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Meine Tochter wollte, dass ich ihr eine lustige Geschichte über "furzen" erzähle. Und dann haben wir uns zusammen diese Erzählung über das Erwachsenwerden ohne den kindischen Spaß zu vergessen, ausgedacht - und hier nun auch noch der Text, falls Ihr die Geschichte selbst vorlesen oder vielleicht mitlesen wollt:
Der Gefurztag
Das Beste an Geburtstagen in Milas Familie ist der Ohne-wenn-und-aber-Wunsch. Morgens, direkt nach dem Aufwachen, darf sich das Geburtstagskind etwas wünschen – und keiner darf „Nein!“ sagen. Es gibt nur eine Bedingung: Der Wunsch darf kein Geld kosten. Mila überlegte schon wochenlang, was sie sich wünschen will. Endlich ist ihr Geburtstag da! Die ganze Familie schleicht sich an ihr Bett, weckt sie und fragt gespannt: „Na, Mila, was ist dein Ohne-wenn-und-aber-Wunsch?“ „Heute feiern wir… Gefurztag!“ ruft Mila und strahlt über das ganze Gesicht. Mama, Papa und ihr kleiner Bruder gucken sie verdutzt an. Mama fragt vorsichtig: „Ähm, und was ist ein Gefurztag?“ „Ganz einfach!“ erklärt Mila fröhlich. „Jeder muss in jedem Satz das Wort ‚Furz‘ oder ‚furzen‘ benutzen!“ Mama verdreht die Augen, aber Mila lacht schon: „Und damit das heute richtig gut klappt, äh furzt, gibt es zum Frühstück Bohnen und Sauerkraut!“ Ihr kleiner Bruder klatscht in die Hände: „Oh ja, und dazu Gefurzgurken!“ Papa schüttelt den Kopf und versucht ernst zu bleiben. „Na gut. Dann auf zum… Gefurztagsfrühstück!“
Als sie gerade den Küchentisch decken, klingelt es. Papa öffnete die Tür und vor ihm steht der Postbote mit einem Paket in der Hand: „Guten Morgen, ich habe hier ein Paket für Sie! Wie geht es Ihnen?“ Papa dreht sich nervös zu Mila um. Sie nickt. Also sagt er zum Postboten: „Guten Morgen, äh… ich habe heute noch nicht gefurzt, aber sonst geht's mir gut. Und Ihnen?“ Der Postbote sieht Papa erstaunt an und stottert: „Äh… was haben Sie da gerade gesagt?“ „Äh warten Sie furz!“ Papa eilt zurück in die Küche. Der Postbote schüttelt verwirrt den Kopf und geht schnell zurück in seinen Wagen. „Das war furz-peinlich!“ ruft Papa. Die Familie bricht in schallendes Gelächter aus, bis plötzlich das Telefon klingelt. Papa nimmt ab. Am anderen Ende der Leitung ist sein Chef: „Herr Funke, ja, heute ist ihr freier Tag, aber wir brauchen Sie heute dringend in der Firma. Können Sie bitte kommen?“ Papa zögert. Dann murmelt sie: „Äh… leider habe ich Furzeritis!“ „Furzeritis?“ fragt sein Chef verwirrt. „Ja, ähm… ich meine Bronchitis. Äh, und bei einem Furz, äh Sturz… hab ich mir den Knöchel verstaucht!“ Er legt schnell auf und seufzt: „Oh man, das wird ja immer furz-peinlicher!“ Mila und ihr Bruder lachen so sehr, dass sie fast vom Stuhl fallen. „Und was furzen wir jetzt?“ fragt Mila.
„Wie wär’s mit einem Furz-Reim-Wettbewerb?“ ruft ihr kleiner Bruder begeistert. Papa findet die Idee total toll: „Ich fange an: Egal, ob lang oder kurz, ich mag einen guten Furz!“ „Ich hab auch einen!“ ruft Mama. „Als Kurt zu Besuch, also bei Kurts Besuch kam, furzte er und… ähm…“. „Das reimt sich ja gar nicht“ beschwert sich Mila, und plötzlich fängt Papa an zu jubeln, und feiert sich selbst: „Furz-Papa hat gewonnen!“ Er rennt eine Ehrenrunde um den Tisch und sagt dann: „Jetzt habe ich auch eine Idee für ein Furz-Spiel!“ Er reibt sich die Hände. „Furze-Raten! Ich hole nur mal schnell also kurz, äh furz die Seifenblasen-Seife?“ Als er wieder zurück in der Küche ist, stellt er die Seifenblasen-Seife auf den Tisch. Milas Mama schüttelt da bereits mit dem Kopf. „Ich weiß jetzt schon, dass das eine blöde Idee, sozusagen ein Kopffurz ist.“ Milas Papa stellt schnell vier Gläser auf den Tisch und gießt die Seife in sie. Dann stellt er noch Erbsen, Bohnen, Linsen, Weißkohl, Rosenkohl, Wirsing, Knoblauch, Lauch und Zwiebeln auf den Tisch. „So …“, noch bevor er erklären kann, wie das Spiel geht, verdreht Mila die Augen und zeigt ihm einen Vogel. „Nein Papa, wir trinken jetzt hier nicht Seifenblasenseife und machen dann ein Seifenblasen-Furze-Raten! Nein Papa, Du bist furzekelig und total kindisch!“ Papa lacht.
