Gesundheitspolitische Gespräche

Gesundheitspolitische Gespräche

By Dr. Olaf GausScienceLife Sciences
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Gesundheitspolitische Gespräche episodes

  • 40 | Prof. Dr. med. Joachim Labenz

    In Folge 40 spricht Dr. Olaf Gaus mit Prof. Dr. med. Joachim Labenz, Chefarzt Medizinische Klinik I für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie im Klinikum Siegen, über sektorenübergreifende Versorgung und notwendige Modernisierungen im Kontext von personellen und finanziellen Engpässen im Gesundheitssystem.

    Gemeinsam mit Dr. Olaf Gaus diskutiert Prof. Dr. med. Joachim Labenz, Chefarzt Medizinische Klinik I für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie im Klinikum Siegen, über die sektorenübergreifende Patientenversorgung im Hinblick auf Überlastung und Unterfinanzierung des deutschen Gesundheitssystems. Im Mittelpunkt stehen veränderte Anforderungen an das Gesundheitssystem, die Reformen notwendig machen. Dazu zählen mangelnde Regulierungen der Gesundheitsversorgung, bürokratische und wirtschaftliche Hürden sowie erforderliche Digitalisierungsmaßnahmen für eine sektorenübergreifende Versorgung.

    Das Gesundheitssystem passt für Prof. Labenz nicht mehr zu den heutigen Anforderungen. Er sieht einen deutlich gestiegenen Anspruch auf medizinische Versorgung und kritisiert den unregulierten Zugang: „Mit deiner Eintrittskarte in die Krankenkasse kannst du das Gesundheitssystem so oft und wo du möchtest in Anspruch nehmen“. Zudem bemängelt er das sektorale Gesundheitssystem. „Sektoren, wie wir sie haben, sind nicht mehr zeitgemäß und nicht miteinander kompatibel“, betont Prof. Labenz und führt beispielhaft unterschiedliche Abrechnungssysteme im ambulanten und stationären Sektor an. Dadurch ist es nach Ansicht des Chefarztes auch schwierig, inhaltlich Kompatibilität zu gewährleisten.

    Der Experte sieht großen Reformbedarf. „Wir sind das mit Abstand teuerste Gesundheitssystem in Europa“, betont Prof. Labenz und führt Bürokratiekosten von etwa 25 Prozent an, die nicht den Patient*innen zugutekommen. Der Experte gibt am Beispiel internistischer Fachabteilungen an, dass „drei Stunden pro Tag jeder Arzt, drei Stunden pro Tag jede Schwester“ allein mit der Dokumentation beschäftigt seien. Hinzu kämen Fehlanreize durch unternehmerische Strukturen. Hier bestehe Optimierungspotential. Weiter müsse die Digitalisierung in der Gesundheitsversorgung dringend vorangetrieben werden, um den Informationsaustausch und die Vernetzung der Sektoren zu fördern. Prof. Labenz fordert daher umfassende Strukturreformen zugunsten eines modernen, sektorenübergreifenden Gesundheitssystems.

    Außerdem sprechen Dr. Olaf Gaus und Prof. Labenz über das Triage-System in den Notaufnahmen, die Versorgung in ländlichen Regionen und damit verbundene Herausforderungen für Ärztinnen und Ärzte sowie über wichtige Schritte, die laut Prof. Labenz als erstes angegangen werden müssten.

     

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    34 min
  • 39 | Tristan Vitt

    In Folge 39 spricht Dr. Olaf Gaus mit Tristan Vitt, Bürgermeister der Stadt Siegen, über Handlungsmöglichkeiten der Stadt Siegen und des Bürgermeisters im Hinblick auf die regionale Gesundheitsversorgung sowie über Standortfaktoren der Stadt Siegen.

    Gemeinsam mit Dr. Olaf Gaus diskutiert Tristan Vitt, Bürgermeister der Stadt Siegen, über die Herausforderungen in der regionalen Gesundheitsversorgung und den wachsenden Versorgungsbedarf aus kommunaler Perspektive. Gesundheitspolitische Zuständigkeiten sind formal auf Kreis-, Landes- und Bundesebene angesiedelt. „Die Handlungsmöglichkeiten sind aktuell nicht immer so groß, wie wir uns das wünschen, aber ich habe eine starke Grundüberzeugung als Politiker und deswegen bin ich angetreten: Wir kriegen das schon hin“, so Tristan Vitt.

