Equidemia Insights – Pferdetraining neu denken

Equidemia Insights – Pferdetraining neu denken

By Celina SkoganSports
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Equidemia Insights – Pferdetraining neu denken episodes

  • Schnappi Schnapp: Mein Pferd beißt bei der Bodenarbeit

    Dein Pferd schnappt nach dir, sobald du dich in die Bodenarbeitsposition begibst? Vielleicht besonders beim Stellen, Biegen oder bei Seitengängen?

    Dann hast du möglicherweise schon gehört, dass dein Pferd frech ist, Grenzen testet oder mehr Respekt lernen muss. Aber was, wenn wir mit dieser Erklärung am eigentlichen Problem vorbeigehen?

    In dieser Folge von Equidemia Insights – Pferdetraining neu denken sprechen wir darüber, warum Pferde bei der Bodenarbeit schnappen, was körperliche Beschwerden damit zu tun haben können und wie Lernerfahrungen unsere gemeinsame Arbeit beeinflussen.

    Kurz & knapp

    Warum schnappt mein Pferd bei der Bodenarbeit?
    Schnappen ist Kommunikation. Dahinter können körperliches Unbehagen (zum Beispiel im Rücken, im Magen oder am Hals), Unsicherheit durch die ungewohnte Position des Menschen vor dem Pferdekopf oder gelernte Erwartungen an bestimmte Übungen stecken. „Frech“ oder „dominant“ erklärt das Verhalten selten.

    Ist Schnappen immer ein Zeichen für Schmerz?
    Nein, aber Schmerz kann dahinterstecken. Ein einzelnes Verhalten erlaubt keine Diagnose. Zeigt dein Pferd wiederholt Abwehrverhalten, gehört das tierärztlich abgeklärt.

    Was kann ich konkret tun?
    Erst beobachten, dann interpretieren: Wann, auf welcher Seite, in welcher Position und bei welcher Übung schnappt dein Pferd? Oft helfen schon ein halber Schritt Abstand, eine andere Führposition oder ein angepasstes Tempo.

    Du erfährst:

    • Warum „dominant“, „treibt dich vor sich her“ oder „Hengstverhalten“ oft nur eine Fassade sind.
    • Was Beißen und Beißdrohungen in der Pferdesprache bedeuten.
    • Welche körperlichen Ursachen eine Rolle spielen können, vom Rücken über den Magen bis zur Halsanomalie.
    • Wie Pferde lernen, bestimmte Trainingssituationen mit Erwartungen zu verknüpfen, gerade in strukturierter Bodenarbeit.
    • Welche vier Fragen dir helfen, sinnvoller auf das Schnappen zu reagieren.

    Unser wichtigster Gedanke: Ein Verhalten zu unterdrücken ist nicht dasselbe, wie seine Ursache zu verändern.

    Wissenschaft & weiterführende Literatur

    • O'Connell et al. (2025). No More Evasion: Redefining Conflict Behaviour in Human–Horse Interactions. Animals. https://doi.org/10.3390/ani15030399
    • McDonnell & Haviland (1995). Agonistic Ethogram of the Equid Bachelor Band. Literatureintrag
    • Fureix et al. (2010). Partners with Bad Temper: Reject or Cure? PLoS ONE. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0012434
    • Sykes & Lovett (2025). Can All Behavioral Problems Be Blamed on Equine Gastric Ulcer Syndrome? Animals. https://doi.org/10.3390/ani15030306
    • Story et al. (2021). Equine Cervical Pain and Dysfunction: Pathology, Diagnosis and Treatment. Animals. https://doi.org/10.3390/ani11020422
    • Dyson et al. (2025). Congenital variants of the ventral laminae of C6 and C7 in Warmblood horses. Equine Veterinary Journal. https://doi.org/10.1111/evj.14127

    Wichtig: Ein einzelnes Verhalten erlaubt keine zuverlässige Schmerzdiagnose. Wenn dein Pferd wiederholt Abwehrverhalten zeigt, neue Bewegungseinschränkungen entwickelt oder Schmerzen vermutet werden, sollte eine tierärztliche Untersuchung erfolgen.