Milas Bruder schlägt noch vor, dass Sie nun doch versuchen könnten ein Geburtstagslied zu furzen, aber da winkt Mila schon ab. „Ich will jetzt lieber meinen Geburtstagskuchen!“ „Du meinst, Deinen Geburtstagskuchen“, wirft Milas Mutter ein. „Einen schönen Schokokuchen mit weißen, roten, blauen und braunen Bohnen zum Furzen!“ Mila grinst mit ihrem ganzen Gesicht. „Nein, einen ganz normalen Geburtstagskuchen mit Schokolade und bunten Streuseln!“ Sie umarmt ihre Eltern und winkt auch ihren Bruder herbei. „Das war ein schöner Gefurztagmorgen – aber jetzt reicht‘s, jetzt feiern wir zusammen meinen Geburtstag, ganz normal!“ Und als sie die Kerzen ihres Geburtstagskuchens auspustet, hat sie auch schon eine Idee, was sie sich im nächsten Jahr wünschen wird: „Nächstes Jahr feiern wir dann einen Gerülpstag!“
Die Rechte an der Aufnahme und der Geschichte liegen bei Till Magnus Steiner (Kontaktmöglichkeit via E-Mail: [email protected])
Meine Tochter wollte, dass ich ihr eine Geschichte über "Prinzessinen und ein Bärenbaby" erzähle. Daher haben wir uns zusammen diese Erzählung über Freundschaft und Eltern, denen man manches Problem erst erklären muss, ausgedacht - und hier nun auch noch der Text, falls Ihr die Geschichte selbst vorlesen oder vielleicht mitlesen wollt:
Das Bärenbaby
Es gab eine klare Regel zwischen den beiden Prinzessinnen: Sophia und Bella teilten all ihre Spielzeuge und verbrachten all ihre freie Zeit miteinander, aber mit dem Bärenbaby von Bella durfte Sophia niemals spielen.
Die beiden waren die besten Freundinnen und zu ihrem großen Glück standen ihre Schlösser direkt nebeneinander; sodass sie alles den ganzen Tag lang zusammen machen konnten. Erst am Abend mussten sie sich trennen, wenn jede von ihnen in ihrem eigenen Schloss ins Bett gehen musste. Kurz vor dem Schlafengehen winkten sie sich dann immer von ihren Kinderzimmern einander zu. Und dann trafen sie sich jeden Morgen direkt wieder, um gemeinsam zur Schule zu gehen.
Aber es ärgerte Sophia sehr, dass sie nie mit dem so süßen kleinen Babybären spielen durfte. Täglich fragte sie: „Darf ich vielleicht heute mit deinem Bärenbaby spielen? Es ist so süß.“ Doch Bella wurde dann immer sauer und sagte: „Nein, auf keinen Fall!“ – und danach durfte Sophia nichts mehr über das Babybären sagen. Deshalb entschied sie eines Tages nicht mehr zu fragen, sondern einfach mit dem kleinen, süßen Bären zu spielen.
Sophia nahm nun ihren Pfeil und Bogen aus dem Schrank, knotete das eine Ende eines langen Seils, mit dem sie normalerweise Tauziehen spielten, an ihren schweren Kleiderschrank und das andere Ende an einen Pfeil. „Bella wird ein kleines Einschussloch an ihrem Kleiderschrank schon nicht bemerken“, flüsterte sie ganz leise zu sich selbst und schoss den Pfeil aus ihrem Kinderzimmer hinüber, durch das Fenster von Bellas Zimmer, und traf zwar nicht den Kleiderschrank, aber die Wand. Zur Probe zog sie nun einmal fest an dem Seil. Es hielt. Nun kam der schwierige und etwas gefährliche Teil ihres Plans. Mit beiden Händen hielt sie sich an dem gespannten Seil fest, schwang ihre Beine hoch und hangelte sich wie ein kleines Äffchen hinüber zum Bärenbaby. Es guckte sie etwas verwundert an, als sie plötzlich neben ihm stand. Es freute sich aber sehr, nicht mehr alleine spielen zu müssen und warf Sophia direkt seinen Ball an den Kopf. Die Beiden spielten nun, kuschelten und schliefen dann vor Erschöpfung auf dem großen Bett ein.
Aus ihrem tiefen Schlaf wurden sie aber bald schon gerissen, als die Tür knarrte, aufging und nun Bella hineinkam: „Sophia! Was machst Du hier?“ schrie sie vor Wut schnaubend. „Du gehst sofort hier raus, du darfst nicht mit dem Bärenbaby spielen!“ Sie griff nach der Hand ihrer Freundin, zog sie aus dem Zimmer heraus und knallte die Tür zu. Nun war auch Sophia sauer und schrie durch die verschlossene Tür hindurch: „Warum darf ich nicht mit diesem Bären spielen? Warum spielen wir nicht zusammen mit ihm?“ Bella stand auf der anderen Seite der verschlossenen Tür und schwieg. Sie war wütend, enttäuscht und traurig. Dass sie stumm blieb und die Tür nicht öffnete, machte Sophia noch wütender. Sie schlug gegen die Tür: „Du bist eine furchtbare Freundin!“ Bella fing an zu weinen: „Ich kann, ich darf es Dir nicht erzählen. Warum verstehst Du das nicht? Ich muss ihn beschützen.“
Bellas Eltern hörten den Lärm, das Geschrei und dass die beiden Prinzessinnen weinten. Sie eilten zu dem Kinderzimmer: „Was ist denn hier los?“ Beide Prinzessinnen weinten so bitterlich, dass sie ihnen gar nicht antworten konnten. Bellas Vater sagte mit strenger Stimme: „Öffne die Tür!“ Sie öffnete die Tür und rannte in seine Arme: „Sie versteht es einfach nicht! Schick sie nach Hause!“, bat sie ihren Vater mit einem Tränen überlaufenen Gesicht. Sophia stampfte wütend auf den Boden: „Sie lässt mich nicht mit dem Bärenbaby spielen!“ Bellas Mutter setzte sich auf das Prinzessinnenbett und winkte die beiden Mädchen zu sich. „Sophia, kannst Du ein Geheimnis für Dich behalten?“ Sophia nickte und schluchzte. „Bella, dann darfst Du Sophia unser Geheimnis erzählen.“ Bellas Eltern gingen aus dem Zimmer raus und die beiden Prinzessinnen waren allein. Gegenseitig wischten sie sich die Tränen aus dem Gesicht.