    Seine Handlungsoptionen sieht der Bürgermeister insbesondere im Bereich von Standortfaktoren, die nicht nur die Stadt Siegen, sondern auch die Region Südwestfalen sowie den Kreis Siegen-Wittgenstein betreffen. Ein attraktiver Standort kommt der Fachkräftebindung zugute. So ist es im Hinblick auf die Gesundheitsversorgung entscheidend, medizinische und pflegerische Fachkräfte langfristig an die Region zu binden. Tristan Vitt attestiert jungen Mediziner*innen gute Entwicklungsmöglichkeiten in Siegen. Dabei berücksichtigt er auch die wirtschaftliche Perspektive für Familienangehörige. „Wir bieten ein gutes Gesamtpaket mit den niedrigsten Mieten in ganz Nordrhein-Westfalen bei einer attraktiven Gesamtsituation der Region – sowohl städtisch als auch landschaftlich. Das einzige Defizit, was Siegen hat, ist, das alles nach außen zu verkaufen. Und da sehe ich meine Aufgabe in der kommenden Zeit, die Vorteile und die Attraktivität Siegens deutlich stärker in den Fokus zu stellen“, betont der Bürgermeister und ergänzt an die Universität Siegen gerichtet: „Ehrlicherweise würde es auch helfen, wenn man hier die Gesundheitsberufe etwas stärker in den Fokus stellt“.

    Darüber hinaus sprechen Dr. Olaf Gaus und Tristan Vitt über die Siegener Kliniken im Kontext der Krankenhausreform, Handlungsoptionen im Bereich psychischer und psychosomatischer Erkrankungen und weitere gesundheitspolitische Themen.

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    32 min
  • 38 | Dr. med. Thomas Bandorski

    In Folge 38 spricht Dr. Olaf Gaus mit Dr. med. Thomas Bandorski, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin sowie Mitglied des Vorstandes Praxisnetz Paderborn, über Nutzen und Umsetzbarkeit einer digitalen Praxis am Beispiel von Etteln, nachhaltige Gesundheitsprävention sowie die Zukunft der Gesundheitsversorgung.

    „Eine digitale Praxis ist etwas, wo man mit digitalen Tools als Hilfsmittel eine Patientenjourney abbilden kann“, definiert Dr. Bandorski zu Beginn. Er betont, dass Digitalisierung dabei kein Selbstzweck ist, sondern als Hilfsmittel in die intersektoralen Prozesse eingegliedert sein muss. Besonderen Wert legt er auf den erkennbaren Nutzen für die Patient*innen. Dr. Bandorski betreibt eine digitale Praxis in Etteln, einem kleinen Dorf in der Nähe von Paderborn. Nachdem die Arztpraxis fünf Jahre lang unbesetzt blieb, eröffnete er im September 2025 dort die digitale DIHVA-Praxis Borchen-Etteln. Hier arbeitet eine speziell geschulte Mitarbeiterin, die mit den Patient*innen KI-gestützt einen Anamnesebogen erstellt und die Diagnostik durchführt. Die gewonnenen Informationen werden Dr. Bandorski, niedergelassener Hausarzt in der Praxis Dr. Bandorski + Schäfer, zugestellt. Auf dieser Basis entscheidet er über das weitere Vorgehen. „Ich verlasse mich auf meine Mitarbeiter vor Ort. Das mache ich in der Praxis auch. Ich benutze eine KI. Auch da muss man sich erst mal drauf einlassen. Aber die Rückmeldung der Patienten ist extrem gut“, so der Experte.

