Christoph predigt

Freudenbot:in


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Gnade mit euch und Friede von Gott, dem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn!

Aus dem Buch der Apostelgeschichte, aus dem 8. Kapitel:

26Philippus dagegen erhielt vom Engel des Herrn den Auftrag: »Steh auf! Geh nach Süden zu der Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt und menschenleer ist.« 27Philippus stand auf und ging zur Straße. Dort war ein Mann aus Äthiopien unterwegs. Er war Eunuch und ein hoher Beamter am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien. Er verwaltete ihr Vermögen und war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten. 28Jetzt war er auf der Rückreise. Er saß in seinem Wagen und las im Buch des Propheten Jesaja. 29Der Heilige Geist sagte zu Philippus: »Geh hin und bleib in der Nähe des Wagens!« 30Philippus lief hin und hörte, wie der Mann laut im Buch des Propheten Jesaja las. Philippus fragte: »Verstehst du eigentlich, was du da liest?« 31Der Eunuch sagte: »Wie soll ich es verstehen, wenn mir niemand hilft?« Und er bat Philippus: »Steig ein und setz dich zu mir!« 32An der Stelle, die er gerade las, stand: »Wie ein Schaf wurde er zur Schlachtbank geführt. Wie ein Lamm stumm bleibt, wenn es geschoren wird, sagte er kein einziges Wort. 33Er wurde zutiefst erniedrigt, doch das Urteil gegen ihn wurde aufgehoben. Wer wird seine Nachkommen zählen können? Denn sein Leben wurde von der Erde weg zum Himmel emporgehoben.« 34Der Eunuch fragte Philippus: »Bitte sag mir, von wem spricht der Prophet hier – von sich selbst oder von einem anderen?« 35Da ergriff Philippus die Gelegenheit: Ausgehend von dem Wort aus Jesaja, verkündete er ihm die Gute Nachricht von Jesus. 36Als sie auf der Straße weiterfuhren, kamen sie an einer Wasserstelle vorbei. Der Eunuch sagte: »Dort ist eine Wasserstelle. Spricht etwas dagegen, dass ich getauft werde?« 37[...] 38Er befahl, den Wagen anzuhalten. Beide, Philippus und der Eunuch, stiegen ins Wasser, und Philippus taufte ihn. 39Als sie aus dem Wasser herausstiegen, wurde Philippus vom Geist des Herrn fortgenommen. Der Eunuch sah ihn nicht mehr. Aber er setzte seinen Weg voller Freude fort. (Apg. 8,26-39)

Mitten im Nichts. Eine menschenleere Straße. Ein einzelner Reisender auf der Heimreise. Wie sich das wohl anfühlt, dort, so ganz allein? Bist du verwirrt, von dieser großen, leeren Weite? Überwältigt vielleicht sogar? Verstehst du die Welt nicht mehr, durch die du reist, mit deinem ganzen Leben?

Ich glaube, wir können dich gut verstehen--auch wenn unsere Welt ganz anders ist als deine. Die menschenleere Gegend deiner Zeit heißt heute "Gazastreifen". Sie ist nur einer der vielen Orte, wo wir die Welt nicht mehr verstehen. Wo du alleine bist und dir keiner die Welt erklärt, da haben wir eher ein zu viel an Welterklärern. Wir wissen schon gar nicht mehr, auf welche der unzähligen Stimmen wir hören sollen. Am Ende lässt uns das genau so allein zurück, wie du es warst. Wer hilft uns denn? Wer lässt uns verstehen? Wer zeigt uns den Weg?

Wir sind mit dir auf dem Weg in der Wüste. Wir sehen uns nicht. Wir sind genauso allein hier wie du. Mit unseren Fragen.

Du warst auf der Suche. Bis nach Jerusalem hat sie dich geführt--ein weiter Weg von deinem Land weit im Süden, in Afrika. Das war es dir wohl wert, um Antworten zu finden. Gebetet hast du dort, mit den vielen anderen, zu dem einen Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Ob du bei ihm Klarheit finden würdest? Du, ein Fremder unter seinem Volk?