Bella umarmte ihre beste Freundin und flüsterte ihr ins Ohr: „Bei einem Spaziergang im Wald hörten meine Eltern und ich Schüsse. Plötzlich stand vor uns diese riesige Bärin. Wir standen ganz starr vor Angst. In ihren Tatzen hielt sich ihr kleines Baby fest. Wir hörten wieder Schüsse. Dann legte die Bärin ihr Baby in meine Hände. Dann verschwand sie im Wald. Ich gab meinem Vater das Bärenbaby. Er sollte es in seinem langen Mantel verstecken. Er sah mich an und sagte zu mir: ‚Nun bist du die Bärenbeschützerin.‘“ Bella umarmte Sophia noch stärker und wollte sie gar nicht mehr loslassen.
Sophia umarmte Bella genauso innig. Doch sie wunderte sich. „Ich verstehe das nicht. Warum darf ich nicht mit dem Bärenbaby spielen?“ Bella schluchzte laut: „Ich muss das Bärenbaby doch vor den Menschen beschützen!“ Da ließ Sophia ihre beste Freundin einfach allein im Zimmer stehen und ging weg. Bella wollte noch rufen: „Warte!“, aber da war die Tür schon wieder zu.
Zehn Minuten später kam Sophia mit ihren Eltern und Bellas Eltern zurück in das Zimmer von Bella. Sie nahm ihre Hand und zusammen hoben sie das Bärenbaby auf ihre Arme. Zu den Eltern sagte sie nun mit fester und klarer Stimme: „Ihr seid Könige und Königinnen. Wenn ihr redet, hören Euch die Menschen zu!“ Die Eltern standen stumm da – da ergriff Bella das Wort: „Ihr müsst das Bärenbaby beschützen! – Nicht ich! Das ist Eure Aufgabe!“; sie dachte kurz nach und forderte nun: „Es muss zurück zu seiner Mutter!“ Die Königinnen und Könige schauten sich verwundert an. Sophia schüttelte ihren Kopf: „Wisst Ihr denn nicht, was ihr tun müsst?“ Sie nickten mit den Köpfen und erklärten, dass fortan in ihren Königreichen, niemand mehr weder einen Bärenbaby noch eine Bärenmutter, und auch keinen Bärenvater jagen darf. Was wäre das auch für eine Welt, in der Eltern und ihre Kinder nicht sicher sind! – „Manchmal ist die Lösung doch ganz einfach!“ lachte Sophia. „Aber zu einfach für die Eltern, sodass man es ihnen erklären muss.“
Am Abend desselben Tages nahmen Bella und Sophia ein Zelt und gingen mit dem Bärenbaby in den Wald – dorthin, wo Bella die Bärenmutter das letzte Mal gesehen hatte. Drei Nächte und drei Tage zelteten sie dort und warteten. Ihre Eltern brachten ihnen Essen und Trinken und sagten immer wieder: „Jetzt kommt doch endlich nach Hause!“ Sie aber warteten und hofften, dass die Bärenmutter zurückkommen würde. In der vierten Nacht, als sie schliefen, wurden sie wach, als sie hörten, wie das Bärenbaby heulte. Die Nacht schien besonders dunkel zu sein, so als würde ein tiefer Schatten auf dem Zelt liegen. Doch dieser Schatten bewegte sich, er streichelte über das Zelt. Und das Bärenbaby sprang und rollte durch das Zelt. Bella und Sophia hingegen hatte Angst. Dann öffnete jemand von außen das Zelt und das Bärenbaby rannte hinaus. Bella und Sophia rannten hinterher und sahen wie die Bärenmutter und ihr Baby in den Wald verschwanden. Sophia legte ihren Arm auf die Schultern von Bella und rief in die Dunkelheit und den Wald hinein: „Ihr seid beschützt!“
Die Rechte an der Aufnahme und der Geschichte liegen bei Till Magnus Steiner (Kontaktmöglichkeit via E-Mail: [email protected])
Meine Tochter wollte, dass ich ihr eine Geschichte über "eine Schnecke und eine Ballerina" erzähle. Daher haben wir uns zusammen diese Erzählung über Ängste, die Freude am Tanzen, die beste Ballerina der Welt und einen Vater, der wild tanzt, ausgedacht; und hier nun auch noch der Text, falls Ihr die Geschichte selbst vorlesen oder vielleicht mitlesen wollt:
Der Schneckentanz
Bella war die beste Ballerina der Welt – aber nur, wenn sie allein in ihrem Kinderzimmer war und niemand sie sehen konnte. Beim Tanzen schaltete sie nie die Musik ein, damit bloß niemand mitbekommen konnte, dass sie tanzt. Am liebsten tanzte sie abends, wenn sie eigentlich ihre Hausaufgaben machen sollte – denn dann war sie sicher, dass niemand sie stören würde. Sie brauchte ja Ruhe, um ihre Hausaufgaben zu machen.
Sie legte also ihre Mathe-Bücher aufgeschlagen auf ihren Schreibtisch und daneben das Heft samt ihrem Etui. Sie setze sich hin, löste zwei Aufgabe – und dann sprang sie auf und tanzte mit vielen Sprüngen und Drehungen vergnügt durch ihr kleines Zimmer. Dieses Mal war sie jedoch nicht allein. Sie hätte ihn eigentlich sehen können, wie er dort zwischen den Blüten und Blätter im Blumenkasten auf der Fensterbank stand. Aber ihre Augen waren geschlossen und sie genoss jede ihrer Bewegungen. Nachdem sie sechs, sieben oder acht Pirouetten ganz schnell hintereinander gemacht hatte, war ihr so schwindelig vom Drehen geworden, dass sie auf ihren Popo fiel und ihre nun weit aufgerissenen Augen direkt in seine Augen blickten. Mittlerweile hing er schief am Fenster und streckte sein Fühler, an deren Enden seine Augen waren, direkt gegen das Glas. Bella schrie, aber nur ganz kurz und hielt sich dann doch noch schnell ihre Hände vor den Mund. Die Schnecke fiel vor Schock runter in den Blumenkasten. Bella ekelte sich vor Schnecken – sie waren für sie viel zu schleimig, labberig und glibberig. Nun sah sie die Schnecke nicht mehr, sondern nur zwei Fühler, die zwischen den Blumen sich in ihre Richtung streckten. „Guckst Du mich an?“, fragte Bella und die Schnecke nickte mit ihren Augen.