    In diesem Zusammenhang schreibt Dr. Bandorski auch der Delegation an entsprechend qualifizierte Berufsgruppen, beispielsweise Physician Assistant (PA), Entlastende Versorgungsassistenz (EVA) und Nichtärztliche-Praxisassistenz (NäPa), eine besondere Bedeutung zu. „Wir werden die Versorgung allein mit Ärzten nicht sichern können“, so der Facharzt und ergänzt: „Wir müssen Versorgung anders denken“. Die Rolle der Ärztin und des Arztes wird sich seiner Einschätzung nach weiter verändern, indem die Arbeit an den Patient*innen abnimmt und Delegation zunimmt.

    Wie Dr. Bandorski zum eRezept und zur elektronischen Patientenakte (ePA) steht, wie sich das Modell der digitalen Praxis am Beispiel von Etteln auf die Patient*innen auswirkt und wie wichtig nachhaltige, generationenübergreifende Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitsprävention sind, wird in dieser Folge ebenfalls diskutiert.

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    32 min
  • 37 | Dr. med. Andreas Gassen

    In Folge 37 spricht Dr. Olaf Gaus mit Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), über die Finanzierungslage der ambulanten Gesundheitsversorgung, die gesetzlichen Krankenkassen und Maßnahmen für eine nachhaltige, stabile Versorgung. Dr. med. Andreas Gassen verantwortet als Vorstandsvorsitzender der KBV den fachärztlichen Bereich und ist tätig als niedergelassener Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rheumatologie in Düsseldorf.

    Die ambulante Versorgung deckt laut Dr. Gassen 97 Prozent der Gesundheitsversorgung in Deutschland ab. Dabei bildet sie lediglich 16 Prozent der jährlichen Ausgaben für Gesundheitsleistungen ab und ist vergleichsweise schlecht finanziert. Gemeinsam mit Dr. Olaf Gaus diskutiert der Vorstandsvorsitzende der KBV Maßnahmen zur nachhaltigen Stärkung der ambulanten Versorgung sowie Einsparpotentiale.

    „Was die Menschen brauchen, ist eine gewisse Verlässlichkeit, eine belastbare Versorgungssituation“, so Dr. Gassen. Die hausärztliche Praxis ist als Einzelpraxis ein Modell, das weiterhin Zukunft hat. Um neue Niederlassungen insbesondere in ländlichen Gebieten zu fördern, spricht sich der Experte gegen regulatorische Zwänge aus und plädiert für Maßnahmen, die zur Steigerung der Standortattraktivität in den betreffenden Regionen führen. Weiter decken gesetzliche Krankenversicherungen versicherungsfremde Leistungen ab, die laut Dr. Gassen in den Sozialhaushalt gehören. „Der Leistungsumfang ist international unerreicht. Das ist nicht auf Dauer gewährleistet“, erklärt Dr. Gassen. Hier könnten Verantwortlichkeiten geklärt und die Beitragszahler entlastet werden. „Ich bin vehement dafür, dass man mal eine ehrliche Diskussion über die Sozialsysteme und ihre Finanzierbarkeit führt“, so der Vorstandsvorsitzende.

    Potentiale sieht Dr. Gassen in der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Im europäischen Vergleich hängt Deutschland aktuell stark hinterher: Die elektronische Patientenakte (ePA) ist krankenkassenindividuell, wodurch die Akzeptanz in der Bevölkerung gering bleibt. Weniger als vier Prozent der Versicherten nutzen die ePA und auch die Praxisverwaltungssysteme sind nicht optimal auf die ePA eingestellt. Ebenso weisen das eRezept und die Gematik-Server Schwächen auf. Dr. Gassen spricht sich aus für einen Neustart der Digitalisierungsmaßnahmen: Eine bundeseigene, sichere und moderne interoperable Infrastruktur, die den Datenaustausch zwischen allen beteiligten Akteuren wie Praxen, Krankenhäuser, Pflege und Apotheken sicherstellt. Darüber hinaus diskutieren Dr. Olaf Gaus und Dr. med. Andreas Gassen über die Reform der Notfallversorgung sowie die Krankenhausreform und über die Ausweitung von Delegation nicht-ärztlicher Kompetenzen auf andere Professionen und den Fachkräftemangel.

    Der Beitrag 37 | Dr. med. Andreas Gassen erschien zuerst auf DMGD.

