die religiöse -- zurück auf diesen einen Mann. Mose. Zentrum der Geschichte Israels. Fundament, auf den die Geschichte sich gründet.
Und Elia. Vielleicht der größte der Propheten. Einer, durch den Gott redet. Rebellisch, Aufsehen erregend. Plakativ. Charismatisch. Feuer fällt vom Himmel! Einer, in dem man sieht, dass Gott immer noch da ist. Einer, der für den mächtigen Gott Israels steht. Gerne erinnert man sich an ihn, in einer Zeit, in der Israel alles ist, nur nicht mächtig. Ohnmächtig vielmehr, unter der Besatzungsmacht der Römer.
Dass Mose und Elia einmal wiederkämen am Ende der Zeit, das munkelt man seit langem in Israel. Zumal bei beiden das Ende irgendwie rätselhaft war. Mose, so sagt man, sei von Gott selbst bestattet worden. Wo, weiß keiner. Elia verschwand so feurig, wie er gelebt hatte -- in einem flammenden Wagen in den Himmel entführt. Jetzt sind sie beide wieder da. Das Ende der Zeit muss angebrochen sein. Das passt ganz gut zu dem, was Jesus sagt: vom Gottesreich, das herbeigekommen ist.
Auf einmal ist alles ganz klar. Auf einmal ist alles ganz einfach. Auf einmal steht man ganz sicher auf der richtigen Seite, wenn man zu ihm gehört. Wenn man dabei ist, dort auf dem Berg.
Da gibt es keine Zweifel. Da gibt es keine Fragen. Da gibt es keine Gegner, die einem das Leben schwer machen. Da gibt es keine Sorgen, die einen nicht schlafen lassen.
Nur Jesus. Herrlichkeit. Gottes Macht und Größe. Und die Hoffnung auf sein Reich liegt fast greifbar in der Luft.
Es hätte immer so bleiben können.
"Lasst uns Hütten bauen."
Wenn es einen Moment im Leben gab, der nie enden sollte, dann dieser.
Aber Jesus macht nicht mit. Gott selbst wiederspricht denen, die ihre dauerhafte Zukunft in diesem Herrlichkeitsmoment planen. Er macht ganz schnell Schluss mit dem Traum von einem ungetrübten Leben jenseits aller Fragen und Anfechtungen. Sie müssen hinunter vom Berg. Raus aus der Herrlichkeit. Weg von den Größen der Vergangenheit.
Gott lässt nicht zu, dass wir uns zurückziehen aus der Welt. Er sammelt uns nicht in einem heiligen Elitegrüppchen, ganz unter uns und fern von allem, was Probleme bereiten könnte. Der Weg der Nachfolge Jesu geht schnurstracks hinein in den Alltag des menschlichen Daseins. Hinein in die Fragen und Zweifel, in die Sorgen, in die Widerstände, die das Leben hier so mit sich bringt. Bei jedem ganz anders, und doch quasi garantiert mit dabei. Das Leben findet nicht in der Wolke von Gottes Herrlichkeit statt. Wer Jesus anschaut, hätte das längst begreifen können: Sein ganzer Weg hier war ein Abstieg. Heraus aus der Herrlichkeit Gottes, hinein ins Menschsein. Ein Kind wird er an Weihnachten, arm und klein, ohne Platz und Wiege. In Windeln gewickelt in einer Krippe liegend. Hinein geht Gott in ihm, hinein in die Welt mit ihren Problemen und Leiden, mit Krankheit und Ausgrenzung, mit Verfolgung und Hass. Hinunter geht Gott mit ihm, in alles hinein -- in restlos alles. Keinen Platz gibt es, keine Situation, in die er seinen Fuß nicht setzen würde. Hinunter, bis hinein ins Sterben, in den Tod. Das war sein Weg: Immanuel, Gott mit uns in allem.
Wer hätte ahnen können, dass er das auch seinen Nachfolgern zumuten würde?
Schweigend gehen sie hinunter vom Berg. Kein Triumphzug. Niemand wird hinausposaunen: "Wir haben es gesehen! Er ist wahrhaftig Gottes Sohn." Selbst das hat er ihnen verboten.
Schweigend gehen sie hinunter. Mit jedem Schritt ist die Herrlichkeit weiter weg. Der Traum vom Berg.
Schweigend gehen sie hinunter. Mit jedem Schritt kommt die Wirklichkeit näher. Das Leben. Der Alltag. Und alles, was dazugehört. Alles, dem man auf dem Berg entfliehen konnte.
Mitten hinein geht ihr Abstieg.
Was bleibt von all der Herrlichkeit? Längst leuchtet Jesu Gesicht nicht mehr wie die Sonne. Mose und Elia konnte man nicht mitnehmen, hinunter ins Leben.
Was bleibt da noch? Der bittere Nachgeschmack von dem, was hätte sein können?
Nein: Was bleibt, ist das, was Gott selbst hineingeredet hat, dort auf dem Berg. Als er Petrus ins Wort fiel bei seinen Hüttenbauplänen.
"Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!"
Er bleibt. Gottes geliebter Sohn. Jesus. Immanuel. Gott bei den Menschen.
Der bleibt.
"Auf ihn sollt ihr hören."
Das ist es, was bleibt, wenn der Alltag wiederkommt. Und die Sorgen.
"Auf ihn sollt ihr hören."
Was Gott in ihm hineinspricht in unsere Welt, in unseren Alltag, in unser Leben -- das bleibt. Was Gott hineinspricht: Hörbar, sichtbar aufgeschrieben im Evangelium. Was Gott hineinspricht, wenn er in ihm lebt. Ist er nicht selbst das fleischgewordene Gotteswort?
Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben. (Barmer Theologische Erklärung, These I)Still war es auf dem Berg. Eine heilige Stille, in der nur ganz wenige Worte fielen -- wenn man von Petrus' vorlautem Quaken einmal absieht. Gott spricht. Jesus spricht. Mose und Elia.
Drunten wird es wieder laut. Es wimmelt wieder im Leben. So viele Stimmen. Fragen, Anfragen. Ansprüche, Widersprüche. Ratschläge. Anklagen. Das Leben ist laut und voll und manchmal ein wirres Durcheinander. Mal eine Symphonie, mal eine wahre Kakophone der Stimmen.
Seine Stimme bleibt. Mittendrin ist sie die eine, auf die ich hören möchte.
"Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!"
Das bleibt.
Und was er selbst dann spricht auf dem Berg, das begleitet sie hinunter, hinein ins Leben.
Das begleitet uns, an jedem Tag und in jeder Nacht: "Steht auf", sagt er, "und fürchtet euch nicht!"
Steht auf und fürchtet euch nicht und geht hinein ins Leben, in allem was kommt, im Wissen, dass er mit euch geht und im Hören, auf das, was er sagt.
Das nämlich: Steht auf und fürchtet euch nicht.
Amen.

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