Bella sprang auf und öffnete das Fenster und nun hörte sie, wie die Schnecke ihre antwortete: „Du tanzt so wunderschön! Ich wünschte, ich könnte mich so bewegen wie Du, so springen und mich so drehen!“ Bella starrte die Schnecke an, sagte nichts und sah, wie die Schnecke ihren Körper sehr sehr langsam nach reeeeeeechts und dann zurück nach liiiiiiiinks bewegte – wie gesagt, sehr sehr langsam. „Siehst Du, wie ich tanze?“ fragte die Schnecke sie; da musste Bella laut lachen. „Nicht nett!“ sagte die Schnecke beleidigt und Bella tat es direkt leid. Obwohl sie sich eigentlich vor Schnecken ja ekelte, setze sie diese nun auf ihre Hand und begann mit ihr zu hupfen und sich zu drehen. Sie wollte ihr zeigen, wie schön es ist, zu tanzen. Vor Freude pfiff die Schnecke dabei eine Melodie, nach der nun Bella tanzte – und so tanzten sie zusammen, schlossen ihre Augen und genossen jede Bewegung. Bis sie auf einmal die Stimme von Bellas Vater hörten, der plötzlich mitten im Zimmer, direkt vor ihnen stand: „Oh Bella, wie schön Du tanzen kannst!“ Er streckte ihr seine Hände entgegen und wollte mit ihr tanzen – aber Bella drehte sich von ihm weg, verschränkte die Arme und setzte sich auf den Boden; so als ob sie beleidigt wäre. Aber sie war nicht beleidigt, sondern es war ihr unglaublich peinlich, dass ihr Vater sie tanzen gesehen hat. „Komm tanz doch mit mir!“, sagte ihr Vater und die Schnecke flüsterte ihr zu: „Ja, tanz doch mit ihm!“ – da wurde Bella sauer! „Niemand darf mich beim Tanzen sehen – das ist peinlich!“. Der Vater und auch die Schnecke waren verwundert: „Peinlich?“ fragten beide. Bella fiel in die Arme ihres Vaters, drückte sich ganz fest an ihn und weinte. Die Schnecke kroch Bellas Arm hinauf und hinterließ dabei eine ekelige Schleimspur, bis sie auf Bellas Schulter saß. Bella war das egal, sie drückte sich mit aller Kraft an ihren Vater, so als ob sie am liebsten in ihm verschwinden würde.
Die Schnecke pfiff nun die Melodie, zu der sie eben noch getanzt hatten in Bellas Ohr. Der Vater hörte sie, nahm Bella in ihren Arm und tanzte mit ihr durch den Raum. Zuerst wehrte sie sich und strampelte mit den Füßen., doch es gefiel ihr – und auch der Schnecke – wie ihr Vater mit ihr durch den Raum tanzte und dabei sang: „Damdadamdadada, Damdadamdadada.“ Es fühlte sich an, als würde sie fliegen. „Papa, ich will mit Dir tanzen!“ flüsterte sie ihm ins Ohr. Er warf sie in die Luft, nahm ihre Hände, sie landete mit ihren Füßen kurz vor ihm und nun tanzten sie gemeinsam: „Damdadamdadada, Damdadamdadada.“ – und am Ende ihres Tanzes umarmten sich beide ganz fest. Die Schnecke weinte vor Freude, denn es war ein so schöner Moment. „Willst Du vielleicht zu einem Tanzkurs gehen?“, fragte Bellas Vater und Bella bekam fürchterliche Angst. „Nein, ich will nicht, dass mich jemand tanzen sieht!“, „Aber du tanzt doch schon so schön!“ „Nein, auf keinen Fall!“ Einen Moment lang sagte daraufhin niemand etwas – in diesem Moment entdeckte der Vater die Schnecke auf Bellas Schulter.
„Ist das dein Tanzpartner?“ fragte er; und die Schnecke sagte zu Bella: „Ich will auch zu einem Tanzkurs!“ Da lachte der Vater: „Wollen wir beide zusammen zu einem Tanzkurs gehen?“ Die Schnecke antwortete: „Oh ja, sehr gerne!“ Der Vater sah sie verwundert an. „Eigentlich hatte ich ja Bella gefragt und nicht Dich!“ Bella lachte laut, die Schnecke seufzte – und der Vater wusste nun, was zu tun war: „Dann gehen wir eben alle zusammen zu einem Tanzkurs – und dort tanzen wir mit geschlossenen Augen, damit niemand sehen kann, wie schön wir tanzen!“ Dann nahm Bellas Vater die Schnecke auf die Hand und tanzte ganz wild durch das Zimmer und stieß dabei einen Stuhl um. „Papa, Du bist peinlich!“, lachte Bella – und am nächsten Tag gingen wirklich alle drei zusammen zu einem Tanzstudio und meldeten sich für einen Kurs an. Die anderen Kinder guckten etwas verwundert, dass ein erwachsener Mann und eine Schnecke mit ihnen fortan zusammen tanzten, aber das war Bella nun egal. Denn Bella liebt es zu tanzen, ganz egal, ob sie jemand dabei sieht oder nicht – und wenn sie heute auf den großen Bühnen dieser Welt als echte Ballerina vor tausenden von Menschen tanzt und plötzlich Angst bekommt, dann schließt sie ganz kurz die Augen. Und dann sieht sie in ihren Gedanken, wie ihr Vater mit der Schnecke durch ihr altes Kinderzimmer tanzt; und dann lacht sie kurz und tanzt voller Freude weiter.