    Weiterhören: Folge 130 „Dein Pferd testet dich nicht“: https://equidemiainsights.podigee.io/130-dein-pferd-testet-dich-nicht

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    40 min
  • Dein Pferd testet dich nicht

    Ein Pferd stößt sich beim Rausführen aus dem Paddock am E-Zaun, erschrickt und rempelt seine Besitzerin an. Ihr Fazit: „Der ist dominant.“

    In dieser Folge von Equidemia Insights – Pferdetraining neu denken erzähle ich, warum Pferde uns nicht testen, warum Dominanz hier die falsche Brille ist und warum der Weg zurück zu Vertrauen manchmal bei der Stressschwelle des Menschen beginnt.

    Kurz & knapp

    Testet mich mein Pferd?
    Nein. Wenn ein Pferd erschrickt und dabei rempelt, ist das eine Schreckreaktion und kein geplanter Test. In solchen Momenten handelt ein Pferd aus Angst, nicht aus Kalkül.

    Was bedeutet Rangordnung bei Pferden?
    Rangordnung regelt vor allem den Zugang zu Ressourcen wie Futter, Wasser oder dem besten Platz. Mit uns Menschen am Strick hat sie wenig zu tun, und der Ranghöchste ist nicht automatisch der, der vorangeht.

    Wie baue ich nach einem Schreckmoment wieder Vertrauen auf?
    Unter der Stressschwelle bleiben, die des Pferdes und deine eigene. Ruhige, vertraute Pferde als Unterstützung nutzen, putzen und kraulen und klein anfangen.

    In dieser Folge:

    • Die Situation in Zeitlupe – aus Sicht des Pferdes
    • Warum Rangordnung bei Pferden mit Ressourcen zu tun hat und nichts mit uns am Strick
    • Warum der Ranghöchste nicht automatisch der ist, der vorangeht
    • Schreckreaktion statt Plan: warum „Testen“ nicht passt
    • Der Regenschirm, der nie aufging – und warum Pferde wütende Gesichter erkennen
    • Unser Weg in der Praxis: unter der Stressschwelle bleiben, putzen und pusseln in der Gruppe, langsam vortasten

    Quellen

    • Christensen JW, Malmkvist J, Nielsen BL, Keeling LJ (2008). Effects of a calm companion on fear reactions in naive test horses. Equine Veterinary Journal 40(1), 46–50. https://doi.org/10.2746/042516408X245171
    • Feh C, de Mazières J (1993). Grooming at a preferred site reduces heart rate in horses. Animal Behaviour 46, 1191–1194.
    • Hartmann E, Christensen JW, McGreevy PD (2017). Dominance and leadership: Useful concepts in human–horse interactions? Journal of Equine Veterinary Science. https://doi.org/10.1016/j.jevs.2017.01.015
    • Hartmann E, Christensen JW, McGreevy PD (2019). Does leadership relate to social order in groups of horses and can it be transferred to human–horse interactions? Journal of Veterinary Behavior 29, 153 (ISES-Abstract).
    • Keeling LJ, Jonare L, Lanneborn L (2009). Investigating horse–human interactions: The effect of a nervous human. The Veterinary Journal 181(1), 70–71. https://doi.org/10.1016/j.tvjl.2009.03.013
    • McGreevy PD, Oddie C, Burton FL, McLean AN (2009). The horse–human dyad: Can we align horse training and handling activities with the equid social ethogram? The Veterinary Journal 181(1), 12–18. https://doi.org/10.1016/j.tvjl.2009.03.005
    • Smith AV, Proops L, Grounds K, Wathan J, McComb K (2016). Functionally relevant responses to human facial expressions of emotion in the domestic horse (Equus caballus). Biology Letters 12, 20150907. https://doi.org/10.1098/rsbl.2015.0907

    Weiterhören: Mehr zur Dominanztheorie in Folge 129 „Die Pferdigkeit des Pferdes“: https://equidemiainsights.podigee.io/129-die-pferdigkeit-des-pferdes

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    19 min
  • Die Pferdigkeit des Pferdes
    - Das Teleonom

    In dieser Folge von Equidemia Insights – Pferdetraining neu denken spreche ich darüber, warum ich Pferde nicht über ihre Disziplin, ihr Verhalten oder unsere Trainingsziele definieren möchte. Im Mittelpunkt stehen ihre Biologie, ihre Wahrnehmung und ihre artspezifischen Bedürfnisse. Die zentrale Frage lautet: Was erlebt das Pferd eigentlich wirklich?