    35 min
  • 36 | Jens Kamieth

    In Folge 36 spricht Dr. Olaf Gaus mit Jens Kamieth, CDU Landtagsabgeordneter für Burbach/Freudenberg/Neunkirchen/Siegen im Landtag NRW, über finanzielle Herausforderungen sowie Potentiale für die nachhaltige Stabilisierung des Gesundheitssystems.

    „Das System steht massiv unter Druck, und zwar aus unterschiedlichen Richtungen“, erklärt Jens Kamieth MdL und bezieht sich auf den demografischen Wandel sowie die aktuelle wirtschaftliche Lage. Unter diesen Gesichtspunkten stellt sich dem Landtagsabgeordneten die Frage, wie eine qualitativ hochwertige Versorgung insbesondere im ländlichen Raum auch zukünftig sichergestellt werden kann. Jens Kamieth und Dr. Olaf Gaus sprechen über die Stärkung des Gesundheitsbewusstseins in der Bevölkerung, das wiederum einen gesünderen Lebensstil fördere und so zu mehr Lebensqualität verhelfe. So spricht sich Jens Kamieth als Jugendpolitiker dafür aus, dies schon in der Grundschule mitzudenken und durch Lehrpläne ein Bewusstsein für Gesundheitsthemen zu schaffen. Das sei in den Curricula bereits enthalten, müsse aber noch stärker im Unterricht etabliert werden.

    Neben dem Bildungsaspekt sieht der Abgeordnete auch in Anreizsystemen hohes Potential zur Verbesserung des Gesundheitsverhaltens. Dazu gehören Beitragserstattungen durch Krankenkassen bei Teilnahme an Gesundheitsprogrammen. Solche Angebote müssten nach Einschätzungen des Politikers noch bekannter und weiter ausgebaut werden. Weitere Potentiale zur Stabilisierung des Gesundheitssystems stellen für Jens Kamieth eine effizientere Übermittlung von Patientendaten und die Auflösung von Doppeluntersuchungen dar. Schon auf dem Weg von der Notaufnahme in die eigentliche Fachabteilung entstünden Datenbrüche. „Wir müssen intensiv darüber nachdenken, dass wir versuchen den Ärzten wirklich nur die Arbeit zu lassen, die nur sie machen können und vorgelagerte und nachgelagerte Arbeiten bei Untersuchung, Anamnese oder Medikation in die Ebene der ärztlichen Mitarbeiter zu geben“, ergänzt Kamieth. Auch sei über Bürokratieabbau im Bereich der Gesundheitsversorgung nachzudenken.

    Weiter diskutieren Jens Kamieth MdL und Dr. Olaf Gaus das Thema Datenschutz und die Diskrepanzen, die sich hier nach Ansicht des Abgeordneten ergeben, sowie über nächste notwendige Schritte aus politischer Sicht, um die Probleme im Gesundheitssystem nachhaltig anzugehen.

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    32 min
  • 35 | Nils B. Krog

    In Folge 35 spricht Dr. Olaf Gaus mit Nils Benjamin Krog, Vorstandsvorsitzender der ATEGRIS GmbH und Geschäftsführer des Ev. Krankenhauses Mülheim a. d. Ruhr, über Potenziale zur Entlastung der medizinischen und pflegerischen Versorgung sowie spezifische Herausforderungen in ländlichen und Metropolregionen.

    „Natürlich ist die Gesundheitsversorgung bei uns nicht nur systemrelevant, sondern auch gesellschaftlich enorm relevant“, so Nils B. Krog und erklärt: „Die Lebensqualität ist bei uns sehr eng mit der medizinischen und pflegerischen Versorgung verbunden“. Ressourcenmangel besteht sowohl in ländlichen als auch in städtischen Gebieten. In der Stadt gibt es eine hohe Dichte an Krankenhäusern mit entsprechend vielen Spezialisten. Die Wartezeiten für die Bevölkerung sind aber nicht anders als auf dem Land. Um dem Ressourcenmangel zu begegnen, brauche es eine Zuwanderung von Fachkräften. Es sei hilfreich, wenn diese schon eine Form von Arbeitszulassung erhielten, bis der Prozess der endgültigen Anerkennung der Berufsqualifikation abgeschlossen ist.