Die Rechte an der Aufnahme und der Geschichte liegen bei Till Magnus Steiner (Kontaktmöglichkeit via E-Mail: [email protected])
Meine Tochter wollte, dass ich ihr eine Geschichte über "einen Affen und den Mond" erzähle. Daher haben wir uns zusammen diese Erzählung über Träume und Freundschaft ausgedacht, in der Ihr auch einem wackeligen Turm aus Tieren und vielen guten Freund begegnet.
…das Titelbild zu der Geschichte hat meine Tochter gemalt und hier nun auch noch der Text, falls Ihr die Geschichte auch mal selbst vorlesen oder vielleicht mitlesen wollt:
Der Affe und der Mond
Der Affe hatte gelernt, die Schlösser aller Türen und Tore im Zoo zu öffnen – wie er das geschafft hat? Tja, das wird nicht verraten – dieses Geheimnis hat er nur mit den anderen Tieren im Zoo geteilt. Es hatte etwas gedauert, bis er sich diesen Trick selbst beigebracht hatte, aber jetzt funktionierte es und er war seinem Traum ein Stück näher.
Nachts schaute er immer stundenlang in den Himmel und beobachtete den Mond, wie dieser am Nachthimmel entlang zog. „Ich will ihn von dort oben herunterholen und ihn mir aus der Nähe mal genauer angucken!“, dachte er dann immer – und um das zu schaffen, hatte er sich auch schon einen Plan ausgedacht. Eines Nachts schlich er hinüber zu den Giraffen. Sie sind die höchsten Tiere im ganzen Zoo. Ohne zu fragen, sprang er auf den Rücken der größten Giraffe, kletterte schnell den langen Hals hinauf und stand nun auf ihrem Kopf. „Ey, was soll das?“ schrie sie ganz erschrocken. Sie schwankte hin und her, da der Affe doch sehr schwer war. „Geh sofort runter von mir!“ Der Affe tat so, als hätte er sie nicht gehört und streckte sich mit seinem ganzen Körper dem Mond entgegen. Aber auch von dem Kopf einer Giraffe ist der Mond unerreichbar weit entfernt. Die Giraffe schüttelte nun ihren Kopf so stark, dass der Affe herunterfiel. Ihr selbst wurde davon so schwindelig, dass sie auch umfiel. „Kannst Du mir bitte mal erklären, was das sollte?“, fragte die Giraffe wütend. Der Affe antwortete ihr: „Ich will den Mond vom Himmel pflücken!“ Da lachte sie: „Der Mond ist doch kein Apfel, der an einem Baum hängt.“ Sie wollte ihm noch erklären, wie weit der Mond von der Erde entfernt ist: Selbst wenn sich alle Giraffen der Welt aufeinanderstellen würden, könnte die oberste Giraffe den Mond nicht berühren. Doch der Affe war bereits verschwunden.
Kurze Zeit später stand er dann plötzlich mit einem Elefanten wieder neben der Giraffe. Der Elefant schaute die Giraffe verwundert an: „Verstehst Du, was er will?“ Aufgeregt sprang der Affe hin und her: „Bitte, bitte!“, rief er, „Der Elefant ist das stärkste Tier im ganzen Zoo! Wenn also das höchste Tier auf dem Rücken des stärksten Tieres steht, dann schaffe ich es bestimmt hoch bis zum Mond!“ Die Giraffe verdrehte die Augen, aber sagte doch zum Elefanten: „Lass uns ihm den Gefallen tun.“ Mit Mühe und Not kletterte sie auf den breiten, grauen Rücken des Elefanten. Nun stand sie also etwas wackelig auf ihm. Der Affe sprang sofort vom grauen Po des Elefanten auf den gemusterten Rücken der Giraffe, kletterte an ihrem langen Hals hoch bis zum Kopf und stand wieder dort oben und war immer noch unendlich weit entfernt vom Mond. Frustriert ließ er sich auf seinen Po plumpsen und war enttäuscht. Während er nun so auf dem Kopf der Giraffe saß und schmollte, wollte die Giraffe gerade sagen, dass ihre Beine etwas wackelig auf dem Elefanten stehen – da geschah es. Die Giraffe fiel runter und mit ihr der Affe und beide lagen nun rechts und links vom Elefanten, der gar nicht verstand, was passiert war und sich einfach auch auf den Boden fallen ließ. Noch bevor die Giraffe und der Elefant wieder aufgestanden waren, war der Affe schon wieder weg. „Er wird es nie zum Mond schaffen!“, sagte die Giraffe und war deshalb sehr traurig.
Daher beschloss sie, ihm zu helfen, und ihm einen Mond zu schenken. Sie dachten sich einen sehr guten Plan aus. Sie war mit den Erdmännchen befreundet, die wiederum sehr enge Freunde mit den Löwen waren. Im Gehege der Löwen gab es einen großen Ball, mit dem sie früher manchmal gespielt hatten, der aber nun seit Wochen ungenutzt in der Ecke lag. Die Erdmännchen sollten fragen, ob sie sich den Ball ausleihen könnten und wenn ja, ihn dann zu dem Elefanten bringen. Der Zoowärter hatte ihm nämlich beigebracht mit seinem Rüssel und einem Pinsel Bilder zu malen. Er sollte den Ball so anmalen, dass er wie ein großer schöner Vollmond aussieht. Der Plan war sehr gut und er funktionierte auch. Aber gerade als der Elefant den Ball angemalt hatte – und er sah wirklich wie ein Mond aus - sahen alle Tiere im Zoo plötzlich, wie der Affe auf einer Rakete über ihren Köpfen in Richtung Mond flog. Er winkte ihnen freudig zu, während sie alle ihm ganz verwundert nachschauten. Während alle Tiere wie versteinert dastanden und nicht glauben konnten, was sie sahen, erhob sich der Adler und flog der Rakete hinter. Nach einiger Zeit waren der Affe mit seiner Rakete und auch der Adler so weit entfernt, dass man sie nicht mehr sehen konnte.
