Eine Frage der Macht. Gespräche zu Führung und Verantwortung in Organisationen

Eine Frage der Macht. Gespräche zu Führung und Verantwortung in Organisationen

By Antje SchnoorSociety & CultureScience
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Eine Frage der Macht. Gespräche zu Führung und Verantwortung in Organisationen episodes

  • Wenn Whistleblower:innen Organisationen stören - und ihnen helfen

    Was geschieht, wenn Menschen in Organisationen auf Missstände hinweisen und damit bestehende Routinen, Hierarchien und Interessen stören? Sind Whistleblower:innen tatsächlich illoyal gegenüber ihrer Organisation – oder leisten sie gerade dadurch einen wichtigen Beitrag zu deren Funktionsfähigkeit?

    Antje Schnoor spricht mit Kosmas Zittel, Geschäftsführer des Whistleblower-Netzwerks, über Whistleblowing als Form organisationalen Ungehorsams. Sie sprechen darüber, warum Hinweise innerhalb von Organisationen häufig nicht anschlussfähig sind, weshalb Whistleblower:innen schließlich den Weg in die Öffentlichkeit wählen und warum Organisationen strukturelle Probleme mitunter personalisieren und die Hinweisgebenden selbst zum Problem machen. Im Gespräch geht es außerdem um Organisationskultur, Fehler- und Konfliktkultur, Loyalität und die Frage, was Organisationen aus Hinweisen lernen können.

    Zentrale Gedanken des Gesprächs

    • Whistleblowing kann eine Form organisationalen Ungehorsams sein – und zugleich im Interesse der Organisation liegen.
    • Ein Hinweisgebersystem ist mehr als ein technisches „Postfach“: Entscheidend ist, wie eine Organisation mit Kritik und Hinweisen umgeht.
    • Wenn Hinweise innerhalb einer Organisation nicht anschlussfähig sind, kann der Weg in die Öffentlichkeit zur nächsten Eskalationsstufe werden.
    • Whistleblower:innen geraten häufig in einen Loyalitätskonflikt zwischen persönlichen und moralischen Überzeugungen, Kolleg:innen und der Organisation.
    • Whistleblowing kann auf strukturelle Probleme aufmerksam machen – vorausgesetzt, Organisationen sind bereit, nicht nur nach Schuldigen zu suchen, sondern die eigenen Bedingungen und Routinen zu hinterfragen.
    • Über den Gesprächspartner:

      Kosmas Zittel ist Geschäftsführer des Whistleblower-Netzwerks. Der 2006 gegründete, überparteiliche und gemeinnützige Verein setzt sich für einen besseren rechtlichen Schutz und ein höheres gesellschaftliches Ansehen von Whistleblowern ein. Er berät Whistleblower sowie Unternehmen, Behörden und Organisationen und engagiert sich für politische und gesellschaftliche Veränderungen rund um das Thema Whistleblowing.

      Podcast

      Eine Frage der Macht. Gespräche zu Führung und Verantwortung in Organisationen

      Host: Antje Schnoor

      www.antjeschnoor.de/podcast

      36 min
    • Wenn Werte zur Fassade werden
      Mit Annette Kleinfeld

      Über die Gesprächspartnerin

      Annette Kleinfeld ist Professorin für Business and Society an der Hochschule Konstanz (HTWG) und leitet das Ressort CSR und Nachhaltigkeit am Konstanz Institut for Corporate Governance. Zu ihren Forschungs- und Arbeitsschwerpunkten gehören Wirtschafts- und Unternehmensethik und Integritätsmanagement. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit berät sie Organisationen und Unternehmen zu Fragen der verantwortungsvollen Unternehmensführung.

      Zentrale Gedanken aus dem Gespräch

      • Compliance und Verhaltenskodizes reichen nicht aus, wenn Werte nicht im organisationalen Alltag gelebt werden.
      • Organisationskulturen können verantwortliches Handeln fördern – oder Fehlverhalten begünstigen.
      • Integrität entsteht nicht durch Regeln allein, sondern durch glaubwürdiges Führungshandeln.
      • Unternehmensethik ist kein Zusatzprogramm, sondern gehört zum Kern verantwortungsvoller Unternehmensführung.
      • Führungskräfte prägen durch ihr Verhalten, ob Werte Orientierung geben oder zur bloßen Fassade werden.
      • Literatur:

        Handbuch Wirtschaftsethik, hrsg. von Micahel S. Aßländer, Stuttgart/ Weimar: Metzler, 2011.