    Um das System weiter zu entlasten, müsse der Abbau der Bürokratisierung massiv angegangen werden, beispielsweise bei der Delegation von Aufgaben. „Wer – in einem medizinisch-pflegerischen Gesamtkontext – darf etwas? Es ist häufig so, dass die erfahrene Krankenschwester oder die erfahrene Arzthelferin viele Sachen perfekt beherrscht“, findet der Vorstandsvorsitzende. Das müsse dem System zugutekommen, indem Kompetenzen durch größeren Handlungsspielraum stärker berücksichtigt werden. Auch im Bereich des Datenschutzes und der Dateneinsicht sieht Nils B. Krog Potenzial. Für die elektronische Patientenakte gibt es zum Beispiel mehrere Anbieter und eine entsprechend heterogene Umsetzungsstruktur. Ein einheitliches System würde weniger Aufwand bedeuten. „Es gibt ja auch nur einen digitalen Personalausweis“, so der Geschäftsführer des Ev. Krankenhauses.

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    33 min
  • 34 | Dr. Tobias Silberzahn

    In Folge 34 spricht Dr. Olaf Gaus mit Dr. Tobias Silberzahn, Senior Fellow für die BSt Gesundheit gGmbH (Tochterorganisation der Bertelsmann Stiftung), über Möglichkeiten zur Prävention und Prädiktion in der gesundheitlichen Versorgung sowie über die Relevanz von Gesundheitskompetenz im Hinblick auf Self Care Maßnahmen.

    „Für mich ist Gesundheit kein Kostenfaktor, sondern ein Investitionsfeld“, betont Dr. Tobias Silberzahn. Aktuell haben wir ein System, in dem wir hauptsächlich für Krankheit zahlen. Die Krankheitskosten belaufen sich auf mehrere 100 Milliarden Euro pro Jahr. Für die Prävention oder digitale Gesundheit sei jedoch kein Geld da. „Wenn man als Land in Gesundheit und in Gesellschaft investiert, dann erreicht man positive Effekte auf die Gesundheit und auf Bruttosozialprodukte et cetera. Man hat mehr gesunde Lebensjahre – etwas, das viele Leute gerne hätten“, so Dr. Silberzahn. Digitale Technologien haben das Potential, menschliches Verhalten positiv zu beeinflussen.

    Dr. Silberzahn und Dr. Gaus sprechen weiter über die Relevanz von Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung. „Gesundheitskompetenz ist meiner Meinung nach in vier Bereichen wichtig: Schlaf, Ernährung, Fitness und Stressmanagement bzw. mentales Wohlbefinden. Das kann gar nicht früh genug beginnen“, erläutert Dr. Silberzahn und führt beispielhaft das Programm Klasse2000 an. Hier werden Grundschulklassen vier Jahre lang von Gesundheitsförderern begleitet. Die positiven Effekte sind auch Jahre nach dem Programm noch nachweisbar. Dr. Silberzahn betreut derzeit selbst eine erste Klasse in Berlin.

    Weiter gehen die Gesprächspartner ein auf Self Care Prozesse und Anreize, diese zu fördern. Sie sprechen über die Notwendigkeit eines digital unterstützten Gesundheitssystems, das in der Lage ist, die beiden Säulen ‚digital unterstützte Prävention‘ und ‚digital unterstütztes Disease Management‘ zu tragen. Das Digital Health Village in Finnland zeigt bereits, wie digitale Patientenpfade umgesetzt werden können – eine Initiative, die sich Dr. Silberzahn auch für Deutschland wünscht.

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    33 min
  • 33 | Dr. med. Erik Becker

    In Folge 33 spricht Dr. Olaf Gaus mit Dr. med. Erik Becker, Arzt und Mitinhaber (Partner) der allgemeinmedizinisch-internistischen Gemeinschaftspraxis mit diabetologischem Schwerpunkt in Gebhardshain im Westerwald, über die Versorgungslage im nördlichen Rheinland-Pfalz und die sich verändernden Strukturen in Arztpraxen.