Als die Sonne wieder aufgegangen war und der Morgen begonnen hatte, kam der Adler zurückgeflogen und landete im Gehege der Giraffen. „Wo ist der Affe?“ fragte sie ihn. „Seine Rakete ist sehr weit geflogen“, erzählte ihr der Adler, „aber nicht weit genug. Er flog immer höher und höher und kam dem Mond immer näher. Dann aber fiel seine Rakete ganz plötzlich wie ein Stein in Richtung des Bodens. Ich konnte den Affen mit meinen Krallen im letzten Moment noch retten. Gerne hätte ich ihn hoch bis zum Mond geflogen, aber auch für mich ist der Mond viel zu weit entfernt. Daher landete ich mit ihm auf einem hohen Berg. Dort saßen wir dann und schauten schweigend den Mond an. Er sagte nichts – aber er sah glücklich aus. Als die ersten Sonnenstrahlen die Dunkelheit der Nacht erhellten sagte er dann doch etwas: ‚Ich habe es versucht! Ich habe es versucht!‘ Ich fragte ihn: ‚Bist Du enttäuscht?‘, und er schüttelte den Kopf: „Nein, denn ich habe es versucht.“ Ich breitete meine Flügel aus: ‚Es wird Zeit in den Zoo zurückzukehren.“ Aber er wollte nicht mit mir zurückfliegen. ‚Ich warte noch hier oben auf dem Berg, bis man den Mond nicht mehr sehen kann; und dann gehe ich wieder zurück nach Hause in den Zoo‘, sagte er zu mir und sah immer noch so glücklich aus – so habe ich ihn mit dem Mond alleingelassen und bin ich zurückgeflogen.“ Nachdem der Adler dies alles erzählt hatte, flog er zu den Erdmännchen, die mit dem Mond Fußball spielten: „Ihr müsst den Mond noch in das Gehege des Affen bringen, bevor er zurückkommt.“ Sie schauten ihn ganz verwundert an: „Wo ist denn der Affe?“ Da lachte der Adler: „Ganz nah am Mond, er ist ganz nah am Mond.“
Als der Affe wieder zurück zum Zoo kam. sah er schon von weitem dieses wunderschöne Geschenk – und er schnappte sich direkt den Ball, der wie der Mond aussah, und rannte hinüber zur Giraffe. Er warf ihr den Ball zu. „Ich komme gleich wieder! Pass gut auf den Mond auf!“ Wenige Minuten später zog er den Elefanten an seinem Rüssel herbei. Der Adler, der das alle vergnügt beobachtet hatte, kam nun auch herbeigeflogen – und er wusste direkt, was nun zu tun war. Er stibitze sich den Ball und flog mit ihm hoch über den Kopf der Giraffe. Sie lachte nur laut und sprang auf den Rücken des Elefanten, der sie dieses Mal mit seinem Rüssel stützte, damit sie nicht direkt wieder runterfalle. Vor lauter Freude machte der Affe erst einen Salto, dann sprang er auf den Po des Elefanten, kletterte schnell am Hals der Giraffe hoch und stand nun wieder auf ihrem Kopf. Der Adler flog so hoch, dass sich der Affe etwas strecken musste – aber er konnte nun tatsächlich den Mond, seinen Mond, aus den Krallen des Adlers vom Himmel pflücken. Darüber freute sich der Elefant so sehr, dass er mit seinem Rüssel ganz laut trompetete: „Törööööööööö!“ Dabei vergaß er aber ganz, dass er eigentlich ja mit seinem Rüssel die Giraffe stützte, deren Beine nun fürchterlich zu zittern anfingen. Da passierte es wieder: Die Giraffe und der Affe, der den Mond fest umarmte, fielen rechts und links vom Elefanten zu Boden. Und vor lauter Freude ließ sich auch der Elefant wieder fallen. Alle lachten laut. Der Adler ließ sich nun auch einfach fallen, plumpste auf den Bauch des Elefanten und rief: „Wir habt den Mond vom Himmel gepflückt!“
Die Rechte an der Aufnahme und der Geschichte liegen bei Till Magnus Steiner (Kontaktmöglichkeit via E-Mail: [email protected])
Meine Tochter wollte, dass ich ihr eine Geschichte über "ein Herz und eine Kastanie" erzähle. Daher haben wir uns zusammen diese Erzählung ausgedacht, in der ihr einem Mädchen mit einem großen Schulranzen und einer Kastanie mit einem starken Willen begegnet.
