Da hab ich richtig Glück gehabt. Direkt gegenüber von meinem neuen Büro ist ein Park. Im Park eine Imbissbude der besseren Sorte. Gestern nach Feierabend hab ich mich dort unter den Bäumen in den Schatten gesetzt, eine Kleinigkeit gegessen – abends war noch eine Sitzung, da lohnt das Nachhause fahren nicht. Am Nebentisch eine größere Gruppe beim Feierabendbier.
Normale Menschen, Männer wie Frauen, keiner von ihnen auf irgendeine Weise verwahrlost oder auffällig. Ich kann nicht anders, ich muss mitkriegen, was gesprochen wird. Es geht um „die“. „Die“, das bekomme ich schnell mit, sind die Flüchtlinge. Die sind angeblich alle super gekleidet, natürlich ist das Smartphone, das besser ist als das eigene ein Thema, das Einkaufsverhalten von „denen“ wird beurteilt, „die haben mehr als als wir“ und „Die kriegen ja alles hinten reingeschoben“. Nach wenigen Minuten ist die Stimmung aggressiv. Jede und jeder hat noch eine kleine Geschichte, eine singuläre Beobachtung, man geilt sich gegenseitig auf.
Am Sonntag im Gottesdienst hat uns John von seiner Arbeit mit Flüchtlingen berichtet. Und Ken aus Nigeria hat uns seine Geschichte erzählt. Für einen Moment überlege ich, ob ich aufstehe und dagegenhalte. Ich lasse es. Resigniere vor der aufgebrachten Hetze. Ich merke, dass ich nur Öl ins Feuer gießen würde. Und merke mal wieder: Gruppen entwickeln eine Eigendynamik, Einzelgespräche sind wirkungsvoller.
Und: der Anfang allen Übels ist von „Denen“ zu sprechen. Oder möchten sie gerne verallgemeinernd in einen Topf mit weißen, geldgierigen und sozial inkompetenten Kapitalisten geworfen werden? Also ich nicht.
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