        Handbuch Compliance-Management. Konzeptionelle Grundlagen, praktische Erolgsfaktoren, globale Herausforderungen, hrsg. von Josef Wieland, Roland Steinmeyer und Stephan Grüninger, Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2010.

        Podcast

        Eine Frage der Macht. Gespräche zu Führung und Verantwortung in Organisationen

        Moderation: Antje Schnoor

        www.antjeschnoor.de/podcast

        59 min
      • Macht

        Macht gilt vielen als etwas Gefährliches. Sie wird mit Manipulation, Unterdrückung oder Missbrauch verbunden. Doch Macht ist weit mehr als das.

        In diesem ersten Schnipsel fragt Antje Schnoor, was unter Macht eigentlich zu verstehen ist. Sie stellt klassische Machtdefinitionen vor, erläutert die Unterschiede zwischen formaler und informeller Macht in Organisationen und zeigt, warum Macht kein Charaktermerkmal einzelner Personen, sondern ein Merkmal sozialer Beziehungen ist.

        Ein kurzer Impuls über Macht, Führung und die Frage, wie Einfluss in Organisationen entsteht.

        Zentrale Gedanken

        • Macht ist zunächst ein sozialwissenschaftlicher Analysebegriff.
        • Macht entsteht in sozialen Beziehungen und nicht allein durch persönliche Eigenschaften.
        • In Organisationen existieren sowohl formale als auch informelle Machtquellen.
        • Führung setzt Macht voraus, ihre Wirksamkeit hängt jedoch von sozialen Beziehungen und organisationalen Kontexten ab.
        • Machtverhältnisse sind komplexer, als einfache Ursache-Wirkungs-Modelle nahelegen.
        • Literatur und weiterführende Hinweise

          Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft, Tübingen: Mohr, 1980 (5. Auflage)

          Niklas Luhmann: Macht im System, Berlin: Suhrkamp, 2012.

          Stefan Kiechle SJ: Macht ausüben, Würzburg: Echter Verlag, 2005.

          Podcast

          Eine Frage der Macht. Gespräche zu Führung und Verantwortung in Organisationen

          Moderation: Antje Schnoor

          www.antjeschnoor.de/eine-frage-der-macht

          11 min
        • Führung ist nicht neutral: Geschlecht als Organisationsfrage
          Mit Birgitt Riegraf

          Welche Rolle spielt Geschlecht für Führung in Organisationen? Und warum sind Frauen in Führungspositionen häufig mit anderen Erwartungen, Bewertungen und Widerständen konfrontiert als Männer?

          Antje Schnoor spricht mit der Soziologin und ehemaligen Universitätspräsidentin Birgitt Riegraf über Macht, Geschlechterungleichheiten und organisationale Veränderungsprozesse. Im Mittelpunkt stehen die Frage, wie Organisationen Unterschiede herstellen und stabilisieren, warum mehr Frauen in Führungspositionen nicht automatisch zu Gleichstellung führen und was dies für Führung und Verantwortung bedeutet.

          Ein Gespräch an der Schnittstelle von Organisationssoziologie, Geschlechterforschung und Führungspraxis.

          Über die Gesprächspartnerin

          Birgitt Riegraf ist Professorin für Allgemeine Soziologie an der Universität Paderborn mit den Schwerpunkten Organisationssoziologie und Geschlechterforschung. Von 2018 bis 2025 war sie Präsidentin der Universität Paderborn.

          Zentrale Gedanken aus dem Gespräch:

          • Mehr Frauen in Führungspositionen verändern nicht nur die Zusammensetzung von Organisationen, sondern häufig auch deren Kultur.
          • Kompetenz, Fehler und Netzwerke werden bei Frauen und Männern oft unterschiedlich bewertet.
          • Organisationen können Geschlechterungleichheiten sowohl reproduzieren als auch abbauen.
          • Veränderungen erzeugen häufig Widerstände – gerade dann, wenn bisherige Selbstverständlichkeiten infrage gestellt werden.
          • Literatur und weiterführende Hinweise

            Riegraf, Birgit / Müller, Ursula / Wilz, Sylvia (Hrsg.): Handbuch Geschlecht und Organisation. Wiesbaden: Springer VS, 2013.