    Ich verbinde die Konzepte Teleonomie, Allostase und Homöostase sowie Schmerz und Stress und zeige, warum äußere Ruhe oder angepasstes Verhalten nicht automatisch Wohlbefinden bedeuten.

    Kurz & knapp

    Was ist die Pferdigkeit des Pferdes?
    Gemeint ist das, was ein Pferd als Pferd ausmacht: seine Biologie, seine Wahrnehmung und seine artspezifischen Bedürfnisse. Zucht, Domestikation und Training heben diese Bedürfnisse nicht auf.

    Was hat Teleonomie mit Pferdetraining zu tun?
    Teleonomie beschreibt das artspezifische Verhalten, das sich im Laufe der Evolution entwickelt hat. Ob ein Pferd es ausleben kann, hängt von seiner Umwelt und seinen Handlungsspielräumen ab, und genau die gestalten wir im Alltag und im Training mit.

    Ist ein braves Pferd ein zufriedenes Pferd?
    Nicht unbedingt. Compliance und äußere Ruhe sind keine verlässlichen Belege für geringe Belastung. Viele kleine Belastungen können sich summieren, und Anpassung hat ihren Preis.

    In dieser Folge:

    • Jedes Pferd ist zuerst ein Pferd: Warum Zucht, Domestikation und Training seine biologischen Bedürfnisse nicht aufheben.
    • Vom Alphawolf-Mythos zum Pferdemythos: Wie Dominanzdenken unsere Vorstellungen von Pferdeverhalten und Training geprägt hat.
    • Teleonomie, Affordanzen und Agency: Wie artspezifisches Verhalten, Umweltbedingungen und Handlungsspielräume das Erleben des Pferdes beeinflussen.
    • Allostase und chronischer Stress: Warum sich viele kleine Belastungen summieren können und Anpassung ihren Preis hat.
    • Brav sein ist kein Wohlbefinden: Warum Compliance und äußere Ruhe keine verlässlichen Belege für geringe Belastung sind.
    • Normalverhalten als Referenz: Warum wir wissen müssen, wie Pferde sich unter geeigneten Bedingungen verhalten.
    • Training beginnt im Alltag: Wie wir auch beim Putzen, Verladen, Tierarztbesuch und in der Hufbearbeitung mehr Vorhersehbarkeit, Mitgestaltung und Erholung ermöglichen können.

    Weiterhören: Wie das im Alltag aussieht, hörst du in Folge 130 „Dein Pferd testet dich nicht“: https://equidemiainsights.podigee.io/130-dein-pferd-testet-dich-nicht

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    49 min
  • Lisa Ashton, what is the horse experiencing?

    Warum verändert sich der Umgang mit Pferden so langsam, obwohl wir heute viel mehr über Verhalten, Lernen und Wohlbefinden wissen? In dieser Folge von Equidemia Insights – Pferdetraining neu denken spricht Celina Skogan mit Lisa Ashton über die Lücke zwischen Wissen und Praxis – und darüber, was nötig ist, damit neue Erkenntnisse im Alltag ankommen.

    Lisa stellt ihr Modell aus Mindset, Skillset und Systemen vor und erklärt, wie persönliche Überzeugungen, praktische Fähigkeiten und die Bedingungen in Reitschulen Veränderung beeinflussen. Gemeinsam sprechen Celina und Lisa darüber, wie Pferdeverhalten als Information verstanden werden kann, warum Pferde als Mitgestalter des Lernens gelten sollten und wie kleine Veränderungen im Stallalltag positive Auswirkungen haben können.

