Ärzte mit Grenzen

Episode 21: Performance under Pressure - mit Dr. Dorothea Sauer


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In der heutigen Folge möchten wir von Dr. Dorothea Sauer wissen, wie sie mit dem Druck umgeht, der ihr als Notfallärtzin in ihrem Berufsalltag begegnet.

Dorothea ist klinische Akut- und Notfallmedizinerin, Palliativmedizinerin, Sportmedizinerin und Ultraschallausbilderin und hat bereits in verschiedenen Funktionen – Fach-, Ober- & Chefärtzin – im In- und Ausland vor allem in Kliniken gearbeitet.

Zu folgenden Erkenntnissen sind wir während unseres Gesprächs gelangt:

* Folgendes kann helfen, wenn ich unter Druck leistungsfähig bleiben muss:

* Vor allem zu Beginn der Berufskarriere: Zum Ausdruck bringen, dass ich etwas nicht weiß. Fragen stellen, nachlesen, sich Dinge abschauen, Erfahrung sammeln.

* Bestimmte Systematiken und Arbeitsphilosophien nutzen, die einen Rahmen und dadurch Sicherheit geben, z.B. Buchstabenkurse in der Notfallmedizin, Checklisten etc.

* Das eigene Handlungsspektrum kennen und die Sicherheit nutzen, die Erfahrung mit sich bringt. „Du erkennst nicht, was du noch nicht gesehen hast.“

* Klar unterscheiden: Woher kommt der Stress? Ist es eine Situation, in der ich sehr schnell eine Entscheidung treffen muss? Ist es die Anzahl der zu behandelnden Patient:innen? Einordnen in Kategorien sind hilfreich.

* Nur wenn ich mich als Person reflektiere, wie ich unter Stress reagiere, kann ich das auch adäquat meinem Team gegenüber kommunizieren und um Unterstützung bitten. Darüber zu reden, was der Stress mit mir macht, hilft massiv, die Arbeit an sich und die Zusammenarbeit mit anderen zu verbessern.

* Im Team offen über die eigene mentale Kapazität sprechen, z.B. in Form von „grünen Kügelchen“. Dabei repräsentieren 100% „grüne Kügelchen“ 100% mentale Kapazität und damit auch Leistungsfähigkeit. Ab 70% sollte ich langsam daran denken, die „grünen Kügelchen“ wieder aufzufüllen. Wenn ich diese oder eine ähnliche Form nutze, im Team über Belastungsgrenzen zu sprechen, kann ich als Teammitglied oder Führungskraft viel besser einschätzen, welche Person ich noch zusätzlich belasten kann und wer bereits am Limit ist.

* Es besteht viel Wissen um Resilienzfaktoren, gesunde und nachhaltige Führung – dieses Wissen in den Alltag zu bringen, gelingt häufig noch nicht. Es gilt, diese Lücke zwischen Erkenntnis und Umsetzung anzugehen, vor allem in Führungspositionen. (Dabei muss natürlich bedacht werden, dass Vieles aufgrund der vorherrschenden Strukturen, Ressourcenknappheit etc. derzeit noch nicht gelebt wird.)

* Ein Gefühl von Selbstwirksamkeit hilft, die eigene Rolle gut auszufüllen und auch die Grenzen dieser anzuerkennen. Wenn mir mein Fokus und meine Intention klar sind, fällt es leichter, mich daran zu erinnern, warum ich da bin!

* Doros persönlicher Tipp zum Umgang mit Überlastung:

* Sich abgrenzen

* Klar machen, dass es eine Rolle ist, in der ich agiere

* Wenn ich bestimmte Dinge nicht mehr in der Hand habe, weil ich z.B. weder Operieren noch ein zusätzliches Bett auf einer Station bereitstellen kann, nochmal prüfen, ob ich meine Rolle erfüllt habe und dann akzeptieren, dass ich nichts mehr tun kann

* „Wenn Feierabend ist, ist auch Feierabend.“ - das Vorleben, vor allem von Führungskräften und pünktlich nach Hause gehen

* Die Kompetenz der Priorisierung nicht nur für die berufliche Rolle anwenden, sondern auch für das Privatleben. Das hilft bei der Abgrenzung

Zum Schluss zitiert Doro diesen tollen Satz aus ihrem Lieblingspodcast: „Was wir tun und leisten ist total wichtig! Keep on doing what you do, because what you do matters.”

Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören!

Links & Empfehlungen:

* Buch-Tipp:

Unreasonable Hospitality: The Remarkable Power of Giving…

* Podcast-Tipp von Doro:

EM:RAP | Emergency medicine reviews and perspectives



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Ärzte mit GrenzenBy von Fabian Lübke & Anette Frisch