            Riegraf, Birgit: Organisation und Geschlecht. Wie Geschlechterasymmetrien (re)produziert und erklärt werden, in: Riegraf, Birgit/ Kortendiek, Beate/ Sabisch, Katja: Handbuch interdisziplinäre Geschlechterforschung. Wiesbaden: Springer VS, 2019, 1299-1308.

            Podcast

            Eine Frage der Macht. Gespräche zu Führung und Verantwortung in Organisationen

            Host: Antje Schnoor

            www.antjeschnoor.de/podcast

            46 min
          • Verantwortung als Zumutung für Organisationen
            Mit Klaus Mertes SJ

            Was geschieht, wenn der Schutz der Institution wichtiger wird als der Schutz von Menschen? Warum reagieren Organisationen auf Kritik häufig mit Abwehr, Schweigen oder Delegitimierung?

            Antje Schnoor spricht mit dem Jesuiten, Pädagogen und Publizisten Klaus Mertes SJ über Machtmissbrauch, Verantwortung und institutionellen Selbstschutz. Ausgehend von seinen Erfahrungen bei der Aufdeckung sexualisierter Gewalt am Berliner Canisius-Kolleg diskutieren sie die Bedingungen von Aufarbeitung, die Rolle von Loyalität und die Frage, weshalb Verantwortung in Organisationen oft zur Zumutung wird.

            Ein Gespräch über institutionelle Logiken, Führung und die Grenzen des Organisationsschutzes.

            Über den Gesprächspartner

            Klaus Mertes SJ ist Jesuit, Pädagoge und Publizist. Er war Rektor des Berliner Canisius-Kollegs und Direktor des Kollegs St. Blasien. Im Jahr 2010 machte er die Fälle sexualisierter Gewalt am Canisius-Kolleg öffentlich und wurde zu einer wichtigen Stimme in der Debatte über Aufarbeitung, Verantwortung und institutionellen Umgang mit Machtmissbrauch. Er ist Autor zahlreicher Bücher und Redakteur der Jesuitenzeitschrift "Stimmen der Zeit".

            Zentrale Gedanken aus dem Gespräch

            • Organisationen reagieren auf Hinweise zu Fehlverhalten häufig zunächst mit dem Impuls des Selbstschutzes.
            • Aufarbeitung gelingt nur, wenn der Schutz von Betroffenen Vorrang vor dem Schutz institutioneller Reputation erhält.
            • Loyalität bedeutet nicht, Missstände zu verschweigen. Widerspruch kann Ausdruck von Loyalität sein.
            • Macht wird problematisch, wenn Machtverhältnisse geleugnet werden und Rollen unklar werden.
            • Führung zeigt sich besonders dort, wo Verantwortung übernommen werden muss, obwohl dies innerhalb der Organisation Widerstände auslöst.
            • Literatur und weiterführende Hinweise

              Mertes, Klaus: Widerspruch aus Loyalität, Würzburg: Echter Verlag, 2009.

              Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM):

              https://beauftragte-missbrauch.de/themen/aufarbeitung-von-sexueller-gewalt/aufarbeitung-von-sexuellem-missbrauch-in-kirchen

              Podcast

              Eine Frage der Macht. Gespräche zu Führung und Verantwortung in Organisationen

              Host: Dr. Antje Schnoor

              www.antjeschnoor.de/eine-frage-der-macht

              57 min

            About Eine Frage der Macht. Gespräche zu Führung und Verantwortung in Organisationen

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            In „Eine Frage der Macht“ spricht Antje Schnoor mit Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis über Führung und den verantwortungsvollen Umgang mit Macht in Organisationen. Die Gespräche verbinden Perspektiven aus Soziologie, Philosophie, Recht, Psychologie und Organisationsethik mit konkreten Erfahrungen aus Hochschulen, Unternehmen, Verwaltung und Zivilgesellschaft.