Immobilienmakler Calvin Linke über Bodenrichtwert, Sanierungskosten und das Budget der Käufer
Der Nachbar hat vor vier Jahren 100.000 Euro mehr bekommen.
Für Käufer lässt sich derselbe Preis heute oft nicht mehr finanzieren.
Warum die Ölheizung kein Ausschlusskriterium ist
Beim Verkauf eines alten Hauses entscheidet die Bausubstanz über den Preis. Calvin Linke schaut zuerst auf Keller und Feuchtigkeit, auf Dach und Dämmung, auf Fenster und Türen und auf die Heizung. Eine alte Ölheizung oder ein undichtes Dach sind dabei kein Ausschlusskriterium, sondern eine Rechenaufgabe. Entscheidend ist, ob die Kosten im Kaufpreis schon berücksichtigt sind oder ob der Käufer sie später überraschend selbst trägt.
Der Wunschpreis trifft auf die Monatsrate
Genau daran scheitern viele Verkäufe. Viele Eigentümer orientieren sich am Preis, den der Nachbar vor vier oder fünf Jahren bekommen hat. Calvin Linke rechnet über Quadratmeterpreis, Bodenrichtwert und Abschläge für anstehende Sanierungen und dreht die Perspektive um: Bei 400.000 Euro Objektwert, vier Prozent Zins und zwei Prozent Tilgung liegt die monatliche Belastung bei rund 2.000 Euro, und zwar bevor geheizt, saniert oder Strom bezahlt ist. Wer 700.000 oder 800.000 Euro für ein unsaniertes Einfamilienhaus aufruft, findet dafür schlicht keinen Käufer, der die Finanzierung darstellen kann.
Der Verkauf beginnt vor dem Inserat
Der zweite große Hebel sind die Unterlagen. Grundbuchauszug, Energieausweis und eine saubere Wohnflächenberechnung mit ordentlichen Grundrissen sind heute Pflicht, handgezeichnete Pläne akzeptiert keine Bank mehr. Dazu kommen alte Rechnungen und eine Modernisierungsliste. Und Calvin Linke erzählt, wie oft er bei Anbauten und Nebengebäuden auf Schwarzbauten stößt, die nachträglich genehmigt oder im schlimmsten Fall zurückgebaut werden müssen.
Was Käufer falsch kalkulieren
Für Käufer hat er zwei klare Empfehlungen: Bausubstanz vorab von jemandem vom Fach prüfen lassen und die Sanierungskosten ehrlich kalkulieren. Wer mit 30.000 oder 40.000 Euro plant, verschätzt sich bei Dach, Dämmung und Heizung schnell um einen sechsstelligen Betrag. Und wenn das Haus beim Kauf nicht bezugsfertig ist, kommt die Doppelbelastung aus Miete und Kreditrate obendrauf.
Große Sanierungsarbeiten vor dem Verkauf lohnen sich für die meisten Eigentümer nicht. Calvin Linke rät zu etwas anderem, das einen Bruchteil kostet.Aus 400.000 Euro Objektwert werden rund 2.000 Euro im Monat, ohne Heizung und Strom. Bei einem unsanierten Haus für 800.000 Euro sind es rund 4.000 Euro.Wer an mehreren Stellen jeweils 5.000 Euro zu knapp kalkuliert, verschätzt sich am Ende um einen sechsstelligen Betrag. Schon bei der Garage geht es los.Du willst keine Folge mehr verpassen? Dann abonniere „Fundament & Finanzen" bei Spotify, Apple Podcasts oder auf YouTube und hinterlasse gerne eine Bewertung. Das hilft anderen Eigentümern, den Podcast zu finden.
Calvin Linke, Immobilienpartner SachsenZum Ratgeber-Blog von Calvin LinkeZum Verkaufsleitfaden von Immobilienpartner SachsenMehr rund um Immobilien und FinanzierungFAQ: Altes Haus verkaufen und kaufen
Welche Unterlagen braucht man für den Verkauf eines alten Hauses?
Du brauchst einen aktuellen Grundbuchauszug, einen Energieausweis, eine Wohnflächenberechnung und ordentliche Grundrisse. Handgezeichnete Pläne reichen nicht mehr. Alte Rechnungen, eine Modernisierungsliste und bei Bedarf eine Baulastenauskunft schaffen zusätzliche Sicherheit.
Welche Kosten werden beim Kauf eines alten Hauses oft unterschätzt?
Vor allem Dach, Dämmung, Heizung und Nebengebäude wie Garagen. Wer an mehreren Positionen jeweils 5.000 bis 10.000 Euro zu knapp ansetzt, liegt am Ende schnell um einen sechsstelligen Betrag daneben.
Sollte man vor dem Verkauf noch umfassend sanieren?
Für private Eigentümer lohnt sich das in der Regel nicht. Käufer eines sanierungsbedürftigen Hauses wollen ohnehin ihre eigenen Vorstellungen umsetzen. Eine gepflegte Außenanlage und ein bewohnbarer Eindruck bringen beim Preis mehr als eine teure Sanierung.
Was sollten Käufer vor der Entscheidung prüfen?
Lass die Bausubstanz von jemandem vom Fach ansehen und prüfe, ob für Anbauten und Nebengebäude Genehmigungen vorliegen. Kalkuliere Sanierungskosten und Bauzeit ehrlich und rechne die Doppelbelastung aus Miete und Kreditrate mit ein, falls das Haus nicht sofort bezugsfertig ist.
Calvin Linke ist Immobilienmakler bei Immobilienpartner Sachsen in Dresden. Er begleitet Eigentümer bei der Wertermittlung und beim Verkauf und vermittelt zwischen Verkäufern und Kaufinteressenten. Auf seinem Ratgeber-Blog schreibt er über seinen Makleralltag.