Vom neuen Götzen
Untertitel: Der Staat als Feind des Individuums
Geschichte: Zarathustra erklärt, was der "Staat" ist: das kälteste aller kalten Ungeheuer. Er lügt, wenn er behauptet, "Ich, der Staat, bin das Volk". In Wahrheit wurde er für die "Viel-zu-Vielen", die Überflüssigen, erfunden. Er lockt sie an, verschlingt die Individualität und dient den Predigern des Todes. Wo der Staat aufhört, beginnt erst der Mensch, der nicht überflüssig ist.
Aussage: Der Staat ist ein "neuer Götze", der an die Stelle Gottes getreten ist. Er ist eine anonyme Macht, die Konformität erzwingt, das Individuum erdrückt und die schöpferische Kraft lähmt. Der freie Geist muss sich vom Staat distanzieren, um seinen eigenen Weg zu gehen.
Von den Fliegen des Marktes
Untertitel: Die Flucht vor dem Lärm der Öffentlichkeit
Geschichte: Zarathustra rät seinem Freund, in die Einsamkeit zu fliehen. Der "Markt" (die Öffentlichkeit) ist voll von Lärm, giftigen "Fliegen" (kleinen, neidischen Menschen) und Schauspielern, die Ruhm suchen. Das Große geschieht abseits von Markt und Ruhm. Die giftigen Fliegen stechen den Einsamen aus Neid und Rache.
Aussage: Ein schaffender Geist muss sich vor der Öffentlichkeit und ihrer oberflächlichen Meinungsmache schützen. Der "Markt" ist ein Ort der Eitelkeit und des Neides, der wahre Größe nicht versteht und versucht, sie zu vernichten. Die Einsamkeit ist notwendig, um Großes zu schaffen.
Von der Keuschheit
Untertitel: Die Zweideutigkeit der Enthaltsamkeit
Geschichte: Zarathustra stellt fest, dass Keuschheit für einige eine Tugend, für viele aber beinahe ein Laster ist. Bei letzteren ist sie nur unterdrückte Sinnlichkeit, die sich neidisch in all ihrem Tun zeigt. Er rät jenen, denen die Keuschheit schwerfällt, davon ab, damit sie nicht zum Weg in die "Hölle" – zu "Schlamm und Brunst der Seele" – wird. Er rät nicht zur Tötung der Sinne, sondern zur "Unschuld der Sinne".
Aussage: Keuschheit aus Schwäche oder unterdrückter Lust ist wertlos und heuchlerisch. Sie führt zu psychologischer Vergiftung. Wahre Reinheit liegt in der "Unschuld der Sinne", einer natürlichen und nicht-neurotischen Haltung zur Sinnlichkeit, die frei von schlechtem Gewissen ist.