Kurz vor der Michelin-Sterneverleihung eilt Clemens ins schmalste Haus Frankfurts. Dort führt Ricky Saward das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete vegane Restaurant "Seven Swans". Zum Gespräch spendiert er eine letzte Flasche seines Lieblingsweins: den maischevergorenen Riesling „Orange Utan“ vom Weingut Wohlfahrt-Franke aus dem Rheingau.
Es folgt ein Gespräch über Sawards radikal regionale Naturküche, in der Gemüse vom Blatt bis zur Wurzel verarbeitet wird und der Eigengeschmack der Produkte im Mittelpunkt steht. Vegan kocht er ohne missionarischen Ton: „Die Leute sollen kommen, weil es lecker ist.“ Am Ende gehe es um eine Stimmung, die man schmecken kann. „Jeder Teller ist eine Offenbarung meiner Gedanken und Erlebnisse“, sagt Saward. Dafür bewirtschaftet er einen eigenen Permakultur-Garten und sammelt Wildgewächse in der Natur. Seine Überzeugung: Je puristischer die Küche, desto vielschichtiger muss die Auswahl der Zutaten sein.
Teil des Sterne-Kosmos zu sein, bedeutet ihm Anerkennung – klassische Luxusprodukte des Fine Dining hat er jedoch konsequent vom Menü verbannt. „Luxus bedeutet für mich, zu wissen, wann und wo etwas wächst“, sagt der gebürtige Westfale. Ein Gespräch über gereifte Karotten und Baiser aus Aquafaba vom Leinsamen, über das Streben nach Perfektion – und über das Glück, Vater zu sein.