Mehr als 700 Tage verbrachte die Frau Osanna Abe aus Schmalkalden im Gefängnisturm von Schloss Wilhelmsburg. Eine lange Zeit voller Angst, Ungewissheit und der Frage, wie ihr Leben weitergehen würde. Was ihr vorgeworfen wurde, erscheint uns heute unvorstellbar: Sie sollte eine Hexe sein. Doch hinter solchen Fällen stehen keine Geschichten aus einer fremden Fantasiewelt, sondern reale Schicksale von Menschen aus unserer eigenen Region. Menschen, die plötzlich mit Verdächtigungen konfrontiert wurden, ihren guten Ruf verloren und in eine Spirale aus Anschuldigungen und Ausgrenzung gerieten. Die Hexenverfolgung erzählt deshalb nicht nur von alten Vorstellungen über Magie und Aberglauben. Sie erzählt auch von Angst, von Vorurteilen, von der Macht von Gerüchten und davon, wie schnell eine Gemeinschaft jemanden zum Außenseiter machen kann.
Nicht nur Schmalkalden war Teil dieser Geschichte. Viele Spuren dieser Zeit finden sich heute in Archiven und historischen Quellen wieder. Sie zeigen uns, wie Menschen damals lebten, dachten und handelten – und sie werfen gleichzeitig Fragen auf, die bis heute aktuell sind.