Bisher hat in der Geschichte der Weltmeisterschaften erst einmal ein Gastgeber die K.o.-Runde verpasst - Südafrika 2010. Das soll den Russen bei der Heim-WM nicht passieren. Glücklicherweise wurde es für die „Sbornaja“ bei der Gruppenauslosung nicht ganz so böse.
Text: Manuel Behlert (90PLUS)
Der Weg zur WM:
Als Gastgeber war die russische Nationalmannschaft direkt qualifiziert. Testspiele gab es natürlich trotzdem - u.a. verlor Russland dabei mit 0:3 gegen Brasilien, unterlag Frankreich mit 1:3. Russland hatte gerade gegen die Topnationen große Schwierigkeiten, wird vor dem Turnier noch einmal zulegen müssen.
Der Star:
Einen wirklichen Star bei der russischen Nationalmannschaft auszumachen, ist durchaus sehr schwer. Die Mannschaft ist relativ ausgeglichen besetzt, die „Topstars“ der Vergangenheit haben, wie beispielsweise Igor Akinfeev, mittlerweile Probleme mit konstant guten Leistungen. Zudem fehlt beispielsweise ein Spieler wie Kokorin. Sollte man sich aber doch auf DEN Star festlegen müssen, dürfte Alan Dzagoev von ZSKA Moskau ein heißer Kandidat Dafür sein. Dzagoev wird seit Jahren mit einem Wechsel nach Mitteleuropa in Verbindung gebracht, spielt aber immer noch in Russland. Diese Entscheidung wird durchaus häufig kritisiert. Dzagoev ist jedenfalls in der Lage die Offensive zu beleben, für kreative Momente zu sorgen. Er absolvierte 36 Pflichtspiele in der abgelaufenen Saison, dabei gelangen ihm 7 Tore und 8 Vorlagen, auch wenn man ihn nicht auf seine Statistiken reduzieren sollte, da Dzagoev mittlerweile deutlich defensiver agiert, mehr für den Aufbau tut und somit einen größeren Einfluss auf das gesamte Spieltempo hat.
Der mögliche Shooting-Star:
Hierbei kann man das „möglich“ streiten. Wenn ein Spieler im russischen Kader das Zeug zum Shooting-Star hat, dann ist das Dzagoevs Teamkollege Aleksandr Golovin. Der 21-jährige stammt aus der Jugend von ZSKA Moskau, stand in 43 Spielen auf dem Platz und erzielte 7 Tore bei 6 Torvorlagen. Golovin besticht durch seine Dynamik und seine hervorragende Technik, ist schon jetzt sehr konstant und spielt teilweise instinktiv, macht auch in Bedrängnis wenige Fehler. Auf ihm lastet im Gegensatz zu Spielern wie Dzagoev aber nicht der große Druck, sodass er durch einen Schuss Unbekümmertheit eine ganz wichtige Rolle spielen kann, damit die „Sbornaja“ ihre Ziele erreicht. Und das bedeutet mindestens das Erreichen des Achtelfinals.
Der Trainer:
Stanislav Cherchesov ist eine wahre Koryphäe. Der 54-jährige kam in seiner Karriere schon sehr viel herum, war als Spieler unter anderem für Sparta Moskau, Dynamo Dresden und den FC Tirol aktiv, sammelte als Trainer ebenfalls Erfahrungen in Tirol, coachte später Spartak Moskau, Amkar Perm, Dinamo Moskau und Legia Warschau. Seit August 2016 trainiert der die russische Nationalmannschaft, sein Vertrag läuft nach der Weltmeisterschaft aus. Bisher sammelte er in 18 Spielen eine durchschnittliche Punktzahl von 1,11 - was nicht gerade für Begeisterung sorgt. Allerdings waren, wie erwähnt, einige Gegner auch sehr stark. Es ist schwierig einzuschätzen, wo die Elf von Cherchesov zurzeit steht. Vielleicht weiß er es selbst noch nicht so genau…
Stärken und Schwächen:
Russland geht mit Euphorie in dieses Turnier und hatte lange Zeit sich in Ruhe auf die Heim-WM vorzubereiten, zudem ist der Trainer sehr erfahren und der Kader mit Talenten und erfahrenen Spielern ausgestattet. Klar ist aber: Dass die russische Mannschaft in den letzten Jahren keine ernsthafte Wettkampfpraxis hatte, ist sicherlich kein Vorteil. Auch die „schwache“ russische Liga, die hohen Erwartungen der Fans und die Verletzungsprobleme sind nicht gerade ideal. Ansonsten gibt es tatsächlich den ein oder anderen richtig guten Fußballer in den Reihen der russischen Mannschaft, die „alten Haudegen“ in der Innenverteidigung wurden zwar ersetzt, aber die Individuelle Klasse ist trotzdem auf dieser Position nicht besonders hoch. Aufgrund des Heimvorteils und der machbaren Gruppe ist die K.O.-Runde aber doch sehr gut möglich.