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Seit vier Jahren steht er an der Spitze der evangelischen Landeskirche in Sachsen: Dr. Carsten Rentzing. Am 11. Oktober kündigte er überraschend seinen Rücktritt an.
Über die Gründe wurde zunächst spekuliert, dann überstürzten sich die Ereignisse und Enthüllungen. Jetzt steht fest: als Student hatte Rentzing Texte verfasst, die in Teilen als nationalistisch und demokratiefeindlich eingestuft werden. Wie schätzt unsere Korrespondentin in Mitteldeutschland, Regina König, die Lage ein? Wir haben mit ihr gesprochen.
ERF Medien: Wie reagiert die Kirchenleitung in Sachsen?
Regina König: Zunächst hat sie sich in Schweigen gehüllt. Gestern veröffentlichte sie dann eine Erklärung. Hierin stellt sie fest, dass die vorliegenden Texte als elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich einzustufen sind. „Sie sind aus damaliger und heutiger Sicht unvertretbar“, so wörtlich. Es wird aber auch betont, dass Carsten Rentzing diese Texte geschrieben hat, als es für ihn noch nicht feststand, dass er Pfarrer werden wird. Seine mit dem Rücktritt ausgedrückte Distanzierung halten sie für glaubwürdig, denn, so wörtlich, „der Glaube an Jesus Christus kann Menschen verändern“. Zugleich macht sie aber auch deutlich, dass er mit dieser Vergangenheit als Landesbischof nicht mehr haltbar ist.
ERF Medien: Was sagt der Landesbischof selbst zu den Vorwürfen?
Regina König: Am Freitag lag erst einmal nur die Erklärung des Landesbischofs zum Rücktritt vor, in der er knapp formuliert, „Der Weg in die Kirche hat mich verändert. Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr.“ Das eröffnete Spekulationsraum. Die Erklärung der Kirchenleitung beleuchtet Rentzings Haltung nun deutlicher. Dort ist zu lesen, dass der Landesbischof diese Zeit in seinem Leben und diese Texte verdrängt habe. Und er selbst äußere großes Unverständnis und Scham über das, was er damals geschrieben hat.
ERF Medien: Galt Carsten Rentzing schon lang als umstritten?
Regina König: Umstritten zumindest im links-liberalen Flügel der sächsischen Kirche. So wurde kurz nach seinem Amtsantritt eine Petition gegen ihn gestartet wegen seiner ablehnenden Haltung gegenüber gelebter Homosexualität. Und Ende September initiierten Pfarrer aus dem Raum Leipzig eine Petition gegen Rentzing wegen dessen Mitgliedschaft in einer pflichtschlagenden Studentenverbindung.
ERF Medien: Welche Reaktionen gibt es aus Kirche und Gesellschaft?
Regina König: Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, hatte sich zunächst am Freitag sehr betroffen geäußert. Nach dem Bekanntwerden der Texte am Samstag distanzierte er sich und zeigte sich schockiert. Der Ratsvorsitzende wörtlich: «Ich hoffe auf eine schnelle Klärung innerhalb der Landeskirche, zu der Carsten Rentzing sicher selbst beitragen wird.“ Auch aus der Politik gibt es Reaktionen: der sächsische CDU-Bundestagsabgeorndete Alexander Krauß sprach zunächst am Freitag von einem „Kesseltreiben gegen den Landesbischof“, doch nachdem Rentzings Tätigkeit in der rechtsnationalistischen Zeitung öffentlich wurde, twitterte sein Parteifreund Marco Wanderwitz, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Chef der CDU-Landesgruppe Sachsen: „Nach alledem: gut so, dass er weg ist.“ Die konservative Sächsische Bekenntnisinitiative geht barmherziger mit ihrem Bischof um, auf ihrer Webseite schreibt sie: „Wir sind eine Kirche, die aus der Vergebung lebt!“ Unter …