    Kurz & knapp

    Warum verändert sich der Umgang mit Pferden so langsam?
    Wissen allein verändert noch kein Handeln. Lisa Ashton beschreibt drei Ebenen, die zusammenkommen müssen: Mindset, Skillset und Systeme, also zum Beispiel die Bedingungen in Reitschulen.

    Was bedeutet „What is the horse experiencing?“?
    Die Frage stellt das Erleben des Pferdes in den Mittelpunkt. Verhaltenssignale werden als Hinweise auf seine Erfahrung gelesen, nicht als Ungehorsam.

    In dieser Folge:

    • Warum Wissen allein nicht automatisch zu verändertem Handeln führt
    • Mindset, Fähigkeiten und Systeme als Grundlage für Veränderung
    • Wie realistische Forschung fragt: Was wirkt, für wen und in welchem Kontext?
    • Verhaltenssignale als Hinweise auf die Erfahrung des Pferdes
    • Pferde als Co-Educators im Lernprozess
    • Beispiele für Veränderungen in Reitschulen und ihre möglichen Auswirkungen
    • Warum Reflexion und die Bereitschaft, unbequem zu bleiben, wichtig sind

    ABRS+ in einem Artikel von Lisa Ashton, The Ripple Effect: https://equicoachlife.substack.com/p/the-ripple-effect

    Mehr zu Lisa Ashton
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    Artikel: Google Scholar
    ORCID: https://orcid.org/0009-0005-8713-518X

    Weiterhören: Warum es uns so schwerfällt, für unser Tier einzustehen, in Folge 125 mit Kati Westendorf: https://equidemiainsights.podigee.io/125-kati-westendorf-warum-fallt-es-uns-so-schwer-fur-unser-tier-einzustehen

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    1 hr 14 min
  • Lahm oder einfach so? Die Ampel für dein Pferd

    Nach der Folge über den Kurs des Grauens habt ihr mir so viel geschrieben – und fast alle mit derselben Botschaft: Ich bin unsicher. In dieser Folge von Equidemia Insights – Pferdetraining neu denken schaue ich mit euch in die Studienlage: Warum drei von vier „lahmfreien“ Pferden messbar asymmetrisch laufen, warum statistisch normal nicht biologisch normal ist, warum selbst Profis sich mit dem bloßen Auge oft uneinig sind – und wie dir die Equidemia-Ampel hilft, zu entscheiden: beobachten, trainieren oder abklären.

    Kurz & knapp

    Ist mein Pferd lahm oder läuft es einfach so?
    Viele Pferde, die als lahmfrei gelten, laufen messbar asymmetrisch. In einer schwedischen Studie lagen rund drei von vier Reitpferden über den Asymmetrie-Grenzwerten, obwohl ihre Besitzer sie für lahmfrei hielten.

    Erkennen Profis Lahmheit zuverlässig mit bloßem Auge?
    Nicht immer. Studien zeigen, dass sich auch Fachleute bei der subjektiven Beurteilung von Lahmheit häufig uneinig sind. Deine Unsicherheit ist also berechtigt.

    Was ist die Equidemia-Ampel?
    Ein einfaches System mit Grün, Gelb und Rot, das dir hilft zu entscheiden, ob du dein Pferd beobachtest, gezielt trainierst oder tierärztlich abklären lässt.

    In dieser Folge:

    • Was ich aus euren Nachrichten gelernt habe
    • Statistisch normal vs. biologisch normal
    • Warum deine Unsicherheit berechtigt ist
    • Was nicht verhandelbar ist – und was trainierbar bleibt
    • Die Equidemia-Ampel: Grün, Gelb, Rot
    • Ausblick: Ganganalyse im November, Adventskalender im Dezember, Fundamentals ab Februar 2027

