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Anfang des sechszehnten Jahrhunderts begann die Verbreitung des Fortunatus als eines jener „Volksbücher“, wie die Romantiker sie später tauften, da kein Verfasser angegeben war. Weitere bekannte „Volksbücher“ sind Eulenspiegel und das Buch von Doktor Faustus. Fortunatus war in ganz Europa präsent und die Geschichte vom nie versiegenden Portemonnaie fand über zweihundert Jahre lang viele Leser. Die Erstausgabe erschien fünfzehn nullneun. Fortunatus' Vater konnte seinen Lebensstil im Feudalwesen nicht halten; der Sohn musste sein Glück in fernen Landen suchen. In tiefer Verzweiflung traf er auf die Göttin Fortuna, die ihm die Wahl zwischen Weisheit, langem Leben und Geld ließ. Er wählte das Geld und erhielt einen Säckel mit nie versiegenden Münzen. Fortunatus unterschätzte die gesellschaftlichen Regeln und wurde bei dem Versuch, Pferde zu kaufen, fast getötet. Ihm wurde klar, dass er sein Leben auf einer Lüge aufbauen musste und das Geheimnis seines Säckels niemandem anvertrauen durfte. Er konstruierte sich die Identität eines Adligen, indem er sich einen Knecht und zwei Pferde anschaffte und schließlich einen Palast baute. Wenig später erschien Georg Wickrams „Von guten und bösen Nachbarn“, der Ereignisse aus dem bürgerlichen Leben zeigt und den wirtschaftlichen Eifer betont. Das Gewinnstreben erhielt Legitimation durch das Ziel, Gott wohlgefällig zu sein. Aber die Lehren des Fortunatus bleiben heute so aktuell wie vor fünfhundert Jahren.
By one-minuteAnfang des sechszehnten Jahrhunderts begann die Verbreitung des Fortunatus als eines jener „Volksbücher“, wie die Romantiker sie später tauften, da kein Verfasser angegeben war. Weitere bekannte „Volksbücher“ sind Eulenspiegel und das Buch von Doktor Faustus. Fortunatus war in ganz Europa präsent und die Geschichte vom nie versiegenden Portemonnaie fand über zweihundert Jahre lang viele Leser. Die Erstausgabe erschien fünfzehn nullneun. Fortunatus' Vater konnte seinen Lebensstil im Feudalwesen nicht halten; der Sohn musste sein Glück in fernen Landen suchen. In tiefer Verzweiflung traf er auf die Göttin Fortuna, die ihm die Wahl zwischen Weisheit, langem Leben und Geld ließ. Er wählte das Geld und erhielt einen Säckel mit nie versiegenden Münzen. Fortunatus unterschätzte die gesellschaftlichen Regeln und wurde bei dem Versuch, Pferde zu kaufen, fast getötet. Ihm wurde klar, dass er sein Leben auf einer Lüge aufbauen musste und das Geheimnis seines Säckels niemandem anvertrauen durfte. Er konstruierte sich die Identität eines Adligen, indem er sich einen Knecht und zwei Pferde anschaffte und schließlich einen Palast baute. Wenig später erschien Georg Wickrams „Von guten und bösen Nachbarn“, der Ereignisse aus dem bürgerlichen Leben zeigt und den wirtschaftlichen Eifer betont. Das Gewinnstreben erhielt Legitimation durch das Ziel, Gott wohlgefällig zu sein. Aber die Lehren des Fortunatus bleiben heute so aktuell wie vor fünfhundert Jahren.