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Der Gerinnungssystem im Kindesalter, vor allen in den ersten Lebensmonaten, befindet sich in der Entwicklung („Developmental Hemostasis“). Es besteht ein eingeschränktes prothombotisches (u.a.Vit K-abhängige Faktoren) Potential, sowie verminderte Thrombozytenfunktion aber auch ein eingeschränktes antikoagulatorisches bzw. fibrinolytisches Potential. Der Fibrinclot bei Neugeborenen ist dünner und hat eine geringere dreidimensionale Struktur. Grundsätzlich gilt jedoch: Es handelt sich um ein unreifes, fragiles - aber kompetentes Gleichgewicht. Ab ca. dem 6. Lebensmonat entsprechen die Gerinnungswerte die, des Erwachsenen.
Wann bluten Kinder perioperativ? Selten! Relevante Operationen beinhalten Transplantationen (bspw. Leber), herzchirurgische Eingriffe, sowie Craniofaziale und orthopädische Eingriffe. Traumatologische Eingriffe bei Kindern brauchen häufig keine Transfusionen (nur 5-15%). Die Hälfe aller Transfusionen bei Kindern werden dabei gar nicht im perioperativen/chirurgischen Setting gegeben, sondern in der Onkologie/stationärem Setting.
Kinder sind häufiger von Komplikationen nach Bluttransfusionen betroffen. Während Erwachsenen etwa bei 13/100.000 EKs betroffen sind, sind es bei Kindern <1LJ schon 37/100.000 EKs. Siehe SHOT-Summary (1). Die kritische Transfusionsmenge liegt bei etwa 40ml/kgKG, danach Steigen Komplikationen wie die postoperativen Infektionen und es zeigt sich eine erhöhte Mortalität nach Operationen (non-cardiac) (2).
Präoperative Abklärung mittels Anamnese und bei Bedarf Labor. Eine präoperative Anämie soll i.S. eines PBM behandelt werden, dabei ist die Eisenmangelanämie die häufigste Ätiologie. Eine Therapie mit Eisensubstitution und/oder EPO soll bei Bedarf durchgeführt werden.
Eine gezielte perioperative Gerinnungssubstitution mittels VET-/POC-Algorithmus soll durchgeführt werden.
Laut ESA Guidelines: Keine Empfehlung bei hämodyn. Stabilen Kindern mit einem Hb > 7 g/dl und Transfusionszielt von 7-9 g/dl.
TXA: Empfehlung zur perioperativen „Prophylaxe“ bei blutungsreichen Eingriffen. Dosierung bspw: 10mg/kg Loading über 10 Min anschl. 5 mg/kg/h (3). TXA kann auch lokal aufgetragen werden oder vernebelt werden. (Post-TE Blutung bspw)
Fibrinogen: ESA: ab MCF im FIBTEM < 7 mm od. < 150-200 mg/dl Gabe von 30-50 mg/kg. Jedoch verschiedene VET-Trigger untersucht, frühzeitiger Trigger scheint wahrscheinlich sinnvoll. Bspw. „Rule of 10 in 10“ (A10 < 10mm) Dosierung: 30 – 50 mg/kg über 10 min. (30 mg/kg hebt FIBTEM MCF ≈ 4 mm und 50 mg/kg hebt FIBTEM MCF ≈ 7 mm). Im Falle einer Massivblutung (Fbg < 100mg/dl) kann erwogen werden gleich 100 mg/kg zu geben.
Faktor XIII: Keine Empfehlung durch ESA. Jedoch Früher Abfall bei blutungsreichen OPs. Bei einer Aktivität < 30 - 60 % kann eine Substitution mit 15-20 IE/kg erwogen werden. Auch eine prophylaktische Gabe kenn erwogen werden (bspw. 20 IE/kg), wenn keine Verbesserung der MCF im FIBTEM nach Fbg-Gabe erfolgt und die Blutung weiterhin besteht.
