In unserer aktuellen Podcastfolge sprechen wir über ein Thema, das gerade in der Vorweihnachtszeit (in der wir diese Episode aufgezeichnet haben) eine große Rolle spielt, aber selten wirklich greifbar ist: Mental Load.
Zu Gast ist Katrin Helena Ernst, Diplom-Pädagogin, Organisationsentwicklerin, Coach & Supervisorin, Trainerin, Impulsgeberin und Moderatorin, die lange als Personal- und Organisationsentwicklerin u.a. in Kliniken gearbeitet hat und ihre Erfahrungen mit uns teilt.
Folgende Key Takeaways nehmen wir aus unserem Gespräch mit Helena mit:
* Mental Load kann man sich als eine Art Kommode voller Schubladen vorstellen, die alle gleichzeitig offenstehen. Jede Schublade enthält unzählige kleine Fächer: Aufgaben, To-dos, Verantwortlichkeiten, Absprachen, Abhängigkeiten etc. Mental Load entsteht dort, wo nicht nur Arbeit ausgeführt, sondern auch mitgedacht, organisiert, vorhergesehen und erinnert werden muss.
* Haltung und Vertrauen sind Grundvoraussetzungen, um Mental Load sichtbar zu machen. Es ist wichtig, bestehende Rollen zu überprüfen, Verantwortlichkeiten fair aufteilen, klare Prioritäten zu setzen und unsichtbare Arbeit sichtbar machen. Eine gute Möglichkeit dafür ist ein Rollentausch-Check. Also: Kommt es mir komisch vor, wenn ich die Situation umdrehe?
* Ein zentrales Missverständnis zeigt sich oft in der Frage: „Kann ich helfen?“Was gut gemeint klingt, verstärkt die ungleiche Verteilung. Denn wer „hilft“, kann sich jederzeit wieder entziehen. Mental Load braucht dagegen eine gleichberechtigte Aufteilung von Aufgaben und Verantwortung – ein echtes „Was kann ich übernehmen?“.
* Mental Load ist kein privates Luxusproblem, sondern ein strukturelles und gesellschaftliches Thema, das überall dort auftaucht, wo Menschen Verantwortung füreinander tragen. Gerade in medizinischen Berufen, in denen Care-Arbeit zentral ist, treffen hohe Erwartungen, wenig Erholung und komplexe Zuständigkeiten aufeinander. Vereinbarkeit ist hier besonders schwierig – und oft fehlt die Erlaubnis, über Belastung überhaupt zu sprechen.
* Mental Load ist immer noch ein Genderthema. Besonders Frauen tragen im Privaten wie im Beruf häufig die zusätzliche Last „unsichtbarer Arbeit“. Wir sollten überprüfen, welche eigenen Muster, unausgesprochenen Erwartungen und gesellschaftlichen Annahmen wir mit uns herumtragen. Denn: Die Welt wird nach wie vor an männlichen Maßstäben gemessen – sei es in Architektur, Medizin oder Arbeitsschutz.
* Wichtig ist es, die Last, alles zu stemmen, vom Individuum zu nehmen und an organisatorischen Stellschrauben zu drehen und Strukturen zu schaffen, die Balance ermöglichen: Räume zum Reden, Austausch und Klärung von Erwartungen, klare Zuständigkeiten, bewusste Pausen und ein Gesprächsklima, in dem offen über Ressourcen und mentale Gesundheit gesprochen werden kann.
Zum Schluss gibt es - jahreszeitbedingt - ein paar Tipps für eine entspannte Weihnachtszeit. In diesem Sinne wünschen wir eine schöne Vorweihnachtszeit, entspannte Feiertage und wir hören uns im neuen Jahr wieder!
Links:
Katrin Helena Ernst | Supervision + Coaching
https://www.spiegel.de/gesundheit/psychologie/familie-warum-muetter-immer-alles-im-kopf-haben-muessen-a-1296211.html
https://www.froehlichimtext.de/
https://www.mareikefallwickl.at/
https://english.emmaclit.com/2017/05/20/you-shouldve-asked/
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