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Es gab eine Sache, die war mir immer klar: Gemeinsames Gebet und Bibellesen gehören zu einer Ehe dazu wie tiefe Gespräche und körperliche Intimität. Bis mich die Realität einholte. Der Wunsch nach geistlicher Gemeinschaft in unserer Ehe war zwar beiderseits vorhanden, blieb aber unerfüllt. Es klappte einfach nicht. Von meiner Seite aus habe ich anfangs zum Beispiel entsprechend meiner Prägung zaghaft versucht, beim Frühstück die Losungen oder ein Andachtsbuch zusammen zu lesen. Doch mein Mann schien sich bei dieser „Pflichtübung“ nicht wohlzufühlen und so ließ ich es bleiben. Wir schafften es auch nicht, regelmäßig miteinander zu beten und selbst im Urlaub kam die Stille Zeit zu kurz. Was konstant vorhanden war, war das schlechte Gewissen, das tief in mir rumorte und mir immer wieder sagte, dass es eigentlich anders sein sollte.
Dazu kam, dass ich mir selbst unsicher war, ob gemeinsames Beten und Bibellesen wirklich einen solch positiven Einfluss auf eine Ehe hat, wie ich es immer gehört hatte. Nach dem Motto: The couple that prays together, stays together (Ein Paar, das zusammen betet, bleibt zusammen.). Woraus besteht er denn, der Segen, der auf gemeinsamem Gebet ruht? Ist uns Gott so näher als wenn wir nicht beten? Verbindet uns das auf irgendeine geheimnisvolle Weise?
Manche dieser Fragen sind für mich immer noch offen. Die Vorbereitungen für diesen Artikel und eigene Erfahrungen haben mir jedoch dabei geholfen, gelassener an unser gemeinsames geistliches Leben heranzugehen. Vielleicht sind einige der Gedanken und Tipps aus diesem Prozess auch für Sie hilfreich.
Ketzerisch, aber richtig
Der folgende Gedanke ist für mich fast ketzerisch. Er bricht auf alle Fälle mit allem, was ich über eine gute Ehe gelernt habe. Und dennoch denke ich zwischenzeitlich, dass er richtig ist: Ein Paar muss nicht jeden Tag zusammen beten oder gemeinsam die Bibel lesen! Ehepaaren, denen das gelingt und die daraus wirklich Kraft für ihre Spiritualität und ihre Beziehung ziehen, sind zu beglückwünschen. Daneben steht aber das Erleben der Mehrzahl aller Paare, die das nicht schaffen – und trotzdem gemeinsam wachsen. Sowohl als Paar als auch in geistlicher Beziehung. Nebenbei bemerkt: Allein die tägliche Routine und die Regelmäßigkeit garantieren weder das eine noch das andere.
Nicht nur deswegen ist es wichtig, dass sich der gemeinsam gelebte Glaube nicht auf eine bestimmte Methode beschränkt. Wie gesagt: Es gibt Paare, für die ist die Andacht beim Frühstück und das gemeinsame Gebet vor dem Einschlafen genau das Richtige. Die sollen und dürfen dabei bleiben. Auf lange Sicht gesehen ist es auch gut, eine gewisse Regelmäßigkeit für diese Aktivitäten anzustreben. Aber sie steht nicht am Anfang.
Denn Paare und die einzelnen Partner sind unterschiedlich. Genauso wenig, wie es eine einzige Methode zum Bibellesen für alle Christen gibt, gibt es keine einzig gültige Methode, wie ein Paar seinen Glauben an Jesus gemeinsam leben kann.Susan Wise Bauer schlägt deshalb neben den klassischen Modellen wie gemeinsames Bibellesen und Gebet noch andere Möglichkeiten vor:
1. Sprechen Sie über das, was Sie geistlich bewegt. Vielleicht haben Sie kürzlich in der eigenen Stillen Zeit eine Entdeckung gemacht, die Sie bewegt. Warum nicht einfach darüber reden, wenn sich die Gelegenheit ergibt?2. Wenn Sie und Ihr Partner gerne lesen, dann tauschen Sie doch einfach einmal geistliche Literatur aus. Oder lesen Sie sich Ihre Lieblingsstellen daraus vor – natürlich nur, wenn das den anderen nicht beim Schmökern stört…3. Tauschen Sie Gebetsanliegen aus, aber …