Noch bist du ratlos, bist auf der Suche. Jerusalem war nicht das Ende deiner Reise. Du kehrst zurück, mit Schriften im Gepäck. Vielleicht hilft das dir, zu verstehen.

Das Lesen allein bringt auch keine Antwort. Nur neue Fragen. Wer wird sie dir beantworten? Wirst du am Ende noch ratloser sein?

Ganz sicher nicht! Wir kennen ja das Ende schon. Am Ende setzt du deinen Weg voller Freude fort.

Das wollen wir auch tun. Freude, statt nur Leere, Einsamkeit und Fragen. Wo kann man sie finden, diese Freude? Bei dir, auf der menschenleeren Straße?

Du bist dort nicht mehr allein. Ein Mann ist dir begegnet. Philippus heißt er. Was er dort macht, in der weiten Einsamkeit? Gott hat ihn zu dir geschickt! Sein Geist hat ihn hierher getrieben. Er hat eine Botschaft dabei. Eine, die du hören musst. Am Ende wirst du dich dann freuen.

Mit dem, was Philippus dir erklärt, macht das, was du gelesen hast, plötzlich Sinn. Du verstehst das Eine, was man im Leben verstehn muss: "die Gute Nachricht von Jesus". Wir bei uns in der Kirche haben ein Wort dafür: Evangelium. "Gute Nachricht" heißt das ganz einfach, übersetzt, oder: Freudenbotschaft. Kein Wunder, dass du dich am Ende freust.

Philippus erzählt dir von Gott, der dich liebhat. Dich und alle seine Menschen. Er will nicht, dass du ein verzweifeltes Leben in der Leere führst. Dazu hat er dich nicht geschaffen. Er will ein Teil sein deines Lebens. Er will dabei sein, bei allem, was du tust. Er will dich begleiten und unterstützen und bewahren und liebhaben. Dich aufrichten, wenn du am Boden bist. Dich stützen, wenn dir die Kraft fehlt. Dir den guten Weg zeigen, wenn du zweifelst und nicht weiterweist. "Segen" nennen wir das. Er will dich segnen--mehr als du dir das vorstellen kannst. Durch Jesus, von dem Philippus dir erzählt, gibt er dir nämlich das, was du selbst nicht finden kannst. Leben. Nicht nur Atmen. Nicht nur Existieren. Sondern: Echtes Leben. Von einer neuen Qualität. Leben von Gott. Von Ewigkeit her. "Ewiges Leben". Selbst der Tod kann dem nichts mehr anhaben. Es ist das Leben Jesu, seines Sohnes, selbst, das Gott mit dir teilt. Und der ist -- "für uns", das ist die Freudenbotschaft -- schon durch den Tod gegangen. Am Ende hat das Leben gesiegt. Er ist auferstanden. Wahrhaftig auferstanden! Unerschütterliches Leben von Gott selbst, zu ihm gehörig, mit ihm an deiner Seite. Das will dir Gott geben.

Das sieht ganz anders aus als das, was du selbst gefunden hast auf deiner leeren Straße.

Und dann wird es ganz persönlich: Gott selbst spricht dir das alles zu. Dir: "Fürchte dich nicht! Siehe, ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen!" Kannst du ihn hören, tief in dir, wie er deinen Namen spricht. Deinen Namen! Weil du ihm so wichtig bist: "Du bist mein!" (nach Jesaja 43,1). Dir sagt er: "Ich bin bei dir, alle Tage, bis an der Welt Ende!" (nach Matthäus 28,20). Dir ganz persönlich!

Natürlich hörst du ihn nicht reden, mit deinen Ohren. Genausowenig, wie wir das tun. Philippus hat dir das gesagt--begleitet von einem Zeichen. Wasser, das steht für Reinigung, für neuen Anfang, für das Leben, das Gott dir schenkt. Dort, in der kargen Gegend, kann man das gut verstehen. Das wolltest du auch, unbedingt. Als du die Freudenbotschaft hörtest, konntest du an nichts mehr anderes denken. "Dort ist eine Wasserstelle. Spricht etwas dagegen, dass ich getauft werde?" Als du aus dem Wasser herauskommst, ist nichts mehr, wie es vorher war. Neues Leben! Freudig ziehst du jetzt deines Wegs! Gottes Zusage hat alles verändert.