Autotransfusion: Herkömmliche Geräte brauchen häufig zu hohe Mindestvolumina. Es gibt jedoch System die auch geringe Blutvolumina aufbereiten können. (CATSplus System)
Erythrozytenkonzentrate: Nur leukodepletierte EKs (siehe TRIM) ! Bis zum 6. LM bestrahlt. Möglichst „frische“ EKs (<100h alt) und wenn möglich wenn möglich kleine Einheiten von Blutprodukten vom gleichen Spender bestellen. Dosierung: 5ml/kg erhöhen den Hb um ca. 1 g/dl. Gewichtsadaptierte Formeln stehen zur Verfügung, <20 kg: Calculate using formula: mL = wt (kg) x 0.5 x Hb (g/L) rise (desired Hb – actual Hb).
Thrombozytenkonzentrate: Unterschiedliche Grenzwerte in der Literatur und Empfehlungen vorhanden. Grundsätzlich gilt eine restriktive Transfusionsstrategie.
FFPs: Unklare bzw. negative Datenlage vorhanden bei Neonaten zu: Prävention von ICH, Volumentherapie und Korrektur von „pathologischen“ Gerinnungstests. FFPs sollte dementsprechend nicht als Volumentherapie verabreicht werden. Eine Dosierung 10-15 ml/kg ist zu wenig für eine effektive Gerinnungstherapie.
Angaben und Empfehlungen hinsichtlich klinischer Handlungen und Maßnahmen, sowie über Dosierungen, Applikationsformen und Indikationen von pharmazeutischen Spezialitäten, müssen vom jeweiligen Anwender auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Trotz sorgfältiger Prüfung, übernehmen die Ersteller dieses Podcasts keinerlei Haftung für inhaltliche Fehler. Dieser Podcast ersetzt keine medizinischen Lehrbücher, Leitlinien, Fachinformationen oder eine ausführliche Literaturrecherche.
Homepage AG Gerinnung
Wir danken unseren Sponsoren für die finanzielle Unterstützung:
By Stefan Ulbing, Keith Asselborn, Daniel Laxar, Vincenz Scharner & Martin ZbiralDer Gerinnungssystem im Kindesalter, vor allen in den ersten Lebensmonaten, befindet sich in der Entwicklung („Developmental Hemostasis“). Es besteht ein eingeschränktes prothombotisches (u.a.Vit K-abhängige Faktoren) Potential, sowie verminderte Thrombozytenfunktion aber auch ein eingeschränktes antikoagulatorisches bzw. fibrinolytisches Potential. Der Fibrinclot bei Neugeborenen ist dünner und hat eine geringere dreidimensionale Struktur. Grundsätzlich gilt jedoch: Es handelt sich um ein unreifes, fragiles - aber kompetentes Gleichgewicht. Ab ca. dem 6. Lebensmonat entsprechen die Gerinnungswerte die, des Erwachsenen.
Wann bluten Kinder perioperativ? Selten! Relevante Operationen beinhalten Transplantationen (bspw. Leber), herzchirurgische Eingriffe, sowie Craniofaziale und orthopädische Eingriffe. Traumatologische Eingriffe bei Kindern brauchen häufig keine Transfusionen (nur 5-15%). Die Hälfe aller Transfusionen bei Kindern werden dabei gar nicht im perioperativen/chirurgischen Setting gegeben, sondern in der Onkologie/stationärem Setting.
Kinder sind häufiger von Komplikationen nach Bluttransfusionen betroffen. Während Erwachsenen etwa bei 13/100.000 EKs betroffen sind, sind es bei Kindern <1LJ schon 37/100.000 EKs. Siehe SHOT-Summary (1). Die kritische Transfusionsmenge liegt bei etwa 40ml/kgKG, danach Steigen Komplikationen wie die postoperativen Infektionen und es zeigt sich eine erhöhte Mortalität nach Operationen (non-cardiac) (2).
