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„Er tut etwas für mich.“ – Mitten in der Erzählung, die sich lange um Uhren und Orgeln aus verschiedenen Jahrhunderten dreht, um Verwandlungen und Tierschreie, um eine ganze Wunderwelt der Mechanik und Phantasie, fällt dieser Satz. Er stammt vom Sohn, der die Geschichte erzählt, und bezieht sich auf den Vater, den Uhrenmacher. „Das habe ich für dich getan“, hatte dieser gesagt und eine seiner Aufführungen mit all den barocken Werkstücken aus seinem Laden gemeint. Und dann denkt der Sohn den zitierten Satz – und ist den Tränen nahe. Er kennt es gar nicht, dass der Vater etwas für ihn tut.
Vieles ist im Geschäft und der Werkstatt zu sehen, zu hören, zu assoziieren. So viel, dass dem Sohn schließlich – allein auf dem Fensterbrett sitzend – schwindelig wird vor Aufregung und Faszination inmitten des Geschehens, das ihm präsentiert wird. Die Erzählung mündet jedoch in einer Frage, die mit dem vom Vater stolz Präsentierten scheinbar überhaupt nichts zu tun hat:
Warum er nie mit ihm und der Mutter esse, fragt der Sohn, als er seinen Vater mit dem Gehilfen nach der Show beim Abendessen sieht. Ihm geht es also nicht um Uhrwerke, Orgeln usw., sondern um das Basale: das Zusammensein in der Familie. Und nun wird „Der Uhrenmacher“ endgültig eine andere Geschichte. Denn die Uhren, so belehrt der Gefragte seinen Sohn, „würden traurig werden“, wenn er sie verließe. „Auch wir sind traurig“, sagt der Sohn. Darauf erhält er gar keine Antwort. Dem Vater geht es um die Uhren: Sie „würden stillestehen und niemals wieder ihren Gang beginnen. Euer Herz steht nicht stille, es bricht nicht.“ Es sind Antworten eines offenbar vom Mechanischen Bestimmten, eines Menschen, der glaubt, alles in der Welt wäre mechanischer Art – auch zwischenmenschliche Beziehungen. Eine Art homo mechanicus. Und einer, der nur innerhalb des eigenen Gebiets überhaupt in Kontakt mit anderen kommt. Der Sohn muss sich schon in das väterliche Reich begeben, um überhaupt eine Interaktion zu provozieren ...
Der Schriftsteller Hans Henny Jahnn war selbst Orgelbauer und auch Musikverleger. Ein sehr spezieller Autor, der sich um Erzählkonventionen nicht scherte, und das merkt man auch in dieser Erzählung. „Der Uhrenmacher“ erschien zuerst im Jahr 1953 und wird hier gelesen von Volker Drüke.
By Volker Drüke„Er tut etwas für mich.“ – Mitten in der Erzählung, die sich lange um Uhren und Orgeln aus verschiedenen Jahrhunderten dreht, um Verwandlungen und Tierschreie, um eine ganze Wunderwelt der Mechanik und Phantasie, fällt dieser Satz. Er stammt vom Sohn, der die Geschichte erzählt, und bezieht sich auf den Vater, den Uhrenmacher. „Das habe ich für dich getan“, hatte dieser gesagt und eine seiner Aufführungen mit all den barocken Werkstücken aus seinem Laden gemeint. Und dann denkt der Sohn den zitierten Satz – und ist den Tränen nahe. Er kennt es gar nicht, dass der Vater etwas für ihn tut.
Vieles ist im Geschäft und der Werkstatt zu sehen, zu hören, zu assoziieren. So viel, dass dem Sohn schließlich – allein auf dem Fensterbrett sitzend – schwindelig wird vor Aufregung und Faszination inmitten des Geschehens, das ihm präsentiert wird. Die Erzählung mündet jedoch in einer Frage, die mit dem vom Vater stolz Präsentierten scheinbar überhaupt nichts zu tun hat:
Warum er nie mit ihm und der Mutter esse, fragt der Sohn, als er seinen Vater mit dem Gehilfen nach der Show beim Abendessen sieht. Ihm geht es also nicht um Uhrwerke, Orgeln usw., sondern um das Basale: das Zusammensein in der Familie. Und nun wird „Der Uhrenmacher“ endgültig eine andere Geschichte. Denn die Uhren, so belehrt der Gefragte seinen Sohn, „würden traurig werden“, wenn er sie verließe. „Auch wir sind traurig“, sagt der Sohn. Darauf erhält er gar keine Antwort. Dem Vater geht es um die Uhren: Sie „würden stillestehen und niemals wieder ihren Gang beginnen. Euer Herz steht nicht stille, es bricht nicht.“ Es sind Antworten eines offenbar vom Mechanischen Bestimmten, eines Menschen, der glaubt, alles in der Welt wäre mechanischer Art – auch zwischenmenschliche Beziehungen. Eine Art homo mechanicus. Und einer, der nur innerhalb des eigenen Gebiets überhaupt in Kontakt mit anderen kommt. Der Sohn muss sich schon in das väterliche Reich begeben, um überhaupt eine Interaktion zu provozieren ...
Der Schriftsteller Hans Henny Jahnn war selbst Orgelbauer und auch Musikverleger. Ein sehr spezieller Autor, der sich um Erzählkonventionen nicht scherte, und das merkt man auch in dieser Erzählung. „Der Uhrenmacher“ erschien zuerst im Jahr 1953 und wird hier gelesen von Volker Drüke.