Wir sind immernoch, wo wir vorher waren. Irgendwie kommt uns das alles bekannt vor. Wir haben das nämlich alles auch schon gehört. Nicht Philippus, aber andere, die nach ihm kamen, haben uns die gute Nachricht erzählt. Das haben Freudenbotschaften so an sich: Sie breiten sich aus. Man muss sie einfach weitersagen.

Uns hat man auch gesagt, dass Gott uns liebt. Dass wir zu ihm gehören. Dass er uns segnet, immer begleitet und mit uns das Leben seines Sohnes Jesus teilt. Mit dem Zeichen des Wassers haben wir in der Taufe sein Versprechen bekommen. Eine Freudenbotschaft!

Für die meisten von uns ist das lange her. Längst sind wir seither unsere Lebenswege weitergegangen--Gott immer an unserer Seite. Nur nehmen wir das ganz oft gar nicht wahr. Weil wir ihn nicht sehen können und die Umstände des Lebens dafür um so klarer, gerät sein Versprechen an uns oft in Vergessenheit. Dabei bräuchten wir das doch gerade in den langen, leeren Weiten des Lebens, mit ihren Fragen und Zweifeln, da wo uns Orientierung fehlt. Gerade da müssten wir uns doch an ihn anlehnen können. Auf ihn vertrauen, dass er den guten Weg mit uns geht. "Glauben" würde man das nennen, dieses vertrauensvolle Durchs-Leben-Gehen an seiner Seite.

Deshalb brauchen wir immer wieder neu Menschen, die uns daran erinnern. Menschen, die wie Philippus Freudenbot:innen für uns werden. Menschen, die uns ins Gedächtnis rufen, was wir sonst zu leicht vergessen: die gute Nachricht von Jesus. In der Kirche hören wir immer wieder davon--zuletzt vor ein paar Minuten, bei der Taufe von Max und Emil. Jedes Mal können wir diese Freudenbotschaft nicht nur für die anderen hören--für Max und Emil, und die, die sonst getauft werden. Die gute Nachricht wird für uns zur Tauf-Erinnerung: Das gilt ja auch mir! Das hat Gott ja auch mir versprochen. Er hat ja auch meinen Namen gerufen! Am Ende des Gottesdienstes können wir dann wieder gestärkt und freudig in unseren Alltag gehen.

Aber manchmal ist selbst die Zeit zwischen zwei Gottesdienstbesuchen viel zu lange. Das ist sogar bei Menschen so, die jede Woche zur Kirche gehen. Der Alltag zwischendurch kann ganz schön an dieser Freude zehren. Ein schlauer Mann namens Martin Luther--in Nebringen hängt sein Bild vorne in der Kirche--hat einmal gesagt, man müsse "täglich in die Taufe zurückkriechen". Mit anderen Worten: Jeden Tag braucht es neu die Erinnerung an Gottes Versprechen. Damit ich mich darauf verlassen kann ("Glaube"--ihr erinnert euch?).

Da bleibt nur eins: Wir müssen einander gegenseitig erinnern. Das könnten wir noch tun! Das ist die Aufgabe, die für Max und Emil heute ihre Pat:innen übernehmen. Vielleicht müssen wir lernen, für einander "Pat:innen" zu sein. Einander Freudenbot:innen zu werden--eine stetige Erinnerung, in Wort und Tat ("mit Herzen, Mund und Händen") an das, was Gott uns versprochen hat.

Fürchte dich nicht!Siehe, ich habe dich erlöst.Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.Du bist mein.Und ich bin bei dir, alle Tage, bis an der Welt Ende.

Dann können wir uns miteinander freuen.

Amen.

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Christoph predigtBy Christoph Fischer


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