…das Titelbild zu der Geschichte hat meine Tochter gemalt und hier nun auch noch der Text, falls Ihr die Geschichte auch mal selbst vorlesen oder vielleicht mitlesen wollt:
Das Kastanienherz
Ein riesengroßer Kastanienbaum stand an einer kleinen Straße. Wenn man unter ihm entlangging und hinaufschaute, sah man anstatt des Himmels Tausende von Blättern und Hunderte von heranreifenden Kastanien. Eine dieser Kastanien hatte besonderes Glück. Denn alle Kastanien wuchsen in so einem stacheligen Schutzmantel heran, aber in ihrem war ein kleines Loch. Durch dieses Loch konnte sie die Welt um sich herum sehen. Jeden Morgen sah sie ein kleines Mädchen, dass manchmal mit ihrem Vater, manchmal mit ihrer Mutter unter dem Kastanienbaum entlangging. Auf dem Rücken trug das kleine Mädchen dann immer einen viel zu großen und schwer aussehenden Schulranzen. Diese eine besondere Kastanie freute sich jeden Morgen auf diesen Moment, wenn das kleine Mädchen unter dem Kastanienbaum herging. Denn auf ihrem Rücken, also auf ihrem Schulranzen war ein riesengroßes Herz. Und die kleine Kastanie hatte für sich entschieden, dass ein Herz die schönste Form auf der ganzen Welt ist. Und sie hatte noch etwas entschieden: Sie wollte, wenn sie eines Tages reif sein und wie alle anderen Kastanien vom Baum runterfallen wird, die Form eines Herzens haben. Sie hatte schon die ersten Kastanien runter auf den Bürgersteig fallen gesehen, und wie dann Kinder kamen und sie freudig aufsammelten. Es sah immer schmerzvoll aus, wie die anderen runterfielen und dann ihr stacheliger Schutzmantel auf dem harten Stein zerbrach. Aber darüber machte sich die besondere kleine Kastanie keine Sorgen. Ihr stacheliger Schutzmantel war dick und sicher, dachte sie sich. Was ihr aber Kopfzerbrechen bereitete, waren die Formen der anderen Kastanien: Sie waren alle nicht wirklich rund, auf der einen Seite eher flach und auf der anderen Seite gewölbt. Sie sahen alle aus, wie kaputte Bälle mit nur noch ganz wenig Luft drinnen – irgendwie platt.
Die besondere Kastanie hatte nun also entschieden, dass sie auf keinen Fall runterfallen werde, bevor sie nicht die Form eines Herzens haben werde. Zwar haben Kastanien keinen Kopf und keine Schultern, sie aber stellte sich vor, dass sie ihre Schultern die ganze Zeit nach oben ziehen und ihren Kopf ganz tief herunterdrücken würde. Sodass ihr oberer Teil diese schönen Wölbungen eines Herzens bekommen würde. Zwar haben Kastanien auch keine Beine und Füße, aber sie stellte sich auch vor, dass sie eben solche doch hätte und sie ganz langstrecken und aneinanderdrücken würde. Sodass ihr unterer Teil die Spitze des Herzens würde. Die besondere Kastanie war fest davon überzeugt, dass sie es schaffen wird, die Form eines Herzens zu haben.
Der Herbst schritt voran und bald würde es Winter sein. Die Blätter an dem Kastanienbaum wurden langsam golden. Kalte Winde rauschten zwischen den Ästen und immer öfter stürmte es. Mit dem stacheligen Schutzmantel klammerte sich die kleine besondere Kastanie aber mit all ihrer Kraft an den kleinen Ast, an dem sie hing – und jeden Morgen sah sie das kleine Mädchen mit dem großen Herz unter dem Kastanienbaum entlanggehen.
Eines Morgens – es war sehr kalt, aber die Sonne schien – ging wie fast jeden Tag wieder das kleine Mädchen mit dem großen Herz auf dem Rücken unter dem Kastanienbaum entlang. Die besondere Kastanie versuchte durch das kleine Loch in ihrem Schutzmantel sie möglichst gut sehen zu können – da passierte es. Sie passte einen Augenblick nicht auf und hielt sich nicht richtig fest. Nun passierte es: Sie fiel runter und hatte furchtbare Angst. Was würde passieren? Zum Glück landete sie mit den spitzen Stacheln nicht auf dem Kopf des kleinen Mädchens, sondern direkt vor ihren Füßen. Ihr Schutzmantel zerbrach. Sie lag nun dort auf dem Bürgersteig. Der Vater des kleinen Mädchens sagte ganz überrascht: „Ui, das war aber knapp!“ – und die besondere Kastanie dachte dasselbe. Das Mädchen lachte, hob die Kastanie hoch und hielt sie ganz nah vor ihre Augen. Sie schaute sich die Kastanie ganz genau an. Und die Kastanie konnte nun in den Augen des Mädchens ihr Spiegelbild sehen. Sie hatte es nicht geschafft. Sie hatte nicht die Form eines Herzens – sie sah einfach aus wie alle anderen Kastanien. Sie war traurig, enttäuscht und ihr war jetzt alles egal.
Das Mädchen steckte sie in ihren Schulranzen. Dort war es dunkel und mit jedem Schritt, den das Mädchen ging, wurde die Kastanie in der Dunkelheit hin und her geschleudert. Da dachte sich die Kastanie: „Und jetzt? Alles war ein Fehler …und was wird jetzt passieren?“ Sie hatte nie darüber nachgedacht, was mit einer Kastanie passiert, nachdem ein Kind sie eingesammelt hatte. Sie hatte Angst – und hörte auf einmal den Lärm vieler Kinder. Da wurde plötzlich der Reißverschluss des Schulranzens geöffnet. Helles Licht drang in die Dunkelheit. Eine Hand suchte nach der Kastanie; es war die Hand des Mädchens. Sie ergriff die Kastanie und zog sie heraus. Um das Mädchen herum standen ganz viele Kinder und allen zeigte sie die kleine, unförmige Kastanie. „Wisst ihr, dass die eben fast auf meinen Kopf gefallen ist? Das wäre eine riesige Beule geworden – vielleicht größer als mein Kopf“, erzählte sie mit strahlenden Augen und dann lachte sie. „Da hatte ich ja doppeltes Glück – nun habe ich keine Beule, aber die schönste Kastanie, die ich je gesehen habe!“
Die Rechte an der Aufnahme und der Geschichte liegen bei Till Magnus Steiner (Kontaktmöglichkeit via E-Mail: [email protected])
Meine Tochter wollte, dass ich ihr eine Geschichte über zwei Schwestern, die sich immer streiten, erzähle. Daher haben wir uns zusammen diese Erzählung ausgedacht, in der Ihr einer sich ärgernden und enttäuschten kleinen Schwester, zwei dauernd streitenden großen Schwestern, einem Zauberhasen und natürlich auch Einhörnern begegnet.