    Quellen

    • Rhodin et al. (2017). Head and pelvic movement asymmetries at trot in riding horses in training and perceived as free from lameness by the owner. PLoS ONE. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0176253
    • Hammarberg M, Egenvall A, Pfau T, Rhodin M. (2016). Rater agreement of visual lameness assessment in horses during lungeing. Equine Veterinary Journal, 48(1), 78–82. https://doi.org/10.1111/evj.12385
    • Persson-Sjodin et al. (2018). PLoS ONE. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0195341
    • Dyson & Pollard (2020). Application of a Ridden Horse Pain Ethogram and Its Relationship with Gait in a Convenience Sample of 60 Riding Horses. Animals. https://doi.org/10.3390/ani10061044
    • Dyson & Pollard (2022). Animals. https://doi.org/10.3390/ani12050590
    • RHpE vor/nach diagnostischer Anästhesie (2023). Animals. https://doi.org/10.3390/ani13121940

    Weiterhören: Warum Ganganomalien nicht immer vom Reiter kommen, in Folge 122: https://equidemiainsights.podigee.io/122-sind-ganganomalien-beim-pferd-immer-vom-reiter-ausgelost

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    36 min
  • Warum ich aufgehört habe, Reitkurse zu machen

    Vor einem Jahr habe ich meinen letzten Live-Kurs gegeben. Das Wochenende, das den Ausschlag gab: von neun Pferden waren fünf schwer krank.

    Kein Einzelfall. Eine Studie von Greve & Dyson (2014) fand bei 506 Sportpferden im ganz normalen Training eine Lahmheits- oder Gangabnormalitätsrate von 45,7 % – bei Pferden, die niemand für auffällig hielt. Eine zweite Studie von Dyson & Pollard (2020) untersuchte 60 Reitpferde, deren Besitzer:innen sie als „arbeitet komfortabel“ einschätzten: 73 % davon waren lahm.

    In dieser Folge von Equidemia Insights – Pferdetraining neu denken erzähle ich, warum diese Zahlen meinen Blick auf Reitunterricht verändert haben – und warum ich seitdem zwischen drei Verpflichtungen navigiere, die sich gegenseitig widersprechen: dem Kunden gegenüber, dem Pferd gegenüber, und dem Anspruch, dass jedes Pferd ausgebildet werden muss. Keine fertige Lösung, sondern der Anfang eines neuen Gesprächs – über Ganganalyse, Stabilität und was klassisches Training braucht, um wieder auf einem tragfähigen Fundament zu stehen.

    Kurz & knapp

    Wie viele Reitpferde laufen unerkannt lahm?
    Mehr als viele denken. Bei 506 Sportpferden im normalen Training zeigten 45,7 % Lahmheit oder Gangabnormalitäten. Von 60 Pferden, die ihre Besitzer als „arbeitet komfortabel“ einschätzten, waren 73 % lahm.

    Warum gibt Celina keine Reitkurse mehr?
    Weil sie dabei zwischen drei Verpflichtungen steht, die sich widersprechen: gegenüber den Kund:innen, gegenüber dem Pferd und gegenüber dem Anspruch, dass jedes Pferd ausgebildet werden muss.

    Quellen

    • Greve, L., & Dyson, S. J. (2014). The interrelationship of lameness, saddle slip and back shape in the general sports horse population. Equine Veterinary Journal, 46(6), 687–694. https://doi.org/10.1111/evj.12222
    • Dyson, S., & Pollard, D. (2020). Application of a Ridden Horse Pain Ethogram and Its Relationship with Gait in a Convenience Sample of 60 Riding Horses. Animals, 10(6), 1044. https://doi.org/10.3390/ani10061044

    Weiterhören: Wie du selbst einschätzen kannst, ob dein Pferd lahm ist, in Folge 127 „Lahm oder einfach so? Die Ampel für dein Pferd“: https://equidemiainsights.podigee.io/127-lahm-oder-einfach-so-die-ampel-fur-dein-pferd

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    35 min
  • Kati Westendorf, warum fällt es uns so schwer, für unser Tier einzustehen?

    In dieser Folge von Equidemia Insights – Pferdetraining neu denken sprechen Celina Skogan, Anja und Kati über einen Moment, den viele Tierhaltende und Tierprofis kennen: Man merkt, dass etwas nicht stimmt, sagt aber nichts. Im Zentrum steht die Frage, warum wir in stressigen Situationen trotz vorhandener Kompetenz handlungsunfähig werden können und was psychologische Sicherheit, Sozialisation und Machtgefälle damit zu tun haben. Besonders spannend: Anja und Celina erzählen von zwei ähnlichen Erlebnissen mit ihrem Hund beziehungsweise Pferd, während Kati diese psychologisch einordnet und zeigt, warum es sich dabei nicht zwangsläufig um individuelles Versagen handelt, sondern oft um ein komplexes Zusammenspiel von Nervensystem, persönlichen Erfahrungen und sozialen Strukturen.