Präoperative Abklärung mittels Anamnese und bei Bedarf Labor. Eine präoperative Anämie soll i.S. eines PBM behandelt werden, dabei ist die Eisenmangelanämie die häufigste Ätiologie. Eine Therapie mit Eisensubstitution und/oder EPO soll bei Bedarf durchgeführt werden.
Eine gezielte perioperative Gerinnungssubstitution mittels VET-/POC-Algorithmus soll durchgeführt werden.
Laut ESA Guidelines: Keine Empfehlung bei hämodyn. Stabilen Kindern mit einem Hb > 7 g/dl und Transfusionszielt von 7-9 g/dl.
TXA: Empfehlung zur perioperativen „Prophylaxe“ bei blutungsreichen Eingriffen. Dosierung bspw: 10mg/kg Loading über 10 Min anschl. 5 mg/kg/h (3). TXA kann auch lokal aufgetragen werden oder vernebelt werden. (Post-TE Blutung bspw)
Fibrinogen: ESA: ab MCF im FIBTEM < 7 mm od. < 150-200 mg/dl Gabe von 30-50 mg/kg. Jedoch verschiedene VET-Trigger untersucht, frühzeitiger Trigger scheint wahrscheinlich sinnvoll. Bspw. „Rule of 10 in 10“ (A10 < 10mm) Dosierung: 30 – 50 mg/kg über 10 min. (30 mg/kg hebt FIBTEM MCF ≈ 4 mm und 50 mg/kg hebt FIBTEM MCF ≈ 7 mm). Im Falle einer Massivblutung (Fbg < 100mg/dl) kann erwogen werden gleich 100 mg/kg zu geben.
Faktor XIII: Keine Empfehlung durch ESA. Jedoch Früher Abfall bei blutungsreichen OPs. Bei einer Aktivität < 30 - 60 % kann eine Substitution mit 15-20 IE/kg erwogen werden. Auch eine prophylaktische Gabe kenn erwogen werden (bspw. 20 IE/kg), wenn keine Verbesserung der MCF im FIBTEM nach Fbg-Gabe erfolgt und die Blutung weiterhin besteht.
Autotransfusion: Herkömmliche Geräte brauchen häufig zu hohe Mindestvolumina. Es gibt jedoch System die auch geringe Blutvolumina aufbereiten können. (CATSplus System)
Erythrozytenkonzentrate: Nur leukodepletierte EKs (siehe TRIM) ! Bis zum 6. LM bestrahlt. Möglichst „frische“ EKs (<100h alt) und wenn möglich wenn möglich kleine Einheiten von Blutprodukten vom gleichen Spender bestellen. Dosierung: 5ml/kg erhöhen den Hb um ca. 1 g/dl. Gewichtsadaptierte Formeln stehen zur Verfügung, <20 kg: Calculate using formula: mL = wt (kg) x 0.5 x Hb (g/L) rise (desired Hb – actual Hb).
Thrombozytenkonzentrate: Unterschiedliche Grenzwerte in der Literatur und Empfehlungen vorhanden. Grundsätzlich gilt eine restriktive Transfusionsstrategie.
FFPs: Unklare bzw. negative Datenlage vorhanden bei Neonaten zu: Prävention von ICH, Volumentherapie und Korrektur von „pathologischen“ Gerinnungstests. FFPs sollte dementsprechend nicht als Volumentherapie verabreicht werden. Eine Dosierung 10-15 ml/kg ist zu wenig für eine effektive Gerinnungstherapie.
Angaben und Empfehlungen hinsichtlich klinischer Handlungen und Maßnahmen, sowie über Dosierungen, Applikationsformen und Indikationen von pharmazeutischen Spezialitäten, müssen vom jeweiligen Anwender auf ihre Richtigkeit überprüft werden. Trotz sorgfältiger Prüfung, übernehmen die Ersteller dieses Podcasts keinerlei Haftung für inhaltliche Fehler. Dieser Podcast ersetzt keine medizinischen Lehrbücher, Leitlinien, Fachinformationen oder eine ausführliche Literaturrecherche.
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