…das Titelbild zu der Geschichte hat meine Tochter gemalt und hier nun auch noch der Text, falls Ihr die Geschichte auch mal selbst vorlesen oder vielleicht mitlesen wollt:
Die Streitschwestern
Immer, wirklich immer stritten die beiden Schwestern Fiona und Farhana, wenn sie zusammen waren - und scheinbar hatten sie auch noch Spaß dabei. Nur ihre kleine Schwester Bella fand das gar nicht lustig. Denn immer, wenn sie mit einer ihrer Schwestern spielen wollte, kam sofort die andere und die Beiden stritten, anstatt mit Bella zu spielen. Meistens schlich sich Bella dann ganz still und heimlich und leise zurück in ihr Zimmer und spielte dort alleine.
Einmal als ihre Eltern zum Einkaufen gefahren waren und vorher Fiona darum gebeten hatten auf Bella aufzupassen, passierte es mal wieder. Fiona wollte gerade anfangen mit Bella ein wunderschönes Bild zu malen; da kam Farhana in das Zimmer hinein und sagte: „Du kannst doch gar nicht malen!“ Fiona antwortete: „Ich kann viel besser malen als du!“ Sie stritten und vergaßen Bella, die neben ihnen saß und ein Einhorn unter einem Regenbogen malte.
Als die Eltern nach Hause kamen, rannte Bella sofort zu ihrem Vater und ihrer Mutter und fragte sie: „Warum streiten sich meine Schwestern immer? Immer streiten sie sich, aber nie spielen sie mit mir!“ Da sagte der Vater zu ihr: „Ja, das ist blöd! Ich hoffe, dass Du nie so mit deinen Schwestern streiten wirst!“ Diese Antwort half Bella aber nicht weiter und sie ging zurück in ihr Zimmer und wunderte sich, was sie nur machen könnte. Auf einmal hörte sie etwas in der Wand ihres Kinderzimmers. Hinter dem Sessel raschelte etwas. Dort hinten in der Wand hörte es sich an, als würde Herbstlaub rascheln. Nein, es hörte sich an, als wäre ein Wind in der Wand. Was war das? Bella folgte dem Geräusch entlang der Wand. Zuerst war es hinter dem Sessel, dann hinter ihrer Spielküche, dann auf einmal hinter dem Aquarium – und dann, als es hinter dem Kleiderschrank war, verstimmte das Geräusch.
Bella riss den Kleiderschrank auf, nahm all ihre Kleider raus und hörte das Geräusch wieder. Plötzlich war dort mitten im Schrank eine unglaublich kleine Tür. Noch nie hatte sie diese gesehen. Sie war kleiner als ihre Hand. Die Tür ging langsam und quietschend auf. Etwas Flauschiges versuchte sich durch die Tür hindurchzudrücken – doch dieses Etwas war viel zu groß dafür. Bella hörte, wie der Rahmen der Tür langsam zu brechen begann. Der ganze Kleiderschrank fing an zu wackeln und dann machte es ganz leise: Plumps. Vor ihr stand nun ein Hase, der mindestes dreimal so groß wie diese kleine Tür war. Er stellte sich auf seine Hinterpfoten und putzte sich seine langen Ohren. „Hallo?“ sagte Bella mehr fragend als wirklich den Hasen zu begrüßen. Mit offenem Mund stand sie da und sagte dann erstmal nichts mehr. Dann begann der Hase zu sprechen: „Hallo, ich bin der Hausgeist. Wir kennen uns, glaube ich, noch nicht. Sehr angenehm Dich kennenzulernen!“ Er leckte sich kurz noch seine Vorderpfoten und fügte dann noch hinzu: „Wenn Du einen Wunsch hast, kann ich ihn dir erfüllen!“ Bella rannte sofort schreiend zu ihren Eltern ins Wohnzimmer: „Mama, Papa, Mama, Papa …da ist eine Tür. Da steht ein Hase. Der redet.“ Die Eltern reagierten ganz ruhig, als wäre das alles das Normalste auf der Welt: „Ja, ja, das ist der Hausgeist – der ist sehr nett“, sagte die Mutter und der Vater nickte nur. Mehr sagte sie nicht. Bella blieb für einen kurzen Moment fassungslos dort im Wohnzimmer vor ihren Eltern stehen. „Hast Du ihn noch nie getroffen?“, fragte ihre Mutter sie. Bella schüttelte mit dem Kopf und ging langsam, etwas verwundert und nachdenkend zurück in ihr Zimmer. Dort stand immer noch dieser Hase und leckte sich wieder die Vorderpfoten. Er sah sie an und fragte sie: „Hast Du einen Wunsch, den ich Dir erfüllen kann?“
Bella wusste sofort, was sie sich wünschen wird: „Ich will, dass meine Schwestern nicht mehr die ganze Zeit mit Dir streiten, sondern mit mir spielen!“ Der Hase schüttelte den Kopf. „Ich kann Dir keinen Wunsch erfüllen, den du dir selbst erfüllen kannst.“ Er drehte sich um, nahm Anlauf und sprang durch die kleine Tür zurück in die Wand. Die Tür verschloss sich selbst und verschwand. Und das Geräusch in der Wand hörte Bella nun auch nicht mehr.
Bella rannte weinend zu ihrer Mutter: „Der blöde Hase hat mir meinen Wunsch nicht erfüllt! Ich solle ich ihn mir selbst erfüllen – aber das kann ich nicht!“ Was ihre Mutter ihr dann anwortete, hörte Bella gar nicht mehr, denn sie weinte so laut, dass sie nichts und niemanden mehr hören konnte. Ihr Vater nahm sie in den Arm, bis sich Bella wieder beruhigt hatte und dann ging sie, ohne ein Wort zu sagen, zurück in ihr Zimmer.
Die Rechte an der Aufnahme und der Geschichte liegen bei Till Magnus Steiner (Kontaktmöglichkeit via E-Mail: [email protected])
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