Die Kerbe in der Girocard hat eine wichtige Funktion. (Bildquelle: IMAGO / Bihlmayerfotografie / Bearbeitung: GIGA)
Viele Banken und Sparkassen geben mittlerweile Geldkarten mit einer kleinen Kerbe an der Seite heraus. Diese erfüllt eine wichtige Funktion.
Die Funktion der Kerbe
Egal ob rund, dreieckig oder viereckig – die Kerbe in der Geldkarte ist mehr als ein Designelement. Anhand der Aussparung erkennen blinde Menschen und Menschen mit Sehbehinderung die Art der Zahlungskarte.
Das Konzept wurde von Mastercard entwickelt. Inzwischen ziehen zahlreiche Banken und Sparkassen nach und geben die neue „Touch Card“, eine Geldkarte mit Kerbe, aus. Sie erleichtert Menschen mit Seh- und motorischen Beeinträchtigungen die Handhabung und ist ein längst überfälliger Schritt hin zur barriefreien Nutzung.
Barriefreiheit beginnt im Portmonnnaie
Einige Banken und Sparkassen geben sogenannte „Braille-Karten“ aus, um Menschen mit Sehbehinderung oder blinden Menschen die eigenständige Nutzung ihrer Bankkarten zu erleichtern. Mithilfe erhabener Punkte (Braille-Zeichen) lassen sich darauf der Herausgeber und die Art der Karte ertasten.
Bei der Targobank stehen beispielsweise die Buchstaben „T“ und „C“ für Targobank und Kreditkarte. Zusätzlich prägten die Herausgeber Kundendaten wie Name und Kontonummer auf die Plastikkarte, um die Handhabung zu erleichtern. Ein einheitliches System existierte bisher jedoch nicht.
Ihr liebäugelt mit einer Kreditkarte? Im Video erfahrt ihr, was ihr beim Abschluss des Kreditkartenvertrags beachten solltet:
» Video ansehen: Kreditkarten: Das solltet ihr vor dem Abschluss wissen
Die taktile Kerbe verbessert das Handling
Die taktile Kerbe an der kurzen Seite der Geldkarte ist eine weitere wichtige Maßnahme, um Bank- und Sparkassenprodukte inklusiver zu gestalten. Bereits durch eine Berührung können blinde Menschen und Menschen mit Sehbehinderung sofort erkennen, um welche Art von Zahlungskarte es sich handelt:
Girocards (Debitkarten für den Zugriff aufs Girokonto) weisen eine runde Kerbe auf.
Kreditkarten haben eine breite viereckige Kerbe.
Prepaid-Karten erkennen Nutzer an der dreieckigen Kerbe.
Die fühlbare Lösung erleichtert nicht nur den Griff zur richtigen Karte, sondern hilft Menschen mit Sehbeeinträchtigungen und blinden Menschen auch, die Karte richtig auszurichten. So wird das Einstecken in Geldautomaten oder Terminals deutlich einfacher.
Die taktile Kerbe der Geldkarte (auch „Notch“ genannt) befindet sich bei allen Karten auf der rechten Seite. Beim Einstecken in Automaten oder Terminals halten Nutzer die Karte an der Seite mit der Kerbe fest.
Spüren Karteninhaber die Kerbe links unten, sind Steckrichtung und Rotation korrekt: Der Chip zeigt nach vorn und oben. Nur so kann die Karte beim Einstecken erfolgreich ausgelesen werden.
Die kleine Kerbe in der Geldkarte macht den Unterschied
Ziel von Mastercard war es, mit der „Touch Card“ einen einheitlichen und international anerkannten Standard zu schaffen, der es Menschen mit Sehbeeinträchtigungen und blinden Menschen ermöglicht, Art und Steckrichtung der Karte anhand einer Kerbe zu erkennen.
Um die Funktionalität des Systems zu verifizieren, arbeitete Mastercard mit der britischen Wohltätigkeitsorganisation Royal National Institute of Blind People (RNIB) und mit VISIONS/Services for the Blind and Visually Impaired in New York zusammen.