    Kurz & knapp

    Warum sagen wir nichts, obwohl wir merken, dass mit unserem Tier etwas nicht stimmt?
    In Stresssituationen kann man trotz Kompetenz handlungsunfähig werden. Dahinter steckt meist ein Zusammenspiel aus Nervensystem, persönlichen Erfahrungen, Sozialisation und Machtgefälle, nicht persönliches Versagen.

    Was können Profis tun?
    Sichere Räume schaffen, in denen Widerspruch möglich ist und Tierhaltende für ihre Tiere einstehen können.

    Key topics

    • Warum wir in stressigen Situationen trotz vorhandener Kompetenz handlungsunfähig werden können
    • Was den Schritt vom Wahrnehmen zum Eingreifen erschwert und welche Rolle Angst, Höflichkeit und Konfliktvermeidung spielen
    • Wie sich unsere Rolle als Fachperson verändert, wenn wir selbst zur betroffenen Tierhalterin werden
    • Welche Bedeutung psychologische Sicherheit, Sozialisation und Machtgefälle im Umgang mit Kundinnen und Kunden haben
    • Warum Selbstzweifel und Schuldgefühle aus einem komplexen Zusammenspiel von Nervensystem, Erfahrungen und sozialen Erwartungen entstehen können
    • Wie sich solche Situationen auf die Beziehung zum Tier auswirken können, ohne sie zwangsläufig zu beschädigen
    • Was Professionals tun können, um sichere Räume zu schaffen, in denen Widerspruch möglich ist und Tierhaltende für ihre Tiere einstehen können
    • Warum Mindset, Skillset und Systemset gemeinsam gedacht werden müssen

    Mehr zu Kati Westendorf
    Webseite: https://equinality.de
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    Mehr zu Anja Nonte
    Webseite: https://eure-hundezeit.de
    YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=85q_NeaUkjk
    Facebook: https://www.facebook.com/people/Eure-Hundezeit/61574316583151/

    Weiterhören: Mindset, Skillset und Systeme vertieft in Folge 128 mit Lisa Ashton: https://equidemiainsights.podigee.io/128-lisa-ashton-what-is-the-horse-experiencing

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    1 hr 6 min
  • Blutbild und Fütterung
    - Wann braucht mein Pferd ein Blutbild

    Der Herbst ist da, der Fellwechsel läuft und viele Pferdebesitzer stellen sich dieselbe Frage: Braucht mein Pferd jetzt ein Blutbild?

    In dieser Folge von Equidemia Insights – Pferdetraining neu denken sprechen Celina Skogan und Equidemia-Fütterungsexpertin Kathrin darüber, warum Blutbilder in der Fütterungsberatung oft überschätzt werden und weshalb eine bedarfsgerechte Ration deutlich aussagekräftiger sein kann als einzelne Laborwerte.

    Kurz & knapp

    Zeigt ein Blutbild, ob mein Pferd richtig versorgt ist?
    Nur begrenzt. Blut ist ein Transportmedium und kein Speicherorgan. Normale Blutwerte schließen einen Mangel deshalb nicht aus.

    Womit beginnt eine sinnvolle Fütterungsberatung?
    Mit der Frage, was überhaupt ins Pferd hineingeht: Heuanalyse, Grundfutter und Gesamtversorgung. Eine Rationsberechnung liefert oft mehr Antworten als ein Blutbild.

