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Seit Jahren bleibt die Kinder-Armut in Deutschland auf konstant hohem Niveau. Rund jedes fünfte Kind ist betroffen und die Corona-Krise verstärkt diesen Trend. Das sagt eine Studie, die die Bertelsmannstiftung am 22.07.2020 veröffentlicht hat. Das Schlimmste aber: Die Macher der Studie fürchten, dass dadurch die Bildungschancen für Kinder aus finanziell schlecht gestellten Familien noch mehr sinken. Eine Aufgabe nicht nur für die Politik sondern für uns alle, meint Andreas Odrich von der ERF Aktuell-Redaktion in seinem Kommentar.
Die Kinder von Eltern mit kleinem Geldbeutel trifft es am härtesten. Denn die Eltern haben in der Corona-Krise laut der Bertelsmannstudie am schnellsten ihre Teilzeit- und Minijobs verloren, und das Kurzarbeitergeld, das den ohnehin kargen Lohn derer ersetzen soll, die ihren Job noch behalten haben, fällt bei diesen Gruppen nicht eben üppig aus.
Ein Armutszeugnis für unser reiches Land
2,8 Millionen Kinder und Jugendliche seien von Kinderarmut in Deutschland betroffen. Das entspricht rund einem Fünftel aller Kinder in unserem Land. Ein Armutszeugnis für unser reiches Deutschland und das im wahrsten Sinne des Wortes. Natürlich ist die Armut bei uns zu den sogenannten Zweidrittelwelt-Ländern immer noch relativ. Aber das nützt den betroffenen Kindern hier bei uns auch nichts. Denn laut Bertelsmannstudie hat die Kinderarmut vor allem direkte Auswirkungen auf die Bildungschancen und damit die Aufstiegsmöglichkeiten der Betroffenen.
Daran ändert auch die finanzielle Grundsicherung nichts, die diese Kinder und Jugendlichen zum Teil durchaus schon erhalten. 24 Prozent der Kinder im Grundsicherungsbezug hätten keinen internetfähigen PC im Haushalt, 13 Prozent keinen ruhigen Platz zum Lernen, sagt Bertelsmann. Aber genau das wäre im Homeschooling der letzten Monate dringend erforderlich gewesen, damit diese Kinder im Unterricht ordentlich mithalten können.
Eine „unbearbeitete Großbaustelle“
Das Schlimmste am Ergebnis dieser aktuellen Studie ist, dass dies gar kein neues Phänomen ist. Seit Jahr und Tag hätten sich die Zahlen zum Thema Kinderarmut kaum verändert, selbst wenn es in den ostdeutschen Ländern leichte Verbesserungstendenzen gäbe. Bertelsmann nennt das Thema Kinderarmut daher eine „unbearbeitete Großbaustelle“. Kein Wunder, dass sich Vertreter der politischen Parteien gegenseitig Versagen vorwerfen, obwohl sie entweder auf Bundesebene oder auf Länderebene Verantwortung tragen, und sich daher nicht gänzlich rausreden können.
Pragmatische Lösungen kommen von Sozialverbänden
Dabei könnte es so einfach sein. So schlägt der Geschäftsführer des Kinderhilfswerks Holger Hofmann einen Sonderfonds für Bildungsprogramme vor, weil arme Familien kein Geld für Nachhilfelehrer hätten und sich keine kostenpflichtigen Lernplattformen leisten könnten. Ähnlich haben sich der Sozialverband VdK und die Diakonie geäußert. Die Diakonie spricht sich für eine einheitliche Kindergrundförderung aus.
Geld alleine wird es aber auch nicht richten
Zweifellos – das Geld ist wichtig. Aber Geld alleine wird nicht reichen. Gefragt ist tätige Unterstützung und Begleitung der Familien. So wie dies zahlreiche Initiativen, Kirchengemeinden und Vereine vormachen, wie zum Beispiel die Arche, über die wir auch um Zusammenhang mit den Folgen der Corona-Krise verschiedentlich berichtet haben.
Hier leisten haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen unschätzbaren Dienst, in dem sie Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen eine Anlaufstellen bieten, ihnen Wertschätzung …