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Schmerzensspiegel, brennende Spiegel, Kränze aus Glasperlen und verwelkten Blumen, ein nächtliches Kriechen auf dem Friedhofsboden ... Ja, es wirkt durchaus extrem, was wir in Guy de Maupassants Geschichte „Die Tote“ lesen und hören. Der Erzähler hatte die Verstorbene außerordentlich stark geliebt, seine Worte legen Zeugnis davon ab. Die Liebe ging und geht noch immer so weit, dass er sich schwerlich lösen, trennen kann. Er besucht ihr Grab. Und was jetzt geschieht, was für Gestalten nun so auftreten, sprengt im Grunde den Rahmen der ästhetisch hochwertigen Literatur, doch Maupassant gelingt es, auch sehr merkwürdig anmutende Situationen, ja sogar Zombies als vorstellbar darzustellen. Das wirkt in dieser Novelle unterhaltsam, etwas gruselig und auch komisch im besten Sinne – bis zu dem Moment, in dem wir die neue, von der auferstandenen Verstorbenen selbst eingeritzte Marmorkreuz-Inschrift lesen: „Eines Tages ging sie aus, um ihren Geliebten zu hintergehen, erkältete sich bei Regenwetter und starb.“ Nun ist es vorbei mit der Komik. Der Hinterbliebene/Erzähler fällt jedenfalls in Ohnmacht. Bei Tagesgrauen fand man ihn ohnmächtig neben einem Grab.
Dass er uns all dies erzählen kann, spricht für sein Überleben und zeigt eine gewisse Distanz zum Geschehenen an. Denn nur so kann über eigenes Leiden geschrieben werden. Doch was aus dem Erzähler wurde, kann nur eine Vermutung bleiben. Wir wissen es nicht. Starke Literatur bleibt nun einmal ambivalent. – „Die Tote“ von Guy de Maupassant stammt aus den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts und wird vorgelesen von Volker Drüke.
By Volker DrükeSchmerzensspiegel, brennende Spiegel, Kränze aus Glasperlen und verwelkten Blumen, ein nächtliches Kriechen auf dem Friedhofsboden ... Ja, es wirkt durchaus extrem, was wir in Guy de Maupassants Geschichte „Die Tote“ lesen und hören. Der Erzähler hatte die Verstorbene außerordentlich stark geliebt, seine Worte legen Zeugnis davon ab. Die Liebe ging und geht noch immer so weit, dass er sich schwerlich lösen, trennen kann. Er besucht ihr Grab. Und was jetzt geschieht, was für Gestalten nun so auftreten, sprengt im Grunde den Rahmen der ästhetisch hochwertigen Literatur, doch Maupassant gelingt es, auch sehr merkwürdig anmutende Situationen, ja sogar Zombies als vorstellbar darzustellen. Das wirkt in dieser Novelle unterhaltsam, etwas gruselig und auch komisch im besten Sinne – bis zu dem Moment, in dem wir die neue, von der auferstandenen Verstorbenen selbst eingeritzte Marmorkreuz-Inschrift lesen: „Eines Tages ging sie aus, um ihren Geliebten zu hintergehen, erkältete sich bei Regenwetter und starb.“ Nun ist es vorbei mit der Komik. Der Hinterbliebene/Erzähler fällt jedenfalls in Ohnmacht. Bei Tagesgrauen fand man ihn ohnmächtig neben einem Grab.
Dass er uns all dies erzählen kann, spricht für sein Überleben und zeigt eine gewisse Distanz zum Geschehenen an. Denn nur so kann über eigenes Leiden geschrieben werden. Doch was aus dem Erzähler wurde, kann nur eine Vermutung bleiben. Wir wissen es nicht. Starke Literatur bleibt nun einmal ambivalent. – „Die Tote“ von Guy de Maupassant stammt aus den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts und wird vorgelesen von Volker Drüke.