© Francisco Delgado / unsplash.com
Bin ich glücklich?
Das Polizeiauto im Rückspiegel kommt immer näher. Sofort geht der Gedanken-Scan los: „Habe ich was falsch gemacht? Wie schnell darf ich fahren und habe ich meine Papiere dabei?“. Keine Panik, alles ganz harmlos, das Polizeiauto ist abgebogen. So ähnlich aber fühlt es sich für mich an, wenn ich folgende Aussage von Jesus in der Bibel lese: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?“ (Matthäus 16,26).
Auf den ersten Blick fühlt sich das für mich eher an wie ein Spielverderber-Text. Ich darf die Welt nur nicht zu schön finden. Alles, was Spaß macht, ist Sünde, deshalb muss ich immer schön vorsichtig bleiben und gut aufpassen, was ich tue. Sonst verspiele ich mein Seelenheil.
Die Verse davor und danach machen das Gefühl auch nicht wirklich besser. Aber stimmt dieses Gefühl? Ich glaube nicht. Denn, wenn ich mich mehr mit dem Text beschäftige, kommt etwas Wunderschönes, sogar Befreiendes Zutage.
Die ganze Welt gewinnen
Was heißt es denn, „die Welt gewinnen“? Heißt das, wir sollen uns nicht den Maßstäben dieser Welt anpassen? In gewisser Weise schon. Jesus meint damit aber sicher nicht irgendwelche Äußerlichkeiten. Ihm geht es nicht um die Einhaltung gewisser Regeln, um Besitz oder um Moral. Der Blick von Jesus geht tiefer. Er bedauert es, wenn Menschen ihr Glück außerhalb von Gott suchen.
Glück bedeutet für jeden etwas anderes: Freiheit, Frieden, Selbstbestimmtheit, Gesundheit, ein gewisses Maß an Wohlstand, Familie – Sie können die Liste für sich verlängern. Das sind alles gute Dinge und es ist gut, danach zu streben, sich für sie einzusetzen.
Doch Jesus geht es hier um etwas Tieferes. Er verknüpft die Suche nach Glück mit der Suche nach Gott. Denn was ist, wenn mir ein oder mehrere Bausteine von meiner Glück-Liste fehlen? Ist mein Glück dann beschädigt? Die Frage, was mich glücklich macht hängt eng mit meinem Bild von Gott zusammen. Wie sehe und erlebe ich ihn? Ist er der große Spielverderber? Ist meine Beziehung zu ihm vertrauensvoll oder eher abwartend? Will ich mein Herz wirklich an diesen Gott hängen oder nehme ich mein Glück doch lieber selbst in die Hand?
Wie müsste Gott sein, dass ich ihn lieben kann?
Ich habe mir diese Fragen in den letzten Monaten sehr intensiv gestellt. Lebensumstände zwangen mich dazu, schonungslos ehrlich zu sein. Ehrlichkeit zu sich selbst kann zutiefst verunsichernd sein und Angst machen.
Einfacher ist es, sich diesem Prozess zu entziehen. Aber nur, wenn ich mich ihm stelle, kann Heilung geschehen. Ich stolperte über Psalm 73, wo der Dichter schreibt: Gott „nahe zu sein ist mein ganzes Glück!“ (Psalm 73,28 GN). Als ich das las, musste ich mir eingestehen, dass ich diesen Satz so nicht unterschreiben kann.
Warum eigentlich nicht? Ich bemerkte, dass das vor allem etwas mit meiner Vorstellung von Gott zu tun hat und mit dem, was ich erlebt hatte und wie ich das mit Gott in Verbindung brachte. In dieser Zeit las ich eine bekannte Geschichte aus dem Neuen Testament.
Ein reicher Mann fragt Jesus wie er denn das ewige Leben bekäme. Einleitend zu dieser Frage sprach er Jesus an mit „Guter Meister“ (Markus 10,17), woraufhin Jesus antwortet: „Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als der eine Gott“ (Markus 10,18). Diese Reaktion von Jesus hatte ich noch nie verstanden. Was hat das mit der eigentlichen Frage zu tun?
Ganz viel. Denn Jesus legt den Finger mitten in den wunden Punkt. Der Mann war reich. Am Ende des …