    „Festhalten an alten Strukturen, die es immer schon gab – ich glaube, das ist nicht mehr zeitgemäß. Wir werden alle digitaler, das Leben wird schneller, der Informationsfluss nimmt zu. Dem müssen wir uns stellen“, so Dr. Becker. Die Delegation von Praxisaufgaben sei das, was wirklich entlaste, allen voran die medizinischen Fachanstellten mit Weiterbildung zur VERAH (Versorgungsassistenz in der Hausarztpraxis). „Die Einzelpraxis ist ein Konstrukt der Vergangenheit, das ist nicht die Zukunft. Die Zukunft ist, dass man miteinander arbeitet. Ich wäre nie in eine Einzelpraxis gegangen“, betont der Arzt. Die Möglichkeit des Quereinstiegs für Fachärzt*innen in den Beruf der Allgemeinmedizin sorgt dafür, dass verschiedene medizinische Spezialgebiete in einer Gemeinschaftspraxis zusammenlaufen. Davon profitieren sowohl die Ärzt*innen als auch die Patient*innen.

    Im Hinblick auf den demografischen Wandel und die Zunahme von Co- und Multimorbidität ergänzt Dr. Becker: „Wenn ich das System weiterführe wie jetzt, dann gibt es nur eine Lösung: Dann brauche ich mehr Ärzte. Die kriege ich aber nicht, zumindest nicht schnell. Das heißt, ich muss gucken, dass ich die Arbeit, die da ist und die mehr werden wird, effizienter abarbeiten kann“. Neben Weiterbildungsmöglichkeiten und einer breiteren Aufstellung des Praxisteams sieht der Arzt gerade bei Pflegediensten, die regelmäßig bei Patient*innen vor Ort sind, Potenzial zur Entlastung. Aktuell sei der Pflegesektor, der viele medizinische Daten erhebt, nicht gut mit den niedergelassenen Ärzt*innen verknüpft. Darüber hinaus sprechen Dr. Olaf Gaus und Dr. Erik Becker über den ‚Masterplan‘, den die Landesregierung Rheinland-Pfalz und Akteure des Gesundheitswesens zur flächendeckenden ambulanten ärztlichen Versorgung aufgelegt haben, über die Krankenhausreform sowie die Relevanz der beiden Krankenhäuser in Kirchen und Hachenburg.

    Der Beitrag 33 | Dr. med. Erik Becker erschien zuerst auf DMGD.

    33 min
  • 33 | Dr. med. Erik Becker

    In Folge 33 spricht Dr. Olaf Gaus mit Dr. med. Erik Becker, Arzt und Mitinhaber (Partner) der allgemeinmedizinisch-internistischen Gemeinschaftspraxis mit diabetologischem Schwerpunkt in Gebhardshain im Westerwald, über die Versorgungslage im nördlichen Rheinland-Pfalz und die sich verändernden Strukturen in Arztpraxen.

    „Festhalten an alten Strukturen, die es immer schon gab – ich glaube, das ist nicht mehr zeitgemäß. Wir werden alle digitaler, das Leben wird schneller, der Informationsfluss nimmt zu. Dem müssen wir uns stellen“, so Dr. Becker. Die Delegation von Praxisaufgaben sei das, was wirklich entlaste, allen voran die medizinischen Fachanstellten mit Weiterbildung zur VERAH (Versorgungsassistenz in der Hausarztpraxis). „Die Einzelpraxis ist ein Konstrukt der Vergangenheit, das ist nicht die Zukunft. Die Zukunft ist, dass man miteinander arbeitet. Ich wäre nie in eine Einzelpraxis gegangen“, betont der Arzt. Die Möglichkeit des Quereinstiegs für Fachärzt*innen in den Beruf der Allgemeinmedizin sorgt dafür, dass verschiedene medizinische Spezialgebiete in einer Gemeinschaftspraxis zusammenlaufen. Davon profitieren sowohl die Ärzt*innen als auch die Patient*innen.