    Themen der Folge

    • Warum Blut ein Transportmedium und kein Speicherorgan ist
    • Weshalb normale Blutwerte einen Mangel nicht ausschließen
    • Die Risiken von Monopräparaten und „Fütterung auf Verdacht“
    • Warum Selen eine Sonderrolle einnimmt
    • Weshalb wir bei Equidemia mit der Heuanalyse beginnen
    • Wie eine evidenzbasierte Fütterungsberatung tatsächlich funktioniert
    • Warum eine Rationsberechnung oft mehr Antworten liefert als ein Blutbild

    Die wichtigste Erkenntnis: Das Blut ist die Straße, nicht das Lager.

    Bevor wir uns fragen, was im Blut ankommt, sollten wir zuerst verstehen, was überhaupt ins Pferd hineingeht. Deshalb beginnt eine fundierte Fütterungsberatung immer bei der Analyse von Heu, Grundfutter und Gesamtversorgung.

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    34 min
  • Der Kartesische Fehler
    – Warum wir Pferden lange die Gefühle absprachen

    Ein Philosoph, ein Gartenpark bei Paris und ein Denkfehler, der bis heute in so manchem Stallgespräch mitschwingt: In dieser Folge von Equidemia Insights – Pferdetraining neu denken gehe ich der Frage nach, warum die Wissenschaft Tieren – und damit auch Pferden – jahrhundertelang jedes Innenleben absprach, woher diese Idee eigentlich kam und warum wir uns davon erst seit 2012 offiziell wieder verabschiedet haben.
    Mit einem Augenzwinkern, aber ganz ohne Uhrwerk.

    Kurz & knapp

    Was ist der „kartesische Fehler“?
    Die im 17. Jahrhundert entstandene Annahme, Tiere seien reine Automaten ohne eigenes Innenleben – benannt nach dem Philosophen René Descartes.

    Haben Pferde ein Bewusstsein?
    Nach heutigem wissenschaftlichem Konsens: ja.

    Was bedeutet das für mein Pferdetraining?
    Verhalten, das wir als „widersetzlich“ oder „stur“ lesen, ist häufig eine Kommunikation des Pferdes über Schmerz, Angst oder Überforderung – kein Defekt, der behoben werden muss.

    In dieser Folge

    • Woher die Idee vom „Tier als Maschine“ wirklich stammt – und was ein Park bei Paris damit zu tun hat
    • Warum diese Sichtweise sogar einfühlsamer war, bevor sie radikalisiert wurde
    • Wie moderne Bewusstseinsforschung diesen jahrhundertealten Denkfehler korrigiert hat
    • Was das ganz praktisch für mein Pferdetraining bedeutet – weg von „Der testet mich nur“ hin zu „Was will mir mein Pferd gerade sagen?“
    • Warum „atypisches Verhalten“ der Schlüssel sein kann, um Unwohlsein beim Pferd überhaupt zu erkennen

    Weiterhören: Warum Pferde uns nicht testen, in Folge 130 „Dein Pferd testet dich nicht“: https://equidemiainsights.podigee.io/130-dein-pferd-testet-dich-nicht

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    37 min
  • Sind Ganganomalien beim Pferd immer vom Reiter ausgelöst?

    Eine Hörerfrage, die eine klare Antwort verdient: Nein.
    In dieser Folge von Equidemia Insights – Pferdetraining neu denken gehe ich der Frage nach, wie wir Ganganomalien beim Pferd sinnvoll beurteilen können – und warum meine Betrachtung nicht beim Reiter im Sattel beginnt.

    Ich schaue zunächst auf die Mechanik, den Bauplan und die Belastbarkeit des Pferdes: auf Wirbelsäule, Becken, Hals, Rumpf und Gliedmaßen, den Muskel- und Faszienstatus sowie mögliche Kompensationsmuster. Dabei spielt auch das Recoil System, also die elastische Funktion von Sehnen und Bändern, eine wichtige Rolle.
    Ein weiterer Ausgangspunkt ist für mich die Spinal Engine Theory und damit die Frage, Bewegung vom Rumpf und der Wirbelsäule aus zu denken.

    Erst wenn diese Grundlagen betrachtet sind, lassen sich Reiter, Sattel, Hilfsmittel und Training sinnvoll beurteilen. Denn natürlich kann falsches oder missbräuchliches Reiten Schäden verursachen – aber nicht jede Ganganomalie lässt sich damit erklären.

