© Patrice Rosse
(Der Inhalt kann im RSS-Feed nicht dargestellt werden.)
Mehr als drei Wochen ist es jetzt her, dass der Afroamerikaner George Floyd durch Polizeigewalt ums Leben kam. Die Vereinigten Staaten kommen seither nicht zur Ruhe. Auch in Deutschland ist die Rassismus-Debatte längst angekommen und damit die Frage: Welche Erfahrungen machen Menschen mit dunkler Hautfarbe in unserem Land? Patrice Rosse lebt in Chemnitz. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Mosambikaner. Seit Jahren setzt er sich ehrenamtlich ein als Jugendleiter in seiner Gemeinde. Gehören rassistische Übergriffe zu seinem Alltag? Regina König hat nachgefragt.
„Rassistische Übergriffe sind die Ausnahme. Sicherlich kommt es darauf an, in welchem Umfeld man wohnt, aber ich habe bisher die Erfahrung gemacht, dass es eher eine Ausnahme bleibt.“ Doch diese „Ausnahmen“, handfeste Beleidigungen, die er als Mensch mit dunkler Hautfarbe hinnehmen musste, sitzen tief. Patrice Rosse ist 27 Jahre alt und lebt im sanierten Plattenbau in Chemnitz. Bei der Wohnungssuche hatte er nicht den Eindruck, Nachteile wegen seiner Hautfarbe gehabt zu haben, erzählt er. Und überhaupt: „Grundsätzlich fühle ich mich wohl in Chemnitz. Manche Blicke nehme ich auch gar nicht wahr“, so Patrice.
„Einer hat mich immer ‚Bimbo‘ gerufen“
Gelassen nimmt er es hin, wenn Menschen ihn fragen, ob sie ihm in die Haare fassen dürfen und er lacht auch über Kinder, die sich über seine braune Hautfarbe wundern. Doch manche Erinnerung kann er nicht aus dem Gedächtnis löschen. Rassistische Bemerkungen etwa aus der Schulzeit. „Da hat mich zum Beispiel ´mal jemand angesprochen und gesagt ‚Du bist ja nur so halb ein Deutscher.‘ Das hat mich als 14-Jähriger schon verunsichert und mir das Gefühl gegeben, dass ich nicht so richtig dazu gehöre. Dann gab es jemand, der hat mich immer ‚Bimbo‘ gerufen. Das hat mich schon verletzt, dass man so abgewertet wird, nur weil man eine andere Hautfarbe hat.“
Erzgebirgische Traditionen gehören zu seinem Lebensstil
Aufgewachsen ist Patrice in einem Dorf am Nordrand des Erzgebirges, in Klaffenbach. Die erzgebirgischen Traditionen gehören zu seinem Lebensstil. Als Kind lernte er die heimischen Lieder kennen wie das vom ‚Vogelbeerbaum‘, und Weihnachten ohne Schwibbogen und Räucherkerzen kann er sich gar nicht vorstellen. Er selbst bezeichnet sich als Erzgebirger. Umso mehr traf es ihn, als vor einiger Zeit ein vorbeifahrender Autofahrer ihn beleidigte. „Ich war in Chemnitz mit dem Fahrrad unterwegs, als ein VW-Bus vorbeifuhr. Dann lehnte sich der Fahrer aus dem Fenster und rief mir zu: ‚Geh zurück in deine Heimat!‘ Aber Deutschland ist meine Heimat! Manche Leute können das einfach nicht akzeptieren, dass man als Deutscher auch eine andere Hautfarbe haben kann. Solche Erfahrungen stellen die eigene Identität in Frage.“
Als Teenager wollte er manchmal lieber weiß sein
Jetzt steckt Patrice Rosse in einer anderen unsicheren Situation. Im Sommer wird er seine Arbeitsstelle als Mechatroniker verlieren, denn seine Firma schließt die Chemnitzer Filiale. Bei der Jobsuche hat er sich dazu entschlossen, in sein Bewerberprofil kein Foto zu stellen – wegen seiner Hautfarbe. „Ich habe Angst, dass der Arbeitgeber sich dann fragt: ‚Wollen wir den wirklich in unserem Unternehmen haben?‘“
Als Teenager habe er sich manchmal gewünscht, weiß zu sein, doch heute ist er im Reinen mit seiner Hautfarbe. Das hat auch mit der Gemeinde zu tun, zu der Patrice von Kindesbeinen an gehört: die landeskirchliche Gemeinschaft Klaffenbach. Seit neun Jahren leitet er dort …