Ein ehrlicher Blick hinter das Cloud-Versprechen der SAP: Die Rise-Lizenzverträge.
Die E-3-Coverstory der Ausgabe September 2025 mit dem Titel „Lizenzgebaren“ widmet sich der zunehmenden Undurchsichtigkeit im SAP-Lizenzmanagement, die für Bestandskunden zu einem dichten Dschungel herangewachsen ist,. Peter M. Färbinger analysiert die Zwangslage der Anwender, die durch das nahende Wartungsende der Business Suite 7 unausweichlich in Richtung S/4 Hana gedrängt werden, wobei dieser technische Wechsel untrennbar mit einer radikalen betriebswirtschaftlichen Neuausrichtung der SAP hin zum Cloud-Unternehmen verknüpft ist.
Im Zentrum der Kritik steht das im Rahmen von Rise-with-SAP angewandte Lizenzmodell Full Use Equivalent (FUE). Dieses komplexe Regelwerk dient als Umrechnungsschlüssel, um historische On-prem-Lizenzen in Cloud-Subskriptionen zu transformieren, wobei nutzungsbasierte Kategorien in berechtigungsbasierte Äquivalente gewandelt werden. Während SAP-Chef Christian Klein und CFO Dominik Asam in diesem Vorgehen den Schlüssel für stabile, planbare Cloud-Erlöse sehen, bedeutet es für die Bestandskunden oft den Verlust der Autonomie über ihr ERP-System.
Besonders brisant ist die vertragliche Ausgestaltung der Migration: Der Bestandskunde übergibt im Zuge eines Rise-Vertrages seine dauerhaften On-prem-Rechte an SAP und erhält im Gegenzug lediglich ein „bedingtes Wohnrecht“ in der Cloud. Dieses Vorgehen birgt erhebliche Risiken, da der Prozess faktisch irreversibel ist; scheitert die S/4-Conversion, gibt es keinen Weg zurück zu den alten Lizenzen, da diese vertraglich aufgelöst wurden.
Der Kunde findet sich in einer Situation wieder, in der er fast ausschließlich Pflichten und kaum noch Rechte besitzt. Zwar könnte der EU Data Act künftig den Wechsel von Cloud-Anbietern erleichtern, doch aktuell fehlen noch finale Definitionen, und SAP-Kunden müssen sich auf die von SAP vorgegebenen Bedingungen einlassen, die oft keine klare Exit-Strategie vorsehen.
E3-Coverstory September 2025