    Ich spreche außerdem darüber, welche Rolle Zucht, Management und Training innerhalb oder außerhalb der individuellen Toleranzgrenzen spielen und warum gerade frühe Auffälligkeiten im Bauplan eines Jungpferdes ernst genommen werden sollten.

    Mein zentraler Gedanke dabei: Eine gute Pferdebeurteilung beginnt früher als beim Reiter im Sattel. Und wenn wir Pferde wirklich verstehen und nachhaltig trainieren möchten, müssen wir diese Perspektive auch in unsere Zucht- und Managemententscheidungen einbeziehen.

    Kurz & knapp

    Sind Ganganomalien beim Pferd immer vom Reiter ausgelöst?
    Nein. Falsches oder missbräuchliches Reiten kann Schäden verursachen, aber auch Bauplan, Belastbarkeit, Zucht, Management und Training spielen eine Rolle.

    Womit beginnt eine gute Beurteilung des Gangbilds?
    Mit Mechanik, Bauplan und Belastbarkeit des Pferdes: Wirbelsäule, Becken, Hals, Rumpf, Gliedmaßen, Muskel- und Faszienstatus sowie Kompensationsmuster. Erst danach werden Reiter, Sattel und Training beurteilt.

    Quellen

    1. Spinal Engine Theory (Grundlagenforschung, ursprünglich Wirbeltier-/Humanbiomechanik, nicht pferdespezifisch): Gracovetsky, S., Iacono, C. (1987). Energy transfers in the spinal engine. Journal of Biomedical Engineering. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/3573762/
    2. Fisch-Experiment zur Evolution von Gliedmaßen aus Flossen (Beleg für die Übertragbarkeit des Grundprinzips): Standen, E. M., Du, T. Y., Larsson, H. C. E. (2014). Developmental plasticity and the origin of tetrapods. Nature, 513, 54–58. https://doi.org/10.1038/nature13708
    3. Elastische Energiespeicherung in Sehnen (Recoil-System): Biewener, A. A. (1998). Muscle-tendon stresses and elastic energy storage during locomotion in the horse. Comparative Biochemistry and Physiology B, 120(1), 73–87. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/9787779/
    4. Recoil / Sprungfeder-Mechanismus im Bewegungsapparat: Wilson, A. M., McGuigan, M. P., Su, A., van den Bogert, A. J. (2001). Horses damp the spring in their step. Nature, 414, 895–899. https://doi.org/10.1038/414895a
    5. Passiver Stay-Apparat (Stützmechanismus im Stand): Gussekloo, S. W. S., Lankester, J., Kersten, W., Back, W. (2011). Effect of differences in tendon properties on functionality of the passive stay apparatus in horses. American Journal of Veterinary Research, 72(4), 474–483. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21453148/
    6. Aktive Stabilisierung der Hinterhand im Stand: Schuurman, S. O., Kersten, W., Weijs, W. A. (2003). The equine hind limb is actively stabilized during standing. Journal of Anatomy, 202, 355–362. https://doi.org/10.1046/j.1469-7580.2003.00166.x
    7. Fesselträgerband, Recoil-Funktion (aktueller Übersichtsartikel): Guest et al. (2025). A review of the equine suspensory ligament: Injury prone yet understudied. Equine Veterinary Journal. https://doi.org/10.1111/evj.14447

    Hinweis zur Evidenzlage: Punkt 1 (Spinal Engine Theory) ist ursprünglich keine pferdespezifische Forschung, sondern allgemeine Wirbeltier-/Humanbiomechanik, im Podcast entsprechend eingeordnet. Punkt 2 (Polypterus-Fischstudie) dient als evolutionsbiologischer Beleg für die Übertragbarkeit des Grundprinzips, nicht als direkte Pferdestudie.

    Weiterhören: Wie du Lahmheit im Alltag einschätzt, in Folge 127 „Lahm oder einfach so? Die Ampel für dein Pferd“: https://equidemiainsights.podigee.io/127-lahm-oder-einfach-so-die-ampel-fur-dein-pferd

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    31 min

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