Akazienzendo Podcast

Genau so, wie es ist


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Bernd Bender, Dharma-Vortrag am 21. Dezember 2025, Zen-Tag im Akazienzendo, Berlin

Wie praktizieren wir mit Scheitern? Etwa dann, wenn wir hinter unsere „Standards“ als Zen-Praktizierende zurückfallen? Oder anders gefragt, wie ein Mönch den Meister Baozhi: „Was geschieht, wenn eine erleuchtete Person in Verwirrung gerät?“ Baozhis Antwort: „Ein zerbrochener Spiegel spiegelt keine Bilder mehr. Gefallene Blüten steigen nur selten zurück in den Baum.“
Bernd beginnt seinen Vortrag mit dieser Zen-Geschichte aus dem 8. Jahrhundert und macht drei Ebenen aus, auf denen sie verstanden werden kann. Moralisch gelesen fordert sie dazu auf, sich unheilsamer Geisteszustände und Handlungen zu enthalten. Auf einer nicht-dualistischen Ebene versteht sie Dōgen Zenji, der im Kapitel Daigo seines Shōbōgenzō auf die Geschichte Bezug nimmt, und der hervorhebt, dass Erleuchtung und Verblendung als zwei Aspekte der Erfahrung des Hier und Jetzt angesehen werden müssen. Bernd wiederum geht in mehreren Anläufen der Frage nach, was uns Baozhi und der Mönch über unsere Praxis im Alltag lehren können. Zur Sprache kommen dabei sowohl die oft herausfordernde Einsicht in die Alternativlosigkeit unserer unmittelbaren Erfahrung, als auch der unüberschaubare Reichtum an Ursachen und Bedingungen, auf deren Grundlage alles, was unsere Erfahrung ausmacht, in die Lebendigkeit tritt. Hierbei werden auch die „Landkarten“ des menschlichen Bewusstseins besprochen, die uns die Yogachara-Schule an die Hand gibt, um unsere Erfahrung tiefer und tiefer zu verstehen. All dies macht deutlich: Praxis ist keine safe zone. Vielmehr macht sie uns mit der Unbeständigkeit und tiefen Komplexität jedes Moments vertraut. Ob Spiegel der Erleuchtung oder Scherben im Geist, die Haltung des Zazen gibt uns die Kraft, unsere Erfahrung, genau so wie sie ist, zuzulassen.

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