    Im Hinblick auf den demografischen Wandel und die Zunahme von Co- und Multimorbidität ergänzt Dr. Becker: „Wenn ich das System weiterführe wie jetzt, dann gibt es nur eine Lösung: Dann brauche ich mehr Ärzte. Die kriege ich aber nicht, zumindest nicht schnell. Das heißt, ich muss gucken, dass ich die Arbeit, die da ist und die mehr werden wird, effizienter abarbeiten kann“. Neben Weiterbildungsmöglichkeiten und einer breiteren Aufstellung des Praxisteams sieht der Arzt gerade bei Pflegediensten, die regelmäßig bei Patient*innen vor Ort sind, Potenzial zur Entlastung. Aktuell sei der Pflegesektor, der viele medizinische Daten erhebt, nicht gut mit den niedergelassenen Ärzt*innen verknüpft. Darüber hinaus sprechen Dr. Olaf Gaus und Dr. Erik Becker über den ‚Masterplan‘, den die Landesregierung Rheinland-Pfalz und Akteure des Gesundheitswesens zur flächendeckenden ambulanten ärztlichen Versorgung aufgelegt haben, über die Krankenhausreform sowie die Relevanz der beiden Krankenhäuser in Kirchen und Hachenburg.

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    33 min
  • 32 | Prof. Wolfgang Holzgreve [Spezial]

    In Folge 32 – einem einstündigen Spezial – spricht Dr. Olaf Gaus mit Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Holzgreve MBA, Leiter des Healthcare Management Programms der Universität St. Gallen und ehemaliger Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am Universitätsklinikum Bonn (UKB), über Klinik-Routinen und die fortschreitende Transformation des Gesundheitswesens durch digitale Lösungen. Thema des Gesprächs sind außerdem die Krankenhausreform und die Ambulantisierung, auch im Hinblick auf betriebswirtschaftliche Herausforderungen.

    „Es geht am Ende immer um Patienten“, so Prof. Wolfgang Holzgreve. Die Corona-Pandemie habe gezeigt, wie wichtig belastbare Strukturen sind und gleichzeitig verdeutlicht, wo es Veränderungsbedarf gibt. Er sieht optimale Qualität in der Gesundheitsversorgung unter anderem gewährleistet durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Kliniken und der Forschung, insbesondere im Bereich der Informatik, sowie der Industrie. Zudem betrachtet er klar definierte Klinikabläufe als entscheidendes Kriterium im Hinblick auf die Zufriedenheit von Patient*innen und den ökonomischen Erfolg von Kliniken.

    „Da gibt es kein besseres Instrument als die Digitalisierung“, betont Prof. Holzgreve und führt beispielhaft das Projekt ‚Innovative Secure Medical Campus‘ des Universitätsklinikums Bonn an. Dieses widmet sich der Verbesserung von Abläufen entlang der gesamten ‚Patient Journey‘ – von der Anmeldung bis zur Entlassung der Patient*innen, inklusive des herausfordernden Übergangs in die Nachbetreuung. In den Bereichen, in denen die elektronische Datenführung in Kliniken bereits Routine sei, könne sich das keiner mehr wegdenken, glaubt Prof. Holzgreve: „Aber wir müssen eben den Druck aufrechterhalten, dass diese Systeme auch immer anwendungsfreundlicher werden.“

    Darüber hinaus diskutiert Dr. Olaf Gaus mit Prof. Wolfgang Holzgreve die Chancen und Herausforderungen der Krankenhausreform und die Ambulantisierung der gesundheitlichen Versorgungsleistungen sowie die dadurch notwendige Anpassung von Vergütungsstrukturen. Außerdem unterhalten sich die Gesprächspartner über die Innovationskultur im Kontext der Gesundheitsversorgung und die Rolle der Patient*innen, die nicht zuletzt auch als Kund*innen verstanden werden können. „Je besser und kundenfreundlicher die Abläufe sind, desto mehr kann man die menschliche Betreuung fördern, um die es uns ja geht“, sagt Prof. Holzgreve abschließend.

     

    Der Beitrag 32 | Prof. Wolfgang Holzgreve [Spezial] erschien zuerst auf DMGD.

    1 hr 1 min

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Im DMGD-Talk „Gesundheitspolitische Gespräche“ diskutieren Expertinnen und Experten über Chancen, Herausforderungen und Trends im Bereich Digitale Gesundheit.