Cloudcuckooland - Avantgarde in Spaces

Folge 10: Brutalismus


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Das Prickeln des nackten Betons

Auch wenn die Gebäude dieses Baustils mächtig sind, leitet sich der Name nicht von Konnotationen der Gewalt ab, sondern von "brut", was wir aus der Welt feiner Weine und edler Champagner kennen. Sie sind herb und damit bevorzugt. In der Architektur wird analog das Baumaterial - meist Beton - unverhüllt in seiner Schönheit sichtbar. Diese Nacktheit der Bauten, gepaart mit einer Übertreibung der Architektur, erzeugt eine Attraktivität, die einer Hassliebe zu einem pockennarbigen Liebhaber gleichkommt. Im Spannungsverhältnis zwischen imposanten und mutigen Formenstatements und einer gewissen Ignoranz gegenüber der Rezeption entwickeln sich Gefühle. Unauffällig zu sein und Gleichgültigkeit zu erzeugen gelingt dem Brutalismus schlecht. Diesem "Zauber" gehen wir mit Oliver Elser auf den nackten Grund. Oliver Elser ist Kurator am Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main. Seit 2021 Vertretungsprofessur für Architekturtheorie am KIT, Karlsruhe. 2016 war er Kurator von „Making Heimat“, dem Deutschen Pavillon auf der Architekturbiennale von Venedig. 2018 hat er die Ausstellung "SOS Brutalismus – Rettet die Betonmonster" kuratiert, die das DAM gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung entwickelt hat.

Musik: Prof. Gerwin Eisenhauer

Stimme der Zukunft: Karl Erdmann
Technik/Schnitt/Gestaltung Cover: Thomas Fröhlich
Foto: Pietro Fiore

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Cloudcuckooland - Avantgarde in SpacesBy Rosa Erdmann, Eva Seeber