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Als Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz repräsentiert Pastor Ekkehart Vetter aus Mühlheim an der Ruhr rund 1,2 Millionen meist evangelische Christen in Deutschland. In den Corona-Beschränkungen seit dem 16. März sieht er keine Einschränkung der Bürgerrechte und der Religionsfreiheit, wie er im Interview auf ERF Plus berichtet. Vielmehr sieht Vetter die Gestaltungskraft der Christen gefragt, zu den Pfingstfeiertagen ihren Glauben positiv und einladend zu leben. Hier das Interview von Andreas Odrich mit ihm im Wortlaut.
ERF Medien: Das Pfingstfest 2020 ist garantiert anders, als wir es je erlebt haben. Es steht unter den Vorzeichen von Corona. Gottesdienste sind nur eingeschränkt möglich, und auch wenn die Corona-Schutzmaßnahmen aktuell im Wandel begriffen sind, so wird Pfingsten sicherlich anders sein als in den Jahren zuvor. Wie können wir Pfingsten in Corona Zeiten sinnstiftend feiern?
Ekkehart Vetter: Zunächst würde ich einmal sagen, dass wir Pfingsten ja ohnehin feiern. In Corona-Zeiten ist das vielleicht vom äußeren etwas speziell, aber ansonsten ist es ja so: Pfingsten ist eines der Hochfeste der Christenheit neben Weihnachten, Karfreitag, Ostern. Wir feiern Pfingsten das Kommen des Heiligen Geistes, die Drittpersonen der Gottheit, Gott in uns Gott, unter uns Gott, mit uns und im Heiligen Geist als der Herbeigerufene.
Und das hat zunächst einmal mit Corona gar nicht so viel zu tun. Die Umstände sind jetzt ein bisschen besonders dadurch, dass wir nur eingeschränkt Gottesdienste feiern können, zum Teil auch nur online. Aber das ändert nichts am Sinn des Pfingstfest und an den grundsätzlichen Geistlichen zusammenhängen, die wir da feiern.
ERF Medien: Nun gibt es ja durchaus Christen, die sich engagiert zu Wort melden, und sagen, im Verzicht auf die Gottesdienste in Gemeindehäusern und Kirchen haben Christen ihre Religionsfreiheit preisgegeben und haben nicht Gott gehorcht, sondern der Politik, die uns einschränken will.
Ekkehart Vetter: Die Religionsfreiheit haben wir an keiner Stelle aufgegeben. Wir können christliche Literatur kaufen und verteilen, wir können mit Menschen über den Glauben sprechen, wir können alles Mögliche machen. Das einzige, worauf wir uns gesellschaftlich verständigt haben, ist, dass wir die Situationen, wo Menschen sich anstecken können mit dem Corona-Virus, ein Stückchen aussetzen und nicht stattfinden lassen - da waren die ausgesetzten Gottesdienste ein Teil dieser Lösung aber natürlich auch viele andere Veranstaltungen.
Pro und Contra abwägen – nicht einseitig bleiben
ERF Medien: Wie nehmen Sie diese Einordnung vor?
Ekkehart Vetter: Ich finde, es hilft, ein bisschen im Sinne von Pro und Kontra zu denken. Natürlich verstehe ich, dass Menschen gerade zu den Hochfesten Gottesdienste feiern wollen, zu Ostern haben wir ja auch schon in dieser Corona-Situation Gottesdienste online gestalten müssen. Der Wunsch, das anders haben zu wollen, ist verständlich. Auf der anderen Seite muss man auch denken können, dass es Situationen gibt, wo durch das Versammeln vieler Menschen eben andere gefährdet werden.
Ich finde, wer sehr vollmundig nur in die eine oder die andere Richtung redet, der müsste sich die Pro- und Contra-Argumente beider Seiten bewusst machen. Aber dass Religionsfreiheit eingeschränkt wurde deswegen in Deutschland, diese Sichtweise kann ich nicht nachvollziehen. Das war eine gesellschaftliche Übereinkunft, dass dies sinnvoll ist, und wir sind sicher froh, wenn das wieder anders wird und sind ja auf dem Wege dahin. …